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In der Veranda

Anastasius Grün: In der Veranda - Kapitel 55
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke Band III
authorAnastasius Grün
editorAnton Schlossar
firstpub1876
year1907
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleIn der Veranda
created20061004
sendergerd.bouillon
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In Wien.

              Von der Theiß zum fernen Rheine
Wölbt ein Freudenmünster sich,
Drin die ganze Christgemeine
Jauchzt: »Herr Gott, wir loben dich!«
Ungarns Volk küßt den Befreiern
Kleid und Hand auf ihrer Fahrt,
Unberedte Lippen feiern
Dies Tedeum frömmster Art.

In den Thronsaal vor den Kaiser
Tritt der Prinz zum Kriegsbericht;
Ist die Majestät wohl heiser,
Daß sie kein Willkommen spricht?
Eugens Worte ziehn geschlossen
Wie Kolonnen in die Schlacht,
Festgegliedert, stahlgegossen,
Siegsbewußt in ihrer Macht.

Doch wie Schaum an dürrer Klippe
Schier der Rede Flut versank,
Denn die größte Kaiserlippe
Fand kein kleinstes Wort von Dank.
Nun die höchste der Perücken
Steif dir nickt den Abschiedsgruß,
Siegesheld, magst du dich bücken,
Denn die Zwiesprach ist am Schluß.

Unten an der Treppenpforte
Der Trabanten Hauptmann stand,
Der beredtern Fluß der Worte
In des Kaisers Namen fand:
»Euren Degen, stolzer Sieger!
Euer Haus dien' Euch zur Haft;
Denn Gehorsam schmückt den Krieger
Höher noch als Glück und Kraft.«

Eugen reicht den Degen artig:
»Nehmt ihn, der nicht rosten darf!
Ward im Dienst des Kaisers schartig;
Nehmt und schleift ihn wieder scharf!« –
Groß mag dieser Degen scheinen,
Als er Heer und Schlacht gelenkt,
Größer war's, als vor so Kleinen
Er in Treue sich gesenkt.

Als das Volk mit Scham und Staunen
Sah den Feldherrn schwertberaubt,
Rief der Zorn wie mit Posaunen
All zum Schutz so teurem Haupt;
Doch auch dieses Heer der Liebe
Schlägt die degenlose Hand,
Auch sein Blick führt Heldenhiebe,
Auch sein Wort streckt in den Sand.

Zu den ew'gen Sternengleisen
Blickt der Held aus seiner Haft;
Künft'ge Siegessterne kreisen
Um das Haupt ihm geisterhaft.
Österreich, dies Gotteserbe,
Füllt die Seele ihm mit Glanz:
Daß kein Feind den Thron verderbe,
Der ihn beugt, sei einst sein Kranz!

Ob den wucht'gen Heldendegen
Leopoldus prüfend wog?
Ob den andern, die ihn wägen,
Das Gewicht die Arme bog?
Ob dem Fürsten auf sein Kissen
Sanftern Traum gestreut die Nacht?
Schlief ein kaiserlich Gewissen,
Ist's doch herrlich, wenn's erwacht!

Morgens früh an Eugens Pforte
Schon der Gardehauptmann stand,
Der den Strom der Gnadenworte
In des Kaisers Namen fand.
»Nehmt dies Schwert glorreich wie keines,
Durch Gehorsam schartenrein;
Doch daß Haupt und Arm nur eines,
Seid Hofkriegsrat Ihr allein!«

Großen Herzen steigt der Tröster
Leuchtend aus dem eignen Gram;
Seiner großen Siege größter
War's, als er dies Schwert jetzt nahm,
Das er weiht' in Morgenröten,
Dran er Glück und Ehre band. –
Misse nie, mein Land, in Nöten
Solchen Degen, solche Hand!

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