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Inseln im Winde

Max Geißler: Inseln im Winde - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorMax Geißler
titleInseln im Winde
publisherVerlag von L. Staackmann
printrunNeuntes bis elftes Tausend
year1918
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20160415
projectid3ad91672
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Neunzehntes Kapitel

Um diese Zeit stand Ocke Frerksen in der Tür seines Hauses, sein ergrauendes Haar streifte den Stein über seinem Haupte. Er hatte den Arm erhoben; die Köpfe der Nachbarn wendeten sich nach ihm.

Verlangt der Kapitän Hilfe?

Wer ihn sah, lief herzu. Aber Frerksen sprach nicht. Auf seinem Antlitz lag tiefe Stille, und um seinen Mund war eine herbe Verschlossenheit. Nur seine Augen redeten. –

Und wie sich die Leute, unklar über seine Wünsche, vor seinem Hause versammelt hatten, trat er zurück und winkte stumm, daß sie ihm folgten. Schweigsam schritt der starke Mann vor den Nachbarn her, führte sie durch die Stube und öffnete die Tür zu der Kammer – dort schlief Lüdde Lürsen.

Man ging auf den Zehen hinein.

Tretet doch fest auf, ihr Menschen, die ihr euch mit trutzigen Schritten gegen den Sturm zu gehen gewöhnt habt! Lüdde Lürsen erwacht nicht!

Aber kein Schritt ward hörbar. Kein Laut sprengte die festgeschlossenen Lippen der Leute. Sie atmeten kaum.

Da war ein Stuhl gestürzt. Da lagen die blühenden Geranien auf den Steinplatten des Grundes – gefallen, aus den Töpfen gespült, von den rohen Händen der schmutzigen See durcheinandergeworfen, gebrochen.

Und gestern hatten sie so rein und feierlich mit ihrem flammenden Rot um das weiße Gesicht Lüdde Lürsens gebrannt. Und gestern hatten sie so warm über den starren Händen des Toten geleuchtet.

Auch der Sarg war fort.

Nicht weit. Nicht weit. Die See hatte ihn auf die Hände genommen, hatte ihn gehoben und langsam auf Ocke Frerksens Schiffskiste niedergesetzt, über deren Deckel die Wasser nur eine Spanne hoch gespült hatten.

Nun stand er und lehnte mit der einen Längsseite an dem Gewände des Pesels – kein Wellenschlag hatte ihn dort verdrängen können.

Und Lüdde Lürsen schlief in seinem Frieden.

Die See hatte alles durcheinandergeworfen, hatte die junge Schönheit des Frühlings in den Blüten zertreten und hatte mit dem Sargboden die Blumentöpfe in Scherben gedrückt. Aber der Majestät des Todes hatte sie schweigend gedient.

Gott ist stärker als sie!

Und der Tod, dachte Knudt Klähn.

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