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Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen Expeditionscorps nach Abessinien

Gerhard Rohlfs: Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen Expeditionscorps nach Abessinien - Kapitel 10
Quellenangabe
typereport
authorGerhard Rohlfs
titleIm Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preussen mit dem Englischen Expeditionscorps nach Abessinien
senderhille@abc.de
year1883
created20041109
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8. Schlusscapitel.

Ohne Unfall hatte ich Zula erreicht; der einzige Europäer, der die Armee verlassen hatte, um einen anderen Weg zurückzunehmen, hatte ich wenigstens die beiden bemerkenswerthen Orte Lalibala und Axum gesehen. Ueberall, namentlich in den südlichen Provinzen Abessiniens hatte ich den grossen Einfluss constatiren können, den die Befreiung der Europäer, der Tod Theodor's, der Fall Magdala's auf die Bevölkerung hervorgebracht hatten. In der That, die englische Expedition steht einzig da; denn wenn es auch uns, die wir daran Theil nahmen, vorkam, als ginge Alles nur langsam voran, so konnte man doch jetzt nach so ruhmvoller Beendigung sich nicht dem Gedanken verschliessen, dass Alles mit bewundernswürdiger Schnelligkeit durchgeführt worden war. In Wirklichkeit konnte aber auch nur die englische Nation einen solchen Krieg führen, eine Nation, welche keine Ausgaben, und mögen sich dieselben auch noch so sehr steigern, scheut.

Die eigentlichen Operationen hatten kaum sechs Monate gedauert; denn Anfangs December 1867 begannen die Ausschiffungen der Truppen in Zula und Ende Mai 1868 war fast die ganze Armee schon wieder eingeschifft.

Von meinen Ausflügen von Lalibala und Axum zurückgekehrt, auf welcher letzteren Tour mich Herr Stumm begleitet hatte, trafen wir in Senafe mit dem Hauptquartier zusammen und hier entschied Sir Robert, dass die oben erwähnten Kreuze Zander's als Theodor's Eigenthum zu betrachten seien, Mithin der Armee gehörten, und selben Tags wurden dieselben noch versteigert. Von dem Standpunkte ausgehend, dass die Decorationen Zander's Eigenthum seien, enthielten wir drei Deutschen, Herr Stumm, Graf Seckendorf und ich, uns des Bietens.

Zur selben Zeit kam dann auch noch der Prinz Kassa von Tigre, um dem englischen Negus seine Aufwartung zu machen, und so hochtrabend und anmassend er vorher gewesen war, so kriechend und unterwürfig zeigte er sich jetzt Sir Robert gegenüber. In seiner bekannten Güte hatte der englische General längst dem hochmüthigen und mehr als zweifelhaften Bundesgenossen verziehen, machte ihm sogar noch ein hübsches Geschenk von einer Batterie Feldkanonen und 800 englischen Flinten nebst entsprechender Munition.

Ob dies Geschenk indess die Wirkung haben wird, Kassa zum Kaiserthum zu verhelfen, ist mehr als zweifelhaft. Die Sympathien des Volkes sind für Gobesieh und schliesslich wird der von Aegypten kommende Abuna die Entscheidung geben. Nur wer von diesem gesalbt wird, kann als rechtmässiger Negus negassi betrachtet werden.

Ich selbst verliess dann nach einem Tage Aufenthalte Senafe und begab mich in Begleitung der beiden französischen Offiziere durch den Komeile-Pass nach Zula. Es war höchste Zeit, denn fast alle Tage schon wurde der Thalweg durch herabbrausende, plötzliche Wassergüsse für die Communication unzugänglich gemacht. In Zula trafen wir Herrn Stumm und zusammen schifften wir uns nach einem Aufenthalt von einigen Tagen an der Küste mit einem grossen englischen Transportdampfer ein. Es war der 31. Mai 1868, als wir Ansley Bai, mithin die Küste von Abessinien, verliessen.

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