Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Heinrich Lersch >

Im Pulsschlag der Maschinen

Heinrich Lersch: Im Pulsschlag der Maschinen - Kapitel 9
Quellenangabe
pfad/lersch/pulsmasc/pulsmasc.xml
typenarrative
authorHeinrich Lersch
titleIm Pulsschlag der Maschinen
publisherVerlag Junge Generation
printrun9.?10. Auflage
year1936
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080908
projectidbe58ab40
Schließen

Navigation:

Im Pulsschlag der Maschinen

Dank dir, Schicksal!

Dank dir, Schicksal, daß du in meine Hände einen Hammer gabst!

Die Erde hat Berge in den Himmel getürmt; aber du, mein Hammer, hast Tunnels durch sie hingeschlagen. Sie hat Ströme hinfließen lassen durch die Länder: aber du, mein Hammer, hast Brücken darüber genietet.

Sie hat das Meer zwischen Länder und Völker gelegt: aber du, mein Hammer, hast Schiffe gebaut!

Und die Fernen sind unermeßlich, Sümpfe, Seen und Flüsse halten die Wandernden auf: aber du, mein Hammer, hast die Eisenwege der Schienen auf die Erde gelegt, auf gewalzte Schwellen, gelascht und verschraubt aneinander, daß Mensch zu Mensch, daß Werk zu Werk, daß Volk zu Volk kann.

Nun stehen in den runden Schuppen an den Bahnhöfen die stählernen Lokomotiven, Kessel und Maschine eins, Feuer und Wasser, Dampf und Drehung, Mensch und Werk in eins: du Hammer, aus hundert und aber hundert Arbeiterhänden hast du sie aufgebaut! Und ihr, Eisenbahnwagen, Kammern der Ungeduld und Erwartung, seid geschaffen worden von arbeitenden Brüdern: daß einst alle Fernsüchtigen glücklich reisen zu ihrem Ziel!

Dank dir, Schicksal, daß du in meine Hände einen Hammer gabst und daß ich mich vor euch, ihr hämmernden Brüder, nicht zu schämen brauche. Aber jetzt, Schmied, hämmere!

Es ist Montagmorgen! Hämmere noch eine Woche. Dann sind: Ferien! Dann reisen wir! Mit vielen anderen Kameraden haben wir uns zusammengetan, wir wollen einmal die Welt sehen! Einmal reisen! Nicht, wie sonst, zu einem Krankenbett, zu einem Begräbnis, nicht zu Montage und Arbeit! Als Mensch reisen, in die Natur hinein, die unsere wahre Heimat ist. Als arbeitender Mensch, der alle die Dinge geschaffen hat, die das Leben begehrenswert machen: Bequemlichkeit, Dienst, Straße, Brücke, Bahnen, Schiffe. Einen Blick zu tun in die großen nordischen Städte.

Zu begrüßen die anderen Kameraden, die Werke, die sie geschaffen, zu besichtigen. Sie in ihren Wohnungen zu besuchen, ihre Frauen und Kinder zu sehen, sie zu grüßen von den Arbeitsbrüdern im Westen.

O diese Freude! Im Hamburger Hafen umherzufahren; die großen Ozeandampfer liegen an den Lagerhäusern, von Ostasien kommen sie und Australien, von Amerika und Indien, von Norwegen und Spanien. Und unter den gewaltigen Kränen und Schiffsneubauten zu sehen, das Rauschen der tausendfach hämmernden Nietarbeit zu hören, das dumpfe Brausen der Heulhörner, wenn die Schiffe ein- und ausfahren. Den Verkehr auf der Elbe, die Güterhallen, die Kräne, das Ein- und Ausladen der Waren aus aller Welt zu sehen! Und zu wissen: Das, Arbeiter, ist dein Werk! Und dann, und dann, und dann: Das Meer! Die Nordsee! Die Flut! Das ewig lebende, bebende Wasser, die rollenden Wogen, die weißglühenden Dünen, der strahlende Himmel und das ungehemmt flutende, glutende Sonnenlicht über allen wogenden, tanzenden, rauschenden Wassern!

O Meer! Ewige Sehnsucht! Drei Tage gehören dir! Deiner Unendlichkeit, deiner Einsamkeit, deinem Sturmgesang, deiner alles umarmenden Brüderlichkeit gebe ich mich hin.

Alles in deiner Hand! Finsternis, Versinken, Tod, Spiel, Tanz, Freude. In meinen Jubelschrei gellt der Möwenpfiff: Leben! Leben!

Du kommst her von den Erdpolen, von Arktis und Antarktis, von den blühenden Koralleninseln sendest du die Ströme aus den Ozeanen, mich zu grüßen von allen Gestaden; du sendest vom sandigen Grund Tang und Muscheln zum Gruß, aus den Lüften Sturmvögel, Seeadler und Möwen.

Ich komme vom Industrieland an Rhein und Ruhr und aus dreißig Jahren sind nur drei Tage mein, und ich kann nur drei Tage deine Grüße aufnehmen, drei Tage hören auf deinen Gesang, gewaltiger Vater Ozean! Nimm deinen im Werktag verlorenen Sohn; inniger presse mich an dich, den ärmsten aller Erdensöhne! Inniger küssest du mich mit dem Kuß des großen Vaters, wandelst mich vom Schmied zum Bruder von Möwe und Delphin.

Hämmere, mein Hammer, härter hernieder! Prasselt, ihr Schläge, bebenden Schwungs, holt mir das Meer, das funkelnde Meer, die weißen Dünen, die rollenden Wogen in meine dunkle Schmiede, holt mir den Strand, die Möwen, holt mir die Erde und all ihre Städte her, mit allen Menschen und Schiffen, nahen und fernen Zonen!

O laß mich hämmern, hämmern, zu schmieden eine Brücke, vom Amboß zur Erde, vom Feuer zum Meer, vom Menschen zur Welt!

Laß mich hämmern! Klinge hinaus, schlagender Schall, Gebet meiner Arme! Daß mein Leib gesund bleibe und stark mein Arm! Daß ich hämmern kann dir, mein Leben, schöne Freude, mir und der Welt zu schmieden, hart und blank wie Stahl! Daß ich dir danken kann, mein Schicksal, daß du in meine Hände einen Hammer gabst!

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.