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Islandfischer

Pierre Loti: Islandfischer - Kapitel 33
Quellenangabe
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typefiction
authorPierre Loti
titleIslandfischer
publisherVerlag von Emil Strauß
printrunFünfte Auflage (Fünftes Tausend.)
year1898
translatorCarmen Sylva.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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XIII.

Aber eines Tages, als sie in Paimpol hörte, die Marie sei eben angekommen, da fühlte sie sich wie im Fieber. Ihre ganze Ruhe der Erwartung hatte sie verlassen; sie suchte möglichst schnell mit ihrer Arbeit fertig zu werden, ohne recht zu wissen warum, machte sich frühzeitiger als gewöhnlich auf den Weg, – und da, wie sie rasch dahinschritt, erkannte sie ihn von Weitem, wie er ihr entgegenkam.

Ihre Knie zitterten und versagten den Dienst. Er war schon ganz nahe, kaum zwanzig Schritte weit, mit seiner prachtvollen Gestalt und seinem lockigen Haar unter der Fischermütze. Sie war so fassungslos bei dieser Begegnung, daß sie wirklich Angst hatte, sie würde schwanken, und er würde es merken; und dann wäre sie vor Scham gestorben ... Und dann dachte sie, ihr Haar sei unordentlich, und sie sähe müde aus, weil sie sich bei der Arbeit zu sehr abgehetzt: sie hätte Alles darum gegeben, in den Ginsterbüschen versteckt zu sein, in ein Wieselloch verkrochen. Uebrigens hatte auch er eine Bewegung nach rückwärts gemacht, als wollte er einen andern Weg einschlagen. Aber es war zu spät, und sie kreuzten sich in dem schmalen Pfade.

Um sie nicht zu streifen, drückte er sich gegen den Wegrain, mit einem Seitensprung, wie ein scheues Pferd, das ausweicht, und sah sie verstohlen und scheu an. Während einer halben Secunde hatte auch sie die Augen erhoben, in denen wider ihren Willen eine Bitte und eine Furcht geschrieben standen. Und in diesem unwillkürlichen Kreuzen ihrer Blicke, das schneller war als ein Schuß, schienen ihre flachsgrauen Augensterne sich zu erweitern, sich durch irgend einen Gedankenblitz zu erleuchten und wirklich ein blaues Licht zu sprühen, während ihr Antlitz ganz rosig geworden war, bis in die Schläfen, bis unter die blonden Zöpfe.

Seine Mütze berührend hatte er gesagt:

»Guten Tag, Fräulein Gaud!«

»Guten Tag, Herr Yann!« antwortete sie. Und das war Alles; er war vorüber. Sie setzte noch immer zitternd ihren Weg fort, aber sie fühlte, indem er sich entfernte, wie ihr Blut wieder seinen gewohnten Lauf nahm und die Kräfte ihr wiederkehrten.

Zu Hause fand sie die alte Moan in einer Ecke sitzend, den Kopf zwischen den Händen und weinend, mit ihrem hi! hi! hi! wie ein kleines Kind, ganz zerzaust, ihre Haarsträhnen aus dem Kopftuch gefallen, wie ein dünnes, graues Hanfgebind.

»Ach! meine gute Gaud, – ich habe den Sohn Gaos bei Plouherzel begegnet, wie ich zurückkam vom Holzlesen, – und da haben wir von meinem armen Kleinen gesprochen, wie Du Dir wohl denken kannst. Sie sind heute Morgen aus Island angekommen, und schon Mittags war er gekommen mich besuchen, während ich draußen war. Der arme Junge, er hatte auch Thränen in den Augen. Bis an meine Thüre, da hat er mich begleiten wollen, um mir mein kleines Holzbündel zu tragen.«

Da stand sie, hörte das alles an, und ihr Herz zog sich allmählich zusammen: also dieser Besuch Yanns, auf den sie so fest gerechnet, um ihm so viel zu sagen, war schon gemacht und würde sich vermuthlich nicht mehr wiederholen: es war vorbei ...

Da kam ihr die Hütte trostloser vor, das Elend bitterer, die Welt leerer – und sie neigte den Kopf und hatte Lust zu sterben.

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