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In den Tod geschickt

Edgar Wallace: In den Tod geschickt - Kapitel 16
Quellenangabe
pfad/wallacee/todgesch/todgesch.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleIn den Tod geschickt
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun11. Auflage
editorFriedrich A. Hofschuster
year1982
isbn3-442-00252-4
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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15

Tom Feeney betrat vorsichtig den Raum. Er war vor längerer Zeit schon einmal hier gewesen, aber inzwischen hatte sich sehr viel ereignet. Zum Beispiel war Vinsetti gestorben, und man hatte die näheren Umstände seines Todes in der Unterwelt eingehend besprochen.

In der Tür drehte sich Tom um und gab mit lauter Stimme seinen Begleitern Instruktionen – mehr um sich selbst Mut zu machen.

»Also, Jungs, legt eure Schießeisen fort. Das ist so abgemacht – stimmt doch, Tony?«

Perelli wußte genau, was in Tom vorging, und lächelte.

»Natürlich. Legt eure Kanonen auf den Tisch – und schenken Sie sich einen Whisky-Soda ein, Tom.«

Feeney holte zwei Pistolen aus seinen Schulterhalftern hervor und warf sie ostentativ auf den Tisch.

»Hier!«

Tony brachte ebenfalls zwei Pistolen zum Vorschein und legte sie daneben.

»Wo ist Angelo?« fragte Tom und schaute sich um.

»Ich habe ihn zu Schoberg geschickt.«

Tom war von dieser Antwort befriedigt.

»Eine gute Idee – Sie allein sind schon gerade genug.«

Tony holte eine Kiste Zigarren und bot zu rauchen an. Tom wählte und bediente sich.

Niemand sah Minn Lee, die von ihrem Zimmer aus auf den Balkon gegangen war und jetzt dicht neben dem geöffneten Fenster stand.

Tony zündete sich auch eine Zigarre an und begann das Gespräch.

»Hören Sie, Tom, was ich am Telefon sagte, meine ich auch so. Wir verdienen beide Geld – warum streiten wir uns denn um die paar Dollars? Hat doch eigentlich gar keinen Sinn.«

»Stimmt schon.« Feeneys Begeisterung wirkte nicht ganz echt. »Sie haben wirklich mehr Verstand als ein Professor!«

Perelli rückte zwei Sessel dicht nebeneinander, und sie nahmen Platz.

»Bedenken Sie vor allem eins, Tony – ich habe zwei gute Leute verloren, und bevor wir uns verständigen können, müssen wir uns erst über Shaun einigen. Wenn das erledigt ist, haben wir schon den Hauptteil der Schwierigkeiten überwunden.«

Tony murmelte etwas, und Tom hob die Hand.

»Ich weiß, ich weiß – Shaun konnte Sie nicht leiden! Er war hinter Ihnen her. Vergessen Sie aber nicht, daß ich eine Schwester habe, die mit ihm verheiratet war. Und Sie wissen ja, wie die Frauen sind. Sie jedenfalls ist jetzt darauf versessen, die beiden um die Ecke zu bringen, die ihren Mann erschossen haben – und meine Leute sind auf ihrer Seite.«

»Ihre Schwester ist eine sehr liebenswürdige, nette Dame«, entgegnete Perelli höflich.

Aber Tom ließ sich durch solche Komplimente nicht beeindrucken.

»Tun Sie nicht so, Perelli. Ihr Geschmack ist sie bestimmt nicht; und sie hat auch sonst noch niemals einen Mann begeistert mit Ausnahme von Shaun. Das macht die Sache eben so schwierig!«

»Was soll ich denn Ihrer Meinung nach tun?« fragte Tony geradezu.

Tom lehnte sich vor und sprach mit äußerstem Nachdruck.

»Wir wissen genau, wer Shaun umgelegt hat – es waren der junge McGrath und Con O'Hara; einer meiner Leute hat sie zurückfahren sehen. An dem jungen Studentchen verlieren Sie nicht viel. Für Con tut es mir eigentlich leid – ich habe ihn in New York gekannt –, aber er redet wirklich zu viel. Haben Sie eigentlich seine Frau schon gesehen?«

Tony hatte Mary nicht vergessen.

»Ja, ich kenne sie. Also, was soll ich tun?«

Tom Feeney dämpfte seine Stimme.

»Schicken Sie die beiden heute nacht an einen Platz, den ich Ihnen angebe, damit meine Leute sie erledigen können. Sagen wir elf Uhr, Ecke der Michigan Avenue und der Vierundneunzigsten Straße. Ein paar meiner Jungs werden dort sein – und damit wäre der Streit beigelegt.«

»Nein, das tue ich nicht!« fuhr Tony auf.

»Kann mir denken, daß Ihnen das nicht liegt, aber überlegen Sie doch mal ...«

Perelli stützte das Kinn auf die Hand, und einige Minuten lang schwiegen sie.

»Die beiden haben mir schon allerhand Sorgen gemacht«, begann schließlich Perelli wieder. In seiner Stimme lag jetzt ein merkwürdiger Unterton. Als Tom sah, daß Tony angebissen hatte, stieg seine Hoffnung.

»Es gibt in jeder Organisation schlechte Kerle und Verräter – denken Sie nur an Vinsetti!«

»Das weiß ich selbst am besten ...!«

Tony lächelte grimmig.

»Na also. Und hier ist es nicht anders. Wenn Sie keinen Spektakel wollen, ist dies der beste Weg.«

»Gut, die Sache ist in Ordnung«, sagte Tony langsam. »Ich schicke die beiden heute abend hin.«

Sie standen zu gleicher Zeit auf, als es an die Tür klopfte. Es war Angelo, halb verborgen hinter einem riesigen Blumenarrangement, das er vor sich hertrug und vor Tom niedersetzte.

Schoberg, der beste und teuerste Blumenhändler Chicagos, hatte wirklich ein Meisterwerk geliefert. Tom Feeney war gerührt.

»Wirklich sehr aufmerksam von Ihnen. Wunderschön – diese Blumen.«

Er nahm die Karte, die an dem Arrangement befestigt war und las:

Die Engel sahen Shaun und sangen,
ein guter Mann ist heimgegangen.

Tiefstes Beileid von Tony Perelli.

Tom war den Tränen nahe.

»Donnerwetter – wie schön gesagt!«

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