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In Reih' und Glied. Zweiter Theil

Friedrich Spielhagen: In Reih' und Glied. Zweiter Theil - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleIn Reih' und Glied. Zweiter Theil
publisherVerlag von L. Staackmann
printrunSechste Auflage
year1883
firstpub1866
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130715
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Dreiundvierzigstes Capitel.

In dem Gemache des Generals stand der Castellan Lippert, den Kopf auf die linke Seite geneigt und zwei Finger der rechten Hand zwischen die Knöpfe seines langen Uniformrockes geschoben. Der General ging mit hastigen, ungleichen Schritten in dem dämmerigen Gemach auf und ab, sich dabei, wie in gänzlicher Rathlosigkeit, ein paarmal durch sein kurzes, bereits ergrautes Haar fahrend.

Ich glaube deshalb zuversichtlich, daß Excellenz meiner Bitte wegen der fünftausend Thaler pünktlich nachkommen werden, sagte der Castellan.

Der General antwortete nicht; Herr Lippert wartete noch einige Augenblicke, dann verbeugte er sich tief und ging mit seinen langen, geräuschlosen Schritten nach der Thür. An der Thür blieb er plötzlich wieder stehen und schaute auf, als ob man ihn gerufen hätte. Da aber der General jetzt noch schwieg, machte Herr Lippert ein zornig-drohendes Gesicht, verbeugte sich noch einmal, aber weniger tief, und ging hinaus, die Thür geräuschvoller, als seine Gewohnheit war, schließend.

Der General hatte sich wieder in den Lehnstuhl geworfen. Was sollte er thun?

Wieder einmal – wie immer, wenn Herr Lippert bei ihm gewesen – überlegte er, ob es denn nicht möglich sei, Ferdinand anzuerkennen, offen anzuerkennen; und heute, wie immer, kam er zu dem Resultat, daß es doch nicht möglich sei. Es sprach zu viel dagegen: sein Ruf als eines exemplarisch-sittenreinen Mannes, den er mit so vieler Mühe diese letzten fünfundzwanzig Jahre hindurch behauptet; der gute Ruf Sara's, die jede Erwähnung der Möglichkeit, in ihrem Alter einen beinahe dreißigjährigen Sohn anerkennen zu müssen, außer sich brachte; dazu seine politische Stellung, die so vielen Angriffen ausgesetzt war; seine gesellschaftliche Stellung, die gerade jetzt nach der Verlobung Leo's mit Josephe die höchste Vorsicht, die zarteste Schonung heischte – o, der Schurke hatte seine Zeit gut gewählt! Auf Sonnabend acht ein halb Uhr lauteten die Einladungskarten zu der großen Gesellschaft, durch die Josephen's Verlobung die öffentliche Sanktion erhalten sollte – Sonnabend sieben Uhr war der von dem Schurken gesetzte Termin; hatte er dann das Geld nicht, so war es noch gerade Zeit, das Stichwort auszugeben und die erste geheimnißvoll pikante Conversation über das kleine Unglück, das Excellenz vor nun beinahe dreißig Jahren passirt war, in Excellenz eigenen Salons in Gang zu bringen!

Der alte Mann stöhnte laut. Wie war er doch so dumm gewesen, seine Ehre, sein Vermögen einem solchen Schurken preiszugeben; aber wer hätte denken können, daß jener Mann, den er vor dreißig Jahren seiner Demuth wegen unter den Dienern des Ministers von Falkenstein zu der Stelle, die er ihm bestimmt hatte, aussuchte, sich im Laufe der Zeit so verändern würde – wenn er nicht schon damals der Wolf im Schafskleide gewesen war. Und dieser Mensch wußte Alles, Alles! Dieser Mensch hatte die Orgien in den geheimen Gemächern des Minister-Hotels arrangiren helfen; dieser Mensch hatte ihn so oft des Morgens, wenn er von Sara kam, aus einer Hinterpforte herausgelassen; dieser Mensch hatte das eben geborene Kind Sara's in dem Korbe weggetragen, um es an Stelle des gestorbenen Kindes seiner Frau zu legen. Und was wußte er nicht außerdem! Freilich war er in der erschwerendsten Weise in diese und andere Affairen verwickelt; aber wozu ist ein solcher Mensch nicht im Stande, wenn man ihn erst einmal wüthend und unsinnig gemacht hat!

Fünftausend Thaler! vielleicht konnte man noch etwas abhandeln, obgleich es das erstemal gewesen wäre, daß er von seinen Forderungen etwas abgelassen hätte; fünftausend! und der General war selbst in der bittersten Verlegenheit, wo er das Geld zu Josephen's Aussteuer hernehmen, ja, wovon er nur die laufenden Kosten des Haushalts bezahlen sollte! Die sechs Wochen lange, überaus kostspielige Reise hatte alles Geld verschlungen, was er von Sara in Händen hatte, und jetzt sollte er sich schon wieder an sie wenden! Indessen, es gab keinen anderen Ausweg. Es war ja um Sara's, oder doch hauptsächlich um Sara's willen, daß man Lippert zum Schweigen brachte, und – Lippert mußte zum Schweigen gebracht werden!

Der General sagte dem Jäger, der mit der angezündeten Lampe hereinkam, daß er sofort ein Billet an den Castellan Lippert besorgen müsse; sofort! Dann setzte er sich an seinen Tisch und schrieb mit zitternder Feder ein paar Zeilen des Inhalts, daß er Herrn Lippert in der bewußten Angelegenheit morgen früh noch einmal zu sprechen wünsche, und übergab das Billet dem Manne, der an der Thür gewartet hatte.

Der Mann ging; der General warf sich wieder in seinen Stuhl; er fühlte sich ganz zerschlagen; aber er hatte keine Zeit, um sich zu erholen. Drüben im Salon erwartete man ihn zum Thee; Leo war da, der Marquis de Sade und die alte Baronesse Barton. Die Barton hatte so scharfe Augen, man durfte sich vor ihr nicht die mindeste Blöße geben. Der General badete die schmerzenden Schläfen mit Eau de Cologne und begab sich in den Salon.

Sie wollen doch nicht schon fort, meine Gnädigste? fragte er, als er im Hereintreten sah, daß die Baronin im Begriffe stand, aufzubrechen.

Sie denken, weil Sie endlich kommen, muß ich bleiben? erwiederte die alte Dame, indem sie sich ihr Haubenband unter das Kinn schob; na, ein paar Minuten habe ich noch, und die will ich benutzen, um mit Ihnen den jungen Leuten ein Beispiel alter, echter Liebenswürdigkeit zu geben. Denn die ist so gut wie ausgestorben.

Ist das junge Volk so unartig gewesen? sagte der General mit einem matten Lächeln.

Madame la Baronne nimmt sich selbst zum Maßstab! rief der Marquis; aber das ist unrecht; da müssen wir Anderen ja selbstredend zu kurz kommen!

Schweigen Sie, rief Frau von Barton; von Ihnen rede ich gar nicht; Sie haben noch einige Erinnerungen aus dem Faubourg Saint Germain; aber diese beiden jungen Leute, Herr von Gutmann und Baronesse Josephe von Tuchheim! Sagen Sie, Excellenz, woran erkannte man in unserer guten alten Zeit ein Liebespaar in der Gesellschaft? Antwort: man erkannte es gar nicht; man hatte in unserer Zeit so viel Lebensart, sich in solchen Verhältnissen trotz seiner erotischen Stimmung der gesellschaftlichen Atmosphäre genau anzupassen; man lachte, man scherzte, man war gesprächig, höflich, aufmerksam, galant, enfin, man machte es genau so, wie alle Anderen. Aber heutzutage! Du lieber Gott, heutzutage erkennt man ein Liebespaar auf zehn Schritte. Entweder sie himmeln sich fortwährend über die Breite oder Länge eines Saales an, stoßen dabei dem Bedienten die Theetassen von dem Präsentirteller und stecken, ehe man sich's versieht, in einer Fensternische die Köpfe zusammen, oder, wenn sie noch irgend Hoffnung haben, die Gesellschaft wegzumurren und wegzuschweigen, so thun sie's, und das ist gerade, was diese Beiden hier seit einer Stunde gethan haben. Der Marquis ist mein Zeuge. Baronesse Josephe hat seit einer Stunde gerade sechs Worte gesprochen, ich habe sie gezählt; wieviel kommen auf Herrn von Gutmann, Marquis?

Man lachte; der General so sehr, daß er einen leichten Hustenanfall bekam. Frau von Barton sah sich triumphirend um.

Ja, ja, sagte sie, die alte Garde; da ist noch Kraft, Initiative, Feuer. So sagte ich auch gestern zu Seiner Majestät. Gott, es war eigentlich eine Indiscretion. Denn, unter uns: Majestät sahen gar nicht kräftig und feurig aus. Nicht wahr, Herr von Gutmann? Uebrigens, Excellenz, das muß ich Ihrem Herrn Schwiegersohn nachsagen; gestern Abend konnte er sprechen, und immer geistvoll, wie Majestät mir selber zuflüsterte. Die Antwort, die Sie dem naseweisen Kammerherrn Drechow gaben, war wirklich charmant, Herr von Gutmann, wirklich charmant. Aber Sie werden trotz alledem ihre liebe Noth haben, Ihre liebe Noth. Gott, Wer hat die am Ende nicht! Ich auch, und natürlich sind es immer die lieben Verwandten, die Einem die meiste Noth machen. Denken Sie sich, Excellenz, Sie kennen ja meinen Vetter, den alten wunderlichen Grafen Karlsburg auf Karlsburg. Er ist, wie Sie wissen, nie verheirathet gewesen, und alle Welt hat ihn für einen abgesagten Weiberfeind gehalten. Und was kommt jetzt zu Tage? Da hat er – na, Josephe, Sie sind ja alt genug, daß man in Ihrer Gegenwart von dergleichen reden kann – da hat der alte Narr vor dreißig Jahren ein Verhältniß mit einem hübschen Gärtnermädchen gehabt, die ihm einen Sohn geboren hat. Die Person ist längst todt; der Sohn ist unter fremdem Namen irgendwo in der Nähe erzogen und hernach Wirthschafter oder etwas derart auf einem der Güter geworden. Jetzt fällt es dem Grafen auf einmal ein, den Jungen aus seiner schicklichen Dunkelheit an ein ganz unschickliches Licht zu ziehen; man schreibt mir heute, daß er ihn adoptiren will. Hat man je so etwas erlebt? Wir Alle sind außer uns; nicht des Vermögens wegen, das bekanntlich Majorat ist und in der rechtmäßigen Erbfolge bleiben muß, aber die Blamage für den alten Herrn, sich in seinen Jahren mit solchen kindischen Sentimentalitäten zu prostituiren! Und die Unbequemlichkeit für uns, die wir in die Nothwendigkeit versetzt sind, solche abortive Verwandtschaft ablehnen zu müssen. Was in aller Welt gehen uns denn seine Jugendthorheiten an! Meinetwegen mag er auf jedem Gute drei Kinder haben, aber uns wenigstens soll er damit vom Leibe bleiben. À propos Kinder! Herr von Gutmann! der Geheimrath Urban meint nun selbst, daß wir Ihr Project, uns auch mit den Kindern unserer Schützlinge zu befassen, nicht in unser Programm mit aufnehmen können. Wenn wir erst einmal zugeben, daß die Personen Kinder haben können, so ist das Ende nicht abzusehen. Unsere Gegner würden uns da bald schöne Dinge nachsagen. – Großer Gott, Excellenz, sind Sie krank, Sie sehen ja auf einmal jämmerlich aus!

O, nicht doch, nicht doch! sagte der General, der mit bleichen Lippen zu lächeln versuchte und sich dabei den Angstschweiß von der Stirn wischte; Sie wissen ja, meine alte Migräne!

Na, ich gehe auch gleich, sagte Frau von Barton, sich die schwarze Spitzenmantille heraufziehend und das widerspenstige Haubenband unter das Kinn rückend; aber das ist wahr, wir müssen auf unserer Hut sein. Verschont man doch selbst die höchsten Regionen nicht mehr mit giftigen Verleumdungen. Da steht heute Abend in der *Zeitung ein mysteriöser Artikel, der allerlei Deutungen zuläßt. Ich habe das Blatt bei mir, da ich es der Comtesse Gerdow zeigen wollte. Hier ist es. Lesen Sie einmal, Herr von Gutmann, ich habe die Stelle angezeichnet. Da unten irgendwo.

Leo nahm das Blatt und las: »Von gewissen Seiten bemüht man sich seit einiger Zeit in frommem Eifer, nicht blos über die Moralität unserer Dienstmädchen, sondern auch über die unserer hohen und höchsten Personen sorgfältig zu wachen. Da wir vor Gott allzumal Sünder sind und Unrecht trinken wie Wasser, ist das gewiß nur lobend anzuerkennen, aber man sollte dann wenigstens dieser christlich-nivellirenden Tendenz ungescheut überall hin folgen. Krähen und Dohlen, sagt man, fliegen um alle alten Schlösser, ob sie nun von Prinzen, die einst König werden können, oder von Königen, die einmal Prinzen waren, bewohnt sind.«

Auf wen meinen Sie, daß das gehe? fragte Frau von Barton.

Auf Niemand, glaube ich, sagte Leo, das Blatt mit einer Verbeugung der alten Dame überreichend, es ist ein Schuß in's Blaue, darauf berechnet, den Furchtsamen zu schrecken.

Da sind Sie im Irrthum, sagte die Baronesse, ich wette, die Kugel hat ihr ganz bestimmtes Ziel, und ich glaube überdies das Ziel zu kennen; wenigstens lachte mein Neffe, der Garde-Lieutenant, als ich ihm die Stelle vorhin zeigte, wollte aber nicht mit der Sprache heraus, gestand nur zuletzt, als er mich ernstlich böse werden sah, er hätte Aehnliches neulich in einem Officierskreise besprechen hören. Nun will ich Ihnen ganz offen meine Ansicht sagen – Monsieur de Sade ist ein zu vollendeter Cavalier, als daß man vor ihm ein Geheimniß zu haben brauchte: die Sache geht auf Niemand Anderes, als auf das alte Fräulein Gutmann, Ihre Tante, Herr von Gutmann, und Ihre Freundin, Excellenz, und es ist ja auch klar, weshalb man sich gerade dies Schlachtopfer ausgesucht hat: der Verbindung wegen, in welcher Sie Beide zu ihr stehen. Daß der König Fräulein Gutmann, die nebenbei eine für ihren Stand höchst liebenswürdige, höchst geistreiche Dame ist, häufig besucht, weiß alle Welt; man sagt, daß er es in der Zeit vor der Reise häufiger als je gethan hat, und bringt nun ein altes, unschönes Gerücht, das auch wohl früher einmal aufgetaucht ist, um sofort zu verschwinden, wieder in Umlauf. Du lieber Himmel, wir sind ja alle Menschen, aber das junge Mädchen, das ich neulich, als ich Ihre Tante zum Beitritt in unseren Verein einladen wollte, dort sah, hatte, wenn ich mich nicht geirrt habe, keineswegs die Haltung und Physiognomie einer Person, die selbst gegen einen König sehr gefällig sein würde.

Sie haben sich darin keineswegs geirrt, gnädige Frau, sagte Leo; meine Cousine ist eine Dame, die in jeder Beziehung die höchste Achtung verdient, in jeder.

Mein Gott! rief die alte Baronin, Sie brauchen das ja nicht in einem Tone zu sagen, als wollten Sie mich fordern! Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, daß Ihr Fräulein Cousine nicht nur sehr tugendhaft, sondern – nach meinem Geschmacke wenigstens – sehr langweilig aussah, wie eine jugendliche Aebtissin oder dergleichen. – Aber werde ich heute denn einmal fertig werden? Kommen Sie, Herr Marquis; Sie haben versprochen, mich zu begleiten! Kommen Sie!

Frau von Barton und der Marquis waren gegangen; der General hatte sich in seinen Fauteuil zurückgelehnt und die Augen mit der Hand bedeckt; seine Kopfschmerzen seien stärker geworden, er bitte indessen, sich nicht an ihn zu kehren. Leo und Josephe saßen sich am Tische gegenüber, Beide schienen verstimmt. Leo blätterte in einem Album; Josephe saß regungslos da und blickte starr vor sich hin. In den Bäumen des Gartens sausten der Wind und der Regen, einzelne Tropfen schlugen gegen die Fenster; man konnte es bei der Stille im Zimmer sehr deutlich hören. Zuletzt war es doch der General, der das Schweigen unterbrach, indem er, ohne die Hand von den Augen zu nehmen, sagte:

Was meinst Du, Josephe, was meinen Sie, lieber Leo, sollten wir die Gesellschaft nicht doch noch einige Tage hinausschieben?

Ich habe kein Interesse daran, daß die Gesellschaft gerade am Sonnabend ist, sagte Leo.

Aber ich desto mehr, sagte Josephe in gereiztem Tone, weshalb wolltest Du noch warten?

Ich meine nur, weil ich mich in der That ziemlich unwohl fühle und ernstlich krank zu werden fürchte, erwiederte der General.

Du wirst nicht gleich krank werden; schlimmsten Falls können wir noch immer absagen lassen, jetzt aber ist bereits die Hälfte der Einladungskarten versendet; ich wundere mich, wie Du nur überhaupt auf den Gedanken kommst, Papa. Du weißt, daß wir die Gesellschaft geben müssen, freilich, welches Interesse hätten die Herren an dergleichen Bagatellen!

Josephe lächelte, als sie das sagte. Leo's glänzende Augen ruhten mit einem forschenden Ausdruck auf ihrem Gesicht, und um seine Lippen zuckte es ungeduldig; doch sagte er sehr ruhig:

Du bist empfindlich, Josephe, mit Unrecht. Ich habe nicht gewußt, daß die Karten zur Hälfte versendet sind, und welches Interesse sollte ich denn daran haben, daß die Gesellschaft gerade am Sonnabend ist? Weiter habe ich aber nichts gesagt.

Es war auch gar nicht das, was Du gesagt hast, sondern der kalte und gleichgiltige Ton, in dem Du es gesagt hast. Als vorhin die Baronesse Deiner Cousine Erwähnung that, konntest Du ganz anders sprechen.

Die Verschiedenheit der Gegenstände dürfte wohl eine Verschiedenheit des Tones rechtfertigen. Dort handelte es sich um die Ehre meiner Cousine, hier handelte es sich um – eine Gesellschaft. Indessen ich meine, daß wir ohne allen Grund in eine Unterhaltungsweise gerathen, die, um es milde auszudrücken, wenig gefällig ist. Morgen werden wir hoffentlich in besserer Stimmung sein. Gute Nacht, Josephe!

Leo war an seine Braut herangetreten; sie hatte sich erhoben. Als sie seine dargereichte Hand nahm, trafen sich ihre Blicke, aber nur für einen Moment, und ohne daß ein Strahl von Zärtlichkeit und Liebe in ihren dunklen Augen aufgeblitzt wäre.

Der General war ebenfalls aufgestanden.

Auch ich will Dir gute Nacht sagen, liebe Josephe, und versuchen, ob ich mir meine Kopfschmerzen verschlafen kann.

Die Herren verließen zusammen das Zimmer. Josephe schaute ihnen nach, und als die Thür sich hinter ihnen geschlossen hatte, ließ sie sich wieder in ihren Fauteuil sinken, kreuzte die Arme über der Brust und starrte vor sich hin. Ihr Gesicht wurde dabei immer finsterer, und die kleine Falte über der linken Augenbraue trat sehr scharf hervor; ein paarmal flog ein höhnisches Lächeln um ihren Mund.

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