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Im Jahre des Kometen

Herbert George Wells: Im Jahre des Kometen - Kapitel 10
Quellenangabe
authorH. G. Wells
titleIm Jahre des Kometen
publisherJulius Hoffmann Verlag
yearo.J.
translatorKarl Reunert
correctorreuters@abc.de
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Drittes Kapitel: Der Kabinettsrat

 

I.

Und welch ein seltsames, nie dagewesenes Ereignis bildete der Kabinettsrat, bei dem ich zugegen war, jene Beratung, die zwei Tage darauf in Melmounts Sommervilla abgehalten wurde und die die Konferenz zur Konstitution des Weltenstaats zusammenberief! Ich war dabei, weil es mir behagte, bei Melmount zu bleiben. Ich war nirgends besonders nötig, und in seiner Villa, in der ihn sein Knöchelbruch zurückhielt, standen ihm nur ein Sekretär und ein Kammerdiener zur Verfügung für die gewaltige Arbeit, die jetzt offenbar der führenden Geister harrte. Ich konnte stenographieren; und da nicht einmal ein Phonograph zur Hand war, sprang ich, sobald sein Knöchel verbunden war, ein und setzte mich an seinen Schreibtisch, um nach seinem Diktat zu schreiben. Es ist charakteristisch für die wunderliche Langsamkeit, die mit der krampfhaften Überstürzung der alten Zeit Hand in Hand ging, daß der Sekretär nicht stenographieren konnte, und daß kein Telephon im Hause war. Jede Botschaft mußte eine halbe Meile weit zum Postbureau des Dorfs, in den Kramladen von Menton getragen werden. ... So saß ich denn hinten in Melmounts Zimmer – der Schreibtisch war dorthin gerückt worden – und nahm die nötigen Notizen auf. Damals erschien mir das Zimmer als das schönste auf der ganzen Welt. Und noch heut würde ich das heitere, bunte Muster des Kattunsofas wiedererkennen, auf dem der große Staatsmann – mir gegenüber – ruhte; ebenso die hübsche, kostbare Tapete, den roten Siegellack und die silbernen Schreibtischgeräte, die ich benützte. Ich weiß, daß meine Anwesenheit in jenem Zimmer etwas ganz Seltsames, Merkwürdiges war; alles, die offene Tür, das Kommen und Gehen des Sekretärs ... waren Neuerungen. Denn in den alten Tagen war ein Kabinettsrat ein geheimes Konklave. Das ganze öffentliche Leben war von Heimlichkeit und Verstellung durchwoben. Stets hatte einer vor dem andern irgend etwas zu verbergen. Immer war man behutsam, listig, machte Ausflüchte, brachte die andern auf falsche Fährte ... und meist ganz ohne Grund. Und fast unbemerkt hatte jede Heimlichtuerei aufgehört.

Ich schließe meine Augen und höre wieder jene Männer, höre den bedächtigen Ton ihrer Stimmen. ... Erst seh' ich sie ... da und dort zerstreut ... in der kalten Deutlichkeit des Tageslichts ... dann zusammengedrängt und konzentriert ... im geheimnisvollen Schatten verhängter Lampen. Damit verbunden und sehr klar ist die Erinnerung an Biskuitkrumen und einen Tropfen verschütteten Wassers, der erst flimmernd auf der grünen Tischdecke stand und dann in sie hineinsickerte. ...

Vor allem entsinne ich mich der Erscheinung Lord Adishams. Er kam einen Tag früher als die andern; denn er war Melmounts persönlicher Freund. Ich möchte diesen Staatsmann, diesen einen von den fünfzehn Männern, die den letzten Krieg herbeiführten, ganz besonders schildern. Er war das jüngste Mitglied der Regierung, ein äußerst angenehmer, heiterer Mann von vierzig Jahren. Sein feingeschnittenes, graues, farbloses Gesicht zeigte ein klares, scharfes Profil; dabei hatte er eine liebenswürdige, sehr gewählte Art zu sprechen, schmale, glattrasierte Lippen und ein freies, überzeugendes Wesen. Er besaß das vollendet sichere Benehmen eines Mannes, der sich mit Leichtigkeit in die für ihn vorgesehene Stellung gefunden hat. Dabei hatte er das Temperament eines Philosophen – wie wir das zu nennen pflegten – das heißt, eines Gleichmütigen. Die Wandlung hatte ihn bei seiner sonnabendlichen Erholung, das heißt beim Angeln überrascht, und wie ich mich entsinne, sagte er, er habe beim Erwachen mit dem Kopf keine Armlänge weit vom Rand des Wassers gelegen. Es war in kritischen Zeiten Lord Adishams unabänderliche Gewohnheit, gegen Ende der Woche zu angeln, um sich seine geistige Elastizität zu erhalten; und auch in ruhigen Zeiten liebte er wiederum nichts so sehr wie das Angeln, und weil ihn nichts davon abhielt, so angelte er eben. Als er kam, war er entschlossen, unter anderem auch das Angeln ganz aufzugeben. Ich war zugegen, als er Melmount das erzählte; augenscheinlich war er – auf einem naiveren Weg – zu denselben Vorsätzen gelangt, wie mein Herr. Ich überließ sie ihrer Unterhaltung, kehrte aber später zurück, um ihre langen Depeschen an die Kollegen, die bald eintreffen sollten, zu besorgen. Die Wandlung hatte ihn ohne Zweifel ebenso tief berührt wie Melmount; aber seine höflichen und ironischen Eigentümlichkeiten, sowie sein liebenswürdiger Humor waren ihm geblieben, und die Wandlung verlieh seiner veränderten Haltung, seinen vertieften Empfindungen einen Ausdruck, der sich ausnahm wie eine seltsame abgetönte Ausgabe des Weltmanns der früheren Zeiten; das heißt, er zeigte eine fast übertriebene Mäßigung und ein künstlich gezüchtetes Grauen vor der Begeisterungsfähigkeit, die ihn erfüllte.

Diese fünfzehn Männer, die das Britische Reich regierten, entsprachen ganz merkwürdig wenig der Vorstellung, die ich mir von ihnen gemacht hatte. Ich beobachtete sie, so oft meine Dienste mich nicht in Anspruch nahmen, sehr genau. Die englischen Politiker und Staatsmänner bildeten damals eine ganz besondere Klasse, eine Klasse, die heute ganz verschwunden ist. Sie waren in gewisser Hinsicht den Staatsmännern aller andern Länder unähnlich, und ich finde wirklich keine richtig sachgemäße Darstellung, um sie zu schildern. ... Vielleicht liest der Leser die alten Bücher.

In diesem Fall wird er sie in einem Ton feindseliger Übertreibung in Dickens Roman »Bleak House« dargestellt finden; mit einer Mischung von grober Schmeichelei und scharfer Ironie zeichnet sie Disraeli, der gelegentlich, kraft seines Mißverstehens der Kollegen und seiner Liebedienerei dem Hof gegenüber, unter ihnen herrschte; ihre ganze Arroganz wird, ungeheuerlich vielleicht, aber doch wahrhaft, so wie eben die Menschen der »herrschenden, offiziellen« Klasse sie sahen, in den Romanen von Mrs. Humphrey Ward geschildert.

Alle diese Bücher sind noch vorhanden und stehen den Neugierigen zur Verfügung, und außerdem geben der Philosoph Bagehot und der pittoreske Historiker Macaulay einen Begriff von ihrer Denkweise; der Romanschreiber Thackeray streift die Schattenseiten ihres sozialen Daseins, und im »Magazin des zwanzigsten Jahrhunderts« finden sich ein paar recht gute Aufsätze voll von Ironie und persönlichen Darstellungen und Erinnerungen aus der Feder von Schriftstellern, wie zum Beispiel Sidney Lov. Aber ein Bild von ihnen als Ganzes fehlt. Damals standen sie zu nah und waren zu groß; heute sind sie, ganz plötzlich, unverständlich geworden.

Wir gewöhnlichen Sterblichen der alten Zeit gründeten unsere Vorstellung von unsern Staatsmännern fast ganz auf die Karikaturen, die eine der kräftigsten Waffen in der politischen Kontroverse bildeten. Wie fast jeder wesentliche Zug in der alten Ordnung der Dinge nahmen diese Karikaturen eine ganz ungeahnte Entwicklung; sie waren eine Art parasitischen Auswuchses der schwachen und verschwommenen Bestrebungen ursprünglich demokratischer Ideale, die sie schließlich vollständig verdrängten. Sie stellten nicht nur die Persönlichkeiten, die an der Spitze unseres öffentlichen Lebens standen, sondern auch die heiligsten Grundbegriffe dieses Lebens in lächerlicher, vulgärer und schimpflicher Weise dar, so daß sie schließlich jede ernste und ehrenhafte Empfindung und Stellung dem Staat gegenüber fast ganz zerstörten. Das britische Reich wurde fast immer als ein protziger Farmer mit rotem Gesicht und ungeheurem Bauch dargestellt; die Vereinigten Staaten, jener schöne Traum von Freiheit, figurierten als schlauer, hagerer Spitzbube in karierten Hosen und blauem Rock. Die Staatsminister waren Taschendiebe, Waschweiber, Clowns, Walrosse, Esel, Elefanten und Gott weiß was sonst alles. Fragen, die die Wohlfahrt von Millionen behandelten, wurden zurechtgestutzt und kritisiert wie ein Witz in einer blödsinnigen Pantomime. Ein tragischer Krieg in Südafrika, der viele Tausende von Familien ruinierte, zwei Länder arm machte, und fünfzigtausend Menschen Tod oder Verstümmelung brachte, wurde als ein höchst lachhafter Streit zwischen einem merkwürdigen, leidenschaftlichen Lebewesen mit einem Monokel im Auge, einer Orchidee im Knopfloch und einem sehr ungeduldigen Temperament, namens Chamberlain und »Ohm Krüger«, einem eigensinnigen, schlauen alten Mann in einem scheußlich schäbigen Hut dargestellt. Der Kampf ward bald mit brutaler Wut, bald mit schlaffer Lässigkeit ausgefochten; der lustige Staatsdieb trieb fröhlich sein Gewerbe in dem Eselshader, und hinter all den Narrheiten und von ihnen verhüllt schritt das Schicksal, bis endlich das Possenspiel ein Ende nahm und dahinter Hunger und Schmach, Brandfackeln und Schwerter und Jammer enthüllte. ... In solcher Atmosphäre waren diese Männer zu Ruhm und Macht gelangt; und an jenem Tage erinnerten sie mich ganz seltsam an Schauspieler, die plötzlich ihre grotesken und närrischen Rollen abwerfen; die Schminke war von ihren Gesichtern abgewischt und die Pose beiseite getan. ...

Auch wo die Karikaturen nicht geradezu grotesk und erniedrigend waren, waren sie völlig irreführend. Wenn ich zum Beispiel von Laycock lese, so steigt vor mir das Bild einer umfassenden, tätigen, wenn auch ein wenig verschrobenen Intelligenz auf einem gedrungenen, kriegerischen Körper auf, wie er die »Goliathsrede« hält, die die Feindseligkeiten so beschleunigte; aber das stimmt ganz und gar nicht zu der stammelnden, schrillen, ziemlich kahlen und sehr schuldbewußten Persönlichkeit, die ich in Wirklichkeit erblickte, noch auch zu Melmounts Schilderung von ihm.

Ich glaube kaum, daß die Öffentlichkeit jemals einen richtigen Begriff von diesen Männern haben wird, so wie sie vor der Wandlung waren. Von Jahr zu Jahr werden sie uns unwahrscheinlicher und entschwinden mehr unserem Verständnis und Mitempfinden. Diese Entfremdung kann ihnen zwar von ihrer Bedeutung in der Vergangenheit nichts nehmen, aber sie nimmt ihnen den Eindruck der Wirklichkeit. Ihre ganze Geschichte wird immer ungreifbarer, immer mehr einem seltsamen barbarischen Drama ähnlich, das in einer vergessenen Sprache gespielt wurde. ... Da stelzen sie hin, durch die Zauberverwandlungen der Karikatur, diese Staatsminister und Präsidenten, die Statur grotesk übertrieben durch den politischen Kothurn, das Gesicht versteckt hinter großen, schallverstärkenden, unmenschlichen Masken, die Stimme eingehüllt in das alberne Idiom der öffentlichen Meinung, verkleidet, bis nichts mehr dem vernünftig Menschlichen Ähnliches übrig bleibt; und so lärmen und quietschen sie sich durch die öffentliche Presse hindurch. Da steht es, das unverständliche, verblaßte Schauspiel, beiseite geworfen, stumm, jeden Interesses bar. Und seine vielen Nichtigkeiten sind heute so unerklärlich, wie die Grausamkeiten des mittelalterlichen Venedig, wie die Theologie des alten Byzanz. Und sie beherrschten und beeinflußten das Leben von mindestens einem Viertel aller Menschheit, diese Politiker. Ihr Clownsgezänk lenkte die Welt, weckte gar Heiterkeit – und Aufregung – und schuf unendlichen Jammer.

Ich sah diese Männer, von der Wandlung mit neuem Leben erfüllt, aber immer noch in der seltsamen Kleidung der alten Zeit – mit dem Benehmen, den Förmlichkeiten der alten Zeit. Wenn sie sich auch freigemacht hatten von den Gesichtspunkten der alten Zeit – – – sie mußten sich trotzdem noch beständig – als auf einen gemeinsamen Ausgangspunkt – darauf beziehen. Das erfaßte mein aufgefrischter Intellekt, und ich glaube, ich sah sie wirklich so, wie sie waren. Ich sah Gorrell-Browning, den Kanzler; ich entsinne mich seiner als eines großen Mannes mit vollem Gesicht, bei dem ab und zu die Eitelkeit und Albernheit des Ausdrucks, die Gewohnheit des wortreichen und inhaltleeren Vortrags ganz lächerlich über den inneren Geistesaufschwung triumphierten. Er kämpfte an dagegen, er parodierte sich selber, er lachte. Und plötzlich sagte er, einfach und mit Nachdruck – es war für alle ein peinlicher, ja schmerzlicher Moment: »Ich war ein alter, eitler, schwacher und anmaßender Kerl. Ich kann hier wenig mehr nützen. Ich habe mein Leben in Intrigen und Politik verbraucht. Es ist zu Ende.« Dann schwieg er lange Zeit. Ich sah Carton, den Lord-Kanzler, einen blassen Menschen von scharfem Verstand; er hatte ein massives, glattes Gesicht, das unter den Büsten von Cäsaren hätte stehen können, eine langsame, sorgfältig abwägende Stimme, dazu selbstgefällige, leicht abgeschrägte, siegesbewußte Lippen und ein blitzartiges, launenhaftes, humorvolles Augenzwinkern. »Man muß verzeihen,« sagte er. »Verzeihen ... auch sich selber ...«

Diese beiden saßen zuoberst am Tisch, so daß ich ihre Gesichter genau sehen konnte. Madgett, der Minister des Innern, ein kleiner Mann mit zusammengezogenen Brauen und einem frostigen Lächeln auf den dünnen, schiefen Lippen, saß neben Carton; er trug, abgesehen von ein paar klugen Bemerkungen, wenig zur Unterhaltung bei; als die elektrischen Lampen über uns aufglühten, vertieften sich in seinen Augen die Schatten ganz seltsam, was ihm den drolligen Ausdruck eines spöttischen Kobolds gab. Sein Nachbar war ein großer Peer, der Earl of Richover, dessen selbstgefällige Indolenz sich in der Rolle eines hyperkultivierten, britisch-römischen Patriziers des zwanzigsten Jahrhunderts gefiel, und der seine Zeit so ziemlich zu gleichen Teilen seinen Jockeys, der Politik und der Abfassung literarischer Studien in der Tonart seiner Rolle gewidmet hatte. »Wir haben nichts getan, was der Rede wert wäre,« sagte er. »Und ich – nun ja – ich habe eine Rolle gespielt!« Er dachte nach ... vermutlich über seine langen Jahre des Patriziertums, über all die großen und vornehmen Häuser, die den Rahmen für sein Auftreten gebildet, über die Rennen, die seinen Namen berühmt gemacht hatten, über die begeisterten Versammlungen, die er mit schönen Hoffnungen abgespeist hatte, über all die vergessenen, olympischen Ansprachen. ... »Ich war ein Narr!« sagte er kurz. Und mit respektvollem und teilnehmenden Schweigen hörten die andern ihn an.

Gurker, der Finanzminister, war mir zum Teil durch Lord Adishams Rücken verdeckt. Hin und wieder warf er, sich vorbeugend, mit seiner tiefen Stimme ein Wort in die Diskussion; dann wurden seine große Nase, sein grobgeschnittener Mund mit der hängenden Unterlippe und den Augen, die aus lauter Falten und Runzeln hervorblickten, sichtbar. Er legte sein Bekenntnis im Namen seiner ganzen Rasse ab. »Wir Juden,« sagte er, »haben das System der Welt durchlaufen, haben nichts geschaffen, vieles befestigt und vieles vernichtet. Unser Rassenhochmut war ganz ungeheuer. Es scheint, daß wir unsere weitgreifende, grobe Intelligenz nur dazu gebraucht haben, um den hergebrachten Begriff des Besitzes zu entwickeln, zu beherrschen, zu verstärken, um das Leben in eine Art kaufmännischen Schachspiels zu verwandeln und unsern Gewinn in protzenhafter Weise zu vergeuden. ... Ein Gefühl für ein Arbeiten zum Besten der Menschheit kannten wir nicht. Die Schönheit, die ein Göttliches ist, machten wir zum menschlichen Besitz. ...«

Diese Männer und ihre Aussprüche haben sich meinem Gedächtnis ganz besonders scharf eingeprägt. Vielleicht hab ich damals sogar alles aufgeschrieben; aber das weiß ich heute nicht mehr. Wie Sir Digby Privet, Revel, Markheimer und die andern sich dem Bilde einfügten, weiß ich nicht mehr. Sie waren für mich nur Stimmen, Unterbrechungen, Kommentare von ungewisser Herkunft. ...

Man hatte den merkwürdigen Eindruck, daß alle diese Menschen, abgesehen vielleicht von Gurker und Revel, gar kein besonderes Verlangen trugen nach der Macht, die sie tatsächlich in Händen hielten; daß sie gar nicht wünschten, in der Stellung, in der sie waren, irgend etwas Besonderes zu leisten. Sie waren im Kabinettsrat ... nun ja ... und hatten sich auch, bis zum Moment der Aufklärung, dessen gar nicht geschämt. Aber sie hatten weiter keinen unvornehmen Lärm über die Sache gemacht. Acht von den Fünfzehn kamen aus ein und derselben Schule, hatten eine völlig gleiche Ausbildung genossen; ein paar waren Alt-Philologen, ein paar Mathematiker, andere hatten ein bißchen Naturwissenschaft, Geschichte, oder die wenig bedeutende, orthodoxe englische Literatur des siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts studiert, und alle Acht waren durchtränkt von der gleichen, stumpfsinnigen Tradition vornehmer äußerer Formen; einer im Grunde sehr knabenhaften, phantasielosen Tradition ohne Schneid, ohne künstlerisches Empfinden, einer Tradition, die an kritischen Zeitpunkten unter Umständen plötzlich in Sentimentalität verfiel und aus einer ganz einfachen und sehr obenhin erfüllten Pflicht eine großartige Tugend machte. ... Keiner von diesen Acht war je in handgreifliche Berührung mit dem Leben gekommen; alle hatten sie hinter Scheuklappen gelebt, waren aus den Händen der Amme in die des Kinderfräuleins, aus den Händen des Kinderfräuleins in die Vorschule, aus Eton nach Oxford, von Oxford in die politisch-soziale Dressur gekommen. Selbst ihre Laster und Fehltritte hatten gewissen Begriffen des guten Tons entsprochen. Sie waren alle von Eton aus heimlich zu den Rennen gegangen, waren alle von Oxford nach London ausgerissen, um das Leben kennen zu lernen – das Leben der Varietés – und waren schließlich alle glücklich auf ihre Füße gefallen. Jetzt entdeckten sie plötzlich ihre Grenzen. ...

»Was sollen wir tun?« fragte Melmount. »Wir sind erwacht; das Reich liegt in unserer Hand. ...« Ich bin überzeugt, von allem, was ich von der alten Ordnung zu erzählen weiß, wird dies als das Fabelhafteste erscheinen; und doch habe ich es mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört. Tatsache ist, daß diese Gruppen von Männern, die die Regierung eines Fünftels alles bewohnbaren Landes unserer Erde bildete, die über Millionen bewaffneter Männer verfügte, die eine Flotte besaß, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte, deren Weltreich von Nationen, Sprachen, Völkern selbst in diesen größeren Tagen von heute noch blendet – daß diese Gruppe von Männern keinerlei einheitliche Vorstellung davon hatte, wie sie eine neue soziale Ordnung schaffen sollten. Drei lange Jahre hindurch hatten sie die Regierung dargestellt, und nie war es, ehe die Wandlung kam, ihnen eingefallen, es könnte nötig sein, einen einheitlichen Gedanken zu haben. Es gab überhaupt keinen einheitlichen Gedanken. Jenes große Reich war nichts als ein treibendes Wrack, ein zielloses Etwas, das aß und trank, schlief, Waffen trug und maßlos stolz auf sich selber war, weil es überhaupt zufällig zustande gekommen war. Es hatte keinen Plan, kein Ziel; es bedeutete gar nichts. Und die andern großen, treibenden Reiche, gefährlich, wie schwimmende Minen – waren im selben Fall. So absurd auch heute ein englischer Kabinettsrat erscheinen muß, er war keine Spur absurder als die Kontrollsysteme – Kronrat, Präsidentenrat und dergleichen – irgendeines seiner blinden Rivalen. ...

 

II.

Einer Einzelheit entsinne ich mich, die mir damals besonders auffiel: daß nämlich über die großen Grundzüge unseres gegenwärtigen Staates keinerlei Meinungsverschiedenheit herrschte, daß darüber nie debattiert wurde. Diese Männer hatten bisher in einem System von Konventionen und angelernten Grundsätzen gelebt, hatten treu zu ihrer Partei gehalten, hatten an deren heimliche Abmachungen und Einverständnisse nicht gerührt, waren stets treu der Krone ergeben gewesen, Präzedenzfälle hatten sie stets mit der höchsten Achtung erfüllt, die völlige Unterdrückung aller umstürzlerischen Zweifel und Fragen war ihnen ein leichtes gewesen, und ihre religiösen Regungen beherrschten sie vollständig. Es schien, als seien sie durch unsichtbare, aber unübersteigliche Schranken gegen alle überstürzten, revolutionären Theorien, gegen sozialistische, republikanische und kommunistische Lehren, wie man sie noch in der Literatur der letzten Zeiten vor dem Kometen aufspüren kann, geschützt. Jetzt war es, als wären mit dem Augenblick des Erwachens diese Schranken gefallen, als hätten die grünen Gase die Geister geklärt, hätten die starren Grenzwälle und Hindernisse von einst hinweggefegt. Sogleich hatten sie sich alles angeeignet, was an den verballhornisierten neuen Theorien, die in früheren Tagen so heftig und so vergeblich an die Tür ihrer Seele gepocht hatten, gut war. Es war wie das Erwachen aus einem törichten und beengenden Traum. Ganz von selbst, ganz logischerweise waren sie auf die weite, taghelle Tribüne untrüglicher und vernunftgemäßer Übereinstimmung getreten, auf der wir und die ganze Ordnung unserer Welt heute stehen.

Ich möchte versuchen, das Wesentliche von dem aufzuzählen, was damals aus dem Bereich ihres Denkens verschwand. Zunächst das alte System des »Eigentums«, das die Verwaltung des Grund und Bodens, von dem wir lebten, so außerordentlich verwickelt machte. Niemand hielt auch in der alten Zeit dies System für gerecht oder ideal; aber jedermann fand sich damit ab. Die Gemeinde, die vom Grund und Boden lebte, gab, abgesehen von gewissen Einzelfällen, von Straßen zum Beispiel und Gemeindewiesen, den Zusammenhang mit dem Grund und Boden vollständig auf. Der ganze Rest des Grundbesitzes war in Fetzen, Vierecke, Dreiecke von verschiedener Größe, – von ein paar Morgen bis zu hundert Quadratmeilen und mehr – zerstückelt, und stand unter der fast uneingeschränkten Herrschaft von einer Reihe von Verwaltern, die man Grundbesitzer nannte. Ihnen war das Land zu eigen, so etwa fast, wie einem Menschen sein Hut zu zeigen ist. Sie verkauften und kauften, sie zersäbelten es wie Käse oder Schinken. Es stand ihnen frei, es zu ruinieren oder brachliegen zu lassen oder erschreckende und verheerende Scheußlichkeiten darauf zu errichten. Wenn die Gemeinde eine Straße oder eine Trambahn brauchte, wenn sie irgendwo eine Stadt oder ein Dorf anlegen oder auch nur sich da oder dort einen Weg sichern wollte, so konnte sie das nur auf Grund der drückendsten Verträge mit jedem Grundbesitzer durchsetzen, dessen Gebiet in Frage kam. Niemand konnte Fuß fassen auf der Erde, eh er einem von ihnen Zoll und Huldigung dargebracht hatte. Beziehungen zu und Pflichten gegen die nominellen Gemeinde- und Staatsregierungen, in deren weiteren Gebieten ihre Besitzungen lagen, hatten sie – praktisch genommen – nicht. ... Ich weiß, dies alles klingt wie der Traum eines Verrückten; aber die Menschheit war verrückt. Und nicht nur in den alten Ländern Europas und Asiens, wo sich dies System aus der Übertragung lokaler Herrschaften an Territorialmagnaten entwickelt hatte, die schließlich, in der allgemeinen Versumpftheit jener Zeiten, ihre Pflichten vollständig umgingen und mißachteten, erhielt es sich; sondern auch die »neuen Länder«, wie wir sie nannten – die Vereinigten Staaten von Amerika, die Kapkolonie, Australien und Neuseeland – verfuhren noch während eines großen Teils des neunzehnten Jahrhunderts so verkehrt, daß sie dem ersten besten, der es wünschte, für alle Zeiten Grund und Boden überließen. War irgendwo Kohle, Petroleum oder Gold, fruchtbares Land oder Hafengrund, ein Gelände für eine schöne Stadt vorhanden, flugs boten diese besessenen und unverständigen Regierungen einen Haufen von Landhungrigen auf, und ein Strom armseliger, betrügerischer und gewalttätiger Abenteurer machte sich daran, eine neue Sektion der grundbesitzenden Aristokratie der Welt zu gründen. Nach einem kurzen, hoffnungsreichen und stolzen Jahrhundert ward die große Republik der Vereinigten Staaten von Amerika zum größten Teil ein wrackähnlich umhertreibender Haufe von landlosen Leuten. Landkönige und Eisenbahnkönige, Brotkönige (denn Land bedeutet Brot) und Minenkönige regierten ihr Leben, gaben ihnen Universitäten, so wie man einem Bettler ein paar Goldstücke gibt, und verschwendeten ihre Mittel in einem eitlen, flitterhaften, törichten Luxus, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Keiner dieser Staatsmänner hätte dies vor der Wandlung als etwas der natürlichen Weltordnung Widerstreitendes angesehen; keiner von ihnen erblickte jetzt etwas anderes darin, als die tolle und zerflatterte Illusion einer Wahnsinnsperiode.

Ähnlich wie mit der Bodenfrage stand es mit hundert andern Systemen, Einrichtungen und verwickelten und zweideutigen Kulturfaktoren des menschlichen Lebens. Sie redeten vom Handel, und zum erstenmal ging es mir auf, daß es auch einen Kauf und Verkauf geben konnte, ohne daß einer dabei verlor; sie sprachen von einer industriellen Organisation, und man sah sie erstehen – unter Führern, die keinen niederen Vorteil suchten. Die Nebel alter Verbindungen, persönlicher Konnexionen, hergebrachter Verpflichtungen waren auf jeder Stufe, in jedem Stand der sozialen Erziehung des Menschen gewichen. Lang verborgene Zustände traten, aufgedeckt, in erschreckender Klarheit und Nacktheit hervor. Und diese Männer, die da erwacht waren, brachen in ein erlösendes Lachen aus; und der alte Wirrwarr von Schulen und Hochschulen, von Büchern und Traditionen, der alte, pfuscherische, halb bildhafte, halb formale Unterricht der Kirchen, der Mischmasch schwächender und verwirrender Andeutungen und Winke, der den Stolz und die Ehre der Jugend zum Zweifeln, Stolpern und Fallen gebracht hatte, war nichts mehr als eine seltsame und angenehm abgeblaßte Erinnerung. »Die Jugend muß einheitlich vorgebildet, muß offen eingeweiht werden,« sagte Richover. »Wir haben sie seither weniger erzogen, als vielmehr allerlei vor ihr verheimlicht und ihr Fallen gestellt. Und doch wär' es so leicht gewesen – es ist alles so leicht!«

Das steht noch wie der Kehrreim jener Beratung in meiner Erinnerung: »Es ist alles so leicht!« Aber als sie es damals sagten, schlug es mit einem machtvoll erfrischenden, gewaltigen Klang an mein Ohr. Es ist alles so leicht, wo Offenheit und Mut ist! Und es hat eine Zeit gegeben, in der diese Plattheiten frisch und wundersam wirkten gleich einem Evangelium.

Bei dieser Erweiterung des Gesichtsfelds war der Krieg mit Deutschland – jenes mythische, heroische, gewappnete Weib, Germania, war aus der Phantasie der Menschen verschwunden – nur noch eine erloschene Episode. Schon hatte Melmount einen Waffenstillstand geschlossen, und die Minister schoben die Friedensangelegenheit als eine bloße Frage selbstverständlicher Abmachungen beiseite. Der ganze Plan der Weltregierung war schon provisorisch in ihren Gedanken im Fluß, in all seinen kleinen und großen Einzelheiten; und den ganzen unnennbaren Wirrwarr von Gemeinden und Pfarreien, Distrikten und Bezirken, Grafschaften, Provinzen, Ämtern und Nationen, die verschlungenen, ineinander übergreifenden und einander bekämpfenden Behörden, den ganzen Filz kleiner Interessen und Ansprüche, in dem eine unzählbare und unersättliche Menge von Anwälten, Agenten, Verwaltern, Unternehmern und Organisatoren wie Flöhe in einem schmutzigen alten Mantel lebten, das ganze Gewebe von Konflikten, Eifersüchteleien, hitzigen Zusammenstoppeleien und Auseinandermäklereien der alten Welt – all das schoben sie beiseite.

»Welches sind unsere neuen Bedürfnisse?« sagte Melmount. »Dieser Wirrwarr ist zu verrottet, als daß man sich noch mit ihm befassen könnte. Wir beginnen wieder von vorn. Also, beginnen wir neu.«

 

III.

»Beginnen wir neu!« Dies Wort gesunden Menschenverstands erschien mir damals der Inbegriff von Mut, das höchste aller Worte. Mein Herz schlug Melmount entgegen, als er es sprach. An jenem Tag freilich war es so unbestimmt wie tapfer: wir sahen noch keineswegs die Formen dessen, was wir beginnen wollten. Eins nur sahen wir klar: das Ende der alten Weltordnung war unvermeidlich.

Und dann, nach einer Weile, machte sich die Menschheit in zögernder, aber tatkräftiger Brüderlichkeit daran, ihre Welt neu zu schaffen. Jene ersten Jahre, jenes erste und zweite Jahrzehnt der neuen Epoche waren in ihren täglichen Einzelheiten eine Zeit freudigster Arbeit; jeder sah hauptsächlich den eigenen Anteil dabei und wenig vom Ganzen. Erst jetzt, da ich von der Reife meiner Jahre, von diesem hohen Turm aus auf alles zurückblicke, erst jetzt seh' ich die dramatische Entwicklung all der Änderungen, sehe die grausamen alten Wirrnisse früherer Zeiten klar und einfach werden, sich lösen und verschwinden. Wo ist heute jene alte Welt? Wo ist London, die düstere Stadt des Rauchs und der finstern Atmosphäre, die Stadt voll tiefen Dröhnens und unablässiger Musik des Durcheinanders, mit ihrem öligen, glänzenden, schlammufrigen, von Booten wimmelnden Fluß, ihren schwarzen Giebeln und düstern Kuppeln, ihren trostlosen Wüsteneien schmutzfarbener Häuser, ihren Myriaden schlampiger Dirnen, ihren Millionen verhetzter Kommis? Sogar die Blätter an den Bäumen waren besudelt von einem fettig-schwarzen Niederschlag. Wo ist das kalkweiße Paris mit seinem grünen, regelmäßig geschnittenen Laubwerk, seinem harten, herrischen Geschmack, seinem elegant organisierten Laster und seinen Myriaden von Arbeitern, die mit polternden Schritten im grauen, kalten Licht des Tagesanbruchs über die Brücken strömten? Wo ist New York, diese Hauptstadt des Lärms und der wütenden Energie, durchwühlt von Sturm und Konkurrenz, die Stadt, deren Riesenbauten aneinanderstießen und mehr und mehr nach oben strebten, nach einem Platz in den Himmeln, um erbarmungslos die unter ihnen liegenden Häuser zu beschatten? Wo sind die lauernden Winkel des plumpen, kostbaren Luxus, wo das schändliche, mordende, lockende Laster ihrer schlecht überwachten Nebenstraßen, die hagere, maßlose Häßlichkeit ihres hastenden Lebens? Und wo ist Philadelphia mit seinen unzähligen kleinen, vereinzelten Häusern, wo Chicago mit seinen endlosen, blutbespritzten Lagerschuppen, seinem vielzüngigen Proletariat voll wütender Unzufriedenheit?

All diese ungeheuren Städte sind gewichen und verschwunden, so wie die Lehmgruben meiner Heimat und das schwarze Land verschwunden sind, und all das Leben, das in ihren Labyrinthen, ihren vergessenen, vernachlässigten Einrichtungen, in ihrer ungeheuren, unmenschlichen, schlecht ausgedachten industriellen Maschinerie gefangen, verkrüppelt, ausgehungert und verstümmelt wurde, ist entronnen – ins Leben. Diese Städte eines zufälligen Entstehens sind alle verschwunden, kein Schornstein raucht mehr in unserer Welt, das Jammern weinender Kinder, die sich abarbeiteten und hungerten, die stumpfe Verzweiflung überbürdeter Frauen, der Lärm brutalen Zanks in den Straßen, all die schmachvollen Vergnügungen und all die rohe Häßlichkeit des Protzenhochmuts sind mit ihnen verschwunden. Wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke, so sehe ich eine ungeheure Staubwolke von abgebrochenen und beseitigten Häusern frohlockend in die klaren Lüfte steigen, die jener Stunde der grünen Gase folgte. Ich lebe noch einmal im Jahr der Zelte, im Jahr der Gerüste. Und – dem Triumph eines neuen Themas in einer Sinfonie vergleichbar – erheben sich die großen Städte unserer Tage. Caerlyon und Armedon, die Zwillingsstädte des südlichen Englands, dazwischen die gewundene Sommerstadt der Themse; das alte, starre schmutzige Edinburg sinkt hin, um sich von neuem, weiß und hoch, im Schatten seiner alten Hügel zu erheben. Auch Dublin kehrt wieder, neugeschaffen, schöner, weiter, eine Stadt voll heitern Lachens und warmer Herzen; freudig erstrahlt sie im Sonnenpfeil, der durch den weichen, warmen Regen bricht. Ich sehe die großen Städte, die Amerika entworfen und geschaffen hat; die Goldene Stadt mit ihren ewig-reifenden Früchten an den breiten, warmen Straßen hin; die glockenfrohe Stadt der Tausend Türme. Ich sehe wieder, wie einst, die Stadt der Theater und Versammlungsorte – die Stadt der Sonnenbucht, und die neue Stadt, die noch immer Utah heißt. Und beherrscht von der Kuppel des Observatoriums und den einfach-vornehmen Linien der Universitätsfassade auf den Klippen Mardenabar, die große, weiße Winterstadt des Hochlandschnees. Und dann die kleineren Orte, die Landstädte, die stillen Ruheplätze, halb Dorf, halb Wald, durchrauscht von tosenden Bächen, Dörfer, durchzogen von Zedernalleen, Gartendörfer voll Rosen und wunderbarer Blumen, voll vom ewigen Summen der Bienen. Und durch die ganze Welt ziehen unsre Kinder, unsre Söhne, die die alte Welt zu dienstbaren Schreibern und Verkäufern, zu Pflugknechten und Sklaven gemacht hatte; unsere Töchter, die dereinst bleichsüchtige Sklavinnen waren, Prostituierte, Schlampen, angstgefolterte Mütter oder verhärmte Gescheiterte; alle gehen sie umher in dieser Welt, froh und stolz, lernen, leben und handeln, glücklich und freudig, tapfer und frei. Ich sehe sie, wie sie in der klaren Stille der Ruinen von Rom wandern, zwischen den Gräbern Ägyptens oder den Tempeln Athens, wie sie nach Meinington kommen und seiner seltsamen Glückseligkeit, nach Orba, zu dem Wunder des weißen, schlanken Turms. ... Aber wer kann die Fülle und Lust des Lebens künden, wer all die neuen Städte unserer Welt aufzählen? – Städte, die liebende Hände von Menschen für ihre Mitmenschen schufen, Städte, die Menschen mit Tränen betreten, so schön sind sie, so voller Anmut und Güte. ...

Sicherlich muß ich eine Vision all dieser Dinge gehabt haben, während ich damals hinter Melmounts Ruhebett saß; aber meine Kenntnis der erfüllten Dinge hat sich seitdem damit vermengt und meine Erwartungen von damals ausgelöscht. Jedenfalls – etwas muß ich vorausgesehen haben – wie wäre sonst mein Herz so froh gewesen?

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