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Im Tale des Todes

I. Glässer: Im Tale des Todes - Kapitel 8
Quellenangabe
authorI. Glässer
titleIm Tale des Todes
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
illustratorHans Stubenrauch
senderwww.gaga.net
created20180927
projectid89d91bfc
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7. Entlarvt!

Der gewaltige Ruck, mit dem sich Fred Sellers umdrehte, als wir zuletzt in seiner Gesellschaft waren, hätte einen anderen vielleicht ziemlich unsanft zu Boden geworfen, aber der, dessen schwere Hand auf seiner Schulter wie ein Stück Eisen gelegen hatte, stand unentwurzelt wie eine Eiche noch hinter ihm, oder vielmehr jetzt vor ihm, es war der alte Moses.

O, Sie sind's, alter Freund! sagte Sellers aufatmend. Ich bitte höflichst um Entschuldigung wegen des unfreundlichen Stoßes gegen Ihren Magen, es ist aber so meine Gewohnheit, wenn mir einer von hinten die Hand auf die Schulter legt, ohne sich vorher anzumelden. Was hat Sie denn vom Lager getrieben? Haben Sie schon ausgeschlafen?

Ich denke, es ist jetzt Zeit dazu, Sir. Wenn einer so schreit, wie der Bursche da drüben, müssen die Toten aufwachen. Was sollte das bedeuten?

Genau kann ich's noch nicht sagen, alter Herr, jedenfalls die Einleitung zu einem schlimmen Streich.

Was ist das, ich höre Rädergerassel?

Das stimmt, es kommen zwei Wagen, wahrscheinlich mit Gold beladen, den Hügel heraus.

Ein seltsamer Einfall, gerade die heutige Nacht dazu zu wählen. Wenn da keine Schlechtigkeit dahinter steckt, will ich mir den Kopf abbeißen!

Sind Sie sicher, daß gegenwärtig sechzig Arbeiter in den Schmelzwerken beschäftigt werden? fragte Sellers den Alten.

Jetzt? Das kann ich nicht behaupten! Zu meiner Zeit, im letzten Winter vor zwei Jahren war's so.

Ich kann nicht glauben, daß es jetzt noch so viel sind, nach dem, was ich gesehen habe, als wir da unten waren.

Ich habe auch nicht mehr als ein Dutzend Leute gesehen.

Glauben Sie, daß die Burschen Mr. Downs besonders zugetan sind?

Schwerlich. Er hat absolut keine Anlagen, irgend einen Arbeiter für sich einzunehmen.

Sellers erzählte Moses von den Signalen.

Na, das genügt, meinte der Trapper. Wenn da nicht eine Schurkerei los ist, will ich des Teufels Großmutter heiraten –

Pst! Pst! flüsterte der Detektiv plötzlich, denn er glaubte das Geräusch brechender Zweige gehört zu haben.

Was haben Sie vor? erwiderte der Alte ebenso leise.

Das werde ich in wenigen Minuten sagen. Hier kommen die Wagen und – ah, was ist das da drüben auf dem Wege?

Die schweren Wagen kamen langsam den Hügel herauf direkt auf das nahe Nadelwäldchen zu und gleichzeitig hörte Sellers den gedämpften Ruf des Kapitäns Thunderbolt: Vorwärts, Leute!

Gefangen, beim Donner, murmelte der Detektiv. Genau so wie ich dachte: Downs steckt mit den Banditen unter einer Decke, er hat ihnen sowohl diese Goldbarren, als auch das Schmelzwerk selbst verkauft. Jetzt, Moses, aufgepaßt!

Ich bin ganz Ohr, Sir!

Sie wecken sofort unsere zwei Begleiter. Wir reiten schnell hinunter nach dem Werke und fangen diesen Downs, dann warnen wir die Arbeiter. Wenn es uns gelingt, die Perkinswerke vor diesen Schurken zu retten, erwartet euch alle eine große Belohnung, auf die Sie den ersten Anspruch haben sollen, Moses.

Mir zuckt's auch ohnedies in den Fäusten und niemand anders ist mir als Freund lieber, als dieser Downs, wenn's nun doch wieder mal auf den Kriegspfad gehen soll.

Wie steht's mit unsern beiden Genossen? Werden die mit uns durch dick und dünn gehen?

Die parieren mir wie die Zinnsoldaten, Sir.

All right! Rufen Sie sie. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren!

Es war ein kühner, ja verwegener Plan, den Sellers ausführen wollte und er war selbst durchaus noch nicht vom Erfolg desselben überzeugt. Falls die Arbeiter in dem Schmelzwerke sich weigerten, ihn anzuhören und seinen Anordnungen Folge zu leisten, war er verloren. Doch Sellers hatte sich schon zu oft in ähnlichen Lagen befunden, um nicht zu wissen, wie er mit Erfolg vorzugehen habe. In weniger denn fünf Minuten hatte er mit seiner »Streitmacht« den Weg bis zur Einzäunung der Werke zurückgelegt, gerade während derselben Zeit, wo Kapitän Thunderbolt da oben mit dem Führer der Transportwagen unterhandelte. Kaum fünfzehn Schritte von dem Zaune entfernt, deutete Sellers auf einen aus einem der Gebäude hervordringenden glühenden Lichtschein und fragte Moses nach der Bedeutung.

Das ist das Maschinenhaus, erwiderte der Alte sofort. Da wird Tag und Nacht gefeuert.

Ein zweiter Lichtschein drang aus dem oberen Stockwerke des Officegebäudes hervor, wo sich jedenfalls die Wohnung von Mr. Downs befand. Rasch überlegte der Detektiv, während sie einen Augenblick stillhielten. Wenn ich ihn nur in eine Falle locken könnte! war sein Wunsch.

Von einem plötzlichen Einfall erfaßt, griff er in eine der verborgenen Taschen seines Rockes und brachte daraus ein langes Stück schwarzes Zeug hervor, das er sofort in vier Teile zerriß, von denen er drei an Moses weitergab.

Da, maskiert euch, Boys! Bindet den Stoff vor den unteren Teil eures Gesichts! Ihr werdet gleich sehen, warum.

Fred Sellers brachte an seinem Äußeren zugleich mehrere so wirksame Veränderungen an, daß ihn unmöglich jemand, der ihn noch vor einer Minute gesehen hatte, für dieselbe Person gehalten hätte. Charles Burtons Beschreibung des Kapitäns Thunderbolt folgend, band er sich einen falschen Schnurrbart unter die Nase, drehte seinen hellen Hut nur und streckte den Körper zu seiner vollen Länge, so daß man ihn wohl bei der herrschenden unsicheren Beleuchtung für den Anführer der Verbrecher selber halten konnte, dann erhob er das Gewehr steil in die Luft und feuerte es ab. Sofort wurde das Fenster über den Bureauräumen aufgerissen, das Gesicht Mr. Downs' erschien, er schwang rasch eine Laterne zweimal hin und her, schloß dann augenblicklich wieder und verschwand.

Wie ich dachte, murmelte der Detektiv. Er hat auf dieses Signal gewartet. Well, jetzt hat er's bekommen. Wir wollen sehen, was nun passiert. Sie ritten jetzt dicht auf das geschlossene große Hoftor zu und sprangen auf einen Wink von Sellers sofort von den Pferden. Da müssen wir wahrscheinlich drüber, Moses, und –

Ehe der Detektiv seinen Satz beenden konnte, wurden Schritte auf der Innenseite hörbar und ein kleines Pförtchen ging auf, in dessen Öffnung Mr. Downs erschien. Gebt das Paßwort, flüsterte er und fügte dann hinzu: Wer sind die anderen? Das sind doch nicht alle Ihre Leute, Kapitän?

Geduld, guter Freund, erwiderte Sellers mit leiser und tiefer Stimme, die anderen folgen uns auf den Fersen und das Paßwort ist, wenn ich recht verstanden habe, für heute »Perkins«. Es war natürlich für des Detektivs Scharfsinn nicht schwer, dieses Losungswort zu erraten, welches andere hätte es sein sollen für den heutigen Überfall der Schmelzwerke?

Stimmt, erwiderte Downs leise. Das Tor ist nur angelehnt, vermutlich wollt Ihr hier die Ankunft der anderen abwarten?

Sicher, sagte Sellers. Ist drin alles in Ordnung?

In Ordnung wie die Post.

Wieviel Mann sind bei der Nachtarbeit?

Nur zwölf, die andern ließ ich zum Tanz nach Bentons Run gehen, das Spiel ist in Euren Händen. Habt Ihr die Wagen genommen?

Natürlich, das ist's, was die andern noch zurückhält. Kommen Sie her, Downs, ich muß Ihnen etwas ins Ohr sagen, ehe wir eintreten!

Der Verräter näherte sich zögernd. Offenbar war er nicht ganz ohne Furcht vor dem Verbrecher, dessen Name die ganze Umgegend in Schrecken setzte.

Schnell, schnell! rief Sellers mit tiefer verstellter Stimme. Wir haben die größte Eile! Kaum stand ihm der Ahnungslose gegenüber, so erhob er seinen bereit gehaltenen Revolver und setzte ihn ihm blitzschnell an die Stirn. Keinen Laut, Bursche, oder du bist ein Kind des Todes! rief er, packte ihn am Arme und zog ihn rasch durch das Tor hinein in den leeren Hof, wohin ihm sogleich die drei anderen mit den Pferden folgten. Moses, die Hände auf den Rücken gebunden! Ihr beiden andern verrammelt das Tor so fest ihr könnt! befahl der Detektiv energisch.

Willenlos ließ der überlistete Geschäftsführer sich von dem Alten die Hände auf den Rücken binden, ohne noch zu wissen, wen er vor sich hatte, denn er murmelte trotzig: So geht's, wenn man solchem Verbrechergesindel traut! Es wäre besser gewesen, ich hätte nicht auf meinen Bruder gehört.

Der Detektiv verstand natürlich diese letztere Bemerkung nicht, sie sollte ihm erst später klar werden. Er riß aber plötzlich den falschen Bart vom Gesicht und nahm den Hut ab.

Donnerw – rief Downs, Fred Sellers, der Detektiv!

Erwischt! war die Antwort und der Revolver drückte sich fester an die Stirn des Gefangenen. Hören Sie, Mann! rief Sellers. Ich möchte Sie vor Ihnen selber retten! Kapitän Thunderbolt ist dicht hinter uns mit einer großen Bande, aber die Schmelzwerke dürfen nicht in seine Hände kommen. Ich kenne Ihr Komplott. Sagen Sie mir den schnellsten Weg, wie ich alle Arbeiter sofort von der drohenden Gefahr in Kenntnis setzen und zur Hilfe rufen kann, oder ich mache kurzen Prozeß mit Ihnen und blase Ihnen das Lebenslicht aus!

Und was geschieht im andern Falle mit mir? fragte der Manager jetzt totenbleich.

Ich handle nicht mit solchen Schurken, wie Sie sind. Sprechen Sie! Nehmen Sie sich in acht und versuchen Sie nicht, mich zu täuschen. Ich handle im Auftrage des Gouverneurs von Wyoming und bin ermächtigt, diesen Kapitän Thunderbolt und irgend einen seiner Helfershelfer zu erschießen.

Da ist die Dampfpfeife, sagte Downs verstört.

Führen Sie uns. Ist der Maschinist heute abend am Platze? Ja. Sie schritten in größter Eile nach dem Maschinenhause. Dort stand der Ingenieur schon unter der Tür und blickte verwundert auf die Näherkommenden.

Was soll das bedeuten? rief er plötzlich, als er sah, daß der Geschäftsführer gebunden und mit trotzigen finsteren Blicken in den Hellen Lichtkreis des Hauses trat.

Das soll bedeuten, guter Freund, sagte Sellers zu dem riesengroßen Mann, der drohend näher trat, nachdem er einen neben ihm stehenden dicken Eisenstab gepackt hatte, das soll bedeuten, daß euer Geschäftsführer hier ein Schurke ist, der die Schmelzwerke an Kapitän Thunderbolt verkauft hat. Die Transportwagen sind bereits in den Händen der Banditen und in wenigen Minuten werden sie auch hier zusammenräumen, wenn wir sie nicht mit Gewalt davon abhalten können. Also, sofort die Dampfpfeife in Bewegung, guter Freund, damit eure Leute hierherkommen. Jeder, der die Werke retten hilft, bekommt eine Belohnung, ich verspreche es!

Und wer sind Sie? fragte der Maschinist zögernd. Ich bin ein ehrlicher Mann und möchte keinen Fehler machen!

Ich bin der Detektiv Fred Sellers, von dem Sie vielleicht gehört haben. Wollen Sie handeln, Mann, oder soll ich Sie dazu zwingen? Wir haben keinen Augenblick mehr zu verlieren.

Also, dann man zu! klang es entschlossen zurück. Ich habe schon immer gedacht, daß mal so etwas passieren würde.

Er schritt rasch hinein in den Maschinenraum und im nächsten Moment begann die Dampfpfeife ihren heulenden Gesang; doch ehe sie damit anfangen konnte, hörte man von den Bergen her noch einen einzelnen Schuß herunter tönen. In kaum einer halben Minute kamen auch schon einzelne Arbeiter halb angekleidet aus ihren Behausungen hervorgestürzt, halb verschlafen, aber doch die Büchse in der Hand, stämmige, trotzige Gestalten, die zögernd näher rückten und mit größtem Erstaunen die Gruppe vor dem Maschinenhaus betrachteten. Es war kaum ein Dutzend Leute. Sellers winkte ihnen eifrig, schneller herbeizukommen, schickte dann einen seiner Begleiter in das Haus, damit der Ingenieur endlich den ohrenbetäubenden Lärm der Pfeife einstellte, und als das geschehen war, rief er: Leute, hört, was ich euch zu sagen habe. Dieser Mann hier, euer bisheriger Geschäftsführer, ist ein Verräter. Er hat die Schmelzwerke hier an den Banditen Thunderbolt verkauft, aber ich bin noch gerade zur rechten Zeit dahinter gekommen. Ich bin ein New-Yorker Detektiv und ihr könnt mir trauen, Leute! Helft mir die Werke retten und es soll nicht euer Schaden sein. Horcht, da sind die Banditen schon!

Im nächsten Augenblick wurde laut mit wohl ein Dutzend Gewehrkolben gegen das Tor gepocht und eine befehlende Stimme rief deutlich herüber zu den Arbeitern: Aufgemacht im Namen des Kapitän Thunderbolt, wenn euch euer Leben lieb ist!

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