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Gutenberg > Friedrich Rückert >

Indische Liebeslyrik

Friedrich Rückert: Indische Liebeslyrik - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/rueckert/indliebe/indliebe.xml
typepoem
authorFriedrich Rückert
titleIndische Liebeslyrik
publisherVerlag Hans Bühler jr.
printrun1.-10. Tausend
editorHelmuth von Glasenapp
year1948
firstpub
translatorFriedrich Rückert
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081222
projectid1a36efb1
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5. Jayadeva

Gîtagovinda oder die Liebe des Krishna und der Râdhâ
I

Im Frühlingshauch, mit frühlingsblumenzartem Leib,
Im Walde wallend, Krishna suchend überall,
Von Kâmas Kummer schwer bedrängt, verwirrten Sinns,
Ward Râdhâ von der Freundin angeredet so:

Unter malayischem, duftende Nelkengebüsche besuchendem Hauche,
Unter dem bienenumschwärmten, von Kokilas Rufen ertönenden Strauche,
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Wo sich von Frau'n der Verreisten erheben aus sehnender Liebe die Klagen,
Vakula-Kronen den immenbelagerten Blütengeweben entragen;
Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Wo sich mit Moschusgedüfte berauschet das junge Gesproß der Tamâlen,
Kinshuka-Blüten wie Madanas Nägel, die herzenzerreißenden, strahlen;
      Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Wo die Zepter des Königs Ananga sind blühende Kesaras golden,
Bienengefüllet wie Köcher Kandarpa's sich zeigen die Pâtali-Dolden;
      Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Wo, die entfesselte Schöpfung erblickend, die sprießenden Karunas lachen,
Ketaki-Stengel wie liebesverwundende Spieße die Gegend umwachen;
     Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Wo, vom Gerank Atimukta's umarmet, der Âmra, der knospende, schaudert,
Durch Vrindâvana's Dickicht sich schlingend, die schlängelnde Yamunâ zaudert;
      Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Nun in dem Mâdhavî - Düfte verhauchenden, Mâlika-Balsam-betauten,
Selber die Sinne des Büßers berauschenden, zaubrischen Jugendvertrauten –
      Hari nun spielet im Lenze, dem frohen,
Tanzet, o Freundin, mit Mädchen, zur Zeit, die nicht süß ist, wo Liebe geflohen.

Aus Blumenstaube, der entstirbt gespaltnem Schöße
Der Malli-Blüte, webt ein hainbeflorend Florzelt
Er jetzt, der sengt das Herz wie Pancabâna's Odem,
Ketaki's Duftgespiel, Duftwagenlenker Lenzwind.

Auf den, hundert Frauen zu umfangen
Geizenden, liebreizenden Murâri,
In der Näh' hinzeigend, hat nun jene
Freundin wieder angeredet Râdhâ'n:

Sandelgesalbeten bräunlichen Leibes im gelblichen Kleid, der Bekränzte,
Ringe des Ohres im Tanze bewegend um Wangen, von Lächeln beglänzte,
      Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Mit den erschwellenden wallenden Brüsten umfangend den Hari voll Preise
Singet ihm eine der Hirtinnen nach die gewirbelte ``Pan-cama-Weise;
      Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Eine, die Lust hat aus lauschender Losheit der lockenden Augen getrunken,
Steht in Gedanken nun in Madhusûdana's Antlitznymphäe versunken.
      Hari im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Eine, geschmiegt an die Seite der Wangen, um etwas ins Ohr ihm zu raunen,
Küsset geschwinde den Liebsten und machet den Wonnedurchschauerten staunen.
      Hari, im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Eine des Wirbels der Wonne Verlangende ziehet am Yamuna-Strande
Jenen zur luftigen Laube Gewandten zurück mit der Hand am Gewande.
      Hari, im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Wie die von Taktschlag schütternden Spangen die Flöte begleiten im Schwunge,
Schwingt sich im rauschenden Reigen die andre, und Hari belobet die junge,
      Hari, im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Eine die halset er, eine die küsset er, herzet der herzigen eine,
Blicket nach jener mit lieblichem Lächeln, und haschet die andere feine.
      Hari, im munteren Mädchengedräng,
Mit Scherzenden scherzt er im Freudengepräng.

Er, der allgemeine Wonne ruft hervor durch seine Gunst,
Dessen zarter Lotosleib weiht des Leiblosen Gottes Fest,
Den nach Wunsch allgegenwärtig die Hainmädchen rings umfahn,
Sieh, o Freundin, wie im Frühling unbefangen Hari spielt!

II

Râdhâ, während allverliebt im Haine Hari scherzte,
Ging hinweg, ob dem verlornen Vorzug eifersüchtig,
Und in einer Laube, deren Wipfel laut von Bienenschwärmen
tönte, sprach mit Härmen sie zur Freundin also:

Der mit dem Nektar der Lippe versüßet den Ton des bezaubernden Rohres,
Fütternden Blickes und flatternden Kranzes, geschütterter Ringe des Ohres,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Dem mit beaugetem Pfauengefieder bespangt ist die Fülle des Haares,
Reich mit Purandara's Bogen bezogen das weiche Gewölk des Talares,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Üppiggelendeten ländlichen Frauen zu küssen den Mund voll Begierde,
Süß bandhujîvischen Lippengeknospes mit lockender lächelnder Zierde,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Mit den erschaudernden Ranken des Armes ein Hirtinnentausend umkränzend,
Mit bejuweleten Händen und Füßen und Busen das Dunkel durchglänzend,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Schimmer von sandelbemaleter Stirn zu des Mondes Beschämung ergießend,
Schwellende Brüste mit ungestüm pochender Pforte des Herzens umschließend,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Edelgesteiniges Makara-förmiges Ohrengehäng' um die Wangen,
Safrangemantelt, von Helden und Heiligen, Göttern und Geistern umfangen,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Lehnend am weißen Kadamba, das Grauen und Grausen von Kali beschwichtend, Mich mit Anangas Gedanken und Blicken empor auch ein weniges richtend,
Dort, wie sich Hari gebärdet im Reigen,
Denk' ich, wo munterer Scherz ihm ist eigen.

Es zählet aller Zierden Zahl, und stößt sich nicht an die Verstoßung,
Es sehnet nach Versöhnung sich, und weiset ferne die Verschuldung;
Nach Krishna, der mit andern zwar sich letzt und ohne mich ergetzet,
Macht liebend wieder doch sich auf dies leide Herz! was soll ich machen?

Mir, der Verborgnen im laubigen Dach, ihn den Schlummrer in nächtlicher Hülle,
Mir, der Allspähenden, furchtsamen Blicks, ihn, den Lachenden, wonniger Fülle,
       Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Mir, der bei seinem Erscheinen Errötenden, ihn, den beredtsamen Koser,
Mir, der mit lieblichem Lächeln Begrüßten, ihn, der dies Gewand macht loser,
       Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Mir, der aufs grünende Bette
Gesunkenen, ihn, der mir liege zu Seiten,
Mir, der Bereiten zu Kuß und Umfang, ihn die Lippen zu saugen Bereiten,
       Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Mir, mit ermattet gesunkenem Aug', ihn mit lustvoll erschauernden Wangen,
Mir, der im Tau der Erschöpfung Zerflossenen, ihn trunken von Zittern umfangen,
      Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Mir, von des Kokila Girren umschwirrt, ihn, den Sieger anangischer Regeln,
Mir, mit zerknitterten Blumen im Haar, ihn am Busen mit Spuren von Nägeln,
      Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Mir, der bespanget erklingelt der Fuß, ihn durchmessend die Bahn von Genüssen,
Mir, der entkettet der Gürtel ertönt, ihn, der fasset beim Haar, um zu küssen,
      Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spielen mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Mir, im Gefühle der Wonne betäubt, ihn, dem halb ist das Aug' aufgegangen,
Mir, der die Ranke des Leibs hinsinkt, ihn mit steigendem Liebesverlangen,
      Freundin! den Keshi-Besieger, den klaren,
Bring' ihn zum Spiele mir, liebesbewegt sich der Wunschesgewährten zu paaren.

Wie aus der Hand die Flöt' ihm sinkt, wie aus den schiefen Augenbrauenranken
Der frohen Frauen freier Blick ihn trifft, die Wang' ihm perlt von hellem Schweiße,
Und, da sein Auge mich erblickt, verlegnes Lächeln um den Mund ihm spielt,
Govind im Hain von Hirtinnengedräng umgeben seh' ich, und es freut mich.

III

Doch es nahm der Kansa-Feind die weltlustbilderfesselnde
Spange, Râdhâ, nun ans Herz, und wich vom Chor der Hirtinnen.

Dahin und dorthin ging er nach der Râdhikâ,
Ananga-Pfeileswunden fühlend in der Brust,
Herzreuevoll, und an Kalindanandîn's
Gestad' im Busche ließ sich nieder Mâdhava.

O! sie ging, wie sie hier umrungen mich sah von Frauengestalten,
Im Gefühle der Schuld auch ward sie von mir zurück nicht gehalten;
        Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

Was beginnet sie? was wohl sinnet sie, die Verlaßne voll Beben?
Was kann Gold nun und Gut mir gelten, was gelten Welt mir und Leben?
        Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

Ihres Antlitzes denk' ich unter den Brau'n, vom Zorne verzogen,
Gleich der roten Nymphäe, dunkel von Bienenschwarm überflogen,
        Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

Herzlich halt' ich sie hier umhegt, in des Herzens Räumen getragen;
Warum soll ich im Wald sie suchen, warum vergebens hier klagen?
         Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

Schmächt'ge! deines von Gram zerbrochenen Herzens muß ich gedenken,
Kann – ich weiß nicht, wohin du gingest – nach dir die Schritte nicht lenken.
         Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

Du erscheinest mir! Ja, ich sehe vor meinen Augen dich schweben;
Warum willst du mit froher Hast mir wie sonst Umarmung nicht geben?
        Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

O verzeih' mir! und nimmer wieder von mir soll solches geschehen.
Gib, o Schönste, mir deinen Blick! ich vergeh' in Manmathas Wehen.
        Harihari! die Gekränkte, gegangen ist sie im Zorne!

Dies Fasernband am Herzen mir, nicht ist's der Fürst der Schlangen;
Dies Lotoslaubgewind am Hals, nicht ist's der Glanz des Giftes;
Nur Sandelstaub, nicht Asch' ist dies: befehde nicht mich Kranken.
Mit Hara mich verwechselnd, was voll Grimm, Ananga, tobst du?

Nimm zur Hand den Âmra-Pfeil nicht! spanne nicht den Bogen straff!
Spielender Weltbesieger! ist Ohnmächt'ge fällen Heldentat?
Schon vom Liebesblickgeschosse der Gazellenaugigen
Ist dies Herz genug verwundet, das bis heut sich nicht erholt.

Ist Brau' ein Bogen, Wimperblickes Schwingung
Ein Pfeil, Ohrläppchen eine Sehn', o Smara,
Wie hast du zum Triumphzug dieser Schönen
Geliehen alle Weltbesiegungswaffen!

Vom Brauenbogen Streifblickschuß, richt' er nur Gliederweh an!
Das schwarzgewundne Haarnetz auch, üb' es nur Zauberkünste!
Berückung spend', o Schmächtige, die rote Bimba-Lippe!
Doch deine zartgewölbte Brust, wie spielt mit meinem Geist sie!

Die lieblichen Berührungen, das holde schwanke Blickespiel der Augen,
Der Mundnymphäe würz'ger Duft, die Nektarträufelung der losen Worte,
Der Bimba-Lippe Süßigkeit! da in Vergegenwärt'gung all der Reize
Mit Andacht das Gemüt an sie sich schmiegt; wie kann der Trennung Pein doch walten!

IV

Den am Yamunâ-Stromufer im Laubhause verweilenden
Hari voll Liebesunruhen grüßte die Freundin Râdhâ's itzt:

Sandel verbannt sie, die Strahlen des Mondes erkennt sie für Qualenumschnürung,
Nennt die malayischen Lüfte vergiftet von Schlangengebirges Berührung,
        Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen, als einzigen Hort dich umrankend.

Um vor den dicht sich ergießenden Madana-Pfeilen dir Schirmung zu geben,
Wölbt sie ums Herz, wo du wohnest, ein Schild sich aus tauigen Lotosgeweben,
        Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen als einzigen Hort dich umrankend.

Aus den Geschossen des blumenverschießenden Gottes, versenkt in Gefühle,
Häufet sie deiner Umarmungen Wonnen geweihete blumige Pfühle,
        Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen, als einzigen Hort dich umrankend.

Ihres Gesichtes Nymphäe bewegt sie, von rinnenden Tränen umflossen,
Ähnlich dem Mond, der, vom Rachen des Râhu bedrängt, hat sein Amrit vergossen,
         Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen, als einzigen Hort dich umrankend.

Mit Antelopengewürze sie malet dich heimlich als Schürer der Gluten,
Betet das Bild an, in Händen den Makara haltend und Pfeile von Cûten,
         Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen, als einzigen Hort dich umrankend.

Also die Wiederkehr singet sie: Mâdhava! sieh mich zu Fuße dir fallen;
Kehrst du dich ab, so wird Feuer statt Nektar im Becher des Mondes mir wallen.
         Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen, als einzigen Hort dich umrankend.

Hin in Gedanken geschmolzen, sie stellt sich dich vor, dich so schwer zu erflehen,
Klaget und lachet und lieget und weinet und wandelt und wechselt die Wehen,
         Sie, von der Trennung erkrankend,
Krishna! geschreckt von Ananga's Geschossen, als einzigen Hort dich umrankend.

Ihre Wohnung dünkt ein wilder Wald ihr,
Und ihr Mägdechor ein Jägernetz,
Während ihre glüh'nden Seufzerhauche
Bilden eines Waldbrands Flammenkranz;
Doch sie selbst, durch deine Flucht, o Jammer,
Nahm Gazellenbild an, auch und wie
Kâma die Gestalt gewann von Yama,
Und beschickt mit Lust sein Tigerspiel!

Selber vom lieblichen Kranz, der sie schmücket,
Fühlt die Gemagerte sich wie gedrücket,
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Saftige, weichliche Salbe von Sandeln
Fühlt sie in Gift auf dem Leib sich verwandeln
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Seufzers unendlich gedehnetes Hauchen
Lässet wie Madana's Lohe sie rauchen,
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Um und um drehet sie, träufelnden Spieles,
Augennymphäen gesunkenen Stieles,
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Zweifelnd besieht sie ihr blumiges Bette,
Das ihr erscheint wie Hutâshana's Stätte,
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Still auf die Hand nur die Wange sie leget,
Wie sich am Abend der Mond nicht beweget,
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Hari, o Hari! so ruft sie erbangend,
Selbst in der Trennung zu sterben verlangend,
Râdhâ, in deiner Trennung, o Keshava!

Sie schauert, stöhnet, winselt, zittert, schweigt,
Sinnt, schwärmet, nickt, fällt, strebet, schwiemet hin;
Nur deine Huld erhält die Holde noch,
O Himmelsarzt, sonst bleibt kein Anhalt ihr.

Wenn die Liebeskranke, süßer Götterarzt,
Deren Heilung deines Leibes Amrit ist,
Wenn du Râdhâ von dem Weh nicht retten willst,
Indra's Bruder! bist du hart wie Indra's Keil.

Unter Kâma's Drang und Andrang kranken Leibs, o Wunder, fühlt
Ihr Gemüt, an Sandel, Mond und Lotos denkend, Traurigkeit.
In Geduld nur die Gedanken ganz auf deinen kühlen Leib
Richtend, einz'ger Freund, im Stillen atmet noch die Schwindende.

Die, durch ein Blinzen deines Augs gekränkt schon,
Sonst keinen Augenblick ertrug die Trennung,
Wie seufzt sie jetzt, da den Rasâla-Strauch sie
Durch Trennungslänge siehet neu beblütet!

V

»Hier verweil ich; geh zu Râdhâ,
Bring mein Werben! bring sie hergeführet!«
So vom Madhu-Feind gesendet,
Eilte selbst und sprach zu Râdhâ jene:

Wo malayische Lüfte wehn,
         schwebend Ananga zu tragen,
Blühende Knospen aufgehn,
         Herzen getrennter Verliebter zu nagen,
Freundin! wie schmachtet der Hainbekränzte, getrennt von dir!

Glühend am tauigen Mondesstrahl,
         Stellt er sich an zu sterben;
Fühlend Madana's Pfeilqual,
         klaget er laut das gedrohte Verderben.
Freundin! wie schmachtet der Hainbekränzte, getrennt von dir!

Vor dem tönenden Bienenschwarm
         hält er verstopft die Ohren;
Durch die Trennung an Lust arm,
         siechet er nächtlich in Schmerzen verloren.
Freundin! wie schmachtet der Hainbekränzte, getrennt von dir!

Wälder wählt er zum Aufenthalt
         glänzende Schlösser verlassend,
Wälzt am Boden sich stumm bald,
         bald bei dem Namen dich ruft er erblassend;
Freundin! wie schmachtet der Hainbekränzte, getrennt von dir!

Wo schon eh'r des Wonneherren Lustziel er mit dir erreicht,
In derselben Laube, Kâma's hohem Tempel, harret er,
Mâdhava, der dich nur denkend, flüstert Huldbeschwörungen,
Wieder deiner Busenschal' Umarmungsnektar wünschet er.

Wo er zur Wohnung der Wonnebelohnung genaht ist im Schmucke der Liebe,
Stattlich Gelendete! säume nicht, wende dich schnell zu dem Herrscher der Triebe!
Unter dem Duftstrauch an Yamunâ's Lufthauch harret der Hainbekränzte.

Deinen bedungenen, töneverschlungenen Namen enthaucht er dem Rohre,
         Neidet dem Winde den Staub, der gelinde dir, Zarte, gespielt hat am Flore;
         Unter dem Duftstrauch an Yamunâ's Lufthauch harret der Hainbekränzte.

Schwingt eine Taube sich, regt es im Laube sich, meinet er, daß du gekommen,
Schmücket das Lager dir, blicket mit zager Begier dir entgegen beklommen;

Laß die umzingelnden, plauderhaft klingelnden, liebesverrät'rischen Spangen,
         Freundin, o husche zum dämmrigen Busche, von nächtlichen Schleiern umfangen!
         Unter dem Duftstrauch an Yamunâ's Lufthauch harret der Hainbekränzte.

Dort die geschmeidete, safranbekleidete Brust, wie die kranichumschweifte
         Wolke, dem Blitze gleich wählst du zum Sitze, die heiß im Verlangen Gereifte.
         Unter dem Duftstrauch an Yamunâ's Lufthauch harret der Hainbekränzte.

Schlag die gelösete, schmuckesentblößete Lende gleich einem Gewande
     Um den auf Sprossen gewiegten Genossen, o Blüh'nde zu wonnigem Pfande!
     Unter dem Duftstrauch an Yamunâ's Lufthauch harret der Hainbekränzte.

Mâdhava's Sinn ist stolz, im Beginn ist die Nacht, bald ist sie vergangen,
     Tu, was ich heiße, mit eilendem Fleiße, befriedige Hari's Verlangen!
     Unter dem Duftstrauch an Yamunâ's Lufthauch harret der Hainbekränzte.

Zugleich mit deiner Sprödigkeit hinunter ganz gegangen ist die Sonne,
     Und mit Govinda's Sehnsucht hat die volle Dichtigkeit erlangt das Dunkel;
     Dem Cakravâka-Rufe gleich tönt kläglich meine lange Liebesmahnung;
     Leichtsinnige, was zauderst du? die rechte Zeit ist da zum Nachtbesuche!

Unter Armverschränkung, unter Küssen, unter Nägelkampf,
     Unter Wonnerweckung, unter Liebeshast und Lustbeginn,
     Zwei Entzweite, wieder eins gewordene, traulich Kosende,
     Welche Lust, o welche labt sie, schamgewürzt, nicht in der Nacht!

Scheuer Furcht, die Augen rings im Dunkel werfend auf den Pfad,
Oft an einem Baume stockend, langsam setzend Fuß vor Fuß,
Endlich heimlich angelangt mit Gliedern wonnewogenden,
Schöne! mag der Freund dich sehen, und begehen seine Lust!

VI

Doch sie, zu schwach zu gehen,
Voll Liebeswehen lag im Rankenhaus.
Die Freundin, um Govinden
Dies zu verkünden, kam zu ihm:

Überall schaut sie, wohin sie nur schauet,
Dich, dem die Lippe von Honige tauet,
        Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

Hebt, dir entgegenzugehn, sie die Glieder,
Sinkt sie nach wenigen Schritten danieder,
        Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

Blüten und Blätter zu Ketten verwebend,
Schwärmt sie, von deiner Erinnrung nur lebend,
        Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

Sich im gebärdenden Spiele betrachtend,
»Bin ich nicht Hari?« so rufet sie schmachtend,
         Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

»Warum zum Ort der Bestimmung nicht eilt er?«
Fragt sie beständig: »O Freundin, wo weilt er?«
         Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

Küssend umarmt sie der nächtlichen Schatten
Wolkengebild, das sie hält für den Gatten,
         Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

Während du säumest, erliegt sie dem Drange.
Jammert und harret bereit zum Empfange,
         Hari, o Hort!
Râdhâ erliegt in der Laube dort.

Bis zum Ohrläppchen schaudernd, seufzerschwellend,
Mit stockender, erstickter Stimme stammelnd,
Auf dich, Treuloser, richtend tiefe Sehnsucht,
Denkt, lustversenkt, nur dich, die Rehgeaugte.

Oft legt sie ihren Gliedern an den Putz, und rührt ein Blatt sich,
So wähnt sie dich gekommen, breitet auf das Bett, und sinnet.
Wiewohl sie so mit Wohnungsschmuck, mit Wonnewahn
und Argwohn Sich unterhält, doch ohne dich durchlebet sie die Nacht
nicht.

VII

Der, dem zur Last fällt Fall und Fehltritt vieler
Nachtwandlerinnen (davon trägt er Flecken),
Jetzt um Vrindâvan's Wald ein Strahlnetz wob er,
Der Mond, am Mund der Nacht ein Sandeltropfen.

Da hin die Lichtscheib' eilte,
Und ferne weilte Mâdhava von ihr,
Hub an mit lautem Klagen
Ihr Leid zu sagen Râdhâ so:

Ach! Der Freund läßt zur Frist mich im Hain unbesucht!
Welken muß meines Leibes Jugendblüt' ohne Frucht.
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Dem ich nachgehe nachts tief in Waldwüstenein,
Madana's Pfeile bohrt er ins Herz mir, o Pein!
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Sterben! was bleibt mir sonst? Soll ich mit krankem Leib,
Sinnberaubt, diese Glut tragen, glückloses Weib?
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Ach, wie bringt Kummer mir diese lenzlaue Nacht!
Welche glücksel'ge hat sie in Lust dort durchwacht?
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Meines Leibs Edelsteinspangenschmuck, keine Lust,
Keinen Trost bringt er mir unter'm Brand meiner Brust,
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Selbst der Strauß, den ich drück' an dies Herz blumenweich,
Tötet mich, denn er sieht jenes Gotts Pfeilen gleich,
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Hier am Fluß seh' ich Schilfrohre stehn ohne Zahl,
Doch es denkt Mâdhava mein nicht ein einzigmal.
Ha, an wen wend' ich mich? auch der Herzfreundin Wort
ist Betrug.

Was ist es? geht er Schönen nach? hält ihn umringt der Reigen
Von frohen Tanzgenossen? ging er irr im dunklen Haine?
Vermag der Liebe, Lässige nicht einen Schritt zu schreiten,
Daß den bestimmten Ort der Rankenhütt' er nicht besucht hat?

Da sie nun ohne Mâdhava die Freundin
Sah wiederkommen schweigend und verlegen,
Argwohnte sie, den Weltersehnten habe
Verlockt ein Weib, und sprach, als ob sie's sähe:

Rüstig geschürzet zu Madana's Kriegen,
Blumenverstreuender Haare, die fliegen,
         Liebend mit Hari vereint,
Scherzt eine, die mir selig scheint.

Trunken von Hari's Umarmung durchzittert,
Während der Schmuck auf dem Busen ihr schüttert,
         Liebend mit Hari vereint,
Scherzt eine, die mir selig scheint.

Mond des Gesichtes von Locken umflogen,
Saugend an Lippen und müde gesogen,
         Liebend mit Hari vereint,
Scherzt eine, die mir selig scheint.

Ohrengehäng' um die Wangen bewegend,
Rasch mit der klingelnden Hüfte sich regend,
         Liebend mit Hari vereint,
Scherzt eine, die mir selig scheint.

Lächelnd am Blicke des Liebsten errötend,
Liebesentzückungen wonniglich flötend,
         Liebend mit Hari vereint,
Scherzt eine, die mir selig scheint.

Schauerdurchrieselt, empfindungdurchzittert,
Stöhnend und blinzend, von Kâma umwittert,
         Liebend mit Hari vereint,
Scherzt eine, die mir selig scheint.

Der wie Hari's sehnsuchtsbleiches Antlitz
Lächelt, um den Kummer zu zerstreun,
Ach, der Mond, er breitet übers Herz voll
Herzenliebe mir nur Liebespein.

Aufs liebesentzündete, kußlichgemündete Antlitz der Liebsten malt
Er mit Schauderbeschleichen aus Muskus ein Zeichen, als Reh, das im Monde strahlt.
     O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
         Madhusûdana jetzo, der Held!

In das Wolkengeflocke der glänzenden Locke, die weht um der Wangen Zier,
Flicht er Kurava-Spitzen, die flattern gleich Blitzen, in Madana's Jagdrevier.
     O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
         Madhusûdana jetzo, der Held!

Des Busens gelüftete muskusdurchdüftete wölbende Himmelsflur,
Er besternt sie mit reinen Gehängen von Steinen, ihr Mond ist die Nagelspur.
     O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
         Madhusûdana jetzo, der Held!

Den Arm ohne Mängel, den Lilienstengel, den Lilienhand bezweigt,
Umspangt er mit Bienen, mit feur'gen Rubinen, den Arm, der dem Schnee'e gleicht.
    O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
        Madhusûdana jetzo, der Held!

Um's Wonnegelände der schwellenden Lende, den Madana-Thron von Gold,
Ist der festliche Bogen des Sieges gezogen, der Gürtel juwelenhold.
    O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
        Madhusûdana jetzo, der Held!

Die Kamala-Schüsse, die weichlichen Füße, mit Nageljuwel geschmückt,
Belegt er zum Schutze mit Yâvaka-Putze, indem er ans Herz sie drückt.
    O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
        Madhusûdana jetzo, der Held!

Da also der Sieger, der Bruder vom Pflüger, ein reizendes Weib umkos't,
Was weil ich, zum Raube dem Gram, in der Laube, Freundin, hier ohne Trost?
    O wie spielt an Yamunâ's waldigem Strand
        Madhusûdana jetzo, der Held!

Was, Freundin, wenn der Grausame nicht kam, o Botin, grämst du dich?
Ergötzt der Vielgeliebte sieh nach Lust, was ist es deine Schuld?
Sieh, zur Vereinung mit dem Freund, gezogen von des Liebsten Zier,
In Sehnsuchtswehn ergossen, soll nun diese Seele selber gehn.

Unter dem lächelnden Blick des Genossen
Schmachtet sie nicht auf dem Lager von Sprossen,
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Unter dem Hauche vom blühenden Munde
Fühlet sie nicht von Ananga die Wunde,
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Unter'm ambrosischen Kosen gelinde
Trinket sie Glut nicht im Malaya-Winde,
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Unter den glänzenden Lilienhänden
Dürfen sie Strahlen des Mondes nicht blenden,
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Unter der tauenden Wolke der Wonnen
Ist sie dem Jammer der Trennung entronnen,
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Unter dem Glanze des Schmucks des Getreuen
Braucht sie kein Mägdegelächter zu scheuen,
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Unter dem Schirme des Schönsten von allen
Trifft sie kein Weh, denn sie hat ihm gefallen.
Sie, o Freundin, mit der Vanamâlin spielt.

Kâma's Wonn' erregender, o Sandelwind,
Schenk' mir Huld und wehe recht! o sei nicht links!
Schöpfungsodem! bring mir einen Augenblick
Hari her, und nimm den Odem mir dafür!

Malaya-Duft, gib mir den Tod! Fünfpfeiliger
Nimm meinen Hauch hin! nicht nach Hause geh' ich mehr.
Was, Yama's Schwester schonest du? In deine Flut
Tauch meine Glieder, lösche dieses Leibes Brand!

VIII

Doch nach endlich hingebrachter Nacht,
Morgens, noch von Smara's Pfeile wund,
Sprach zu dem, vor ihr zwar auf den Knien
Gnade Fleh'nden, sie doch voll Verdruß:

Dein von beschwerlicher nächtlicher Wache gerötetes Auge, das träge
Blinzende, trägt es nicht gleichsam zur Schau des erwünschten Genusses Gepräge?
Harihari! geh nur, Mâdhava! geh nur Keshava! rede nicht trügliche Worte!
Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte!

Die von geküssetem dunkelgeschminketem Auge geliehenen Schwärzen
Färben die rötlichen Lippen, o Krishna, dir ganz überein mit dem Herzen.
Harihari! geh nur, Mâdhava! geh nur, Keshava! rede nicht trügliche Worte!
Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte!

Zeiget dein Leib doch die Spuren geschärfeter Nägel kandarpischen Krieges
Wie die smaragdene Tafel in goldenen Zügen das Denkmal des Sieges.
Harihari! geh nur, Mâdhava! geh nur, Keshava! rede nicht trügliche Worte!
Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte!

Glänzt nicht dein edler Busen vom Lacke, dem Lotos des Fußes entflossen,
Wie um von außen zu weisen vom Baume der Liebe die neuesten Sprossen?
Harihari! geh nur, Mâdhava! geh nur, Keshava! rede nicht trügliche Worte!
Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte!

Spuren verwundeter Zähn' auf den Lippen erregen mir Gram im Gemüte
Fragen mich, ob unversehrt ich bei mir nun den Leib des Geliebten wohl hüte?
Harihari! geh nur Mâdhava! geh nur, Keshava! rede nicht trügliche Worte!
Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte! Meine ältere deutsche Übersetzung, wörtlicher als die jetzige, lautete so:

Spuren des Zahns auf den Lippen erzeugen mit Kummer im Geist ungeheilt,
Fragen, ob dieser dein Leib wohl auch jetzt vereint sei mit mir ungeteilt?
Spuren des Zahns auf den Lippen erzeugen mir Kummer im Geist ungeheilt,
Fragen, ob dieser dein Leib wohl auch jetzo vereint sei mit mir ungeteilt?

Deine befleckte Gesinnung, o Krishna, ist gleichsam von außen zu sehen;
Sprich, was betörst ein ergebenes Weib du, das ringet in Madana's Wehen? Meine erste Übersetzung lautete:
Selber von außen befleckt, o Krishna, mag wohl dein Gemüt mir erscheinen.
Wie denn betrügst du ein Weib, ein ergebnes, gepeint von anangischen Peinen?

     Harihari! geh nur, Mâdhava! geh nur, Keshava! rede nicht trügliche Worte!
         Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte!

Edler, du schweifest, um Weiber zu fahen, in Wäldern, was ist da zu staunen?
Pûtanikâ schon bezeugt dir die kindischen frauenverderblichen Launen.
     Harihari! geh nur, Mâdhava! geh nur, Keshava! rede nicht trügliche Worte!
         Lotosgeaugter! suche nur die, die dir dienet im Kummer zum Horte!

IX

Aber zu der Liebesgekränkten,
Kummerversenkten, Verlangenvollen,
Über Hari's Vergehen Grollenden,
Mit ihm Schmollenden, sprach die Magd:

Hari auf Flügeln der Lenzluft besucht dich;
Locket auf Erden wohl süßere Frucht dich?
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Deine die Dattel beschämende Brust hier,
Sprich, was entziehest du selber die Lust ihr?
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Sagt' ich's so oft dir in jeglicher Art nicht?
Gegen den herrlichen Hari sei hart nicht!
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Warum o zagest du, klagest du, weinst du?
Alle Gefährtinnen lachen, was meinst du?
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Sieh, auf dem Lager von Blüt' und von Blatt da
Lagert er, mache die Augen dir satt da!
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Treibe vom Herzen des Kummers Berennung!
Höre mein Wort, das nicht rät zu der Trennung:
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Hari soll kommen und kosen genußreich;
Freundin, was machst du das Herz dir verdrußreich?
         Gegen Mâdhava tu
         Nicht spröd', o Spröde du!

Wenn du hart dem Weichen, wenn du starr bist dem sich Schmiegenden,
    Abgeneigt dem Zugeneigten, feindlich einem solchen Freund;
     Billig wird dann, o Verkehrte, Sandelsalbe dir zu Gift,
     Mondstrahl Sonnenbrand, Schnee Feuer, Minnelustspiel Todeskampf.

X

Als inzwischen lind ihr Zorn geworden war,
Und des langen Seufzens müd' ihr schöner Mund,
Trat zu ihr, die schamvoll auf die Mägde sah,
Abends Hari, sprach mit holdem Stammeln so:

Wenn du nur ein Wörtchen sprichst, wird des Zahnes Lilienglanz dieses Bangens Nacht mir entfloren;
Deines Angesichtes Mond mit dem Lippennektarstrom labt der Augen durst'ge Cakoren.
Freundin! anmutreiche! laß den Stolz, den grundlosen, sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Schöngezahnte, wenn du bist wirklich gegen mich erzürnt, gib vom Pfeil des Nagels die Wunde!
In Armfesseln schlage mich, scharfen Bisses nage mich, oder was dir lieb ist zur Stunde!
Freundin! anmutreiche! lasse den Stolz, den grundlosen sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Du allein bist meine Zier, du allein mein Leben hier, mein Juwel in irdischen Schachten;
Herrin, daß du gegen mich immer freundlich seiest, das ist des Herzens eifrigstes Trachten.
Freundin! anmutreiche! laß den Stolz, den grundlosen, sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Dein sonst lotosblaues Aug', Holde, trägt erzürnt den Schein rötlicher Nymphä' im Gewässer;
Wenn du durch des Liebepfeils Regung es wie meinen Leib dunkeln ließest, ständ' es ihm besser.
Freundin! anmutreiche! laß den Stolz, den grundlosen, sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Laß dein Edelsteingerank auf der Brüste Schalen sprühn, daß er färbe des Herzens Bleichen!
Laß des Gürtels Glockenspiel tönen um der Lende Wall, daß zur Lust es gebe das Zeichen!
Freundin! anmutreiche! laß den Stolz, den grundlosen, sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Dein nymphäentötendes, meinen Busen rötendes, siegreich auf dem Lustkampfplatze
Schimmernd steh'ndes Sohlenpaar, sprich, soll ich's belegen zart mit des Lacks saftglänzendem Schatze?
Freundin! anmutreiche! laß den Stolz, den grundlosen, sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Gib, die Kâmas Gift versöhnt, gib, die meinen Scheitel krönt, mir des Fußzweigs blühende Spitze!
Furchtbar ist in meinem Blut Madana's Verzehrungsglut; laß den Fußtritt dämpfen die Hitze!
Freundin! anmutreiche! laß den Stolz, den grundlosen, sinken!
Von Kandarpa's Feuer ging meine Seel' in Flammen auf; gib des Mundes Met mir zu trinken!

Laß, Zweifelnde, den Wahn, den Haß! In deinem Schoß und Busen
     Ruht, Reizende, mein Wunsch und tut für andres nie sich auf.
     Eingeht ins Herz allein die Pein mir des leiblosen Gottes;
     Gib, Holde, gib sein Recht dem Trieb, umarmend gib dich hin.

Gib, Mädchen, mir des schonungslosen Zahnes Biß,
     Der Arme Ketten, enge Busenklemmung!
     Entbrannte! deine Lust laß aus! aus Wundenklaff
     Des Mördergotts entfliehn die Lebensgeister.

Mondangesicht, die Krümmung deiner Brauen
     Ist junger Herzen schwarze Todesschlange;
     Die von ihr drohende Gefahr zu wenden,
     Ist dein Mundnektar die Beschwörungsformel.

Nutzlos peinigt mich dein Schmollen, Schmächt'ge, kose Köstliches!
     Blühende, mit holdanredenden Blicken scheuche den Verdruß!
     Wohlgewandte, wend' einmal nicht mehr dein Antlitz ab! o tu
     Dir nicht selbst weh, Milde, Holde, dein Geliebter, ich bin da!

Bandhûka's Glanz hat deine Lipp', und deine Wange zart Madhûka's Schimmer,
     O Huldin, blauen Lotosduft zu hauchen scheinen deine dunkeln Augen;
     Die Nase strebt ein Tila-Sproß empor, o Kind mit Zähnen von Jasminen!
     In deines Angesichtes Dienst besiegt die Welt der Gott mit Blumenwaffen.

In deinem Blick die Trunkenheit, den Mondschein auf der Stirne,
     Die Anmut selbst in deinem Gang, die Füll' im Schenkelpaare,
     In deinem Arm die Liebeslust, die Zierd' in krauser Locke,
     Wie manche Jugendgottheit bringst du mit dir her zur Erde!

XI

Nachdem er lang geliebkost der Rehaugigen,
     Ging vollgeschmückt zum laub'gen Lager Keshava;
     Da sprach, als augenlabend an der Abend glomm,
     Zur fröhlich aufgeputzten Râdhâ so die Magd:

Der da mit schönen versöhnenden Tönen die Füße dir flehend umfangen,
Nun in der luftigen Laube zum lockenden Lager der Lust ist gegangen,
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

Walle mit wallendem Busen, mit wogender Lendenbewegung die Bahnen,
Schüchtern im Klange des schütternden Schmuckes, und zeige den Gang der Fasanen,
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

Hörst du des Madhu-Befehders die frauenbezaubernde Stimme, die süße?
Unter dem Kokila-Chore, dem Liebe besingenden, suche Genüsse,
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

Winkend im Winde, mit blättergefingerten Händen, die Winden der Bäume
Mahnen dich lange zur Eile des Gangs, Saumselige, länger nicht säume,
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

Diese vom Drang des Ananga Bewegte, nach Haris Umarmungen Lust nur
Zeigende, frage du diese von hellen Juwelen betauete Brust nur,
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

Von der Gefährtinnen Reihen umrungen, zum ringenden Kampfe gerüstet,
Rasende! rühre die Trommel, und fahre die Nachtfahrt, scheulos gebrüstet!
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

Stütze die Hand mit dem Manmatha-Pfeile, dem Nagel, auf deine Vertraute,
Wecke den lauschenden Freund mit der Spangen im Anschritt dröhnendem Laute,
         Mädchen! dem Madhu-Bemeistrer,
     Dem genaheten, nahe dich, Râdhikâ!

»Schauen wird sie mich, wird kommen, bringen süßen Liebesgruß,
     Mit Umfang sich letzen, lustvereinigt!« so gedankenvoll
     Blickt er, Freundin, dort nach dir aus, zittert, schaudert, jauchzt, zerfließt,
     Springt empor und sinkt zurück, im dunkeln Laubgewölb, dein Freund.

Schwarze Schmink' aufs Auge tuend, hinters Ohr Tâpiccha-Laub,
     Auf die Locke dunklen Lotos, auf die Brust ein Muskusmal,
     Lauscht, gehüllt in dichte Schleier, jetzt das Nachtgraun im Gebüsch,
     Und umfängt, o Freundin, eil'ger Nachtbesucherinnen Leib.

Von kashmirweißgeleibter Wandlerinnen
     Juwelenglänzen überall bestreifet,
     Dient dies tamâlenblätterschwarze Dunkel
     Der Nacht zum Probstein ihres Liebesgoldes.

Am Eingang des vom Glanz des Halsgeschmeides,
     Des goldnen Gürtels und der Kettenspangen
     Durchstrahlten Laubdachs stand beschämt und schaute
     Den Hari Râdhâ, da begann die Freundin:

Hier in des Laubrankengeflechts Freudengemache,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, Wonnebegierblickende, lache!

Wo sich ein frisch grünes Gebüsch wölbet zum Bette,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, laß auf der Brust klingen die Kette!

Wo den Palast blühender Ast baut, der betaute,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, Zierliche, Zartblumengebaute!

Wo von der Duftmalayaluft kühl sind die Hallen,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, laß den Gesang lockend erschallen!

Unter des Laubdaches gewindwebendem Hange,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, ruhe vom anstrengenden Gange!

Wo ihr Gesumm übet die Imm' honigbetrunken,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, süß in Begier wonnig versunken!

Wo dich der Lenzkokila laut ladet zum Sitze,
     Râdhâ! tritt ein in Mâdhava's Nähe,
     Spiele du hier, zeige des Zahns glänzende Spitze!

Mit verlangendem Lustbangen, auf Govinda gewandt den Blick,
     Hold mit hellem Geschmeid läutend, ging sie ein in das Haingemach.

Ihn, der, von Râdhâs Antlitz bestrahlet, entfaltete vielfache Regung,
     Wie bei des Monds Aufgange des wallenden Weltmeers Wellenbewegung,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Dem ein gesterntes Geschmeide sich schmiegt, um den Busen in weiter Umfließung,
     Gleich der mit glänzenden Schäumen sich kränzenden Yamunâ-Flutenergießung,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Dem um den bräunlichen lieblichen Leib sich gebreitet die gelbliche Hülle,
    Wie um die blaue Nymphäe des stäubenden Duftes vergoldende Fülle,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Dem auf dem liebesgeröteten Antlitz die flatternden Wimpern sich wiegen,
     Wie Bachstelzen im herbstlichen Weiher um blühende Lotosse fliegen,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Welchem die Wangennymphäe zu küssen, die Ohrringsonnen sich drehen,
     Welchem mit lächelndem Glanz aufblühen die Lippen, um Liebe zu flehen,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Dessen beblumete Locken der Wolke, der mondlich beschimmerten, gleichen,
     Dem wie ein Mond aus der Nacht sich erhebt an der Stirne von Sandel das Zeichen,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Mächtig vom Schauer der Wonne geschüttert, vom Pulse der Liebe durchzittert,
     Rings von dem Strahlengewebe juwelenen Schmuckes die Glieder umflittert,
         Hari, den einzigholden, der lang' ersehnt die Vereinung,
     Sah sie nun, ihn mit den lustaussprechenden Mienen, Ananga's Erscheinung.

Aus dem Auge, das den Winkel überschreitend, nach des Ohrs
     Grenzgebiet hinstrebend, niedersinken ließ den schwanken Stern,
     Stürzte jetzt der Râdhâ, da ihr des Geliebten Anblick ward,
     Plötzlich wie ein Schweißerguß hervor ein Freudentränenstrom.

Sie stand am Rand des Lagers,
     Als, unterm Schein, die Wange sich zu jücken,
     Das Lachen sich verhaltend,
     Der aufmerksamen Mägde Schar hinausging;
     Und als sie sah das Antlitz
     Des Liebsten, das von Smara's Pfeil entglommne,
     Die Schämige, da ging nun
     Hinweg die Scham auch von der Rehgeaugten.

XII

Nach der Dienerinnen Weggang, als, von minder Scheu bedrängt,
Von Gefühlsiegs Ausdruck schwellend, lächeltaubenetzten Munds,
Râdhâ, die Verlangenvolle, dastand, und am laub'gen Bett
Ihre Augen niederschlug, sprach zur Geliebten Hari so:

Liebende! setz' auf das Lager von Laube den Fuß, der den Lotos besieget,
Mach' es zum glänzenden Zeugen, wie leicht ihm sein blühender Gegner erlieget!
Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Soll in die Hand ich nicht fassen den Fuß dir? so weit her bist du gegangen;
Laß auf dem Bett wie mich selber nur ruhen die mutig begleitenden Spangen!
Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Träufle vom Nektarbehälter des Mundes ambrosische Worte zur Feier!
Sieh, wie die Trennung entheb' ich dem Busen den brüstebedrängenden Schleier.
Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Den nach des Freundes Umfangen verlangenden, bangenden, einzig erkornen
Busen laß wallen am Busen mir, stille die Glut des Gemütegebornen!
     Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Reizende! reiche den Nektar der Lippe, belebe den Sklaven, den toten,
Den in dir lebenden, welchem die Gluten der Trennung zu atmen verboten.
     Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Klingle mit Gürteljuwelen ins Klingen der Kehle, du Mond von Gesichte!
Meine zu lange von Kokila's Gellen ermüdeten Ohren beschwichte!
     Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Jetzo den Freund, den von deinem so nutzlosen Grolle Gequälten, zu sehen,
Blinzet dein Auge vor Scham; o laß es, und löse der Liebe die Wehen!
     Im Augenblick dem Nârâyana, dem genaheten, nah' o Râdhikâ!

Wo dem engeren Umfahn von Schauern,
     Und dem Minneblickspiel von des Augs
     Blinzelung, dem Lippennektartrinken
     Von dem scherzenden Liebkosungswort,
     Selbst dem Liebeskampfe vom Entzücken
     Immer eine Schranke ward gesetzt:
Unter solchen Hemmungen ergehend,
Ward ihr Lustaustausch genußreich erst.

Von Nageldruck blaßrote Brust, von Schlummerlosigkeit getrübte Augen,
Der Lippen Purpur weggehaucht, des Hauptes Wald wirr mit zerstörten Kränzen,
Der Gürtel klaffend, schlapp das Kleid: ein solches Morgenbild war sie den Augen;
O Wunder, wie des Gatten Herz von diesen Kâma-Pfeilen ward durchbohret!

Zum Liebebegnügten nach Wonnegenuß,
Sie mit gelösten Gliedern,
Râdhâ mit ehrerbietiger Scheu
Sprach also zu Govinda:

Yadu-Beglücker! mit sandelerkühlender Hand an die strahlende Busenschal',
An die mit Madana's Opfergefäße sich messende, male das Muskusmal!
     Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
     Dem spielenden Herzenserkorenen.

Laß hier, o Liebster, am Liebesgeschosse versendenden blendenden Augenpaar
Nun die vom Kusse der Lippen zerstobenen blinkenden Schminken enttauchen klar!
     Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
     Dem spielenden Herzenserkorenen.

Holder Gesell! an die Augengazellenbewegung – umhegenden Ohren bring'
Hier den geschickt sich wie Madana's Fangstrick dehnenden sehnenden Ohrenring;
     Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
     Dem spielenden Herzenserkorenen.

Fang ins Geflechte die flatternden, lange wie Bienen in schwärmenden Flocken mein
Lilienlicht des Gesichtes umhangenden, fange die lockeren Locken ein!
     Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
     Dem spielenden Herzenserkorenen.

Male mir, Munterer, am Monde der Stirne das Zeichen aus Muskus gemischt mit Fleiß,
Daß an dem Monde die Flecken nicht fehlen, nachdem du ihm ab hast gewischt den Schweiß.
     Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
     Dem spielenden Herzenserkorenen.

Flicht nur und sträube dich nicht, hier ins wallende Panner Ananga's die Blumenschleif',
Hier in das wirre Geflirre des Schopfes, der spielt wie ein spiegelnder Pfauenschweif.
     Sie gebot dem Yadu-Geborenen,
     Dem spielenden Herzenserkorenen.

Den Schmuck der Brüste rüste zu, laß Farb' auf Wangen prangen!
     Lind um die Lende leg den Gurt, den Kranz am Haarnetz kräusle!
     Schling um die Hand die Spangenschlang', am Fuße fest die Fessel! –
     So angewiesen, jedes tat gewandt der Gelbgewand'ge.

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