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In der Veranda

Anastasius Grün: In der Veranda - Kapitel 68
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke Band III
authorAnastasius Grün
editorAnton Schlossar
firstpub1876
year1907
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleIn der Veranda
created20061004
sendergerd.bouillon
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Das rechte Wort.

            Die Auen ein fürstlicher Jagdzug weckt,
Inmitten die kaiserlich' Majestät;
Die Bäume sich neigen, doch nicht aus Respekt,
Es beugt sie der Wind, der die Wipfel verdreht;
Der Himmel, unartig, schickt böses Wetter,
Schwer fallen die Tropfen, hin wirbeln die Blätter;
Da ruft der Durchlauchtigst' auf seinem Gaul:
»Ah, schaut's, jetzt regnet's mir gar ins Maul!«

Indes die ipsissima verba ein Graun'
Verbreiten im Zug, laßt ein Monument
Aus jener Zeit, sein Bild, uns beschaun;
Ich trag's in der Tasche, Siebzehner man's nennt.
Ein Lorbeerkranz in Perückenwildnis
Und eine Lippe, sonst nichts! – so sein Bildnis
Draus männiglich sieht, wie dem frommen Mann
Gar leicht in den Mund das Wasser rann.

Ihr Hoflakaien, nun rennt und sprengt:
Ein Regenschirm ist's, was retten kann!
Hofmarschall beschließt ganz still: Der Mann,
Der des Kaisers Hut gemacht, der hängt!
Hofmedikus denkt: Nach dem Ebenmaße
Wohnt friedlich der Mund im Schatten der Nase,
Durchlauchtigste Nase verschmäht das System;
Wie stell' ich nun dieses der Nase genehm?

Schön tröstet den Kaiser der Hofjesuit:
»Der Priester dir Weihbronn entgegenhält,
Wenn die Majestät in die Kirche tritt;
Ein Dom des Herrn ist Wald und Feld,
Gott selber hat hier den Weihbrunn ergossen
Zu grüßen dich, den Frommen, den Großen!«
Der Kaiser wird grimmig, wie König Saul:
»Zum Teufel! mir regnet's noch immer ins Maul!«

Der eine erstarrte, der andere lief,
Der rang die Hände, der stand wie im Bann;
Am Eichbaum lehnt' in Gedanken tief
Der Günstling des Herr und sann und sann;
Auf springt er jetzt, heiliger Sendung trunken,
Die Stirn ihm umsprühn der Erleuchtung Funken:
»Mein allergroßmächtigster Kaiser geruh'
Und schließe die Lippen huldreichst zu!«

Lobsinge, du heiliges römisches Reich!
Wie leicht du zu schirmen, zu retten bist!
Geschoß der Kartaunen und Schwerterstreich
Trifft nicht wie ein Wörtlein zu rechter Frist;
Send' immer dir's Gott zur rechten Stunde,
Und Fürsten, die horchen dem rechten Munde
Und Räte zu weisem Rate nicht faul!
Dem Kaiser regnet es nimmer ins Maul.

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