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In den Tod geschickt

Edgar Wallace: In den Tod geschickt - Kapitel 21
Quellenangabe
pfad/wallacee/todgesch/todgesch.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleIn den Tod geschickt
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun11. Auflage
editorFriedrich A. Hofschuster
year1982
isbn3-442-00252-4
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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20

Etwas fiel zu Boden – Tony war der Brieföffner, mit dem er gespielt hatte, aus der Hand geglitten. Was sollte das bedeuten? O'Hara war nicht dabei. Er wollte seinen Ohren nicht trauen.

»Ich bin sofort bei Ihnen, lassen Sie alles, wie es ist!« rief Kelly noch in den Hörer und donnerte ihn dann auf den Apparat.

»Morgen früh um neun erwarte ich Sie im Polizeipräsidium, Perelli«, sagte er und knallte die Tür hinter sich zu.

Tony wandte sich rasend vor Wut an Minn Lee.

»Hast du gehört, wie er mit mir umspringt? Mit mir – Tony Perelli! Als ob ich ein Hund wäre!«

Sie hörte ihn nicht. Sie sah in die Ferne, ihre Lippen waren leicht geöffnet.

»Jimmy! O Jimmy!«

»Er ist jetzt in der Hölle!«

»Vielleicht war er vorher noch im Himmel«, sagte sie leise.

»Du warst wohl in ihn verliebt?« fragte er höhnisch.

In Wirklichkeit zog er diese Möglichkeit eigentlich nicht ernsthaft in Betracht. Es war doch undenkbar, daß Minn Lee ...

»Ich liebte immer nur dich, nicht ihn. Doch daß ich ihn glücklich gemacht habe, macht mich selbst glücklich. Wenn mein ganzes Leben verpfuscht war – für ihn bedeutete ich wenigstens etwas!«

Er wich vor ihr zurück.

»Was soll das alles heißen?«

»Er wußte, daß er in den Tod ging, und er war froh darüber«, sagte sie leise.

Tony wischte seine feuchte Stirn ab.

»Er wußte, daß er in den Tod ging? Wer hat ihm denn das gesagt?«

»Ich.« Aus ihrer Stimme klang weder Furcht noch Trotz, sie stellte nur eine Tatsache fest. »Er wollte nicht mehr leben, seine Schuld lastete zu schwer auf ihm. Vielleicht interessiert es dich noch, daß er so furchtlos in den Tod ging, weil ich ihm gesagt hatte, daß ich ihn liebe ...«

»Du hast ihn geliebt?« Tony war starr vor Entsetzen. »Ich denke, du liebst mich. Weißt du nicht mehr, wem du gehörst? Mir!«

»Jetzt gehöre ich ihm.«

Er konnte nicht mehr reden vor Wut. Plötzlich sprang er auf sie los und packte sie an der Kehle.

»Überlege dir lieber, wo Con O'Hara ist ...«, keuchte sie atemlos.

Diese Frage brachte ihn wieder zur Vernunft.

Con O'Hara – die Polizei hatte ihn nicht gefunden, er mußte noch am Leben sein. Und wenn Jimmy es gewußt hatte, dann wußte er es auch. Das bedeutete Gefahr, höchste Gefahr für Tony selbst, denn trotz mancher Schwächen war Con ein Mann, vor dem sich jeder hüten mußte. Ausgerechnet er war nicht in die Falle gegangen ...

»Ich gehe in mein Zimmer«, sagte Minn Lee.

»Scher dich zum Teufel ...« Plötzlich fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf. »Du hast doch mit Kelly gesprochen – hast du ihm etwas gesagt?«

Sie lehnte an der Wand, und er packte sie wild an den Schultern.

»Hast du ihm etwas gesagt? Vielleicht willst du mich verpfeifen, wie ...?«

Seine Finger krampften sich wieder um ihre Kehle und erstickten ihre Worte.

»Du lügst, du schmutzige kleine ...!«

Perellis Gesicht hatte sich verzerrt; sein wahrer Charakter, die ganze Gemeinheit und Hemmungslosigkeit seiner eigentlichen Natur kamen jetzt zum Vorschein.

»Du weißt wohl verdammt viel, was?«

Mit einer geschickten Drehung machte sie sich aus seinem Griff frei.

»Du hast recht. Ich weiß, daß du Vinsetti erschossen hast.«

»So? Woher willst du denn das wissen?«

»Du redest im Schlaf – manchmal läßt dir dein Gewissen anscheinend doch keine Ruhe.«

Er schleuderte sie über den Tisch und packte rasend vor Wut die schwere Bronzefigur, die neben ihm stand. Auch jetzt verlor sie noch nicht die Beherrschung.

»Besser, du bringst mich nicht um. Nicht wegen mir – aber Kelly sagte, daß man in Chicago zum Tod verurteilt wird, wenn man eine Frau ermordet. Ich sollte ihm alles erzählen, und er versprach mir hunderttausend Dollar Belohnung, aber ich sagte ihm – daß ich dich liebe.«

Perelli hörte ein schwaches Geräusch und warf einen Blick über die Schulter. Angelo lehnte an der Tür, die Hände leicht auf die Hüften gestemmt. In dem Augenblick, als Tony die Bronzefigur hob, war er dem Tod sehr nahe gewesen, denn Angelo Veronas Finger hatten sich bereits um den Griff seiner schweren Pistole geschlossen.

»Das hast du ihm gesagt?« fragte Tony heiser. Er sah sie an, dann wanderten seine Blicke zu Angelo. »Gut, Minn Lee. Es ist alles in Ordnung ...« Er verabschiedete sie mit einer leichten Geste.

»Was gibt es hier?«

Perelli hörte die metallene Härte in Angelos Stimme.

»Schick alles fort, was nicht unmittelbar zu uns gehört, Angelo. Ist Tomasino oben? Ja? Wer noch?«

»Toni Ramano, Jake French, Al Mario ...«

»Schicke sie sofort los! Sie sollen mit dem Wagen die Stadt absuchen und Con O'Hara auftreiben.«

»Aber ...«

»Er ist ein Verräter. Er hat den Jungen allein gehen lassen. Jimmy ist tot. Keinesfalls will ich eine Schießerei hier in der Nähe haben, verstanden? Stelle einen Mann an die Haustür, der mir ein Signal gibt, wenn er von selber herkommen sollte. Ich möchte ihn dann persönlich erledigen.«

»Con hat doch nicht etwa gewußt, daß er in den Tod geschickt wurde?« fragte Angelo entsetzt.

»Du Schwachkopf – natürlich muß er es gewußt haben.«

»Soll ich alle Leute, die noch hier sind, fortschicken?«

»Ja – das heißt, O'Haras Frau bleibt hier.«

»Soll ich auch mit den anderen in die Stadt fahren?«

»Nein. Halte zwei oder drei Mann hier bereit. Die Couch muß hereingeschafft werden. Los jetzt – tausend Dollar Belohnung für den, der O'Hara erwischt.«

Angelo machte sich auf den Weg, und Tony Perelli traf seine Vorbereitungen. Er hatte schon öfters solche Krisen erlebt. Im Fall Vinsetti war es ähnlich gewesen, und die günstige Gelegenheit hatte sich ganz unerwartet geboten. Minn Lee hatte die ganze Zeit davon gewußt, das ging ihm jetzt wieder durch den Kopf. Doch sie würde nichts verraten, seltsamerweise war er davon fest überzeugt. Trotzdem, sie würde ihn verlassen müssen, und es war ihm sogar lieb, daß sie ihm durch ihr Verhalten einen Grund gegeben hatte. Das erleichterte die Trennung.

Bis auf eine Stehlampe schaltete er alle Lampen in dem Zimmer aus. Dann nahm er eine Pistole aus einer Schublade, zog das Magazin heraus und überzeugte sich, daß es gefüllt war. Er schob es wieder in den Griff der Waffe, lud durch und legte die Pistole unter seinen Hut, den er auf das Klavier geworfen hatte.

Als Angelo mit der Meldung zurückkam, daß Tonys Befehle ausgeführt wurden, traf Tony weitere Vorkehrungen. Vor allem mußte er wegen Mary zu einer Entscheidung kommen. Während er noch über sie nachdachte, kam sie ziemlich schlechter Laune ins Zimmer.

»Alles geht nach Hause – das ist mir ein netter Abend!«

»Sie müssen das verstehen, Mary; die Leute haben noch zu tun! Und wenn die andern auch gehen, so können Sie doch hierbleiben!«

Er war nicht in der Stimmung, sich auf lange Diskussionen mit ihr einzulassen, und sie erschrak über seinen herrischen Ton. Rasch erhob sie sich von der Couch, auf der sie sich malerisch niedergelassen hatte. »Ist denn etwas passiert?«

»Ja – etwas Entsetzliches. Jimmy, dieser nette Kerl, ist erschossen worden!«

»Jimmy McGrath?« rief sie und fuhr zusammen. »Er ist doch gemeinsam mit Con fortgegangen! Was ist los? Sagen Sie es mir!«

»Tom Feeneys Leute haben es getan.«

Ihre Knie zitterten, obwohl das wirklich nicht der erste Mord war, der in ihrer näheren Umgebung passierte.

»Was ist mit Con!« rief sie schrill. »So antworten Sie doch!«

»Es ist ja alles in Ordnung, Con ist nichts passiert.«

»Wo ist er? Lassen Sie mich gehen!«

Sie sprang auf, aber er hielt sie fest. Unter keinen Umständen durfte sie jetzt mit Con O'Hara zusammenkommen. Wenn sie schwatzte, konnte es schlimm ausgehen.

»Sie möchten wohl, daß er gleich wieder hier aufkreuzt?« fragte er wütend. »Vor einer Stunde dachten Sie noch anders darüber. Er wird wahrscheinlich die ganze Nacht wegbleiben, denn die Polizei ist hinter ihm her. Er steht im Verdacht, Jimmy erschossen zu haben.«

Er war stolz auf diese Ausrede, die ihm gerade im richtigen Moment eingefallen war.

»Ich gehe nach Hause und warte dort auf ihn«, erklärte sie.

»Sie haben hier doch alles, was Sie brauchen. Wozu wollen Sie also heimgehen? Es ist bestimmt viel besser, wenn Sie hierbleiben. Dort haben Sie doch nur die ganze Nacht die Polizei auf dem Hals. Also – Sie bleiben.«

»Das fällt mir gar nicht ein!«

Sie versuchte vergeblich, davonzulaufen. Tony Perelli war stärker als sie. Er nahm ihr Gesicht zwischen die Hände und küßte sie ...

»Con wird dich erschießen«, stöhnte sie.

»Bleibst du jetzt bei mir?«

Statt einer Antwort schmiegte sie sich an ihn.

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