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Islandfischer

Pierre Loti: Islandfischer - Kapitel 23
Quellenangabe
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typefiction
authorPierre Loti
titleIslandfischer
publisherVerlag von Emil Strauß
printrunFünfte Auflage (Fünftes Tausend.)
year1898
translatorCarmen Sylva.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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III.

Ich kann wirklich nicht umhin, Sylvester's Beerdigung zu erzählen, die ich selber dort auf der Insel von Singapore leitete. Man hatte in den ersten Tagen auf dem Wege von China genug in's Meer geworfen; da die malayische Erde so nahe war, hatte man sich entschlossen, ihn noch einige Stunden zu behalten, um ihn dort hineinzulegen.

Es war am Morgen zu sehr früher Stunde, wegen der fürchterlichen Sonne. In dem Boot, das ihn forttrug, lag er mit der französischen Flagge bedeckt. Die große, fremdartige Stadt schlief noch, als wir landeten. Ein kleiner Fourgon, vom Consul geschickt, wartete auf dem Quai; wir thaten Sylvester hinein und das Holzkreuz, das man ihm am Bord gemacht; die Malerei darauf war noch frisch, da man sich so sehr hatte eilen müssen, und die weißen Buchstaben flossen in den schwarzen Grund über. Wir durchwanderten dieses Babel bei aufgehender Sonne, und es war herzbewegend, zwei Schritte von all dem Unrath, dem chinesischen Gewühl, die Stille einer französischen Kirche zu finden. Unter dem hohen weißen Schiff, wo ich mit meinen Matrosen allein war, klang das Dies irae von einem Missionsgeistlichen wie eine sanfte, magische Beschwörung. Durch die offenen Thüren sah man wie in verzauberte Gärten hinein, in wunderbares Grün, in ungeheure Palmen; der Wind schüttelte die großen Blüthenbäume, und da fiel ein Regen von carminrothen Blumenblättern bis in die Kirche hinein.

Dann sind wir zum Kirchhof sehr weit hinaus gegangen. Unser kleiner Leichenzug von lauter Matrosen war sehr bescheiden, der Sarg immer mit Frankreichs Flagge bedeckt. Wir mußten durch chinesische Stadtviertel, durch das Ameisengewühl dieser gelben Welt, dann durch malayische, indische Vorstädte, wo allerhand asiatische Gesichter uns mit erstaunten Blicken betrachteten. Dann kam das Land, das war schon heiß; schattige Wege, in denen wunderschöne Schmetterlinge mit blauen Sammetflügeln umherflogen, eine Verschwendung von Blumen, Palmen, von aller Pracht äquatorialer Triebkraft, und endlich der Kirchhof: Mandarinengräber mit vielfarbigen Inschriften, mit Drachen und Ungeheuern, mit wunderbarem Laubwerk, unbekannten Pflanzen. Der Ort, da wir ihn hingebracht, gleicht einer Ecke der Gärten des Indra. Auf seine Erde haben wir das kleine Holzkreuz gesetzt, das man ihm eilig während der Nacht gemacht:

Sylvestre Moan.
19 Jahre alt.

Und da haben wir ihn gelassen und gingen eilig fort wegen der aufsteigenden Sonne und drehten uns immer um, ihn zu sehen, unter den wunderbaren Bäumen, unter den großen Blumen.

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