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Inseln im Winde

Max Geißler: Inseln im Winde - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorMax Geißler
titleInseln im Winde
publisherVerlag von L. Staackmann
printrunNeuntes bis elftes Tausend
year1918
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20160415
projectid3ad91672
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Vorbemerkung

Der preußische Staat besitzt die Halligen seit Schleswig-Holstein in seinen Verband übergegangen ist, und ihr Name begreift diejenigen der Westküste Schleswigs vorgelagerten kleinen Inseln in sich, welche weder durch Deiche noch Dünen vor der vernichtenden Gewalt der Nordsee geschützt sind. Im Jahre 1882 noch zirka zweitausendfünfhundert Hektar umfassend, beträgt ihr Gesamtareal gegenwärtig zweitausend Hektar mit etwa fünfhundert Bewohnern. – Eine Hallig ist eine ebene, liebliche Flur, die, mit einem kurzen dichten Grase bedeckt, nur ein halbes Meter über den Stand normaler Flut herausragt und ihre Bewohner durch die den Verhältnissen entsprechende Landwirtschaft, verbunden mit Viehzucht und einigem Nebenerwerb, leidlich ernährt.

Die Halligfriesen erfreuen sich dank ihrer Sparsamkeit – entgegen der Behauptung der meisten Halligschriftsteller – eines schlichten Wohlstandes. Sie sind zufriedene, gastfreundliche Menschen, nicht ohne Resignation: eine Folge des Anblicks langsamen Vergehens ihrer Heimatscholle, dem von maßgebender Stelle jahrzehntelang tatlos zugeschaut worden ist. Die schutzlose, zerrissene Kante des Eilandes erleidet bei jeder, während der Wintermonate oft zweimal des Tages eintretenden Überflutung Landverluste, die sich das Jahr über auf etwa acht Fuß belaufen.

Die Häuser der Hallig stehen auf viereinhalb bis fünf Meter hohen Werften: die allverbreiteten Gerüchte von den Nöten der Bewohner bei Fluten sind in das Gebiet des Märchens zu verweisen und gründen sich in der Hauptsache auf die pessimistischen, längst veralteten Schilderungen Biernatzkis, des früheren Pfarrers auf der Hallig Nordstrandischmoor, und seiner Novelle »Die Hallig«.

Seit 1896 ist ernstlich mit der Befestigung der Halligen begonnen worden.

Der einzig wirksame Schutz der Halligkante, die kostspielige Granitdossierung, ist verhältnismäßig wenig zur Anwendung gelangt. Einige Inseln sind heute bereits durch zum Teil unverantwortlich schlechte Dämme mit dem Festland verbunden.

Die ihnen gewidmete Aufmerksamkeit und Kulturarbeit stehen noch in keinem rechten Verhältnisse zu dem Werte der Halligen als Stützpunkte für die Zurückeroberung des ganzen schleswigschen Wattenmeeres.

Die einzigartigen Eilande sind eine untergehende Welt – nach der Inangriffnahme und hoffentlich rüstigen Fortführung der Sicherungsbauten nicht in dem Sinne, daß sie eine Beute des Meeres werden, sondern daß sie infolge natürlicher Aufschlickungen mit dem Festlande verbunden, daß sie eingeschlossen werden in den Rahmen der Marschen und Deiche, in deren Schutze das neugewonnene Land nach einem Jahrhundert einem kernigen Menschenschlag als Wohnsitz dienen und goldenes Getreide tragen wird.

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