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Irmgard und ihr Bruder

Gabriele Reuter: Irmgard und ihr Bruder - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorGabriele Reuter
titleIrmgard und ihr Bruder
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft G. m. b. H.
year1930
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131022
projectid8031d98a
wgs9110
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VIII

Der erste Brief von Erich nach der Ausfahrt pflegte meistens aus Lissabon einzutreffen, da die Fahrten nach dem südlichen Amerika oder durch den Suezkanal nach Asien an Portugal vorüberführten. Noch eine bunte Karte von den Azoren oder von Port Said, und dann kam die lange Pause. Erich verstand keine Briefe zu schreiben. Jene Schilderungen voll Farbe und Stimmung, von denen man in Büchern las, fand der junge Seemann höchst überflüssig, ja lächerlich, eingebildet und sentimental. Wußten die beiden Lieben daheim, daß es ihm gut ging, daß die Fahrt leidlich oder stürmisch war, so hatten sie doch alles Wesentliche erfahren. Irmgard trug früher die heimliche Hoffnung im liebenden Herzen, den Bruder durch lange Briefe über ihr inneres Leben, ihre Lektüre, die Schilderung neuer Bekanntschaften zum gleichen zu bewegen und auf diese Weise die langen Zeiten der Trennung durch einen geistigen Austausch zu überbrücken. Diese Erwartung – es war wohl nur ein Wunsch – wurde mit der Zeit zu allem Unerfüllten in jene Fächer des Herzens geschoben, die im Laufe der Jugend und der fliehenden Jahre verschlossen und immer seltener geöffnet werden, weil ihr Inhalt Tränen unter die Wimpern lockt und ein schmerzendes Gefühl in der Brust zurückläßt. Irmgard hob die oft etwas zerknitterten, mit schlechter Tinte, unzulänglicher Feder geschriebenen Zettelchen pietätvoll in einem geschnitzten Kästchen auf – ebenso die bunten Karten mit den grellen rosenroten Sonnen über Palmen und blauen Buchten, trat den Säulenhallen südlicher Paläste oder mit Eisbären, die auf braunen Klippen drohten, Karten, die so flüchtig bekritzelt waren, daß man ihre halb verlöschten Schriftzüge kaum zu entziffern vermochte.

Die letzte Nachricht von Port Said war eingetroffen. Dann nichts mehr. Viele Wochen nichts. Unvermerkt wurden aus den Wochen Monate. Die Mutter und die Schwester rechneten nicht nach – in einer Art von Selbsterhaltungstrieb wollten sie sich über die fliehende Zeit hinwegtäuschen, indem sie sie nicht beachteten.

»Erich hätte doch wohl schon einmal wieder schreiben können«, wagte Frau Luise Glenn zu sagen.

»Vielleicht haben sie lange Windstille gehabt«, so schnitt Irmgard derartig kühne Wünsche kurzweg ab. Sie wußte, daß sie die Mutter mit kräftiger Hand, zuweilen mit festem harten Griff halten mußte, damit sie nicht in die Tiefen eines tränenaufgelösten Kummers versank. Je mehr das Alter sie umfaßte, um so weicheren Gemütes wurde Frau Luise.

Erich hätte längst schreiben können – schreiben müssen ... In die Hand hoffe er es der Schwester versprochen, die stumme Qual der Mutter zu achten – ihre eigne hatte sie nicht erwähnt.

Die bevorstehende Hochzeit der jüngeren Justizratstochter gab wenigstens etwas ablenkendes Interesse. Frau Lodger kam häufiger als sonst mit Ausstattungssorgen zu Frau Glenn, die Frauen wurden eifrig über Leinen, Stickereien und Kochtöpfen. Die Justizrätin flüsterte Frau Glenn aufmunternd ins Ohr: eine Hochzeit sei von alters her die beste Gelegenheit zu einer neuen Verlobung, und sie werde schon dafür sorgen, daß Irmgard einen passenden liebenswürdigen Kavalier bekäme – sie fange ja wahrhaftig schon an zu verblühen, das gute Kind – es sei die höchste Zeit, daß sich eine Versorgung für sie finde.

Frau Glenn machte ein hochmütiges Gesicht und meinte, sie werde Irmgard schwer entbehren können. Der aufsprießende Eifer in der Verwandtenliebe wurde schnell gelähmt durch die Ablehnung der gütigen Gesinnung.

Es war ein Tag wie alle, ausgefüllt von den Dingen und Verrichtungen, welche die Stunden forderten. Die Zeitung war gekommen, und man hatte beim Frühstück die Käufe und Verkäufe, die Familienanzeigen und einiges Politische gelesen, ohne allzuviel Interesse. Irmgard half der Dienerin in der Küche, und als der Briefträger gegen Mittag die zweite Post brachte, ging die Mutter, ihm zu öffnen. Irmgard trat etwas später ins Zimmer, den Tisch zu decken. Frau Glenn saß an dem alten Sekretär mit den eingelegten Jagdszenen und den Liebespaaren aus Elfenbein.

Er war geöffnet, die Platte herausgezogen, sie hatte die Ellbogen aufgestützt und den Kopf in die Hand gelegt. So saß sie dort, ganz still, und auch als Irmgard hinüberrief, das Essen sei bereit, rührte sie sich nicht.

»Muttchen, schläfst du?« fragte die Tochter heiter und plötzlich ängstlich werdend. »Muttchen, was ist dir?«

Sie ging zum Schreibschrank, legte den Arm um die alte Frau, sah einen Brief auf der Platte liegen. »Oh – von Erich ...?«

Schon hatte sie die kurzen Worte gelesen.

»Ihr werdet nun lange nichts von mir hören. Bitte forscht nicht nach mir. Behaltet mich trotzdem lieb.

Euer Erich.«

Irmgard sah der Mutter ins Gesicht. Es war weiß und wie durchsichtig geworden, die Lippen von einem welken Graublau.

Irmgard drückte die linke Faust an den Mund, jeden Laut zu ersticken. Leise löste sie den Arm von der Schulter der Zusammengesunkenen und ging in die Schlafkammer. Sie mischte eilig die Tropfen, welche die Mutter zu nehmen pflegte, wenn ihr Herz schwach wurde, trat mit dem Glase wieder ein, hielt mit einer unendlich zärtlichen Gebärde den Kopf der Mutter in ihren Arm und gab ihr die Arznei an die Lippen.

»Der böse Junge, uns so zu erschrecken!« sagte sie mit einem unnatürlichen kleinen Auflachen. »Sollst sehen, das ist so eine Laune und hat nicht viel zu bedeuten. Nicht wahr?«

Luise Glenn sah Irmgard an mit den Augen eines hilfestehenden Tieres und schüttelte leise den Kopf.

Sie trank gehorsam, ließ sich zum Sofa führen, niederlegen, zudecken, denn die Glieder flogen ihr in jähem Frost. Irmgard bedeutete dem Mädchen, die Speisen wieder hinauszunehmen.

Sie schlich zum Schreibschrank, griff den Brief auf, starrte ihn an wie etwas Unbegreifliches – er trug weder Datum noch Ortsbezeichnung. Der Umschlag zeigte eine unbekannte Marke. Den Namen des Ortes, an dem das Schreiben aufgegeben war, vermochte sie auf dem Poststempel nicht zu entziffern.

Nun saß Irmgard dort, wo die Mutter gesessen, drückte die Finger gegen die klopfenden Schläfen, griff wieder und wieder nach dem Briefblatt, wendete es um und um, als müsse sich irgendwie das Rätsel seines Inhaltes lösen lassen.

Ich möchte einmal verschwinden – vielleicht zehn Jahre lang nichts von mir hören lassen – dann als reicher Mann zu euch zurückkehren! So hatte Erich mehr als einmal geäußert, sie hatten es immer als ein Scherzwort genommen und gelacht. Nur einmal hatte Irmgard in ihrem plötzlich wie aus verborgenem Innern auftauchenden harten Ernst geantwortet: »Das wirst du nicht tun, denn damit würdest du die Mutter töten.«

Hatte er diesen Augenblick, in dem er sie erschrocken angeschaut, vergessen? Wollte er den Scherz zur grausamen Wahrheit werden lassen? Kalter Zorn stieg in des Mädchens Brust auf, wurde in namenlosem Bangen ertränkt.

Etwas war geschehen, was sie noch nicht denken durfte – etwas grauenhaft Unentrinnbares. – Schwer und heiß waren ihr die Lider, weinen konnte sie nicht. Ihr Herz ging in harten Schlägen, die weh taten. Lange saß sie, seufzte, stand auf, trat zur Mutter, die still vor sich hin weinte, nahm ihre kalte Hand, streichelte sie sanft und lange.

»Wir werden alles erfahren«, sagte sie endlich mit einer fest zusammengezwungenen Stimme. »Ich will an die Mutter von Olarsen schreiben. Gleich heut. Ich weiß die Adresse. Daß wir nicht nachforschen sollen, ist ja eine törichte Forderung. Heutzutage geht kein Mensch verloren.«

So versuchte sie zu trösten und glaubte kein Wort von dem, was ihre Lippen mühsam sprachen.

»Weißt du noch«, flüsterte die Mutter, »als vor einigen Wochen – wann war es nur – ich kann mich doch nicht mehr besinnen – Erichs Bild von der Wand fiel? – das Glas war zerschlagen – mir gab es einen Schock – –«

»Ja, ja, der Nagel hatte sich gelöst, was bedeutet es auch schon, wenn ein Nagel lose wird ...«

»Unglück«, murmelte die Mutter.

»So sollst du nicht denken! Erich lebt ja!«

Nach ein paar Tagen kam die Antwort auf Irmgards vorsichtige Anfrage bei Frau Olarsen. Sie las diese Worte:

»Geehrtes Fräulein!

Muß Ihnen leider mitteilen, daß Ihr Bruder zum Mörder an meinem armen Sohn geworden ist, indem er denselben bei einem Streit, über dessen Veranlassung ich nichts Näheres erfahren habe, mit furchtbaren Fausthieben schwer verwundet hat. Wahrscheinlich ist die Schädeldecke zertrümmert. Mein unglücklicher Sohn liegt bewußtlos in einem Missionshause an der afrikanischen Küste, wenn er nicht schon tot ist. Der Verbrecher – Ihr Bruder – ist einem deutschen Dampfer übergeben worden, damit er in der Heimat vor Gericht gestellt wird und seine verdiente Strafe empfängt. Aber das gibt mir meinen Fred nicht wieder.

Barbara Olarsen.«

Nachschrift: Nichts als Gutes hat mein Sohn dem Glenn erwiesen – und dies ist der Lohn.«

Irmgard las das Schreiben, bis jeder Buchstabe in ihr Hirn gebrannt war, kniffte es langsam, wie man einen Fidibus dreht, entzündete eine Kerze und hielt das Papier in die Flamme, ließ es auflodern und zu schwarzem Pulver zerfallen.

Niemals durfte die Mutter das grauenhafte Wort lesen und begreifen. Schon war sie ruhig geworden, glaubte an einen exzentrischen Einfall von Erich, erklärte, sie sei im Grunde froh, den Jungen nicht mehr auf See zu wissen. – Er sei gesund und kräftig – werde wie andere vor ihm in Afrika sein Glück machen – voraussichtlich habe eine gute Aussicht, ein vorteilhaftes Anerbieten ihn veranlaßt, an Land zu gehen.

In solcher getrösteten Stimmung mußte die alte schwache Frau erhalten bleiben.

Aber die Nächte – Irmgards Nächte, dicht neben der friedlich schlummernden Mutter ... Ohne aufzuschreien, ohne weinen zu dürfen, die endlosen Stunden der Qual hinbringen – die Zähne in ihr Tuch gebissen, jedes Stöhnen, jeden Seufzer zu ersticken.

In Dämmerstunden lief sie durch den Stadtwald, kleine, buschverwachsene Wege von moderndem Herbstlaub bedeckt, auf denen sie sicher war, keinen Spaziergängern zu begegnen. Hier kam ihr bisweilen ein erlösender Tränensturz, und sie drückte ihr nasses Gesicht an einen feucht bemoosten Baumstamm wie an die Brust eines stummen Freundes, dem allein man vertrauen durfte.

Sah die Mutter ihre verschwollenen Augen, versuchte sie ihr Kind zu trösten mit so armen wirren Ausflüchten gegen das Unglück, wie Kinder gegen etwas Drohendes die Hände vor die Gesichter halten.

Von einem solchen Gang heimkehrend, wurde Irmgard an der Wohnungstür von der Dienerin aufgehalten. Mit wichtig-atemlosen Ton flüsterte das Mädchen ihr zu:

»Gnädig Fräulein, ich fürchte, die alte Dame ist krank – sie – ach Gott – nein – sie kann gar nicht reden ... Es war so ein Herr hier – ich glaube vom Kriminalamt –«

Irmgard stieß sie beiseite und stürzte ins Zimmer. Ihre Mutter saß zusammengesunken in der Sofaecke, als Irmgard auf sie zuflog, hob sie den Kopf, öffnete den Mund, lallte – lallte – versuchte, mit angstvoll verzogenen Gesichtszügen ein Wort hervorzubringen, während große Tränen einzeln über ihre Wangen tropften. Es war ein jämmerlicher Anblick, Irmgard brach zum erstenmal in einen lauten, wilden Schrei aus.

Am Boden fand sie, ausgeschnitten aus einer Hamburger Zeitung, den Steckbrief, den die Behörde gegen Erich Glenn wegen Widersetzlichkeit und Körperverletzung eines Vorgesetzten erlassen hatte. Frau Glenn versuchte, auf einem Blatt Papier der Tochter aufzuschreiben, was der Beamte ihr gesagt habe, doch waren die zitternden Hände nicht imstande, deutliche Buchstaben zu formen. Nur das Wort »Brief« vermochte sie ungefähr zu entziffern.

»Den Brief von Erich habe ich verbrannt, um der Polizei keinen Fingerzeig zu bieten«, sagte Irmgard. Sie stand vor der Mutter, zart und schmal, mit dem feinen Gesicht, das so weiß war wie eine weiße Blume, in dem nur die Lider rot und entzündet brannten. Ihre Arme hingen kraftlos an den Seiten nieder, und die kleinen Hände waren zu Fäusten geballt.

»Das müssen wir nun tragen«, sagte sie heiser. »Erich muß es ja auch tragen.«

Der Arzt, den Irmgard gerufen, sprach von einem leichten Schlaganfall. Die Mutter wurde ins Bett gebracht, Beruhigungs- und Schlafmittel taten ihre Wirkung. Nach einigen Tagen fand sich die Fähigkeit zur Sprache wieder, wenn auch die Laute sich schwerfällig und oft erst nach hartem Ringen zu Worten bildeten. Irmgard erriet auch das Angedeutete, das noch Ungeborene, was die Mutter zu formen unfähig war.

Einmal hatte sie sie ernst angeschaut mit ihren großen blauen Augen, von denen die schweren Lider weit aufgeschlagen waren, und hatte dabei den Finger bedeutungsvoll auf die Lippen gelegt. Frau Glenn, obgleich verwirrten und geschwächten Geistes, verstand sie mit dem Gemüt und senkte den Kopf.

Trotzdem hatte sich die Kunde in Frohnstedt verbreitet – phantastisch aufgebauscht, wie es stets in traurigen Fällen geschieht. Das Kriminalamt hatte auch bei dem Justizrat Lodger Nachforschungen gehalten. Frau Glenns leidender Zustand bot genügende Veranlassung, Besucher, von denen man unwillkommene Fragen gewärtigen konnte, abzuweisen. Die Einladung zur Hochzeit im Hause des Justizrats war selbstverständlich abgelehnt worden.

An einem regnerischen Novemberabend, nach einem Tage, der verzweifelte Herzen in seiner Lichtlosigkeit, Kälte und triefender Nässe noch verzweifelter zu machen geeignet war, läutete es zaghaft an der Glocke der Wohnungstür. Irmgard öffnete und sah Cläre, die Braut, draußen stehen, in einem grauen Regenmantel, dessen Kapuze sie über den Kopf gezogen hatte.

»O Clärchen«, sagte sie freundlich-trübe, »willst du uns Lebewohl sagen – das ist lieb von dir.« Sie nahm der Kusine den nassen Mantel ab und führte sie in das Wohnzimmer mit den fremdartigen Möbeln. Cläre war befangen, ging hin und her in dem Zimmer, sah beim matten Schein der Hängelampe auf die Familienphotographien, auf die Andenken an Erichs Seefahrten über dem Nähtisch von Frau Glenn.

»Morgen ist ja Polterabend, wir wollen auch tanzen – Wilhelm hat so viele Freunde, schade, daß du nicht kommen kannst, Irmgard ...« Das sagte sie in einem leierigen Ton, wie aus einem Automaten kamen die Worte. Plötzlich wendete sie sich hastig.

»Irmgard – ist es denn wahr – das mit Erich? Ist er – hat er– das getan?« Sie stürzte auf ihre Kusine zu, die sich bei dem ruhelosen Umhergehen des Gastes gesetzt hatte, fiel vor ihr nieder auf die Knie, erstickte ihr Schluchzen in Irmgards Röcken. Leise glitt ihr deren Hand über das duftende Haar.

»Ach, Irmgard«, stieß sie hervor, den Kopf hebend, »ich hab' ihn doch so liebgehabt! Ich liebe ihn noch – vieltausendmal mehr als Wilhelm ...«

»Den du übermorgen heiraten wirst«, sagte die Kusine hart.

»Ja –« hauchte die verweinte Braut, »den ich heirate ... Erich – einen Seemann –, das hätte Vater doch niemals zugegeben. Ach, Irmgard – es ist alles so schwer ...«

Irmgard sah über den Kopf des Mädchens hinweg, in das Unbegreifliche.

»Für dich ist es ja gut, daß er nicht wiederkommt, Cläre. Denk an ihn wie an einen Toten.« Ihr Herz sagte: »Mir lebt er – wird er ewig leben.«

Sehr ferne fühlte sie sich diesem weinenden Mädchen, das vielleicht von Erich Küsse und Liebkosungen empfangen hatte und in zwei Nächten einem andern Mann gehören würde.

Nach einer Weile nahm Cläre den nassen Mantel und verabschiedete sich. Sie ging zur Tante hinein und küßte deren kalte, wachsgelbe Hand, wobei ihr ein wenig schauderte. Irgendwie hatte dieser Besuch sie enttäuscht. Irmgard war überraschend kühl und zurückhaltend. Sonderbar, wo man doch so viel von der innigen Zusammengehörigkeit der Geschwister sprach. Es wäre besser gewesen, sie hätte des Vaters Befehl gefolgt, sich nach den bösen Gerüchten über Erich eine Weile ganz von den Verwandten zurückzuziehen. Daß es mit Erich einmal schlecht enden würde, hatte der Vater immer vorausgesagt – nein, ein Mann zum Heiraten war er wirklich nicht ... Aber süß – so wild und stürmisch und zart zugleich –, es war wohl gut, daß er ihren Weg niemals wieder kreuzen würde.

Cläre Lodger ging in ihr Schlafzimmer, wusch die Augen mit Wasser und Eau de Cologne und puderte das erhitzte Gesicht. Einer Braut verzeiht man schon Tränen.

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