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Im Strom unsrer Zeit. Dritter Teil. Meisterjahre

Max Eyth: Im Strom unsrer Zeit. Dritter Teil. Meisterjahre - Kapitel 60
Quellenangabe
typeautobio
authorMax Eyth
titleIm Strom unsrer Zeit. Dritter Teil. Meisterjahre
publisherCarl Winter's Deutsche Verlags-Anstalt
seriesMax Eyths Gesammelte Schriften
volumeSechster Band
editorA. und Lili du Bois-Reymond
year1909
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20080107
modified20150722
projectid8c808e4a
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55.

Berlin, den 13. März 1887.

Wie die Tage fliegen! Der Schluß der Anmeldungen für Frankfurt war auf den 1. März festgesetzt, und noch immer strömen sie herbei, unbekümmert darum, daß jeder Nachzügler meine schöne Platzordnung über den Haufen zu werfen droht. Schlimmer noch ist ein gelegentlicher behaglicher Brief: man habe vor einigen Tagen gehört, daß in Frankfurt a. M. eine Ausstellung stattfinden solle. Man bitte um nähere Auskunft, um sich »eventuell« – ein Lieblingswort in landwirtschaftlichen Kreisen – mit einem Schwein oder einer patentierten Jauchepumpe zu beteiligen. Am schlimmsten: vorgestern beglückte uns das preußische Ministerium mit einer »Zuwendung« von 1200 Mark zu Preisen für gewisse Schafrassen, vierzehn Tage, nachdem die Tür für dieselben geschlossen worden war. Ein unerschütterliches Schlafhaubenvolk, meine lieben Landsleute! Drei Jahre lang haben wir ihnen auf den Schädel geklopft. Jetzt greifen sie da und dort nach dem Kopf und überlegen sich, was denn da oben schon wieder los sei. Trotz alldem haben sich 180 Pferde, 800 Rinder, 500 Schafe und 300 Schweine ordnungsgemäß angemeldet, 97 Aussteller wollen mit 2000 Maschinen und Geräten und 100 mit noch ungezählten landwirtschaftlichen Erzeugnissen aller Art antreten, und der Mensch schreibt in seinen Briefen und in seinem Zorn auch nicht immer, was vor Gott recht ist.

Morgen schnüre ich mein Bündel für einige Monate. Wölbling wird während dieser Zeit in Berlin haushalten und den Ausstellungskatalog zusammenstellen, was trotz der prächtigen Anmeldescheine keine kleine Aufgabe ist. Ich muß sehen, wie ich mit einem Schreiberlein in Frankfurt zurechtkomme. In den Ortsausschüssen, die wir schon im Dezember bildeten, ist kein Leben, wenn sie nicht jemand in Bewegung setzt, dem selbst die Not auf die Finger brennt. Auf dem Papier sieht alles wohlgegliedert genug aus. Wir haben einen Finanzausschuß, einen Platz- und Bauausschuß, einen Kontraktausschuß, einen Druck-, Reklame- und Preßausschuß, Ausschüsse für Tiere, für Geräte, für Produkte, für Futterstoffe, für Betriebsmaterial, für Wohnungsnachweise, für Versammlungen, für Ausflüge, für Vergnügungen und für Wirtschaften. Genügt Dir das? In jeden hatten sich fünf bis sechs Mitglieder des Landwirtschaftlichen Vereins von Frankfurt unter mehr oder weniger starkem Druck einreihen lassen. Nun werden wir sehen, ob der Druck noch weiter wirkt. Ich gestehe, ich erwarte es kaum. Es ist auch nicht dringend nötig. Diese Ausschüsse sind weniger zur Mitarbeit als dazu da, den passiven Widerstand einer fremden Stadt gegen ein von außen kommendes Unternehmen sanft und lautlos zu überwinden. Gelingt dies, so hoffe ich selbst zurechtzukommen, wo es wirkliche Arbeit zu tun gibt. Auf andre zu rechnen, habe ich glücklicherweise nahezu verlernt.

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