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Islandfischer

Pierre Loti: Islandfischer - Kapitel 17
Quellenangabe
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typefiction
authorPierre Loti
titleIslandfischer
publisherVerlag von Emil Strauß
printrunFünfte Auflage (Fünftes Tausend.)
year1898
translatorCarmen Sylva.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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X.

Strömender Regen unter einem schweren, schwarzen Himmel; – das war Indien. Sylvester hatte eben den Fuß auf dieses Land gesetzt, da er durch Zufall bestimmt worden war, die Bemannung eines Bootes zu vervollständigen.

Durch das dichte Laub kam der warme Guß auf ihn nieder, und er betrachtete die sonderbaren Dinge um sich her. Alles war prachtvoll grün. Die Baumblätter waren wie riesige Federn, und die Leute, die dort umhergingen, hatten große Sammetaugen, die aussahen, als wollten sie sich unter der Last ihrer Wimpern schließen. Der Wind, der diesen Regen vor sich hertrieb, roch nach Moschus und nach Blumen.

Frauen machten ihm Zeichen zu kommen: so etwas wie: »Heda, hübscher Junge!« was er so oft in Brest gehört. Aber in diesem Zauberland war ihr Ruf verwirrend und machte erschauern. Ihre wundervolle Brust wölbte sich unter durchsichtigen: Mousselin, in den sie drapirt waren; sie waren goldig anzuschauen wie polirte Bronce.

Noch zögernd, aber doch in ihrem Bann, ging er ihnen schon entgegen, allmählich, um ihnen zu folgen...

Da erklang das Schiffspfeifchen, in seinen Modulationen wie ein Vogeltriller, und rief ihn plötzlich in das Boot zurück, das abfuhr.

Er lief eilig dahin. – Lebt wohl, Indiens Schönen! Als man am Abend wieder auf hoher See schwamm, da war er noch immer rein wie ein Kind.

Nach einer weiteren Woche im blauen Meer hielt man in einem anderen Lande an, voll Regen und Grün. Ein Schwarm von gelben Gesellen füllte sofort, mit Geschrei, das Verdeck und brachte Kohlen in Körben.

»Dann sind wir also doch schon in China?« fragte Sylvester, als er sah, daß sie alle Porzellanfigurengesichter und Zöpfe hatten. Man sagte: »Nein, noch ein wenig Geduld; das war erst Singapore.« Er stieg wieder in seinen Mastkorb hinauf, um dem schwarzen Staube zu entgehen, den der Wind umhertrug, während die Kohlen ans Tausenden von kleinen Körben sich in den Kammern aufspeicherten.

Endlich kam man eines Tages in ein Land, Turanien genannt, wo eine gewisse Circe blockirend vor Anker lag. Das war das Schiff, für das er sich schon lange bestimmt wußte, und auf dem man ihn mit seinem Sack absetzte.

Er fand dort Landsleute, sogar zwei Isländer, die für den Augenblick Canoniere waren. An den fortwährend stillen und warmen Abenden, wo sie nichts zu thun hatten, vereinigten sie sich auf dem Verdeck, von den Andern abgesondert, um miteinander eine kleine Bretagne der Erinnerung zu bilden.

Fünf Monate Verbannung und Unthätigkeit mußte er in dem traurigen Meerbusen zubringen, vor dem ersehnten Augenblick, in den Kampf zu gehen.

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