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Ithaka der Peloponnes und Troja

Heinrich Schliemann: Ithaka der Peloponnes und Troja - Kapitel 4
Quellenangabe
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typereport
authorHeinrich Schliemann
titleIthaka der Peloponnes und Troja
publisherWissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
printrun2., unveränderte Auflage
editorErnst Meyer
year1963
firstpub1869
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090522
projectid27d10210
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Zweites Kapitel – Kephalonia

Ankunft in Argostoli, der Hauptstadt von Kephalonia. – Sehr merkwürdiges Phänomen von zwei Meeresströmungen, welche sich am Ufer in unterirdische Gänge verlieren und zwei Mühlen treiben. – Geschichte von Kephalonia. – Seine Produkte. – Samos, ein elendes, auf den Ruinen der alten Hauptstadt erbautes Dorf. – Die Akropolis.

Den 7. Juli am Abend fuhr ich mit dem Dampfboot der hellenischen Gesellschaft nach Argostoli, auf der Insel Kephalonia, wo ich am folgenden Tage 5½ Uhr Morgens ankam.

Am Eingang des Hafens beobachtet man ein sehr merkwürdiges Phänomen, welches ganz gegen die Ordnung der Natur zu sein scheint: denn, während sich sonst die Flüsse vom Lande ins Meer ergiessen, ergiesst sich hier das Meer an zwei Stellen in das niedrige, ausgehöhlte Ufer in starken Strömungen, welche sich in unterirdische Gänge verlieren. Das Wasser fliesst beständig, und mit solcher Regelmässigkeit und Gewalt, dass man über den Flüssen zwei grosse Kornmühlen erbaut hat, welche Tag und Nacht arbeiten, und deren Ertrag bedeutend ist.

Kephalonia, die grösste der ionischen Inseln, liegt am Eingang des Meerbusens von Korinth, der Küste Akarnaniens gegenüber; im Nordosten wird sie von der Insel Ithaka durch einen Kanal getrennt, dessen durchschnittliche Breite 8½ Kilometer beträgt.

Nach Strabo (X, 2) hat sie 300 Stadien im Umfang, während dieser in der That 206 Kilometer beträgt; ihre grösste Länge beläuft sich auf 53 Kilometer.

Same und Samos heisst sie bei Homer (Od. IV, 671), welcher wahrscheinlich den Namen der Hauptstadt für die ganze Insel gebraucht, denn er nennt die Einwohner Κεφαλλῆνες und Unterthanen des Odysseus (Il. II, 631).

Der Name Κεφαλληνία findet sich zuerst bei Herodot (IX, 28), welcher angiebt, dass 200 Einwohner der kephalonischen Stadt Pale mit den übrigen Griechen in der Schlacht bei Platää gekämpft haben. Wir finden in der Folge die Kephalonier als Verbündete Athens im peloponnesischen Kriege (Thukydides II, 30). Im Jahre 189 v. Chr. wurden sie von den Römern unterjocht. Nach Strabo (X, 2) besass Cajus Antonius, der Onkel des Marcus Antonius, dieselbe als Privateigenthum.

Die Insel ist sehr felsig, hat sehr wenig Quellen und wenig culturfähigen Boden; man pflanzt hauptsächlich Olivenbäume und Weinstöcke, welche ganz kleine, Korinthen genannte Trauben tragen. Der Ertrag der Kornernte reicht nur für den vierten Theil des Verbrauchs aus. Es giebt auf Kephalonia 23 Klöster, welche ungefähr den sechsten Theil aller bebauten Ländereien besitzen.

Ich durchreiste die Insel in einer Miethkutsche, und kam Mittags in Samos an, einem elenden, am Meeresufer erbauten Dorfe, auf der Stelle der alten und berühmten gleichnamigen Stadt, deren zahlreiche Ruinen ihre frühere Grösse und Pracht bezeugen. Vierundzwanzig Freier der Penelope kamen aus dieser Stadt (Od. XVI, 249).

Auf einem Esel reitend, besichtigte ich die Akropolis, welche auf einem 100 Meter hohen Felsen liegt. Vier ungeheure Mauern aus plump behauenen Steinen von 1 Meter 30 Centimeter bis 2 Meter 30 Centimeter Länge, bei 1 Meter bis 1 Meter 30 Centimeter Breite, ziehen sich in gleichen Zwischenräumen von oben nach unten. Das Plateau ist von zwei Mauern ähnlicher Construction umgeben; der Raum zwischen denselben wird von den Ruinen zahlreicher Läden und Magazine eingenommen, und in mehreren derselben sieht man noch den steinernen Ladentisch. Eine Todtenstille herrscht jetzt unter diesen von Vipern wimmelnden Ruinen.

Die Stadt, welche im Jahre 189 v. Chr. eine viermonatliche Belagerung der Römer aushielt (Livius XXXVIII, 28), lag schon zu Strabo's Zeit gänzlich in Trümmern (Strabo X, 2). Dennoch veranlassen mich einige Spuren von römischem Mauerwerk, welche ich an mehreren Stellen im Meere, einige Meter vom Ufer entfernt, erblickte, zu der Annahme, dass sie unter August oder Hadrian zum Theil wieder aufgebaut worden sein mag.

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