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In der Veranda

Anastasius Grün: In der Veranda - Kapitel 57
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke Band III
authorAnastasius Grün
editorAnton Schlossar
firstpub1876
year1907
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleIn der Veranda
created20061004
sendergerd.bouillon
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Belvedere.

        Siegreich wehn des Kaisers Fahnen
Von Neapels Schloßaltanen,
Wie von Belgrads trotz'gem Stein,
Fächeln in Messinas Gluten,
Spiegeln sich in Nordseefluten,
Wie im Po und grünen Rhein.

Sorglos lebt am Wiener Hofe
Kanzler, Kämmerling und Zofe,
Auffahrt gibt's, Empfang und Fest;
Goldkarossen, welche Kette!
Nur die span'sche Etikette,
Herrn und Damen, nicht vergeßt.

Leichter haben sie vergessen
Dem sie alles danken, dessen
Tapfrer Degen es gewann:
Eugen, Österreichs Erwecker,
Türken- und Franzosenschrecker,
Ihn, den großen kleinen Mann.

Ihre Sterne funkeln munter,
Doch ist Zentas Stern nicht drunter
Und nicht der bei Blenheim schien;
Prunkhaft flimmern goldne Schlüssel,
Doch es sind nicht die von Ryssel,
Die von Belgrad und Turin.

Gern entbehrt er ihre Feste,
Hat ja selbst viel höh're Gäste:
Göttervolk im Gartenhain;
Und die Bilder ew'ger Meister
Und die Bücher großer Geister
Laden ihn zur Zwiesprach ein.

Hallen und Paläste sprechen,
Daß der Held im Wallzerbrechen
Auch im Bau'n ein Zaubrer ganz,
Blumen pflanzt er, Bäume, Reben,
Und so ruht sein Heldenleben
Wie ein Schwert im Blumenkranz.

Dreien Kaisern ein Erretter
Wußt' er zu bestehn die Wetter,
Doch den Hofwind scheut der Held;
Will er Majestäten ehren,
Geht mit Cäsar er verkehren
Und in Alexanders Zelt.

Alt geworden ist er eben,
Schlachten, Wunden, Lagerleben
Spinnen kein Verjüngungskleid;
Selbst die Friedensjahre zehren,
Denn die Lorbeern seiner Ehren
Sind die liebste Trift dem Neid.

»Undank ist nur schlecht Gedächtnis,
Manchem Haus ein Erbvermächtnis,«
Denkt der Held mit gleichem Mut;
Füttert dann Getier im Zwinger,
Löwen lecken ihm die Finger:
»Löwen sind ein dankbar Blut.«

Auf des Belveders Terrassen
Wallt der Held und sieht gelassen,
Wie der Springbrunn stieg und fiel;
Marmorsphinxe ruhn im Grunde
Und er liest von ihrem Munde
Ungelöster Rätsel viel.

Rechts und links die Baumspaliere
Stehn wie seine Grenadiere
Um den kriegsgewalt'gen Herrn;
Von den Höhn des Belvedere
Blickt er nach dem Häusermeere
Wie des Landes guter Stern.

Und es mag ihn selbst gemuten
Wie den Stern, aus dessen Gluten
Licht und Glanz die Erde trank;
Die da unten lang' im Dunkeln
Hüllt in Licht und Glanz sein Funkeln,
Unbekümmert um den Dank.

Einsam stehn ist Los der Sterne!
Bangt nicht in so öder Ferne
Selbst ein Sonnenherz vielleicht?
So in stiller Nacht nicht minder
Ihn, der ohne Weib und Kinder,
Oft ein heimlich Weh beschleicht.

Was der Sonne eine Wolke,
Ist die Krankheit ird'schem Volke,
Hellstem Sein ein dunkler Flor;
Eugens Haupt umschnürt er bleiern,
Plötzlich doch aus Fieberschleiern
Fährt der Held erwacht empor.

Horch, sind's Stimmen, die ihn riefen?
Lieder schallen aus den Tiefen,
Schenkhaus singt und Wachtquartier;
Becherklang, Soldatenknaster,
Weinduft wirbelt auf, – doch faßt er
Wort und Weise dort und hier;

Hört durch Fiedelschall und Zither:
»Prinz Eugen, der edle Ritter –
Stadt und Festung Belgarad« –
Wie auf einer Pulverwolke
Fährt sein Geist zum Sternenvolke,
Zu den Seinen, schnurgerad'.

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