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In den Tod geschickt

Edgar Wallace: In den Tod geschickt - Kapitel 10
Quellenangabe
pfad/wallacee/todgesch/todgesch.xml
typefiction
authorEdgar Wallace
titleIn den Tod geschickt
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun11. Auflage
editorFriedrich A. Hofschuster
year1982
isbn3-442-00252-4
translatorRavi Ravendro
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid4b5743cb
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9

Jimmy McGrath reagierte sehr merkwürdig auf sein Erlebnis. Er war plötzlich völlig ruhig, und seine Gedanken hatten sich seit langer Zeit wieder einmal ganz geordnet, als er sich von Con O'Hara verabschiedete und zu Fuß nach Hause ging

Der Mord, an dem er teilgenommen hatte, stand kristallklar vor seinen Augen. Blut klebte jetzt an seinen Händen, das Blut eines Mannes, der ihn gern gemocht hatte. Doch ebenso klar war ihm, daß es einen Weg zurück von nun ab nicht mehr gab. Auf Gedeih und Verderb gehörte er jetzt zu den Alkoholschmugglern.

Er stieg die Treppe zu seinem Zimmer hinauf, schloß die Tür auf und machte Licht. Dann verriegelte er von innen und wusch sich die Hände. Rock, Weste und Schuhe zog er aus, löschte das Licht und warf sich auf das Bett.

Er versank sofort in einen traumlosen Schlaf, aus dem er erst hochschreckte, als hart an seine Tür geklopft wurde. Sofort hellwach, sprang er hoch und griff nach der Pistole, die noch auf dem Tisch lag. Sein Herz hämmerte wild. Wieder klopfte es, dann hörte er eine bekannte Stimme. Es war Angelo. »Machen Sie auf, Jimmy!«

Der junge Mann öffnete, und Angelo trat ein.

»Ach, haben Sie geschlafen?« fragte er verwundert. »Ziehen Sie schnell Ihre Schuhe und Ihren Rock an.«

»Schickt Tony nach mir?«

Angelo schüttelte ungeduldig den Kopf.

»Nein, das nicht – wir müssen jetzt vor allen Dingen einen anderen Unterschlupf für Sie ausfindig machen, wo Sie sich aufhalten können. Hier ist es nicht sicher.«

Jimmy hatte ein trockenes Gefühl in der Kehle.

»Wissen die anderen schon«, stammelte er, »daß ich Shaun ...«

»Natürlich wissen sie es«, entgegnete Angelo kühl. »Man hat Sie gesehen, als Sie mit Con zur Stadt zurückfuhren.« Er sah auf die Uhr. »Beeilen Sie sich!«

Jimmy kleidete sich eilig an, steckte die Pistole ein und folgte Angelo.

Vorsichtig traten sie auf die Straße. In einiger Entfernung von der Haustür stand ein Wagen, an dem zwei Männer lehnten. Sie liefen eilig darauf zu und stiegen ein.

Eine Viertelstunde später hatte Jimmy ein neues Quartier in einem kleinen Hotel in der Nähe von Tonys Wohnung.

»Machen Sie keinem Menschen auf«, instruierte ihn Angelo. »Tony wird dann später mit Ihnen sprechen; das Hotel hier gehört ihm, und Sie sind für die Nacht völlig sicher.«

*

Spike Milligan wollte sich Jimmy McGrath für später aufsparen und erst den schwierigeren Teil seiner Aufgabe erledigen.

Er wußte, wo Con O'Haras Wohnung war. Als er dort ankam, sah er, daß Licht brannte. Er ging zur nächsten Telefonzelle und rief ihn an.

»Con, bist du's?« Milligan kannte O'Hara, denn sie hatten in New York einmal der gleichen Bande angehört. »Hier spricht Spike.«

»Na, und?« entgegnete Con vorsichtig.

»Hör mal zu – ich muß dich unbedingt sprechen. Shaun O'Donnell ist diese Nacht umgelegt worden, und es sieht so aus, als ob unsere ganze Organisation zum Teufel ginge. Habe ich Chancen, bei euch unterzukommen?«

Con O'Hara war nicht gerade schlau, aber er hatte wie die meisten primitiven Menschen einen gewissen Instinkt für Gefahren.

»Schon möglich. Wir können ja morgen einmal miteinander reden. Ich habe gerade eine scheußliche Grippe am Hals und bin die ganze Nacht zu Hause gewesen.«

»Ich hab's aber ziemlich eilig – können wir uns nicht gleich treffen?«

»Besser, wir verschieben es auf morgen früh.«

»Ich könnte ja auch zu dir kommen?« bohrte Spike hartnäckigweiter.

»Du weißt nicht, was du damit für ein Risiko eingehst, mein Junge«, sagte Con mit sonderbarer Betonung.

Spike hängte ab und überlegte. Wie alle anderen hatte er etwas Angst vor Mrs. O'Donnell. Keinesfalls traute er sich zu ihr zurückzukommen, ohne etwas erreicht zu haben.

Kurz entschlossen ging er zu seinen Begleitern zurück, und nach kurzer Beratung machten sie sich alle drei auf den Weg zu Con O'Haras Wohnung.

Aber als sie in der Nähe des Hauses waren, hielt vor der Haustür gerade eine schwere, dunkle Limousine. Die Scheinwerfer wurden auf Standlicht geschaltet, aber niemand stieg aus.

Spike, der im Schatten einer Toreinfahrt stand und den Vorgang beobachtete, grinste. Es wäre glatter Selbstmord gewesen, sich in das Haus zu wagen. Sie gingen deshalb zu ihren Autos zurück und fuhren zu Jimmys Wohnung. Wenn auch dort ein Wagen wartete, blieb nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge umzukehren.

Langsam fuhren sie an dem Haus vorbei, konnten aber nirgends etwas Verdächtiges bemerken. Hundert Meter entfernt stieg Spike aus, schlenderte langsam zurück und öffnete mit Hilfe seines Dietrichs und seiner beachtlichen Fingerfertigkeit die Haustür.

Im Hausflur war es stockdunkel. Leise stieg er die Treppe zum dritten Stock hinauf und klopfte vorsichtig an Jimmys Tür. Keine Antwort. Er klopfte wieder und lauschte angestrengt – nicht das geringste Geräusch, kein Knarren der Matratze, keine heimlichen Schritte. Er drückte die Klinke nieder und wußte sofort, daß niemand im Raum war, als sich die Tür öffnen ließ. Spike machte Licht und sah sich um. Aus allen Anzeichen konnte er schließen, daß das Zimmer eilig verlassen worden war. Perelli hatte gut für seinen Mann gesorgt. Und plötzlich sagte ihm ein Gefühl, daß Gefahr drohte. Wenn Perelli Jimmy fortgebracht hatte, dann wußte er auch, daß jemand hinter dem Jungen her war.

Er drehte das Licht aus und schlich sich leise die Treppe hinunter. Unwillkürlich umklammerten seine Finger noch fester den Kolben des Revolvers, den er in Hüfthöhe hielt.

Vorsichtig zog er die Haustür wieder auf und lauschte angestrengt. Dann blieb er plötzlich wie erstarrt stehen, denn unmittelbar vor ihm am Fuß der Treppenstufen, die er hinuntergehen mußte, stand die Limousine, die er schon vorher in der Nähe von Con O'Haras Wohnung gesehen hatte. Einen Moment lang verließ ihn seine ganze Geistesgegenwart – im nächsten Augenblick preßte sich ein harter Gegenstand in seinen Rücken.

»Vorwärts, Spike, keine Umstände«, flüsterte eine Stimme hinter ihm.

Er wurde auf die Stufen hinausgeschoben. Gleichzeitig packten zwei Leute, die neben der Haustür gestanden hatten, seine Arme und nahmen ihm den Revolver weg.

»Was soll das?« fragte er mit heiserer Stimme. Er schaute die Straße auf und ab, konnte aber nichts von seinen eigenen Leuten entdecken – er selbst hatte ihnen befohlen, zwei Häuserblocks entfernt mit dem Wagen zu warten.

Der Mann hinter ihm schloß leise die Haustür.

»Nur eine kleine Fahrt. Sie kennen das ja, Spike«, sagte er.

Man stieß ihn in den Wagen und schob ihn auf den Sitz neben dem Chauffeur. Das Auto fuhr an.

Eine Viertelstunde später hielten sie an einem einsamen Schuttabladeplatz. Spike hatte längst aufgegeben, er wußte, daß jeder Widerstand sinnlos war. Schließlich war er schon oft genug in ähnlichen Situationen gewesen; nur hatte dann immer er die Pistole in der Hand gehabt. Um den Begriff der ausgleichenden Gerechtigkeit hatte er sich eigentlich nie gekümmert, aber so etwas Ähnliches ging ihm jetzt durch den Kopf, kurz bevor, hinter ihm der Schuß knallte.

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