Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Edgar Wallace >

In den Tod geschickt

Edgar Wallace: In den Tod geschickt - Kapitel 9
Quellenangabe
pfad/wallacee/todgesch/todgesch.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleIn den Tod geschickt
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun11. Auflage
editorFriedrich A. Hofschuster
year1982
isbn3-442-00252-4
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111014
projectid4b5743cb
Schließen

Navigation:

8

Die Nachricht verbreitete sich mit Windeseile in der Unterwelt von Chicago. Shaun O'Donnell hatte dran glauben müssen! Das war eine sehr interessante Neuigkeit, denn immerhin war Shaun unter vielen kleinen ein großer Gangster gewesen.

Seine Frau war völlig fassungslos, als ihr Captain Kelly die Mitteilung machte und sie im Wagen in das Krankenhaus brachte, in dem Shaun lag. Es bestand keine Hoffnung mehr, und man hatte bereits in aller Eile einen Priester rufen lassen.

Der Geistliche stand neben Kelly an dem Bett des Bewußtlosen. Der Arzt saß gelassen dabei; er wußte, daß jede Hilfe umsonst war.

Der Priester, noch jung und ein Idealist, holte tief Atem.

»Ich kann diese Art Verbrecher nicht verstehen«, sagte er traurig. »Jede Woche lese ich in den Zeitungen, daß jemand erschossen worden ist. Ist dies auch ein Bandenmord?«

Kelly nickte.

»Ja, der Mann gehört zu Tom Feeneys Leuten.« Er wandte sich zu dem Polizisten um, der an der Tür stand. »Hat er eigentlich noch irgend etwas gesagt?«

Der Polizist glaubte das Wort ›Jimmy‹ gehört zu haben. Er war auch sicher, daß Shaun noch leise vor sich hin geflucht hatte.

Kelly kam die ganze Angelegenheit sehr merkwürdig vor. Vor allem wunderte er sich darüber, daß Shaun ohne seine Leibwache, anscheinend sogar ohne einen einzigen Begleiter gekommen war. Es kam ihm der Gedanke, ob nicht Tom selbst seinen Schwager in den Tod geschickt hatte. Er äußerte diesen Verdacht auch laut.

»Was, seine eigenen Leute?« erwiderte der Priester bestürzt. »Aber warum denn?«

»Manchmal erkaufen sie damit einen Waffenstillstand«, erklärte ihm der Beamte. »Die Bandenchefs können natürlich nicht immer jede Handlung ihrer Leute kontrollieren, und wenn einer von ihnen auf eigene Faust auf ein Mitglied einer anderen Bande schießt, dann muß sich der Chef überlegen, ob er die Konsequenzen tragen will, oder ob er den Mann opfert – das heißt, daß er ihn mit einem Auftrag zu einer Stelle schickt, wo die Leute der anderen Bande ihn umlegen können.«

»Unmenschlich«, flüsterte der Priester.

»Ja, das wäre es«, entgegnete Kelly mit einem eisigen Lächeln, »wenn diese Leute den Begriff menschlich in irgendeiner Beziehung überhaupt kennen würden.«

Shaun rührte sich und murmelte einige undeutliche Worte. Der Arzt sah schnell auf.

»Sie haben nicht viel Zeit«, sagte er leise zu dem Kriminalbeamten.

Kelly setzte sich auf die andere Seite des Bettes und neigte sich über den Sterbenden.

»Hallo, Shaun, erkennen Sie mich? Captain Kelly ...« Er sah ein schwaches Aufleuchten in den Augen Shauns. »Man hat Sie hereingelegt, mein Junge – sagen Sie mir, wer es getan hat.« Er neigte sich noch näher zu ihm und nickte. »Ja, Shaun, die eigenen Leute haben Sie in den Tod geschickt habe ich nicht recht?«

Er lauschte erwartungsvoll.

Shaun O'Donnell verstand ihn, aber er antwortete nicht.

»Sprechen Sie doch! War es Feeney selbst – oder waren es doch Perellis Leute?« Er sah Shaun durchdringend an und sprach geradezu beschwörend auf ihn ein. »Sagen Sie es mir doch – war es Con O'Hara, der Sie erledigt hat ...?«

Er wartete, wartete ...

Aber getreu der Tradition sprach Shaun nicht. Die Polizei bedeutete ihm nichts, und das Versprechen Kellys, ihn zu rächen, hatte keinen Wert für ihn. Er brauchte dieses Versprechen nicht, denn er wußte, daß seine eigenen Leute schnell genug diese Tat sühnen würden. Sicher waren schon jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn zu rächen.

Kelly las die dunkle Entschlossenheit in den Augen des Sterbenden. Er wandte sich zu dem Priester und winkte ihn näher.

»So sind sie immer ...«, sagte er bitter.

Es ging rasch mit Shaun zu Ende. Seine Frau erkannte er kaum noch, und schon nach einigen Minuten erhob sich der Arzt achselzuckend von dem Bett des Toten.

Mrs. O'Donnell hatte vorher geweint, aber jetzt zeigte sie sich gleich wieder gefaßt und gab nüchtern, fast herzlos ihre Anordnungen. Es schien sie abzulenken, das Begräbnis gleich in allen Einzelheiten festzulegen.

Der Arzt, in dessen kleinem Zimmer sie mit den drei zuverlässigsten Unterführern der Bande stand, lauschte erstaunt ihren Worten. Schließlich verabschiedete sie sich und fuhr mit ihren Begleitern in ihre eigene Wohnung zurück.

Der wichtigste der drei Männer war Spike Milligan, blond und noch verhältnismäßig jung. Er sah aus wie ein gutsituierter Bankbeamter, war aber um einiges gefährlicher. Energisch betonte er jetzt; daß es wichtig sei, sofort Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Tom Feeney war gerade in Indiana, wo er wichtige Geschäfte zu erledigen hatte. Milligan hatte ihn aber telefonisch schon erreichen können, und Tom raste nun in höchster Eile nach Chicago zurück.

»Es waren Jimmy McGrath und Con O'Hara«, sagte Mrs. O'Donnell. »Sie haben sie zurückkommen sehen, Spike?«

Der junge Mann nickte.

»Ich wußte, daß Shaun eine Verabredung mit Jimmy hatte«, fuhr sie fort. »Er hat mir vorher gesagt, wohin er ging, und ich versuchte ihn zurückzuhalten. Perelli hat Jimmy geschickt, weil er wußte, daß Shaun dem Jungen traute. Die beiden müssen erledigt sein, noch bevor Tom zurückkommt!«

»Das ist auch meine Meinung«, erklärte Spike, und die anderen nickten beifällig.

»Jimmy hat doch nichts zu bedeuten – der ist ja noch ein Anfänger ...«

»Aber trotzdem soll er nicht davonkommen«, sagte Spike entschieden. »O'Hara hat eine Wohnung im Norden – er wohnt mit seiner Frau zusammen.«

»Und Perelli ...?« fragte einer.

»Hat keiner von euch Mut genug, es ihm heimzuzahlen?« entgegnete Mrs. O'Donnell verächtlich.

Spike betrachtete nachdenklich seine sorgfältig manikürten Fingernägel.

»Das ist nicht so einfach«, meinte er dann fast entschuldigend. »Zumindest muß das genau überlegt werden. Bei den anderen beiden; ist es eine Kleinigkeit – sie denken wahrscheinlich, daß sie gar nicht erkannt worden sind. Wenn sie nicht geflohen sind, werde ich persönlich Con und Jimmy erledigen.«

Glühender Haß leuchtete aus den harten Augen der Frau.

»Und wenn es sonst niemand tut, werde ich Perelli niederschießen«, sagte sie heftig.

Es folgte ein langes Schweigen, dann erhob sie sich plötzlich. »Los, erledigt die zwei«, befahl sie kurz. Ihre Leute machten sich daran, den Auftrag auszuführen.

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.