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Immer mutig!

Paul Scheerbart: Immer mutig! - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Scheerbart
titleImmer mutig!
senderhille@abc.de
created20040529
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Menschenliebe

Der Himmel tat sich auf, und ein Engel kam vom Himmel herunter zu den Menschen. Der Engel reichte allen Menschen freundlich die Hand und wurde von ihnen gestreichelt – aber mir so viel Zärtlichkeit und Ausdauer, daß dem Engel schließlich alle Glieder weh taten.

Da rannte der Engel davon und setzte sich am Ufer eines Flusses auf einen weiß angestrichenen Stein.

Auf diesem Steine dachte der Engel über sein Unglück nach, denn ihm taten die Glieder ganz gehörig weh.

Plötzlich aber erinnerte er sich, daß er ja noch himmlisches Öl in seinem Tornister habe, holte das Öl hervor – und rieb sich alle seine Glieder mit dem Öle ordentlich ein.

Da ward dem Engel wieder wohl, und er ging zu den Menschen zurück.

Indessen die Menschen fingen abermals an, den Engel zu streicheln mit viel Zärtlichkeit und Ausdauer.

Da jedoch die Menschen bemerkten, daß sie sich die Hände eklig voll Öl machten, so wurden die leicht erregbaren Menschen ärgerlich und verhauten den Engel in nicht grade rücksichtsvoller Art.

Der Engel rannte abermals davon in einen finsteren Wald hinein. Und da den Engel jetzt wiederum alle Glieder schmerzten, gebrauchte er zum zweiten Male sein himmlisches Öl.

Und bei dieser zweiten Einreibung dachte der gute Engel darüber nach – was wohl bei den Menschen leichter zu ertragen sei – das Gestreicheltwerden oder das Verklopptwerden.

Zurückgegangen zu den Menschen ist der Engel nicht.

Ich mochte wohl mit diesen ausgesuchten drei Geschichten ausgeschlagene drei Stunden so ruhig dagesessen haben – da kam endlich der General Abdmalik in das Bibliothekzimmer. Kaum aber hatte er einen Luftsprung mit Saltomortals wie Lapapi gemacht – so lachte er furchtbar – und rannte davon.

Ich saß abermals drei ausgeschlagene Stunden mit meinen drei Manuskripten da und wartete – es ließ sich aber kein Nilpferdchen sehen.

Da ging ich denn in ein Nebenzimmer – und da saßen denn die Herren – lange Pfeife rauchend – in bequemen Ledersesseln und lasen in großen Folianten.

Mein Erscheinen blieb anfänglich ganz unbeachtet.

Ich hustete jedoch und reichte mit einigen Worten der Entschuldigung meine drei Manuskripte dem König Thutmosis, der mir zunächst saß.

Dieser König sah bloß in die Manuskripte hinein – dann sprang er wütend auf, schmiß seinen Folianten auf den Fußboden und schimpfte sogleich wie ein Rohrspatz.

Glaubst Du denn, wir wären toll geworden, daß wir ewig und immer alle Tage und alle Nächte bloß Deine trübsinnigen Geschichten lesen möchten? Wir haben was Besseres zu tun. Mit solchem Zeug komm uns nicht wieder.«

Und dann warf er auch meine Manuskripte auf die Erde, daß sie wie Blätter im Winde überall herumflogen.

Mit Mühe sammelte ich sie und steckte sie ein und wollte mich entfernen.

Da stieß mir aber der Inspektor mit seinem rechten Vorderfuß in den Bauch und sagte:

»Gib drei lustige Geschichten für die drei traurigen!«

Ich wollte erst nicht, aber ich ließ mich doch überreden und gab, was man verlangte, bemerkte aber gleich sehr ernst:

»Lustigere Geschichten habe ich augenblicklich nicht bei mir. Ich bitte, nicht wieder zornig zu werden, wenn sie einem der Herren doch noch zu trübsinnig erscheinen sollten. Ich kann nicht lustiger sein – als ich bin!«

Nun – die Herren lasen dann ganz ruhig, was ich ihnen gegeben hatte.

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