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In Reih' und Glied. Zweiter Theil

Friedrich Spielhagen: In Reih' und Glied. Zweiter Theil - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleIn Reih' und Glied. Zweiter Theil
publisherVerlag von L. Staackmann
printrunSechste Auflage
year1883
firstpub1866
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130715
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Achtes Capitel.

Als sie erwachte, dauerte es eine geraume Zeit, bis sie sich auch nur einigermaßen in ihre Situation finden konnte. Die Ampel brannte nicht mehr; trotzdem war das Zimmer von der rosigen Dämmerung durchflossen; nach und nach überzeugte sich Silvia, daß das Licht von dem Tage herrühre, der durch die dichten rothseidenen Gardinen hereinschien. So hatte sie also nicht, wie sie anfangs wähnte, eine Stunde – sie hatte die ganze Nacht hier geschlafen.

Mit einem Gefühl des Schreckens richtete sie sich vollends auf und blickte verstört im Zimmer umher. Da stand das Bett der Tante; die Vorhänge waren zugezogen; schlief die Tante noch? welche Zeit war es? Sie hatte ihre Uhr noch im Gürtel, aber diese war auf Zwölf stehen geblieben.

Es war das erstemal, daß Silvia vergessen hatte, die kleine hübsche Uhr, die ihr vor nun fünf Jahren der Freiherr einmal zu Weihnachten geschenkt hatte, aufzuziehen. Der geringfügige Umstand berührte sie sonderbar. Es war ihr, als ob hier eine ihr vertraute Seele gelebt hätte, die nun todt sei, als ob zwischen gestern und heute eine Kluft sei, die das Heute vom Gestern unwiderruflich trenne; als ob sie von heute an ein neues Leben zu beginnen habe.

Sie hatte gestern zum letzten Male auf die Uhr gesehen, als der König fragte, welche Zeit es sei. Daran dachte sie jetzt. Was war doch zwischen ihnen gesprochen worden? War der König nicht mit einem bestimmten Versprechen geschieden? Und hatte sie nicht ihrerseits auch dem Könige etwas versprechen müssen? Was? Daß er, der König, sie wiedersehen solle. Warum? Hatte denn der König nicht sein Wort gegeben, er wolle Leo's gedenken?

Silvia saß noch auf dem Sopha, den Kopf in die Hand gestützt, als die Thür, die nach dem Salon führte, geöffnet wurde und die Tante vorsichtig den Kopf hereinsteckte. Silvia blickte auf; die Tante kam, so schnell es ihre Gebrechlichkeit gestattete, die freie Hand weit vorstreckend, auf sie zu:

Bist Du endlich wach, mein Liebling? Ei, das nenne ich mir geschlafen. Und auf einem Sopha! Ich hätte Dich so gern in ein ordentliches Bett gebracht; aber Du ruhtest so sanft, da dachte ich: Was sollst Du das arme Kind wecken, eine Nacht wird sie's schon einmal aushalten. Wie geht es Dir, mein Herz?

Tante Sara hatte sich neben Silvia auf das Sopha gesetzt und ihr einen Kuß auf die Stirn gedrückt.

Gut, ganz gut, erwiederte Silvia, und Dir?

Nun, passabel! Ich bin schon lange auf und habe schon ein halbes Dutzend Briefe empfangen und beantwortet. Und Du, Wundermädchen, was hast Du denn dem Könige für einen Zaubertrank gemischt? Denke Dir nur, der König – aber das hat Zeit. Erst muß sich mein holdes Mädchen nach einem solchen romantischen Nachtlager in einen behaglich-modernen Zustand versetzen. Nebenan –

Aber welche Zeit haben wir denn, Tante? Es ist wohl schon sehr spät? Ich werde nach Hause müssen?

In diesem Desordre? Unmöglich, mein Liebling? Es ist heller Tag, neun Uhr, glaube ich, bereits vorüber. Was sollen Eure Leute sagen, wenn Du so erscheinst? Vermissen werden sie Dich dort nicht eben sehr, und hier bist Du unentbehrlich. Spute Dich nur, daß wir unsern Kriegsrath beginnen können. Nebenan findest Du Alles, was eine junge Dame zu ihrer Toilette bedarf. Komm, mein Liebling, laß Dich in das Ankleidezimmer führen!

Tante Sara erhob sich und hinkte eifrig voraus, während Silvia langsam folgte. Die Tante hatte ja ganz Recht: sie konnte so nicht nach Hause gehen; und doch! sie war so wenig gewohnt, sich ihr Thun von einem andern Menschen vorschreiben zu lassen, daß sie sich wie eine Gefangene vorkam, die keinen eigenen Willen mehr hat oder haben darf.

In dem kleinen behaglichen Ankleidezimmer war rosiger Tag anstatt der rosigen Dämmerung im Schlafgemach; denn die fest zugezogenen rothen Gardinen waren hier von dünnerem Stoff.

Tante Sara hatte nicht zu viel behauptet: Alles war vorhanden, dessen eine junge Dame zu ihrer Toilette bedurfte; sie zeigte geschäftig die schneeweiße Wäsche von feinstem Linnen, die auf dem niedrigen Divan ausgebreitet war; den Stellspiegel im schweren goldenen Rococo-Rahmen auf dem Marmortisch, und was dann noch Alles an nützlichen und zierlichen Dingen das Zimmer barg. Ich hoffe, liebes Kind, sagte sie, ich habe es Dir recht gemacht. Willst Du ein Bad? Dort, jene angelehnte Thür führt in ein Badezimmerchen. Soll ich Dir die Lisette schicken; sie ist sehr gewandt,. Du wirst mit ihr zufrieden sein.

Aber, Tante, sagte Silvia, wozu diese Umstände? Ich –

Umstände, Kind, gar keine Umstände! Ich will es meinem lieben Gast behaglich machen, so gut ich es vermag. Das thätest Du auch. Nun, ich verlasse Dich, liebes Kind, und erwarte Dich zum Kaffee im Salon. Ich habe Dir eine Welt mitzutheilen.

Tante Sara küßte Silvia abermals auf die Stirn und hinkte davon. Silvia schaute ihr trüben Auges nach: Sie ist so gut, und doch ist mir dies Alles wie ein böser Traum.

Sie machte sich daran, sich anzuziehen; aber sie war so verwirrt, daß sie sich mehr als einmal besinnen mußte, was sie eigentlich wollte. Es dauerte lange, bis sie mit ihrer Toilette zu Stande kam.

Unterdessen saß Tante Sara zusammengekauert in ihrer Causeuse und dachte so eifrig nach, daß sie ganz vergaß, gut auszusehen, und in Folge dessen recht häßlich aussah. Bisher war Alles noch ziemlich gegangen; der erste schwere Schritt war gethan; ihres Bruders Kind war für eine Nacht ihr Gast gewesen. Den Besuch des Königs freilich gestern hatte sie durchaus nicht erwartet, da ihr der General geschrieben hatte, daß der König zu einer Revue gefahren sei und erst spät zurückkehren werde. Sie hatte die höchste Angst ausgestanden, der König könne das hochsinnige junge Mädchen durch irgend eine Unzartheit für immer zurückschrecken. Sie hatte, so sauer ihr auch die gebückte Stellung geworden war, an dem Schlüsselloche gehorcht und den General verwünscht, dessen falsche Nachricht sie in diese Situation gebracht, war aber nicht im Stande gewesen, dem Gespräche der Beiden genau zu folgen. Als der König ging, war sie in ihr Bett zurückgeeilt. Dann war ihr eingefallen, es sei vielleicht doch besser, wenn sie die Rolle der Kranken fortspiele, und sie hatte sich wieder schlafend gestellt. Die List war trefflich gelungen. Jugend und Uebermüdung waren für Silvia der Schlaftrunk gewesen, den Tante Sara ihr gar zu gern gemischt hätte.

Aber jetzt war es Morgen; wie sollte sie das Mädchen halten? Eine Nacht unter ganz besonderen Umständen bei Tante Sara zugebracht, das wollte am Ende so viel nicht sagen. Und wenn Silvia nun gar erführe, daß der Freiherr todt sei – wie der General von Tuchheim heute Morgen in aller Frühe der Freundin nebst manchen Nachrichten von höchstem Interesse gemeldet hatte – und Silvia aus dem Briefe von Miß Jones, der vor einer Stunde aus dem freiherrlichen Hause gesendet war, jedenfalls erfahren würde – was dann? Würde dann ihre Liebe zu Leo – an der nicht zu zweifeln war – groß genug sein, sie über die Rücksichten, die sie der Tuchheim'schen Familie schuldete, über den sehr wahrscheinlichen Wunsch des Vaters, daß sie zurückkehren möge, wegzusetzen?

Offenbar kam sehr viel darauf an, was gestern zwischen ihr und dem Könige gesprochen war. Das Billet des Königs war vieldeutig: »Guten Morgen, liebe Sara! wie geht es Dir, und wie geht es Deiner liebenswürdigen Nichte? Sage ihr, daß ich mich meines Versprechens erinnern werde, aber sie soll auch das ihre halten.« – – Was bedeutete das? Konnte Silvia sich aller Sorgen wegen Leo's entschlagen, so war die Wahrscheinlichkeit, sie halten zu können, sehr gering. Der Fall durfte nicht so einfach werden; man mußte neue Momente einmischen; die gestrigen und heutigen Mittheilungen des Generals, dazu der Einfluß, den der Tod des Freiherrn von der Hand des Bruders des Minister-Präsidenten auf die augenblickliche Lage der Dinge doch möglicherweise haben konnte – Tante Sara verließ sich auf ihren oft erprobten Scharfsinn und murmelte Verwünschungen gegen den General, der sie einmal wieder, wie gewöhnlich, im Stiche gelassen habe.

Sie hörte Silvia kommen und richtete sich schnell aus ihrer Ecke auf, strich sich mit der Hand die Falten aus dem Gesichte und lächelte der Eintretenden möglichst freundlich entgegen.

Ach, da bist Du ja, mein Liebchen! Und wie schön und stattlich! Die Sonne scheint schon lange, und doch ist mir, als gehe sie jetzt erst auf. Setze Dich, süßes Kind! Hier ist Kaffee, hier Chocolade. Du siehst nach den Briefen? davon später. Wir haben eine Welt zu durchsprechen; ich will erst die Beruhigung haben, daß Du nicht den heutigen Tag hungrig anfängst, wie Du den gestrigen beschlossen hast. Lisette sagte mir, Du könntest nicht einen Tropfen getrunken, nicht ein Krümchen gegessen haben. Und Du kluges, feines Mädchen, Du hast den König – aber nein, nein! Nicht ein Wort mehr, bevor Du Deine Chocolade getrunken hast.

Tante Sara zog sich die seidene Decke höher auf die Kniee, lehnte sich wieder in ihre Ecke zurück und schirmte ihre schwachen Augen gegen das Licht, um Silvia's Gesicht besser betrachten zu können. Der Ausdruck desselben gefiel ihr gar nicht. Die niedergeschlagenen Wimpern verriethen Mißmuth, zum wenigsten Unbehaglichkeit, um den Mund lag ein Zug von Trauer, aber auch von Festigkeit, ja Starrheit, der Tante Sara noch nie so bedenklich aufgefallen war. Sollte sie ihr den Brief von Miß Jones vielleicht lieber gar nicht zeigen? Aber das würde nichts helfen – im Gegentheil, irgend eine Nachricht aus dem freiherrlichen Hause war besser, als die unbestimmte Sorge.

Und nun zu den Geschäften, Kind, sagte Tante Sara entschlossen; da unter den Briefen liegt einer an Dich; von Miß Jones, wie der Bediente sagte, der ihn brachte. Aber, mein Gott, Kind, was ist Dir?

Silvia hatte schnell das Couvert erbrochen. In demselben befand sich ein noch geschlossener Brief vom Vater in einem Blatt, auf dem von Miß Jones' Hand in englischer Sprache folgendes stand:

 

»Ich habe die Ehre, Fräulein Silvia den beifolgenden Brief ihres Vaters zu übersenden. Da derselbe jedenfalls die Trauernachricht enthalten wird, die ich bereits gestern telegraphisch von Tuchheim erhalten hatte und Ihnen, um Sie zu schonen, persönlich überbringen wollte – eine Vorsicht, die, wie ich jetzt sehe, wohl jedenfalls unnöthig war – so habe ich Ihnen nur mein größtes Bedauern und meine tiefste Indignation über einen Schritt auszudrücken, von dem ich nur sagen kann, daß er Ihrer in jeder Beziehung unwürdig ist, und mich zu unterzeichnen als Ihre ergebenste Ethel Jones.«

 

Kind, was ist Dir? wiederholte die Tante, da Silvia's Hände immer heftiger zitterten.

O, nichts; – nichts wenigstens, worauf ich nicht hätte gefaßt sein müssen! rief Silvia, während der Zorn aus ihren Augen blitzte und auf ihren Wangen brannte. Derselbe engherzige Quäkergeist, der sich vor Allem, was nicht gewöhnlich ist, bekreuzigt, weil er es nicht zu fassen vermag; derselbe Geist, mit dem sie mich schon so viel gequält haben!

Und Silvia warf das Blatt heftig auf den Tisch und brach in Thränen aus.

Darf ich es lesen? sagte Tante Sara mit feinem Lächeln, ich bin keine Quäkerin.

Wenn Du willst, sagte Silvia, schnell ihre Thränen trocknend; wir sind am Ende nicht verantwortlich für die Engherzigkeit Anderer.

Gewiß nicht, erwiederte Tante Sara, das Blatt, nachdem sie es gelesen, wieder auf den Tisch legend; und doch thut es mir – nicht meinethalben, aber Deinethalben thut es mir leid, die Veranlassung gewesen zu sein, daß diese Dame so an Dich zu schreiben wagen durfte. Sehr, sehr leid!

Nein, nein, Tante, und tausendmal nein! rief Silvia. Es soll Dir nicht leid thun, es soll mir nicht leid thun. Welcher Mensch hat das Recht, über einen anderen den Stab zu brechen, ohne ihn auch nur gehört zu haben! Das ist einfach Tyrannei. So haben sie es mit Leo gemacht; so machen sie es jetzt mit mir. Ich habe geahnt, daß es so kommen würde, eben noch; nun bin ich froh, daß es gekommen ist.

Du wirst diesen kühnen Muth brauchen, liebes Kind, sagte Tante Sara nachdenklich; Fesseln, die man Jahre lang getragen hat, hat tragen müssen, brechen nicht auf einmal. Da ist noch ein Brief. Ich habe die Handschrift Deines Vaters lange nicht gesehen, doch weiß ich, daß er von Deinem Vater ist. Er wird Dir den Tod des Freiherrn melden, dessen Veranlassung Dich erschüttern wird. Ich hatte heute Morgen schon auf anderem Wege Nachricht von dem tragischen Fall.

Mit starren Augen blickte Silvia die Tante an. Der Freiherr also wirklich todt – war denn die ganze Welt aus den Fugen?

Sieh doch, was der Vater schreibt, sagte Sara, als Silvia sie noch immer wie abwesend anstarrte.

Mechanisch erbrach Silvia den Brief und las, dann ließ sie das Blatt in den Schooß sinken und blickte wieder regungslos vor sich nieder.

Tante Sara fand dieses Benehmen sehr unheimlich; sie fragte sich, ob das Mädchen wohl oft so sei? und ob sie nicht vielleicht doch, Alles in Allem, besser thue, die ganze Sache aufzugeben.

Darf ich den Brief lesen? fragte sie in ihrem mütterlichsten Tone und nahm, als Silvia eine Wiederholung selbst dieser Frage unbeantwortet ließ, den Brief. Der Brief lautete:

 

»Mein liebes Kind! Es war wohl nicht recht von Walter, daß er Dir nicht gleich die ganze furchtbare Wahrheit mitgetheilt hat, ich würde Dich dann ganz gewiß, während Du dies liest, in meinen Armen halten und mit Dir weinen über den Tod des gütigsten Herrn. Fräulein Jones, an die Walter eben ausführlich schreibt (er hat heute Morgen gleich an sie telegraphirt), wird Dir Alles mittheilen. Ich kann es nicht, mein Herz ist zu tief betrübt.

Uebermorgen früh wollen wir ihn der Erde übergeben. Du fährst am besten mit dem Mittagszuge. Wärest Du erst hier! Im grünen Walde heilen die Wunden am besten.«

 

Tante Sara legte den Brief leise auf den Tisch; Silvia hatte noch immer den Ausdruck nicht verändert. Tante Sara wußte durchaus nicht, wie sie das sonderbare Mädchen in diesem Augenblicke zu nehmen habe, und fühlte sich deshalb sehr erleichtert, als Silvia, mit dem Haupte nickend, sagte:

Wie würde ich weinen um diesen Mann, wenn sie es nicht von mir erwarteten, wenn sie meine Thränen nicht controlirten! Wie werde ich noch einst um ihn weinen! Jetzt kann ich es nicht. Es ist so dumpf hier und hier (sie zeigte auf die Stirn und das Herz), sie wollen mir mein Eigenstes, mein Bestes rauben. Was hätten sie dann von mir? Dann könnten sie mich auch nur sterben lassen.

O, mein Kind, rief Tante Sara, das habe auch ich an mir erfahren. Dein Schicksal ist dasselbe Schicksal, das auch mich traf! Aber davon ein andermal. Jetzt gilt es, einen Entschluß fassen. Dein Vater erwartet Dich. Du sollst mit dem Mittagzuge fahren; es ist bereits halb zehn. Es läßt sich wohl noch machen, aber wie es nun mit Leo werden soll, ich weiß es nicht.

Tante Sara's Gesicht hatte den Ausdruck tiefster Niedergeschlagenheit.

Ich denke, wir dürfen seinetwegen ruhig sein, sagte Silvia; der König hat mir versprochen, daß er sich seiner erinnern will; und sie erzählte der Tante, was gestern Abend zwischen ihr und dem Könige gesprochen worden war; nur daß sich der König darauf die Hand hatte geben lassen, daß er sie wiedersehen werde, verschwieg sie.

Tante Sara lächelte. Du bist ein kluges Mädchen; was gäbe manche Hofdame um Deinen Geist, Deine Schlagfertigkeit! Wie sehr der König, der selbst so voll Geist ist, diese Gaben bewundert, das zeigt dies Billet, das ich vor einer halben Stunde empfing. Sieh selbst!

Sie gab das Briefchen des Königs an Silvia und freute sich der lebhaften Röthe, die die Wangen des jungen Mädchens färbte, während sie die Zeilen überflog.

Da steht, wenn ich mich nicht irre, auch etwas von einem Versprechen, das Du gegeben hast. Was ist es damit, liebe Silvia? Mir däucht, Du erwähntest nichts davon?

Tante Sara hatte das so ruhig gefragt, dennoch erröthete Silvia noch stärker und erwiederte zögernd:

Ich erwähnte des Umstandes nicht, weil ich nicht wußte, wie ich es sagen sollte, ohne daß es albern herauskäme. Der König hoffte, er werde mich wiedersehen. Ich habe das für eine höfliche Phrase gehalten und nehme es auch jetzt noch dafür.

Die Tante schüttelte den Kopf.

Du kennst den König nicht; er hat den Geist eines Mannes und das Herz eines Knaben. Was er liebt, liebt er ausschweifend; was er wünscht, wünscht er heftig, und wehe, wenn seinen unschuldigen Wünschen – denn er ist im Grunde das unschuldigste Gemüth, das es geben kann – nicht Rechnung getragen wird! Dann kann er in seiner knabenhaften Heftigkeit Dinge thun, die er über kurz oder lang noch immer bereut hat; aber geschehen ist geschehen, besonders bei Königen, und die Reue kommt meistens zu spät. Er interessirt sich für Dich. Laß ihn heute Abend kommen und Dich nicht finden – ich wiederhole es, ich weiß nicht, wie das werden soll.

Aber, Tante, er hat es versprochen!

A boy's will is the wind's will sagte Tante Sara; ich kenne ihn besser, als irgend ein Mensch auf der Welt.

Ich würde tief betrübt sein, wenn Du in diesem Falle Recht hättest. Ein Knabe würde einen Mann wie Leo schwerlich begreifen.

Ich sage Dir, daß dieser Knabe den Kopf eines Mannes hat; vielleicht ist gerade diese Mischung so entgegengesetzter Eigenschaften genau diejenige, die sich Leo bei einem Fürsten, auf den er Einfluß gewinnen will, wünschen muß.

Silvia war nicht überzeugt, aber sie schwieg, um die Tante nicht zu verletzen.

In diesem Augenblicke brachte Lisette auf silbernem Präsentirteller einen Brief herein: Von Seiner Majestät.

Es ist gut. Du kannst die Sachen fortnehmen, oder laß sie doch lieber noch etwas stehen, ich habe mit meiner Nichte zu sprechen.

Das ist seltsam, sagte Tante Sara, diesmal selbst aufrichtig erstaunt; zum zweitenmal binnen zwei Stunden! – Nun, das ist's ja! Eben wollte ich davon zu sprechen anfangen. Da siehst Du, ob er sich für Dich interessirt und ob es ein feiner Kopf ist!

Ich verstehe dies nicht, sagte Silvia, in das Billet blickend, das weiter nichts als die Worte enthielt: »Der Tuchheimer Fall kommt sehr ungelegen, sage das Deiner Nichte.«

Und kannst es nicht verstehen, erwiederte die Tante, weil Dein Bruder Dir die Wahrheit verschwiegen, Dein Vater sich auf Miß Jones verlassen und Miß Jones es für gut befunden hat, Dich wieder zu schonen, wie sie es ja wohl nennt. Der Freiherr – ich weiß es aus einem Briefe, den ich heute Morgen vom General Tuchheim, meinem langjährigen Freunde, erhielt – ist – erschrick nicht, armes Kind! – im Duell gefallen, in einem Duell mit dem Oberstlieutenant von Hey, und die Veranlassung des Duells sind die Arbeiterwirren in Tuchheim, in denen der arme Freiherr leidenschaftlich die Partei der Arbeiter und der Andere nicht minder heftig die entgegengesetzte Partei ergriffen hatte. Nun weiß ja aber alle Welt – so schreibt der General – daß jene Arbeiterunruhen ohne Leo's Agitation niemals diese gefährliche Höhe erreicht haben würden. Du siehst doch also, liebes Kind, wie Recht der König hat, wenn er sagt, daß dies sehr ungelegen komme.

Nicht ganz, erwiederte Silvia.

Aber bedenke doch nur, liebes Kind! Ein Mann von der Bedeutung des Freiherrn fällt von der Hand des Bruders unseres Ministerpräsidenten in einem Streit, dessen moralischer Urheber in diesem Augenblicke im Gefängnisse sitzt. Hältst Du einen solchen Moment wirklich für sehr geeignet, daß der König diesem Manne seine Gnade zuwendet und seinethalben den Gang der Gerichte unterbricht?

Silvia vermochte nichts zu erwiedern. Die Nachricht vom Tode des Freiherrn war ihr erst jetzt zur Schreckensnachricht geworden. Bleich, verstörten Antlitzes saß sie da, mit der ganzen Energie ihres Wesens danach ringend, sich von diesen Eindrücken nicht überwältigen zu lassen, sich der Freiheit, die sie für sich beanspruchte, würdig zu erweisen. Sie durfte der Tante nicht die ganze Arbeit aufbürden, durfte sich nicht Alles, was Leo betraf, von ihr vordenken lassen. Sie war gestern mit dem beseligenden Gefühle, Leo's Schicksal in der Hand gehabt und wie ein Heiligthum bewahrt zu haben, eingeschlafen; sollte das Glück so bald zu Ende sein? Weshalb war der Kopf der Tante klar? Auch sie mußte können, was die Tante konnte.

Indessen, fuhr Tante Sara fort, die Sache ist noch viel verwickelter, wenn ich die Nachrichten, die ich eingezogen habe und für deren Richtigkeit ich mich verbürgen zu können glaube, in Erwägung ziehe. Ueberhaupt, liebes Kind, sollte man in solchen Fällen, vielleicht in keinem Falle von einer Sache sprechen; es sind immer die Personen, um die es sich handelt. Die muß man kennen, und die Motive, aus denen heraus sie handeln, muß man kennen – dann weiß man Alles, was man zu wissen braucht. Danke dem Himmel, Kind, daß Du eine alte, welterfahrene Tante hast, die zwar auf einem Ohr taub und auf beiden Augen halb blind ist, die aber nichtsdestoweniger mehr hört und sieht, als die meisten Menschen mit ihren gesunden Sinnen. Ich habe also, um kurz zu sein, bestimmte Kunde, daß die schlimmsten Feinde Leo's keineswegs da sind, wo Du sie suchst. Die Herren Liberalen mögen schlecht auf ihn zu sprechen sein, aber von dem, was die Menschen über uns reden, stirbt man nicht. Leo hat noch ganz andere Leute beleidigt; Leute, die nicht schwatzen, sondern handeln, und diese Leute haben ihn zu Fall gebracht. Ich weiß nicht, liebes Kind, ob Du von einem gewissen Briefe des Prinzen gehört hast, der, ich weiß nicht wie, in Leo's Hände gekommen ist und den Leo veröffentlicht hat. Dieser Brief – ich habe ihn, wie Du Dir denken kannst, nicht gelesen – soll furchtbare Dinge enthalten, die den Prinzen in den Augen des Publikums tief herabsetzen, und der Prinz soll seit der Zeit ganz außer sich sein. Er hat geschworen, daß der Mann, der ihm diesen Streich gespielt hat, dafür gestraft werden soll; und solche hohe Herren, liebes Kind, finden immer Leute, die für sie die Kastanien aus dem Feuer holen. Der Helfershelfer des Prinzen aber ist kein anderer, als der junge Baron Tuchheim. Du wirst mir ja am besten sagen können, ob es wahr ist, daß die Beiden, der Leo und der Henri – er heißt ja wohl Henri? – sich niemals haben leiden können; neuerdings soll ihm nun Leo auch noch in der Gunst der Tochter des Bankiers von Sonnenstein den Rang abgelaufen haben, und dazu die Rolle, die Leo in dem Streit zwischen dem Bankier und dem verstorbenen Freiherrn gespielt hat – mit einem Worte, Henri hat nicht weniger Interesse daran gehabt, als der Prinz selbst, Leo unschädlich zu machen, und ist deshalb auf die Insinuation des Prinzen, dessen geschworener Anhänger er ist, bereitwilligst eingegangen. Ein Individuum, das die gröbere Arbeit übernahm, fand sich natürlich auch – und so mit des Prinzen Gelde und mit Hilfe jenes Individuums hat Henri von Tuchheim glücklich jenen Tumult zu Stande gebracht, der die ostensible Veranlassung von Leo's Verhaftung geworden ist.

Tante Sara hatte, während sie so sprach, Silvia immerfort scharf beobachtet. Sie hatte gesehen, wie es in dem beweglichen Antlitze des jungen Mädchens zuckte, als sie Emma's von Sonnenstein erwähnte, wie ihre Unruhe von Secunde zu Secunde wuchs. Tante Sara war mit dem Eindrucke, den sie hervorgebracht hatte, sehr zufrieden und fuhr in zuversichtlicherem Tone fort:

Wie gesagt, liebes Kind, es kommt in solchen Dingen immer zuerst darauf an, die handelnden Personen zu kennen. Die zweite Aufgabe ist dann, die so erlangte Einsicht klar und tapfer für die eigenen klar erkannten Zwecke auszubeuten. Laß uns sehen, was hier zu machen ist. Offenbar ist uns der Umstand, daß weder der Prinz noch Henri sich offen zu ihrer That bekennen können, sehr günstig; der König braucht keine Rücksicht auf seinen Vetter zu nehmen, wenn er nicht will, und nun ist der Humor von der Geschichte, daß ihm die ganze Brief-Affaire sehr gelegen gekommen ist. Der König haßt den Prinzen, und er hat – unter uns – alle möglichen Ursachen dazu. Die Veröffentlichung des Briefes hat ihm – ich weiß das aus den besten Quellen – die größte Freude gemacht. Er hat sich, als er den Brief gelesen, einmal über das andere die Hände gerieben und gerufen: Geschieht ihm recht, geschieht ihm ganz recht! Er, wie jeder Eingeweihte, hat keinen Augenblick an der Echtheit des Briefes gezweifelt. Erfährt er nun, daß Leo es war, dem er diese Freude verdankt – und das muß unsere Sorge sein – so wird er sich über die Rücksichten, die er jetzt auf das Publikum nehmen zu müssen glaubt und die ihn, wie sein zweites Billet zeigt, für den Augenblick bedenklich machen, gern hinwegsetzen. Der König hat ein romantisches Gemüth. Das Geheimniß – die Intrigue, um es genauer zu sagen – üben einen unwiderstehlichen Zauber auf ihn aus. Ein Agitator, der sein Geschäft auf offenem Markte betreibt, könnte ihm nur unter ganz besonderen Umständen imponiren; vor einem Manne aber, der in aller Stille, mit kluger Berechnung eine Mine gräbt, die seinen Feind in die Luft sprengt, zieht er unter allen Umständen den Hut. Von jenem würde er, wenn er ihm wohlwollte, sagen: Laßt ihn laufen! von diesem aber: Den Mann muß ich kennen lernen. Das sind meine Calculationen, liebes Kind, und ich hoffe, ich werde die Rechnung nicht ohne den Wirth gemacht haben.

Tante Sara lehnte sich mit einer Erschöpfung, die halb wirklich und halb fingirt war, in ihre Ecke zurück. Sie wollte Silvia Zeit lassen, die lebhaften Eindrücke, die sie empfangen, zu verarbeiten; sie wollte die Wirkung ihrer Mittheilungen, von der sie sich sehr viel versprach, erst einmal abwarten. Sie hatte keine Ahnung, daß diese Wirkung das genaue Gegentheil von dem war, was sie erwartete.

Silvia war zwar durch Alles, was sie eben gehört, auf das Aeußerste bestürzt. In ihrer Bestürzung vergaß sie sogar zu bemerken, wie wunderbar es doch eigentlich sei, daß Tante Sara in dem Laufe weniger Stunden so viele und so detaillirte Nachrichten über eine Angelegenheit, von der sie vorher so gut wie gar nichts gewußt, hatte einziehen können; daß sie, die niemals Zeitungen zu lesen behauptete, binnen so kurzer Zeit so tiefe Blicke in das Getriebe der Parteien hatte thun können.

Aber Silvia war noch viel mehr verletzt, als bestürzt. Die heroische Tragödie, deren Held Leo in ihren Augen war, in ein gewöhnliches Intriguenstück verwandelt zu sehen, beleidigte ihre hochgespannten Empfindungen auf das Grausamste. Sie hatte von jenem Briefe natürlich in den Zeitungen gelesen, sie hatte oft in der Gesellschaft davon sprechen hören, aber sie hatte die Behauptung, daß Leo der Herausgeber dieses Documentes sei, stets zu den Verdächtigungen gerechnet, mit denen man ihn verfolgte. Und was hatte Emma von Sonnenstein, die eitle, oberflächliche Emma, in diesem Kampf der Männer zu thun? Eine herrliche Helena, fürwahr, und werth, daß ihrer Koketterie ein Mann wie Leo zum Opfer fiel! Von wem dahingestreckt? Von Henri, dem Stutzer! Und dergleichen Erbärmlichkeiten, die noch dazu – und Gott sei Dank! – erfunden waren, sollten dem geistvollen Könige mehr imponiren, als die großen Ideen, für die Leo in den Kampf gegangen war? Wenn das sich Alles so verhielt, dann wahrlich beging sie ein Verbrechen, wenn sie ihre ganze Theilnahme, all' ihr Denken, ihr Sinnen, ihre ganze Seele diesem Einen Mann und seiner Sache zuwendete; aber sie wußte es besser. Was konnte Leo dafür, daß in engen Köpfen sein Riesenwerk zu einem Pygmäenspiel wurde! Es war ja immer seine gerechte Klage gewesen, daß ihn die Menschen nicht verstanden. Sie hatten es vorher nicht gethan, weshalb sollten ihnen jetzt die Augen aufgegangen sein? Freilich, die Tante meinte es gut! Aber wehe Leo, wenn ihr und Menschen, die wie sie dachten, die Entscheidung seiner Sache in die Hand gegeben war!

Und in dieser Stunde, in der sich wohl sein Schicksal, das Schicksal seiner gerechten Sache, vielleicht für immer entschied, sollte sie die Stadt, sollte sie ihn verlassen! Sollte aus der Ferne ruhig zusehen, wie die Tante, bei dem besten Willen zu helfen, alles schon Errungene wieder in Frage stellen, vielleicht dem hochherzigen, jugendlichen Könige durch dieses Hineinziehen von lauter Persönlichkeiten jede directe Einmischung gründlich verleiden würde? Wer konnte das von ihr verlangen? Wer verlangte das von ihr? Doch nur Solche, die schlechterdings keine Ahnung von dem hatten, um was es sich handelte, keine Ahnung davon, daß für sie Alles, Alles auf dem Spiele stand!

In einer entsetzlichen Aufregung erhob sich Silvia und schritt in dem Gemache auf und ab. Sie trat an's Fenster und blickte – zum erstenmale – auf den herrlichen Platz vor dem Schlosse mit den Prachtgebäuden, die ihn weit umgaben und deren Säulen und Bilderschmuck die Frühlingssonne vergoldete. Da unten hatte sie mit Leo gestanden in dunkler Nacht und hinaufgeschaut zu eben diesen Fenstern, und jetzt, wo sie fast das Ziel des Weges, welches damals noch unabsehbar in der Ferne winkte, erreicht hatte – jetzt sollte sie Halt machen, sollte wieder umkehren in die alte, drückende Enge des Empfindens, Denkens und Wirkens?

Sie wendete sich wieder vom Fenster ab. Dort war die Stelle, wo sie mit dem Könige gesprochen hatte, gestern Abend, als er ihre Hand mit herzlicher Wärme drückte und sich von ihr sagen ließ, daß er sie wiedersehen werde. Was hatte den König bewogen, so zu reden, was, als die Ueberzeugung, die ihm wohl selten genug kommen mochte, mit einem Menschen zu sprechen, der keine Menschenfurcht kannte, der einfach das sagte, was er fühlte, dachte – nichts mehr und nichts weniger. Wie denn? Gehörte sie sich noch selbst? Oder war sie nicht vielmehr ein Werkzeug jener höchsten Macht, die über den Geschicken der Menschheit waltet und zur Ausführung ihrer erhabenen Zwecke so Viele braucht und so Wenige findet, nur die findet, die ihr Ohr und ihr Herz nicht verschließen, sondern, wenn der Ruf an sie ergeht, in Demuth sprechen: Hier bin ich!

Tante Sara!

Mein liebes Kind!

Ich möchte dem Könige schreiben!

Gott segne Dich! rief Tante Sara, die nicht recht wußte, wie sie diesen neuesten Einfall ihrer Nichte nehmen sollte.

Ich habe so viel auf dem Herzen, fuhr Silvia fort, so viel, was ich ihm noch nicht gesagt habe, wovon ich noch nicht weiß, ob ich es ihm werde sagen können, selbst in dem ungewissen Falle, daß ich ihn wiedersehe, so viel, was ich ihm sagen muß, bevor es zu spät ist. Er ist so gut und so gütig; er wird menschlich mild dem unerfahrenen Mädchen ihre Kühnheit verzeihen. Hat doch der Geringste im Volke das Recht, sich als Bittender dem Throne zu nahen, und ich will ja nichts für mich! Nicht wahr, Tante Sara, er wird mich anhören?

O gewiß, gewiß wird er das! rief Tante Sara, die noch immer nicht wußte, ob sie besser thäte, Ja oder Nein zu sagen. Das heißt, ich glaube, daß es sich machen lassen wird. Ich bin in diesem Punkte wirklich nicht ganz sicher – ich habe noch nie an ihn geschrieben – so viel ich weiß, liest der König das Einlaufende nicht selbst – man müßte natürlich Jemanden haben, von dem man überzeugt wäre, daß er es in des Königs eigene Hände gäbe – indessen, das wird sich machen lassen – ich muß mir erst den Fall ein wenig überlegen.

Und Tante Sara lehnte sich in ihre Ecke und bedeckte sich die Augen mit der flachen Hand.

Sie hatte aber kaum diese sichernde Stellung eingenommen, als Lisette eine Visitenkarte hereinbrachte und ihrem Fräulein, während sie dieselbe übergab, einige Worte in's Ohr flüsterte.

Tante Sara schnellte wieder auf und sagte hastig: Einen Augenblick warten! und dann zu Silvia: Kind, das ist ein glücklicher Zufall! Der General von Tuchheim, der recht krank war, läßt sich melden und schreibt mir hier (sie deutete auf die Karte), daß er in einer Stunde zum Könige berufen sei. Wenn Einer Deinen Brief übergeben kann, so ist es dieser mir ganz ergebene Freund. Geh, mein Kind, und schreib', Du brauchst Dich nicht zu übereilen, ich habe viel mit dem General zu besprechen, ich will ihn ganz in Deine Gedanken einweihen, Dein Brief wird das Uebrige thun. In der Schlafstube auf dem Schreibtische findest Du Alles – Du weißt ja – geh' mit Gott, mein süßes Kind!

Sie zog Silvia an sich und drückte ihr einen Kuß auf die Stirn. Silvia verließ das Zimmer.

Tante Sara blickte ihr mit einem bösen Lächeln nach, dann legte sie den Finger auf den Knopf der silbernen Glocke. Plötzlich besann sie sich eines Andern.

Die Phantastin könnte eben so leise Ohren haben, als sie helle Augen hat.

Sie erhob sich und hinkte, auf den Stock gestützt, durch das weite Gemach. Als sie die Thür zum anderen öffnete, kam ihr der General bereits entgegen.

Bitte, bleiben wir hier! sagte Tante Sara.

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