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Ithaka der Peloponnes und Troja

Heinrich Schliemann: Ithaka der Peloponnes und Troja - Kapitel 18
Quellenangabe
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typereport
authorHeinrich Schliemann
titleIthaka der Peloponnes und Troja
publisherWissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
printrun2., unveränderte Auflage
editorErnst Meyer
year1963
firstpub1869
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090522
projectid27d10210
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Sechzehntes Kapitel

Die drei Grabhügel. – Falsches Grab Hektors. – Baustelle einer kleinen Stadt, die nicht Troja gewesen sein kann. – Gergis. – Skamandria. – Mahl und Libationen am Skamander. – Eine Regennacht an den Quellen. – Ausgrabungen auf den Höhen von Bunarbaschi, ohne die geringste Spur menschlicher Wohnungen. – Unmöglichkeit, den Abstand zwischen Bunarbaschi und dem Meere mit den Ereignissen der Iliade zu vereinigen.

Auf dem Plateau sieht man der Citadelle gegenüber drei Grabhügel, von denen der eine, Grab des Hektor genannt, 6 Meter Höhe und 32 Meter im Durchmesser an seiner Grundfläche hat; er wird von kleinen, ohne Ordnung und Symmetrie zusammengeworfenen Steinen gebildet.

Ich werde später auf das Grab Hektors zurückkommen und glaube beweisen zu können, dass es nach dem im ganzen Alterthume verbreiteten Glauben an den Ufern des Simois gelegen haben muss, bei dem alten Flecken Ophrynium, zwischen Rhöteum und dem jetzigen Dorfe Aren-Köi.

Der zweite Grabhügel, Grab des Priamus genannt, hat 4 Meter Höhe und 44 Meter im Durchmesser. Er ist von dem gelehrten Frank Calvert (von den Dardanellen) aufgegraben worden, der im Innern einen viereckigen Bau von 4 Meter 67 Centimeter Breite bei 4 Meter Höhe gefunden hat, welcher aus grossen, nur an der Aussenseite plump behauenen und ohne Cement übereinander geschichteten Steinen besteht.

Dieser Bau, den man einer viereckigen Röhre vergleichen könnte, war mit kleinen Steinen angefüllt, und ausser einigen Topfscherben hat Frank Calvert auch nicht das geringste Anzeichen gefunden, dass er jemals als Begräbniss gedient habe. Er glaubt daher, der Hügel sei aufgeworfen worden, um als Grundlage für einen Altar oder eine kleine Kapelle zu dienen.

Der dritte Hügel hat an der Grundfläche 30 Meter im Durchmesser und nur zwei Meter Höhe; er besteht aus einem Gemisch von Erde und Steinen und ist noch nicht aufgegraben worden.

Die zur Errichtung dieser »Grabhügel« angewandten Steine scheinen dem Felsen selbst entnommen zu sein, auf dem sie sich befinden. Neben jedem sieht man eine künstliche Grube, und neben dem sogenannten Grabe Hektors kreisförmige Fundamente von demselben Durchmesser wie der Hügel. Wahrscheinlich waren diese Fundamente zur Errichtung ähnlicher Grabhügel bestimmt.

Zwischen diesem letzten Grabhügel und der Citadelle ist ein ebener Platz von 288 Meter Länge bei 100 bis 150 Meter Breite, der mit Trümmern von Töpferwaaren und Ziegeln dicht bedeckt ist. Hie und da sieht man die Ruinen von ganz kleinen Häusern; es sind Fundamente aus Bruchsteinen von 33 Centimeter Länge bei 17 Centimeter Breite. Diese Häuser waren, wie man sieht, aus Erde und Steinen gebaut. Auch finden sich hier Reste von Mauern, die aus grossen Steinblöcken zusammengesetzt waren.

Sicherlich haben wir hier die Stelle einer alten Stadt, deren Citadelle die anstossende kleine Festung war. Aber der Raum ist so beschränkt, dass die Bevölkerung dieser Stadt unmöglich die Anzahl von 2000 Einwohnern überstiegen haben kann; es wäre also ganz verkehrt, an dieser Stelle die grosse Stadt Troja zu suchen, welche den Griechen 10,000 ihrer eigenen Söhne als Streiter entgegenstellen konnte, deren Bevölkerung folglich sich mindestens auf 50,000 Seelen belaufen haben muss.

Diese annähernde Zahl von Streitern findet sich in der Rede Agamemnons (Il. II, 123–130), wo er sagt: Wenn die griechische Armee in Zehntel getheilt würde und jedes Zehntel einen trojanischen Krieger zum Mundschenken bekäme, so würden mehrere Zehntel keinen Mundschenken haben. Die griechische Armee wird auf 100,000 Mann geschätzt.

Wenn die angeführten Beweise noch immer nicht genügen sollten, um zu zeigen, das Troja niemals auf den Höhen von Bunarbaschi gestanden haben kann, so will ich noch anführen, dass man weder von der Citadelle noch von irgend einem andern Orte der Stelle, welche man der alten Stadt anweist, den Ida sehen kann, was mit Homer (Il. VIII, 47–52) in Widerspruch steht, wo Jupiter vom Gipfel des Ida die Stadt Troja überschaut.

Ferner könnte ich noch folgende einzelne Punkte anführen: In Pergamus befand sich der Palast des Priamus mit funfzig Zimmern für seine Söhne und zwölf Zimmern in einem obern Stockwerke für seine Töchter (Il. VI, 242 – 250); vor der Thür jenes Palastes fand die Versammlung der Trojaner statt (VII, 345 – 346); in der Citadelle befanden sich auch die Paläste und der Hof des Hektor und des Paris (VI, 313–317, 370); in Pergamus waren Tempel der Minerva (VI, 88, 297) und des Apollo (V, 446; VI, 21). Hektor opferte in der Festung dem Jupiter, und deshalb war hier jedenfalls auch ein Tempel dieses Gottes (XXII, 170–172). Pergamus muss ein sehr grosses Thor gehabt haben, denn man zog das berühmte hölzerne Pferd hindurch in die Stadt (Od. VIII, 504).

Aus diesen Stellen geht deutlich hervor, dass Homer auf keinen Fall die kleine Festung auf den Höhen von Bunarbaschi mit ihrem nur 1 Meter breiten Thore gemeint haben kann. In der That ist diese Festung und die Ausdehnung der am Fusse derselben gelegen gewesenen Stadt so klein und unbedeutend, dass ich selbst dem gelehrten Calvert nicht beistimmen kann, der darin Gergis zu erkennen glaubt; denn diese alte von den Nachkommen der Teukrer bewohnte Stadt (Herodot V, 122) war eine der stärksten Festungen der dardanischen Prinzessin Mania, die dort ihre Schatzkammer hatte (Xen. Hell. III, 1 §. 15).

Ausserdem zog Xerxes, als er Ilium verliess, nach der Angabe Herodots (VII, 43) durch das von den Bergen In-Tepe im Norden und Chiblak im Süden begrenzte Thal; denn er liess die Städte Rhöteum, Ophrynium und Dardanum, das an Abydos grenzt, zur Linken und die Teukrer von Gergis zur Rechten liegen.

Nach meiner Meinung hat man daher die Stadt Gergis auf den Höhen von Chiblak, ungefähr dem Dorfe Halil Eli gegenüber zu suchen, wo zahlreiche Scherben und einige Mauerreste beweisen, dass hier einst eine Stadt gestanden hat.

Nach Livius (XXXVIII, 39) haben die Römer nach der Besiegung des Antiochus Rhöteum und Gergithus mit dem Gebiete von Neu-Ilium vereinigt.

Wenn ich meine Vermuthung aussprechen darf, so möchte ich die Ansicht aufstellen, dass die kleine Stadt Skamandria, deren geographische Lage man noch nicht hat bestimmen können, hierher zu verlegen sei.

Plinius (V, 33) führt Skamandria unter den Städten auf, welche man in der Ebene von Troja sieht, wenn man an Bord eines Schiffes der Küste folgt, und er scheint sich darüber zu wundern, dass Skamandria noch vorhanden war. Er sagt nämlich: »Est tamen et nunc Scamandria civitas parva.« Skamandria's Name scheint auf seine Lage am Skamander hinzudeuten. Ausserdem ersieht man (wie Mauduit anführt) aus einer Stelle des Geschichtswerkes der Anna Comnena, dass Skamandria eine halbe Tagereise von Abydos und auf der Landstrasse von Abydos nach Adramyttium lag, was vollkommen mit der Lage der Ruinen der kleinen Stadt auf den Höhen von Ballidagh übereinstimmt. Ich glaube noch erwähnen zu müssen, dass im Museum des Louvre unter den Nummern 546 und 607 zwei Marmortafeln vorhanden sind, auf welchen ein Friedensvertrag zwischen den Einwohnern von Neu-Ilium und denen von Skamandria eingegraben ist, kraft dessen die beiden Städte sich verpflichten, gegen ihre gemeinsamen Feinde sich gegenseitig zu schützen. Diese Tafeln sind von Dubois aufgefunden und dem Museum des Louvre geschenkt worden.

Erst um 5 Uhr Abends verliess ich die kleine Citadelle, und nachdem ich wiederum von Süden nach Norden den ganzen Raum, welchen man für die Stelle des alten Troja hält, durchwandert hatte, stieg ich zum Skamander hinab und nahm mein Abendbrod ein, das nur in Gerstenbrod und Flusswasser bestand. Das Brod war durch die Hitze so trocken geworden, dass ich es nicht brechen konnte; ich legte es eine Viertelstunde ins Wasser, wodurch es weich wurde wie Kuchen. Ich ass mit Vergnügen und trank dazu aus dem Flusse. Das Trinken war jedoch beschwerlich; ich hatte keinen Becher und musste mich jedesmal über den Fluss neigen, wobei ich mich auf die Arme stützte, welche bis zu den Ellenbogen in den Morast einsanken. Aber doch war es eine grosse Freude für mich, das Wasser des Skamander zu trinken, und ich dachte lebhaft daran, wie tausend Andere sich bereitwillig noch weit grösseren Beschwerden unterwerfen würden, um diesen göttlichen Fluss zu sehen und sein Wasser zu kosten.

Nach Beendigung meiner Mahlzeit ging ich nach Bunarbaschi und miethete fünf Arbeiter nebst Hauen, Hacken und Körben, um am folgenden Tage Ausgrabungen zu veranstalten. Dann legte ich mich auf dem Felsen zur Rühe, an dessen Fusse die zahlreichen Quellen hervorsprudeln. Ich wählte diesen Ort nicht deshalb, damit die Schatten der schönen Trojanerinnen mir erscheinen sollten, welche ihre Wäsche in den beiden Homerischen Quellen wuschen, sondern um vor den Schlangen gesichert zu sein, die mich während der vergangenen Nacht in Furcht gesetzt hatten. Gegen Mitternacht wurde ich durch einen Platzregen aus dem Schlafe aufgeschreckt; da ich aber nicht wusste, wohin ich mich wenden sollte, um Schutz zu suchen, so zog ich meinen Rock aus und bedeckte mit ihm Kopf und Brust. Meine Müdigkeit war indess so gross, dass ich sogleich wieder einschlief und erst am Morgen erwachte.

Es musste die ganze Nacht hindurch geregnet haben, weil ich bis auf die Haut durchnässt war. Ich kehrte nach Bunarbaschi zurück in der Absicht, trockene Kleider, die ich in meiner Reisetasche hatte, anzuziehen; aber die Unsauberkeit im Hause des Albanesen war so gross, dass ich es nicht wagte, meine Kleider dort zum Trocknen aufzuhängen, da ich befürchten musste, sie würden voll Ungeziefer werden. Ich behielt daher meine nassen Kleider an, um sie an der Sonne trocknen zu lassen.

Mein Führer mit dem Pferde und die fünf Arbeiter mit ihren Werkzeugen erwarteten mich bereits. Ich liess mir von meinem Wirth das ausbedungene Brod für diesen Tag geben, that es in den am SáãìÜñéïí hängenden Sack und machte mich auf den Weg.

Alsbald begannen wir unsere Ausgrabungen im Südosten von Bunarbaschi. Nachdem wir, die fünf Arbeiter, mein Führer und ich, uns in einer Linie von ungefähr hundert Metern staffelförmig aufgestellt hatten, untersuchten wir den Grund und Boden, indem wir Löcher gruben, um Gräben zu ziehen, falls wir Ruinen alter Gebäude oder auch nur Scherben finden sollten.

Gewöhnlich veranstaltet man Ausgrabungen an solchen Stellen, welche die Aussicht auf Alterthümer versprechen. Obwohl ich nun die vollste und festeste Ueberzeugung hatte, dass hier sicherlich nichts derartiges zu finden sei, so übernahm ich doch gern die Kosten und ertrug mit Freuden die unsäglichen Beschwerden, welche mit den Ausgrabungen verbunden sind, und wahrlich ich hätte nicht eifriger sein können, wenn mich die Gewissheit, archäologische Schätze zu finden, angetrieben hätte.

Ich hatte nur das uneigennützige Ziel im Auge, den thörichten und irrthümlichen Glauben mit der Wurzel auszurotten, dass Troja auf den Höhen von Bunarbaschi gelegen habe. Eine Schaufel nebst Hacke und Korb hatte ich für mich bestimmt und arbeitete trotz der drückenden Hitze mit demselben Eifer wie der beste meiner Arbeiter.

Fast überall drangen wir bei einer Tiefe von 60 Centimeter bis 1 Meter in den Felsen ein; aber nirgends zeigten sich auch nur die kleinsten Spuren von Ziegeln oder Töpferwaaren, nirgends das geringste Anzeichen, dass der Ort jemals von Menschen bewohnt gewesen sei. Trotzdem arbeiteten wir rüstig in östlicher Richtung bis zum Skamander weiter und setzten unsere Ausgrabungen auch noch während des ganzen folgenden Tages fort, indem wir uns nach Norden bis zu den Felsen von Ballidagh wandten, aber ohne jeglichen Erfolg, und ich kann jetzt mit einem Eide bekräftigen, dass hier niemals eine Stadt existirt hat.

Es ist in der That unbegreiflich, wie man jemals die Höhen von Bunarbaschi hat für die Stelle Troja's halten können. Man kann es nicht anders als mit der Annahme erklären, dass die Reisenden mit vorgefassten Meinungen, welche sie sozusagen blind machen, hierher kommen; denn bei klarem und uneingenommenem Blicke würden sie sofort erkennen, dass es rein unmöglich ist, die Lage dieser Höhen mit den Angaben der Iliade in Uebereinstimmung zu bringen.

Die Entfernung von den Höhen von Bunarbaschi bis zum griechischen Lager am Vorgebirge Sigeum beträgt 14 Kilometer, während alle Kämpfe und alle Hin- und Herzüge in der Iliade zu der Annahme berechtigen, dass die Entfernung von der Stadt bis zum griechischen Lager kaum 5 Kilometer betragen könnte.

Betrachten wir z. B. die erste Schlacht.

In der Nacht befiehlt Jupiter dem Gott der Träume, sich zu Agamemnon zu begeben und ihn aufzufordern, die Griechen zu bewaffnen, indem er ihm zugleich verspricht, dass sie Troja am nächsten Tage einnehmen werden (Il. II, 8–15). Bei Tagesanbruch versammelt Agamemnon die Griechen, erzählt den Anführern seinen Traum, und um ihre Gesinnungen zu prüfen, schlägt er ihnen vor, ins Vaterland zurückkehren zu wollen (II, 48–140). Die Truppen zerstreuen sich unter lautem Geschrei nach den Schiffen und beginnen sie flott zu machen (II, 142–154). Ulysses hält die Truppen zurück und überredet sie zu bleiben (II, 182–210). Hierauf folgen lange Reden zwischen Ulysses, Nestor, und Agamemnon (II, 284–393). Man fasst den Entschluss zu bleiben. Die Krieger gehen ins Lager, bereiten ihr Morgenmahl und essen (II, 394–401). Agamemnon opfert dem Jupiter einen feisten Stier und versammelt die Anführer, um an dieser Ceremonie theilzunehmen (II, 402–433). Nestor hält abermals eine Rede. Dann lässt Agamemnon die Truppen in Schlachtordnung auftreten (II, 441–454). Die Truppen ordnen sich zum Kampfe vor dem Lager in der Skamanderebene (II, 464–465).

Von diesen Vorgängen werden die Trojaner durch Iris unterrichtet; sie bewaffnen sich, öffnen die Stadtthore und stürzen mit lautem Geschrei hinaus (II, 786–810; III, 1–9). Die beiden Heere stossen in der Ebene aufeinander (III, 15). Aber die Ebene konnte nicht gross sein, denn vom skäischen Thore aus erkennt Helena die griechischen Heerführer und nennt dem Priamus ihre Namen (III, 166–235). Das griechische Heer konnte nicht weiter als ein Kilometer entfernt sein; denn um Menschen auf solche Entfernung erkennen zu können, muss man sehr gute Augen haben.

Paris fordert den Menelaus zum Zweikampf auf; Hektor hält eine Rede, ebenso Menelaus (III, 67–75, 86–94, 97–110). Hektor schickt Herolde nach Troja, um lebende Lämmer zu holen, Agamemnon zu gleichem Zwecke den Talthybius ins griechische Lager (III, 116–120). Da das griechische Lager höchstens ein Kilometer vom skäischen Thore entfernt sein konnte, so musste es wenigstens 13 Kilometer vom Lager stehen, wenn Troja auf den Höhen von Bunarbaschi lag, und Talthybius würde unter 6 Stunden nicht haben wiederkommen können. Aber er ist so kurze Zeit fort, dass Homer eine Zeit gar nicht angiebt. Talthybius kann also nur eine kurze Strecke zu durchlaufen gehabt haben.

Man opfert und schwört feierliche Eide (III, 268–301); der Zweikampf geht vor sich. Paris wird von Menelaus besiegt und von Venus entführt (III, 355–382); Pandoros verwundet den Menelaus mit einem Pfeilschuss (IV, 104–140); langes Gespräch zwischen Agamemnon und Menelaus (155–191). Machaon der Heilkünstler wird herbeigerufen und verbindet die Wunde (208–219).

Agamemnon hält zahlreiche Reden, um die griechischen Heerführer anzufeuern. Endlich werden die beiden Heere handgemein.

Minerva führt den ungestümen Mars aus dem Schlachtgetümmel und setzt ihn am Ufer des Skamander nieder (V, 35–36). Die Trojaner werden bis an die Mauern von Troja zurückgeworfen (V, 37). Apollo und Mars feuern sie zum Kampfe an (V, 460–470); während des Kampfes schickt man fortwährend die Verwundeten und die dem Feinde abgenommene Beute, Waffen, Wagen und Pferde, einerseits nach Troja, andererseits ins griechische Lager (V, 325–663, 668–669). Die Griechen weichen vor den siegreichen Trojanern rückwärts zurück (V, 699–702); sie werden bis nach Naustathmos zurückgeworfen, denn nach Vers V, 791 kämpfen sie in der Nähe der Schiffe.

Der Vortheil ist von neuem auf Seiten der Griechen, denn abermals entspinnt sich eine furchtbare Schlacht zwischen ihnen und den Trojanern in der Ebene zwischen dem Skamander und dem Simois; die Griechen weichen von neuem zurück (VI, 107). Hektor geht nach Troja, um Opfer für die Götter anzuordnen (VI, 111–115); wie es scheint, kommt er gerade in dem Augenblicke an, wo die rührende Scene und das herrliche Gespräch zwischen Glaukos und Diomedes stattfindet (VI, 119–235).

Hektor hat lange Unterredungen mit seiner Mutter, mit Paris, mit Helena; er sucht und findet seine Gemahlin Andromache und führt ein langes und rührendes Gespräch mit ihr; hieran schliesst sich die ergreifende Scene mit seinem Sohne (VI, 254–493).

Hektor kehrt mit Paris in den Kampf zurück und wie es scheint, befinden sie sich unmittelbar, nachdem sie aus dem Thore getreten sind, unter ihren Truppen (VII, 1–7). In der That mussten diese auch vor dem skäischen Thore stehen, denn Minerva und Apollo setzen sich in der Gestalt von zwei Geiern auf den Gipfel einer Buche, um sich an dem Anblick der Krieger zu ergötzen, welche in dichten Reihen, starrend von Helmen, Schilden und Speeren, gelagert waren (VII, 58–62); diese Buche befand sich vor oder neben dem skäischen Thore (VI, 237).

Hektor und Paris tödten mehrere Feinde (VII, 8–16); dann fordert Hektor den tapfersten der Griechen zum Zweikampf heraus (VII, 67–91). Es tritt eine Pause ein; denn Niemand wagt es, sich dem Hektor entgegenzustellen; jetzt folgt die Rede des Menelaus, der sich erbietet, den Kampf mit ihm aufzunehmen; dann die Reden des Agamemnon und des Nestor (VIII, 96 –160). Neun Helden melden sich zum Kampf mit Hektor; sie loosen. Das Loos trifft den Ajax, Sohn des Telamon, der sich darüber freut und sich mit dem blinkenden Erz bekleidet (VII, 161–225); dann folgen die Reden der beiden Gegner (VII, 226–243); sie kämpfen bis zur einfallenden Nacht und wechseln Geschenke aus (VII, 244–312).

Die Griechen kehren ins Lager zurück; die Anführer versammeln sich im Zelte des Agamemnon, wo dieser einen Stier opfert; man zieht dem Thiere die Haut ab, zerlegt und brät es; darauf nimmt man die Abendmahlzeit ein (VII, 313–336).

Man überschaue noch einmal die Fülle von Ereignissen an diesem Tage: zuerst bei Tagesanbruch allgemeine Versammlung im griechischen Lager; lange Rede Agamemnons, dann Zerstreuung der Truppen nach den Schiffen; lange Reden dreier Helden; man bereitet das Mahl; Agamemnon opfert dem Jupiter einen Stier; abermals Rede Nestors; endlich lässt Agamemnon das Heer in Schlachtordnung stellen. Aber alle diese verschiedenen Vorgänge werden mindestens vier Stunden in Anspruch genommen haben, sodass es zehn Uhr Morgens ist, als die Truppen in der Ebene des Skamander vorrücken. Sie nähern sich dem skäischen Thore so weit, dass Helena die griechischen Heerführer erkennt; Paris fordert zum Zweikampf auf; Reden Hektors und des Menelaus; Sendung von Herolden nach Troja und ins griechische Lager, um lebendige Lämmer zu holen; feierliches Opfer; Zweikampf. Zahlreiche Reden Agamemnons. Die Griechen werfen die Trojaner bis vor die Mauern von Troja zurück, und werden wiederum zurückgeworfen, aber sie ziehen sich nur rückwärts bis an die Schiffe zurück. Die Griechen sind von neuem vorgerückt, denn es entbrennt eine furchtbare Schlacht in der Ebene zwischen dem Skamander und Simois. Die Griechen weichen abermals zurück; Hektor geht nach Troja; lange Unterredung zwischen ihm, Hekuba, Paris, Helena und Andromache. Die Griechen sind von neuem vorgerückt; denn Hektor und Paris befinden sich in ihrer Gegenwart, als sie aus dem skäischen Thore gehen; Rede Hektors, des Menelaus, des Nestor; endlich der Zweikampf, welcher durch die Nacht beendigt wird; die Griechen kehren ins Lager zurück.

So wurde der Raum zwischen der Stadt und dem griechischen Lager wenigstens sechs mal in der Zeit von zehn Uhr Morgens bis sieben Uhr Abends durchlaufen, nämlich: zwei mal von dem Herold, welcher das Lamm holte, und wenigstens vier mal von dem Heere, und ein mal sogar rückwärts, und alle diese Märsche und Gegenmärsche haben trotz des sehr grossen Zeitverlustes ausgeführt werden können, welcher durch die zahlreichen Reden, die Opfer, die verschiedenen Schlachten, und die beiden Zweikämpfe verursacht wurde.

Die Entfernung vom griechischen Lager bis Troja muss also sehr gering gewesen sein und weniger als fünf Kilometer betragen haben. Bunarbaschi ist vierzehn Kilometer vom Vorgebirge Sigeum entfernt; hätte nun Troja auf den Höhen von Bunarbaschi gelegen, so würde man von zehn Uhr Morgens bis sieben Uhr Abends wenigstens vierundachtzig Kilometer durchlaufen haben, trotz des vielen durch die verschiedenen aufgezählten Ursachen hervorgerufenen Zeitverlustes.

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