Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Paul Scheerbart >

Immer mutig!

Paul Scheerbart: Immer mutig! - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Scheerbart
titleImmer mutig!
senderhille@abc.de
created20040529
Schließen

Navigation:

Der Mönch

Ich war ein Kind und sah ein Bild. Und das Bild zeigte mir einen jungen Mönch, der am Fenster saß und malte.

Es war Alles unglaublich still und friedlich. Draußen schien die Sonne über weite einsame Felder. Und am Fenster saß der Mönch und malte. Sein Gesicht sah so glücklich aus.

Da hat's mich gepackt.

Eine ahnende Empfindung durchschlich mich so sanft wie eine weiche zarte Hand.

Und ich wollte auch so malen – wie der Mönch.

»Solches Malen muß glücklich machen!« dachte ich.

Und ich wollte so malen – mein ganzes Leben hindurch – am stillen Klosterfenster – vor dem die weiten Felder der Erde so einsam daliegen – im Sonnenschein.

Während nun die Herren, aus dem alten Ägypten meine alten Geschichten lasen, ertönte in der Ferne eine leise, feine Geigenmusik, und in der Luft über dem Tische entstanden bläuliche Rauchwolken, und aus den Rauchwolken kamen kleine bunte, schimmernde Kugeln und kleine Krystallkörper in verschiedenen Formen hervor.

Und die Kugeln und die Krystallkörper schwebten bald wie Sterne über dem Tische; sie kreisten in feinen Kurven langsam umeinander, und feine Luftblasen schwebten dann schneller durch – und diese Blasen hatten Lichtschweife – wie die Kometen.

Die Nilpferdchen befestigten Pincetten an ihrer rechten Vorderpfote und fingen sich einzelne von den schwebenden Sternen, steckten sie in den Mund und verschluckten sie.

Das war die Abendmahlzeit meiner Gastgeber, und ich glaubte schon, ich sollte teilnehmen an diesem astralen Souper. Aber während ich das dachte, wurde mir eine schwarze Zigarre in den Mund geschoben von einer unsichtbaren Hand.

Die Zigarre brannte, und ich rauchte.

Die Rauchwolken meiner Zigarre mischten sich unter die Sterne, und ich fühlte, daß mein ganzer Körper immer kräftiger wurde.

Und ich rauchte und mußte lächeln, und ich sagte:

»Meine Herren, ich sage Ihnen meinen herzlichsten Dank für das elektrische Bad. Ich fühle, daß ich Nahrungsstoffe durch diese Zigarre in mich aufnehme. Ich freue mich sehr, daß ich mich in einer so einfachen und in keiner Beziehung lächerlichen Art ernähren kann.«

Ich verbeugte mich, und die Herren nickten mir mit ihren dicken Nilpferdköpfen freundlich zu.

Der Pyramideninspektor sprach aber:

»Lieber Freund! Du hast in Deinem neuen Leben, das Du uns im Badezimmer zu lesen gabst, das Wörtchen ›Nilpferd‹ in einer nicht grade respektvollen Form gebraucht. Wie gedenkst Du das wieder gut zu machen?«

»Ich bitte sehr um Verzeihung!« stammelte ich mühsam.

»Ohe!« riefen da Alle wie aus einem Munde.

»So einfach,« versetzte der Oberpriester Lapapi, »wirst Du die Sache nicht gut machen. Wir können beim Abendbrot ganz gut lesen. Die Verdauungstätigkeit stört unsre Gehirntätigkeit nicht im mindesten.«

Ich verstand, lächelte und rief:

»Meine Herren, Sie sind außerordentlich liebenswürdig!«

Und nach ein paar Augenblicken lagen neue Manuskripte auf der glatten Tischplatte.

Ich rauchte, und die Herren schluckten ihre kleinen Sterne und lasen meine Geschichten .

 << Kapitel 17  Kapitel 19 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.