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In den Tod geschickt

Edgar Wallace: In den Tod geschickt - Kapitel 15
Quellenangabe
pfad/wallacee/todgesch/todgesch.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleIn den Tod geschickt
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun11. Auflage
editorFriedrich A. Hofschuster
year1982
isbn3-442-00252-4
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid4b5743cb
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14

Jimmy hörte, wie sich die Tür hinter Perelli schloß, der zu seiner Zusammenkunft mit Tom Feeney ging. Er stützte den Kopf in die Hände und dachte nach – wieder wirbelten seine Gedanken durcheinander. Er überlegte, ob er fliehen und diese ganze Umgebung verlassen sollte; dabei fühlte er aber ganz genau, daß er damit seiner Schuld nicht entrinnen konnte. Nirgends gab es eine Zufluchtstätte für ihn ... Immer wieder versuchte er sich einzureden, daß er selbst ja den tödlichen Schuß nicht abgegeben hatte. Auch das half ihm nichts, denn er. mußte sich sagen, daß er die feste Absicht gehabt hatte, Shaun zu töten.

Hätte er zu Kelly gehen und ihm ein Geständnis ablegen können, ohne Con O'Hara und Perelli hineinzuziehen, so wäre ihm das als die beste Lösung erschienen. So gab es nur einen Weg für ihn. Selbstmord? Nein, das wäre Betrug gewesen. Er mußte seine Schuld an seine wirklichen Gläubiger bezahlen ...

»Was haben Sie, Jimmy?«

Schnell sah er auf. Minn Lee stand vor ihm – so heiter, so ruhig und so strahlend schön, daß er bei ihrem Anblick den Atem anhielt.

»Was ist los, Jimmy? Fühlen Sie sich nicht wohl?«

Er schüttelte den Kopf und bedeckte sein Gesicht mit den Händen. »Nein ...« Pause. »Ich wünschte, ich wäre tot!«

Sie setzte sich neben ihn und legte ihre kleine Hand auf seine Schulter.

»Ach, Jimmy, ich habe Ihnen doch schon immer gesagt, daß Sie fortgehen sollen.«

Er richtete sich auf, sah sie an und lachte gequält.

»Fortgehen? Wohin denn?« Bekümmert schaute er sie. an. »Wenn nur Sie nicht in dieser Umgebung leben müßten! Sie haben hier noch weniger zu suchen als ich.«

»Tony hat mich mit hierhergenommen, als es mir sehr schlecht ging. Ich gehöre zu ihm – etwas anderes gibt es für mich nicht.«

Er wunderte sich über sie, wie er sich schon früher über sie gewundert hatte. Wenn er sein Leben nicht selbst schon weggeworfen hätte, würde er alles getan haben, um sie aus dieser Umgebung zu befreien. Er sagte ihr dies auch in unbeholfenen Worten.

»Gehen Sie doch selbst fort«, bat sie ihn. »So schnell wie möglich.«

Er schüttelte den Kopf, erhob sich, ging im Zimmer auf und ab und dachte, daß sie völlig in ihre Arbeit vertieft sei. Aber als er zu ihr hinschaute, bemerkte er, daß ihre Blicke ihm folgten.

»Jimmy – wer hat den Mann gestern abend niedergeschossen?«

Die Frage erschreckte ihn. Für kurze Zeit hatte er Shaun O'Donnell ganz vergessen.

»Ich ... ich weiß es nicht«, erwiderte er unsicher.

»Wer hat auf ihn geschossen?«

Jimmy verlor plötzlich die Fassung und schluchzte haltlos.

»Ich hab's getan!« stieß er schließlich hervor. »Ich habe versucht, mich vorher zu betrinken, aber je mehr ich trank, desto nüchterner wurde ich. Ja, ich wollte ihn ganz kaltblütig umbringen! Und dafür muß ich jetzt bezahlen.«

Sie nickte. »Es wird bald aus sein – mit uns allen.«

»Mit uns allen? Kein Mensch wird Ihnen etwas tun.«

Plötzlich kam ihm zum Bewußtsein, wie sehr sie unter Perellis Art leiden mußte. Ihre heitere Gelassenheit war nur Schein. Jimmy tastete nach ihrer Hand und hielt sie fest.

»Ich liebe dich, Minn Lee«, sagte er leise.

Behutsam machte sie ihre Hand frei.

»So etwas dürfen Sie nicht sagen.« Ihre Stimme zitterte. »Ich kann niemand mehr etwas bedeuten.«

In seiner Aufregung fing er an, verworrene Pläne zu schmieden. Sie konnten nach Kanada fliehen ...

Sie lachte leise und brachte ihn dadurch wieder zur Besinnung.

»Eine Chinesin paßt nicht zu Ihnen, Jimmy. Ich gehöre hierher zu Tony – und ich liebe ihn immer noch, trotz allem.«

Sie versuchte, ihm gut zuzureden. Aber er wiederholte immer nur, daß er sie liebe und mit ihr fliehen wolle.

Sie schüttelte den Kopf.

»Ich muß bei Tony bleiben.«

Perelli hatte die Tür geöffnet, überschaute die Situation mit einem Blick und betrachtete die beiden wie ein wohlwollender Vater.

Als Jimmy seine Stimme hörte, sprang er auf und murmelte eine Entschuldigung. Aber Perelli unterbrach ihn mit einer Handbewegung.

»Lassen Sie nur, Jimmy – ich fand es sehr interessant. Aber nun verschwindet, ihr Kindsköpfe. Ihr könnt euch ja in einem andern Zimmer noch unterhalten.«

Jimmy versuchte noch einmal, sich zu entschuldigen, aber Minn Lee zog ihn mit sich.

Tony sah ihnen mit einem seltsamen Lächeln nach.

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