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Islandfischer

Pierre Loti: Islandfischer - Kapitel 24
Quellenangabe
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typefiction
authorPierre Loti
titleIslandfischer
publisherVerlag von Emil Strauß
printrunFünfte Auflage (Fünftes Tausend.)
year1898
translatorCarmen Sylva.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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IV.

Das Transportschiff setzte seinen Weg durch den indischen Ocean fort. Drunten im schwimmenden Spital war noch viel Elend eingeschlossen. Auf dem Verdeck sah man nur Sorglosigkeit, Gesundheit und Jugend. Ringsum auf dem Meere ein wahres Fest von reiner Luft und Sonne.

Bei dem schönen Wetter der Passatwinde lagen die Matrosen im Schatten ihrer Segel und unterhielten sich damit, ihre Papageien umherlaufen zu lassen. (In Singapore, wo sie herkamen, verkauft man den vorüberfahrenden Matrosen allerhand zahme Thiere.) Sie hatten alle Papageienbabys gewählt, die einen kindlichen Ausdruck in ihren Vogelgesichtern hatten, noch ohne Schweif, aber schon grün, o! von einem herrlichen Grün! Die Papas und Mamas waren grün gewesen, und da hatten die Kleinen unbewußt diese Farbe geerbt; auf das sehr reinliche Schiffsverdeck gesetzt, sahen sie aus wie ganz frische Blätter, von einem tropischen Baum gefallen. Manchmal vereinigte man sie alle, und dann beobachteten sie sich unter einander sehr komisch; sie drehten dann den Hals nach allen Seiten, als wollten sie sich unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Sie gingen, als hinkten sie, und scharwenzelten sehr drollig, und plötzlich liefen sie in großer Hast davon, nach Gott weiß welcher Heimath, und einige fielen hin. – Dann lernten die Aeffchen Kunststücke machen, und das war eine neue Belustigung. Einige von ihnen waren zärtlich geliebt und wurden stürmisch geküßt, und dann schmiegten sie sich an die harte Brust ihres Herrn, sie mit weiblichen Augen ansehend, halb grotesk, halb rührend.

Mit dem Schlage drei Uhr brachten die Fouriere zwei Leinensäcke auf's Verdeck, mit großen rothen Siegeln versiegelt und mit Sylvester's Namen gezeichnet; sie sollten dem Meistbietenden verkauft werden, – wie es für die Todten das Reglement verlangt – alle seine Kleider, Alles was ihm gehört hatte auf der Welt. Und lebhaft kamen die Matrosen heran; an Bord eines Spitalschiffes sieht man oft genug solche Säcke verkaufen, um nicht mehr davon erschüttert zu werden. Und dann hatte man auf diesem Schiffe Sylvester nur wenig gekannt. Seine Blusen, seine Hemden, seine blaugestreiften Tricots wurden betastet, umgedreht und dann zu irgend einem Preise versteigert. Die Kaufenden überboten sich, um sich zu belustigen. Dann kam das kleine heilige Kästchen an die Reihe, das für fünfzig Sous zugeschlagen wurde. Man hatte die Briefe und die Medaille herausgenommen, um sie der Familie zuzustellen; aber es blieb noch das Liederheft, das Buch des Confucius, der Faden, die Knöpfe, die Nadeln, all' die kleinen Dinge, die die vorsorgliche Großmutter Yvonne hineingelegt, zum Flicken und Nähen.

Dann brachte der Fourrier, der die Sachen zum Verkauf ausbot, zwei kleine Buddha's vor, aus einer chinesischen Pagode genommen, um Gaud mitgebracht zu werden, so drollig anzuschauen, daß ein unstillbares Gelächter ausbrach, als man sie als letzte Nummer erscheinen sah. Wenn sie auch lachten, die Seeleute, so war es nicht aus Mangel an Herz, sondern nur aus Unbedacht.

Zuletzt wurden noch die Säcke verkauft, und der sie erhandelt, beschäftigte sich sofort damit, den darauf befindlichen Namen auszulöschen und den seinigen an die Stelle zu setzen.

Hernach ging sorgfältig der Besen über das Ganze, um das reinliche Verdeck von etwaigem Staube oder Fadenstückchen zu befreien, die beim Auspacken heruntergefallen sein konnten.

Und die Matrosen kehrten lustig zu ihren Papageien und Affen zurück.

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