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Islandfischer

Pierre Loti: Islandfischer - Kapitel 14
Quellenangabe
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typefiction
authorPierre Loti
titleIslandfischer
publisherVerlag von Emil Strauß
printrunFünfte Auflage (Fünftes Tausend.)
year1898
translatorCarmen Sylva.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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VII.

»Sie ist ein wenig alt, seine Geliebte!« sagten die Andern zwei Tage später und lachten hinter ihm her; »aber es macht nichts, sie scheinen sich doch sehr gut zu verstehen.«

Es amüsirte sie, ihn zum ersten Mal in den Straßen von Recouvrance mit einer Frau am Arm wie Jedermann spazieren zu sehen, sich zärtlich zu ihr neigend und ihr Sachen sagend, die ganz außerordentlich sanft und lieb schienen. Eine kleine Person mit ziemlich lebhaftem Gang, von rückwärts gesehen; ihre Röcke ein wenig sehr kurz für die Mode, mit einem kleinen braunen Tuch und der großen Paimpoleser Haube.

Sie hing an seinem Arm und wandte sich auch oft zu ihm, um ihn zärtlich anzusehen.

»Sie ist ein wenig alterthümlich, die Geliebte!« – Sie sagten das, die Anderen, ohne Bosheit, denn sie sahen wohl, daß es eine gute alte Großmutter vom Lande war...

In aller Eile war sie gekommen, von furchtbarem Entsetzen ergriffen bei der Nachricht von der Abreise ihres Enkels; – denn der chinesische Krieg hatte schon viele Seeleute aus der Gegend von Paimpol hingerafft.

Nachdem sie all' ihre armen kleinen Ersparnisse zusammengelesen, in einer Schachtel ihr Sonntagskleid und ihre frische Haube gefaltet, war sie abgereist, um ihn wenigstens noch einmal zu umarmen.

Sie war geradewegs in die Caserne gegangen und hatte nach ihm gefragt. Der Compagnie-Adjutant hatte sich zuerst geweigert, ihn herauszulassen.

»Wenn Sie reclamiren wollen, gehen Sie, meine gute Frau; wenden Sie sich an den Capitän, dort geht er eben vorüber.«

Und ohne Zaudern war sie auf ihn zugegangen, und der hatte sich erweichen lassen!

»Schicken Sie Moan hinauf, um sich umzukleiden,« hatte er gesagt.

Und wie der Wind war Moan hinausgeflogen, Stadtkleider anzuziehen, nachdem die gute Alte, um ihn, wie immer, zu belustigen, hinter dem Adjutanten her ein unbezahlbar feines Gesicht schnitt und eine Reverenz machte. Als er wiedererschienen in seinem Ausgehanzug, den Hals recht frei, da war sie voll Verwunderung, ihn so schön zu finden: sein schwarzer Bart, vom Barbier spitz zugeschnitten, wie ihn die Matrosen in dem Jahre trugen, die Bündchen von seinem offenen Hemde fein gefältelt und seine Mütze mit langen flatternden Bändern, mit goldenen Ankern an den Enden. Einen Augenblick war's ihr, als sähe sie ihren Sohn Pierre, der zwanzig Jahre vorher auch Mastwächter bei der Flotte gewesen war, und die Erinnerung an diese lange Vergangenheit, die schon weit hinter ihr lag, der Gedanke an alle ihre Todten hatte flüchtig einen traurigen Schatten auf die gegenwärtige Stunde geworfen.

Die Traurigkeit war schnell verwischt. Sie waren Arm in Arm hinausgegangen in der Freude, zusammen zu sein, und da hatte man sie für seine Geliebte gehalten und »etwas alterthümlich« gefunden.

Sie hatte ihn zu einem seinen Mittagsmahl in ein Wirthshaus geführt, das von Paimpolesern gehalten war, und das man ihr der erschwinglichen Preise halber empfohlen. Dann waren sie immer noch Arm in Arm in Brest herumgegangen, die Auslagen in den Läden anzusehen, und nichts Amüsanteres konnte es geben, als Alles, was sie zu sagen fand, um ihren Enkel lachen zu machen, natürlich auf Paimpoleser Bretonisch, das die Vorübergehenden nicht verstehen konnten.

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