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Im Schillingshof

Eugenie Marlitt: Im Schillingshof - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorEugenie Marlitt
titleIm Schillingshof
publisherUnion Deutsche Verlagsgesellschaft
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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10.

Man schrieb das Jahr 1868. In dem Zeitraum von acht Jahren hatten sich gewaltige Ereignisse in zwei Weltteilen abgespielt; es war viel Blut geflossen in Schleswig-Holstein und Böhmen, und auf dem Boden der Vereinigten Staaten hatte der große Sezessionskrieg, in dem der Rassenhaß und der langjährige Widerstreit zwischen Ackerbau- und Pflanzerstaaten endlich zum Austrag kamen, in vier Jahre langer Wut und Erbitterung getobt.

Diese acht Jahre waren verhängnisvoll gewesen für Millionen von Menschenleben, auch für das Geschick des Verstoßenen, der an einem schönen Junitage das deutsche Vaterland verlassen, um mit seinem Mädchen über das Meer, zu dem wiedergefundenen Vater zu flüchten – verhängnisvoll auch für den Schillingshof, in dem der Senior des Hauses, der alte Freiherr Krafft, nach einem abermaligen Schlaganfall die lustigen, feurigblickenden Augen für immer geschlossen hatte und infolgedessen das herrliche alte Säulenhaus oft verwaist und verlassen stand – scheinbar unberührt aber war das Klostergut geblieben; der Wechsel war vorbeigeschritten, als läge es ihm, in weltweiter Verschollenheit, zu abseits vom Wege.

Nach wie vor, pünktlich um dieselbe Abendstunde, rasselte das Seitenpförtchen in der Straßenmauer, und die Leute kamen, um die gute, unverfälschte »Klostermilch« zu holen. Im Hofe hantierten dieselben Knechte und Tagelöhner und fuhren mit Egge, Pflug und Äxten hinaus in das weite Wolframsche Acker- und Waldgebiet, und durch das große Tor schwankten die Erntewagen, die Holzfuhren zurück – alles nach jahrhundertaltem Brauch und abhold jeder Veränderung. Und in das Hühnervolk, in die Taubenschwärme durften sich keine fremden Arten mischen – es waren immer dieselben Formen und Farben im Hofe und auf den Dächern des Klostergutes – unveränderlich, meinten die umwohnenden Leute, wie die alte, mißfarbene Joppe des Herrn Rates, wie die stolze Haltung und das verschlossene, kalte Gesicht der Frau Majorin. Aber sie mußten doch zugeben, daß die Gestalt mit dem steifgetragenen Haupt an den Schultern spitz geworden war, daß die braune Flechte auf dem Scheitel ein starker Silberschein überspielte und die ganze Frauenerscheinung an Energie und Raschheit der Bewegungen bedeutend verloren hatte.

Wenn etwas an dem altüberlieferten Aussehen des Klostergutes störend befremdete, so war es der wilde Junge, der oft plötzlich die rasselnde, kleine Pforte aufriß und herausspringend die Spaziergänger erschrecke. Er stand auch wohl im offenen Hoftor, schlug mit der Peitsche nach den vorübergehenden Kindern, zupfte die spazierengehenden Damen an den Kleidern, trat auf ihre Schleppen und machte ihnen lange Nasen nach. Und wenn er in den Hof zurücklief, da rannte ganz gewiß das geängstigte Federvieh schreiend in alle Ecken, der grimme Kettenhund schlich mit eingeklemmtem Schwanze nach seiner Hütte, und selbst die grobe Stallmagd wich scheu zur Seite, denn vor der stets herumfahrenden Peitschenschmitze oder dem Knüppel in der Hand des Mosje Veit war nichts sicher.

Für den Spätling des Wolframschen Geschlechtes war von dem gesunden Mark, der robusten Körperkraft der Ackerbau treibenden Vorfahren nicht viel verblieben – er hatte ein reizbares Nervensystem und neigte zu Krämpfen. Bis zum elften Monat war er im Wickelkissen getragen worden, und dann hatte es der kostspieligsten Stärkungsmittel bedurft, um ihn auf die dürren Spinnenbeinchen zu bringen. Unglaublich dünn und mager war dies Gestell auch heute noch; das braune, kleine Gesicht zwischen den abstehenden Ohren hatte sich nicht gerundet, und der unheimliche Haarbusch, der, wie bei dem Rat, als Schneppe hartlinig und tief in die Stirne hineinschnitt, umstarrte noch ebenso borstig den schmalen Kopf. Aber Veit war ein hoch aufgeschossener Junge geworden – er war seinen Jahren voraus an Körperlänge und Gliedergeschmeidigkeit. Er kletterte affenartig an den Weinspalieren der Hintergebäude empor und lief über die Dächer und auf den schmalen Kanten der Firste hin. Keine Leiter war ihm zu steil und weitsprossig, kein Winkel zu dunkel – er kroch durch die Dachluken auf die Kornspeicher und Heuböden, spürte wie ein Iltis den verschleppten Hühnernestern nach und schlürfte die Eier aus. Er wußte, daß sich alles vor ihm fürchtete, denn er stand auch an Intelligenz weit über seinem Alter, und das machte ihn zu einer wahren Geißel – mit seinen Streichen hielt er wie ein rumorendes Teufelchen das ganze Haus in Atem.

Der Rat sah ihn mit Lust und Stolz aufwachsen; wie aber die Majorin über das unruhige Blut, die seltsamen Gewohnheiten und die Charakteranlagen dieses doch gewiß echten Wolframs dachte, darüber schwieg sie, wie über alles, was ihren Bruder anging. Es war ihr nur einmal eine rügende Bemerkung über die Gemütsart des Knaben entschlüpft, und da hatte der Rat spitz geantwortet: »Auch an den Wolframs modeln die Zeitverhältnisse: mit dem stillen Arbeiten unk Sparen, der Prinzipienreiterei im engen Kreise ist's nicht allein mehr getan, meine gute Therese – jetzt heißt's, den Mitlebenden die Stirn bieten, die Zähne weisen, und dazu ist mein Junge wie geschaffen, er wird seiner Zeit gewachsen sein....« Seitdem beschränkte sie sich auf die leibliche Verpflegung des Knaben, und wenn ihr auch oft, bei berechtigten Klagen des Gesindes, die Augen entrüstet aufglühten, so antwortete sie doch nur mit Achselzucken oder einer stummen Handbewegung nach der Amtsstube, als der höchsten Instanz, hin.

Sie war überhaupt noch wortkarger geworden; die ???Michholenden behaupteten, selbst der kurze Abendgruß werde ihr blutsauer. Drunten in der Wirtschaft ruhten und rasteten ihre fleißigen Hände nicht einen Augenblick; aber oben im Giebelzimmer lagen sie meist feiernd im Schoße, als seien sie todmüde. Dann saß die Frau hinter dem weißen Ahorntische und sann, und in den ersten Jahren sah sie befriedigt, ja mit einem rachegesättigten Ausdruck auf die leere Stelle im hellgetünchten Fensterbogen, wo früher das Bild des Sohnes gehangen; denn es war, als habe sie aus dem ganzen Dasein ihres Kindes nur einen einzigen Eindruck in ihrer Seele zurückbehalten – den Augenblick, wo das verschleierte Mädchen an seiner Seite über die Mutter triumphiert hatte ... Später aber suchten ihre Augen diese Stelle nicht mehr; sie irrten vorüber und starrten ziellos hinaus ins Weite – diese eigensinnigen, strengen Augen, die früher geflissentlich nie über das Weichbild ihrer Haustätigkeit ins Leere hinausgesehen hatten – denn ein müßig verschleuderter Augenblick hatte ja Geldwert... Nur das ???Nachbargebet vermieden sie standhaft – die Majorin wußte sehr gut, daß ihr Sohn die letzte Nacht im Schillingshofe verbracht hatte und dort in seinem Widerstand gegen den mütterlichen Willen bestärkt worden war...

Es bestand überhaupt nicht der geringste Verkehr zwischen Schillingshof und Klostergut; nicht einmal das Ableben des alten Freiherrn war drüben angezeigt worden... Einmal aber hatte Baron Schilling den Weg der Majorin gekreuzt, und zwar in der Absicht, sie zu sprechen. Sie war, was eigentlich nicht oft geschah, in der Kirche gewesen, und auf dem Heimwege hatte er sie angeredet und ihr nach einer längeren Einleitung, die sie in regungslosem Schweigen angehört, einen Brief von Felix hingereicht. Sie hatte nur die Farbe gewechselt und sich steif emporgereckt – der junge Mann behauptete damals, sie sei förmlich gewachsen vor seinen Augen – hatte ihn von oben bis unten mit einem vernichtenden Blick gemessen und eisig höflich gesagt: »Ich verstehe nicht, von wem Sie reden, Herr Baron, und habe durchaus keinen Grund, einen Brief anzunehmen, denn ich korrespondiere mit niemand.« Damit hatte sie abweisend nach dem Schreiben gedeutet und war weitergegangen, und er hatte es verschworen, diesen Eiszapfen, wie der alte Freiherr die Frau genannt, je wieder zu behelligen.

So erfuhr sie nie, unter welchem Himmelsstrich ihr Sohn lebte. Sie wußte nicht, daß sein Vater ihn und sein junges Weib in der Tat mit offenen Armen empfangen und das junge Paar sofort mit wahrhaft fürstlichem Glanz und Reichtum umgeben hatte – und es war gut so – sie wäre gestorben an dem Seelensturm der Erbitterung, der rachsüchtigen Wallungen und doch auch – des Mutterschmerzes... Sie erfuhr aber auch nicht, daß der amerikanische Bürgerkrieg seine Wogen am verheerendsten über das reiche Südkarolina wälzte, daß die Pflanzeraristokratie des Südens, unter deren Banner ja auch Major Lucian stand, Schritt für Schritt kämpfend, auf dem eigenen Grund und Boden zurückweichen mußte, um schließlich zu unterliegen...

Vielleicht hätte die Nachricht von dem Ende des Mannes, dessen Namen sie trug, erlösend auf die innere Verbissenheit und Erstarrung dieser Frau gewirkt – denn mit dem Schluß eines Menschenlebens pflegt der Tod die Gläser zu zerbrechen, durch welche die verfolgenden Leidenschaften den Gegner im Leben gesehen! In dem kleinen Wörtchen »tot« zischen die nachzüngelnden Flammen aus wie das glühende Metall beim Niedersturz in die Wassertiefe –, aber es kam ihr nie zu Ohren, daß Major Lucian, schon länger gebrochen an Kraft und Gesundheit, inmitten jener Kämpfe gestorben war. Sie gedachte noch täglich des Spruches: »Des Vaters Segen baut den Kindern Häuser, aber der Mutter Fluch reißt sie nieder« mit Genugtuung, und in ihrem grollerhitzten Sinnen und Grübeln sich hartnäckig darauf steifend, daß jede biblische Verheißung sich erfüllen müsse – während ihr unglücklicher Sohn, bei Verteidigung seines Herdes schwer verwundet, bereits seit langem auf dem Leidensbette lag und einem frühen Tode entgegenging.

Nach einem stillschweigenden Übereinkommen zwischen dem Rat und seiner Schwester wurde der Name des Verstoßenen nie wieder laut – er war für das Klostergut und seine sämtlichen Insassen verschollen und verpönt wie der seines Vaters...

Im Schillingshof dagegen flogen anfangs häufig Nachrichten aus Amerika ein – begeisterte Schilderungen, glückstrahlende Berichte, die aber schon im Jahre 1861 durch die Schatten böser Vorahnungen getrübt wurden. Dann blieben sie ganz aus; und erst im Jahre 1865, nachdem mit der vollständigen Unterwerfung des Südens der amerikanische Bürgerkrieg beendet war, schrieb Felix von seinem Schmerzenslager aus an den Freund im Schillingshofe und meldete ihm den Tod seines Vaters und die völlige Verwüstung und Verödung seines Besitztums... In diesem Briefe hatte auch das Schreiben gelegen, das die Majorin zurückgewiesen... Seitdem war der Briefwechsel ein regerer geworden, denn Baron Schilling war und blieb dem Fernen ein treuer Freund.

Sein eigener Lebensgang war inzwischen – den Tod seines Vaters ausgenommen – in keiner Weise durch wuchtige Stöße des Schicksals erschüttert worden. Stetig emporwachsend, wurde sein Name weit über die Marken Deutschlands hinaus gefeiert, und zur Freude, aber auch zum Jammer des Freiherrn hatte mit diesem mächtigen Talent auch ein ungeahnt hervorbrechender Goldquell unter den nahezu verschütteten Vermögensverhältnissen der Schillings geschlummert, der nun, wie der alte Herr noch kurz vor seinem Ende in schmerzlicher Selbstanklage und bitterem Hohn sagte, »die nichtswürdige, unväterliche Opferung des armen Isaak« nutzlos machte.

Baron Schilling lebte fast ausschließlich seiner Kunst. Er hatte sich ein schönes Atelier im Garten des Schillingshofes gebaut und eingerichtet, das aber oft Verlassen stand; denn er reiste viel, lebte abwechselnd in Italien, Frankreich, vorzugsweise gern auch in Skandinavien, je nachdem seine Ideen und Entwürfe die unmittelbare Anschauung des Bodens erheischten, auf dem sie fußen sollten ... Immer aber, wo er auch gesehen wurde, ob in den Straßen von Rom, Paris oder Stockholm – immer hing ihm die lange, blasse, blonde Frau, höchst elegant, aber mit Vorliebe in Grau gekleidet, am Arme.

Sie hatte es scheinbar aufgegeben, gegen das künstlerische Wirken ihres Mannes anzukämpfen, nachdem sie jahrelang glühenden Haß gegen die »Pinselwirtschaft« in dem altadeligen Hause gepredigt, den Bau des Ateliers um jeden Preis zu hintertreiben gesucht und vergebens die ganzen Machtmittel ihres schwächlichen Nervenlebens aufgeboten hatte. Nicht einmal auf den heiteren Gleichmut, die verbindlich ruhige äußere Haltung ihres Mannes hatten diese Bemühungen zu wirken vermocht, geschweige denn, daß sie seine Schaffenslust, seine Begeisterung berührt hätten – dieser junge Kopf war zu ihrem Erstaunen noch weniger lenksam als ihr alter, strenger Beichtvater, der finstere Eiferer – das Atelier wurde vor ihren Augen fertig, ein herrliches Bild um das andere vollendet – die verhaßten Modelle gingen ungeniert an »der gnädigen Frau« vorüber, und der noch weit mehr angefeindete »Erwerb durch den Pinsel« kam direkt an die vornehme Adresse des Baron Schilling... So zog es die junge Frau denn vor, das Berufsleben ihres Mannes mit seinen Gefährlichkeiten wenigstens zu überwachen – ein Posten, den ihr schon allein ihre halbverschwiegene, leidenschaftliche Liebe zudiktierte. Ihre schwache Gesundheit verbot ihr von selbst alle angreifenden Reisen – aber sie ging nichtsdestoweniger mit. Sie ließ ohne Widerrede ihrerseits, aber auch ohne Aufforderung von seiner Seite einpacken, sobald er den Tag seiner Abreise festgesetzt hatte – sie durchwanderte mit ihm die Museen und Gemäldegalerien, stieg in Schluchten hinab und auf die Bergesgipfel empor und setzte sich schweigend, mit der ewigen Stickerei in der Hand, seitwärts nieder, sobald er zu zeichnen begann...

In den Künstlerkreisen war die Baronin verhaßt durch die souveräne Art und Weise, mit der sie jegliches Verständnis für die spezielle künstlerische Begabung ihres Mannes, wie auch für die Kunst überhaupt entschieden ablehnte, und als Baron Schilling im Jahre 1866 auf den Kriegsschauplatz nach Böhmen eilte und, halb im Johanniterdienst, halb um seiner Studien willen, den Feldzug mitmachte, da jubelten die befreundeten Künstler, daß »der nebenher schleppende, lange, blonde Schatten« doch einmal von seiner Seite hatte weichen und zu Hause bleiben müssen. Die vornehme Gesellschaft dagegen fand die Frau zwar nicht hübsch, um ihrer stolz gelassenen Art und Weise willen aber durchaus ohne Tadel; auf ihrer Visitenkarte vereinigten sich zwei Namen von gutem Klange, sie hatte den reich begüterten Baron Steinbrück allein beerbt und galt für streng, ja fanatisch im Punkt ihres römisch-katholischen Glaubens – lauter Gründe, die ihr viel Auszeichnung, besonders in Rom verschafften...

Es war für die umwohnenden Leute eine seltene Erscheinung gewesen, daß während der letzten Wintermonate die Schlote auf dem Säulenhause Tag für Tag gedampft und die Gaskandelaber im Vorgarten allabendlich gebrannt hatten; und nun war der Frühling nahezu vorüber, und noch hob sich mit jedem Morgen die eintönig graue Reihe der Vorhänge im ersten Stockwert und ließ die Spitzen- und Seidendekorationen hinter den Scheiben sehen. Man wußte, daß Baron Schilling an einem großen Werke arbeite und sich deshalb aus der Welt in den Schillingshof zurückgezogen habe. Im Vorgarten wurde er selten gesehen, noch weniger aber an den Fenstern des ersten Stockwerks, das die Baronin bewohnte... Mitunter machte er zu Pferde Ausflüge in die Umgegend; er war ein einsamer Reiter, der oft in die unwegsamsten Pfade einlenkte, um einem schönen Baume oder einer Felsenpartie das Profil abzugewinnen.

Sein Atelier stand auf dem Gartengrundstück, das sich hinter dem Säulenhause ausbreitete und inmitten eines großen Stadtteiles mit dichtgedrängter Bevölkerung einen grünen Fleck Landes bildete, weit genug, um in seiner Mitte die tiefe Stille eines einsamen Parkes zu behüten... Im siebzehnten Jahrhundert hatte der Stolz der Ritterlichen das Schillingsche Wappen in grünem Buchsbaum riesengroß vor der Ostseite des Säulenhauses hinbreiten lassen; Rosmarin- und Eibenhecken waren zu Vasen, Pyramiden, ja zu großen Vogelgestalten verschnitten gewesen und hatten im steifen Gemisch mit Muschelgrotten und abnormen Steinfiguren abgewechselt. Von allen Nachkommen war die geschmacklose Schöpfung respektiert worden, bis der Freiherr Krafft kam und in seinem gesunden Sinn mit dem ganzen Plunder aufräumte. Die verstümmelten Bäume und Sträucher durften ins Kraut schießen, soviel sie Lust hatten, köstliche Wiesenflächen wurden angelegt, schöne starke Bäume gepflanzt, und alle die Brünnlein und Wasserstrahlen, die aus Vogelschnäbeln und Krötenmäulern zu Tage gesprungen waren, kamen jetzt natürlich quellend aus moosigem Gestein und rieselten lustig als volle Silberader durch Rasengrün bis zum Teich, den ein Kreis junger, kräftiger Linden umstand. Hier waren sie alle heimisch, die Amseln und Drosseln, die Finken und der scheue Pirol; die süßen Wiesenkleeblüten hingen voll summender Bienen und Hummeln, und für das schmarotzende Schmetterlingsvolk waren Beete voll Sommerblumen da... An der Ostseite schloß eine Mauer den Garten von einer stillen Straße ab. Ein Dickicht von Fichten, mit Laubbäumen vermischt, verdeckte die steile Steinwand, und vor diesem Wäldchen erhob das Atelier seine helle, stuckverzierte Fassade und sah in diese grüne Oase voll Duft und Vogelsang hinein.

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