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Idiotenführer durch die russische Literatur

Bertha Diener: Idiotenführer durch die russische Literatur - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
authorBertha Eckstein-Diener
titleIdiotenführer durch die russische Literatur
publisherAlbert Langen
printrun1. bis 20. Tausend
year1925
firstpub1925
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vernunftidiot.

An dem Tag, da Robespierre jeden Kult abschaffte zugunsten der »Göttin der Vernunft« und diese in einem großen Umzug als alleinige Divinität zu feiern befahl, brach ein unbeschreibliches, unstillbares, vernichtendes, befreiendes Gelächter im ganzen Lande aus und brach dem Jakobinertum den Hals. Damit war die Revolution beendet und gerechtfertigt zugleich. Avec- oder sansculotte, das französische Volk hatte hier lachend bewiesen, wie es nicht soziale Masse, vielmehr lebendige Menschheit sei und intuitiv auf der Höhe jener Goetheschen Einsicht, daß wenn man »das Leben durch Vernunft dividiere« stets ein »wunderlicher Bruch« übrig bleibe, daß es aber immer und überall gerade dort wichtig werde, wo dieser »wunderliche Bruch« sein Wesen treibt, und Leben auf Vernunft stellen, es eben auf den Kopf stellen hieße, was wieder so viel bedeuten müßte, als ihm jeden Boden unter den Füßen zu entziehen.

Angeregt durch die erlösende Heiterkeit, mag damals wohl auch so mancher Menschenkenner in zynischer Nebenlust erwogen haben, daß wer etwas mit dem weiblichen Artikel Versehenes, also in diesem Falle die Vernunft, noch derart blindlings als Göttin anbete, es wohl bis dato nicht gar weit mit ihr gebracht, sie jedenfalls noch nicht »erkannt« haben könne.

In der Tat erweist gerade sie sich schon bei etwas tieferem Eingehen zu jedem schöpferischen Akt ungeeignet, neues Leben läßt sich niemals aus ihr gewinnen. Sie erschafft nichts, sondern hat nur zu ordnen, was nicht aus ihr entsprang. Dem Denken eignet, daß es eben stets von einer bestimmten Stelle an in seine Widersprüche antinomisch auseinanderklafft.

Alle Genialen und Ungemeinen, Erlöser und Erbauer, die ihr Schicksal trinken aus dem lebendigsten Atem, wußten, wie auch die Volkheit in ihren besten Momenten es intuitiv weiß, daß die künderischen Erlässe zu neuen Gesellschaftsordnungen aus dem gleichen lebendigen Urgrund der schaffenden Gewalten kommen wie die organische Gestaltung selbst, deren Abbild und Gleichnis sie ja irgendwie sind, und so haben sie stets ihren wundervollsten Verstand dorthin verschoben, wo er hingehört: in die trivialste Täglichkeit. »Nur ein Flachkopf kann alles klar einsehen wollen«, die wichtigen Erkenntnisse sind nicht gedanklicher Natur.

Juda, das sich in seiner Religion zum Gebot setzt: »Du sollst Dir kein Bildnis machen noch irgendein Gleichnis«, was nur imperativische Form eines tiefen Substanzdefektes ist, vermochte sich als Gebilde weder zu halten noch seit Jahrtausenden wieder zu formen; seine Ideen bleiben stets blutlose Abstrakta. Daß es sie als »Leihkapital« verwendet, dieser Vergleich läßt sich auch variieren und steigern, indem es sie nicht nur verliehen, sondern auch verwirklicht sehen will, als Historie und Schicksal der Welt.

Fanatisch sucht es sich überall mit ihnen einzubohren, und überall zurückgewiesen von den Volkskörpern, die in ihren selbstbewußten Teilen nach eigenen Instinkten sich erfüllen wollen, irrt es umher und versucht schließlich im Amorphen, oder nur lose einer Idee Verbundenen, zu zeugen. Durch diese Unzucht wider die Natur wurde die Masse, dort wo das Amorphe in ihr überwertig ist, Trägerin des marxistischen Abstraktums. Dieses basiert als reine Hirndoktrin nicht auf dem Sinnenwunder »Dasein«. Um sich ein anschauliches Gerüst in der Wirklichkeit zu konstruieren, war es daher nötig, die Natur möglichst außer acht zu lassen, es durfte die Menschheit nicht gesehen werden in ihren organisch wachsenden Gebilden: den Völkern, vielmehr in internationalen, horizontal geschichteten Klassen, potentiell gleichwertig (da allen unendlicher Fortschritt offen steht), die Einen nur durch die Andern ausbeuterisch niedergehalten, und mit lediglich ökonomischen Bedingungen als geschichtsbildenden Faktoren. Schon seit langem, oft und vernichtend kritisiert, wird der »historische Materialismus« selbst, von Marxisten – wenigstens in Gegenwart Gebildeter – heute kaum mehr zu halten gesucht, ist doch mit Recht betont worden, daß bereits die Existenz eines einzigen Bettelmönchs ihn widerlege; er wäre nur richtig, wenn es von je ausschließlich Leute vom Schlag der Marxisten auf dieser Welt gegeben hätte.

Die Masse kümmerte sich natürlich nicht um theoretisches Warum und Wieso, hielt sich dafür zäh an die doppelte Lustprämie: das dinglich leibliche Wohlstandsparadies, einfach vermittelst Umstellung der Produktionsweise, anderer Güterverteilung und ähnlicher mechanischer Handgriffe zu erreichen, und als Vorlust dieses Paradieses in Magenhöhe seine Erzwingung durch schrankenlose Diktatur über alles, was anderes geartet, höher oder reicher, freier oder überhaupt anders, und ausgeübt durch sie, die Masse, einfach als Masse, Mehrheit, erdrückende Überzahl. So gewöhnte man ihren Individuen planmäßig die Würde ab, die sie als Handwerker oft in hohem Grad besitzen, zugunsten des nackten Machtrausches der Quantität; lehrte sie in diese sich zurückzustehlen um aus der feigen Anonymität des Kollektivs heraus zu vergewaltigen. Diese Gewaltlust aber wurde ethisiert zur Befreiungstat der Menschheit mit der Aussicht, sie so lange und mit so »eisernen Fesseln der Diktatur« ausüben zu dürfen, bis der »künstliche« Unterschied zwischen den Menschen verschwunden und deren Natur genügend verwandelt sein würde, um die Auflösung aller in der homogenen, rang- und klassenlosen kommunistischen Gesellschaft zu erzwingen.

Wie man sieht eine ziemlich ausgiebige, auf Dauer eingerichtete und gar nicht zu unterschätzende Vorlust.

Nichts mehr von Mitleid, Demut, Glück der Erniedrigung! Was »eine allgemeine Krankheit der Welt erregt«, wechselt ab mit den Toxinen, je nach dem erreichten Stand der Infektion. Im christlich vorbereitenden Stadium hieß das Ziel: der »bußfertige« Patrizier – jetzt bereits: der cäsarenwahnsinnige Plebejer.

Dieser jüdischen »Idee der Menschheit« als abstrakter Doktrin mit ihrer Verschlechterung der Phantasie, ohne Schwung, Bildkraft und Anschauung, kann eben nur die soziale Masse, deren Triebe sie einzig befriedigt, hörig bleiben, und sie kann nur mittelst »Massemenschen« verwirklicht werden, von denen es keiner zum Ichbewußstein bringen darf; zu keiner durch bildnerische Kraft gestalteten Persönlichkeit, die dem Amorphen gegenübertreten könnte. Das haben auch die Begründer des Marxismus von vornherein richtig erkannt, und Engels setzt »ein kollektives Klassenbewußtsein an Stelle des Individualbewußtseins«, opfert »das lumpige Individuum der Masse« und »eliminiert sein Bewußtsein als quantité négligeable«.

Marxismus und Prinzip der Persönlichkeit schließen sich schon deshalb aus, weil dieses, konsequent durch alle Reiche betont, auf der materiellen Ebene als Recht auf Privatbesitz sich auswirken muß, wenn es auch zu allen Zeiten Menschen gegeben hat und hoffentlich immer geben wird, die auf dieses Recht verzichten, sowie sie fühlen, ihr Schicksal fordere Armut zur Vollendung. Wo der fundamentale Gegensatz zwischen Marxismus und Persönlichkeit noch vertuscht wird, geschieht das eben als Analogon zur Praktik des Heliant. Die Bolschewisten sind schon so weit, sich offen nach Engels zu richten.

Der Massemensch aber muß im infantilen Realismus des Halbidioten prinzipiell erhalten bleiben, wo das Dasein noch kein Problem ist. Kommt der Einzelne einmal drauf, daß, was da vorbeifließt in Raum und Zeit erst in einem Beharrenden: dem Bewußtsein sich ordnet, ist es bei ihm aus mit dem infantilen Materialismus der »Masse«. Er löst sich aus ihr, statt zu verfließen, die transzendenten Fragen steigen aus dem Ichbegriff, er erhebt sich zur seelisch erwachten, gestalteten und bewußt abgegrenzten Persönlichkeit, die nach Rang und Verhältnis auswertet, nur noch der Qualität dient, Befehl und Schicksal nur von ihr entgegennimmt und sich vom Prinzip der gleichen Rechte und der »wertlosen Majorität« auf immer abwendet, wie es der natürliche Aristokratismus instinktiv tut.

Die katholische Kirche, als Seeleneinheitsreich der Menschheit gedacht, war ein Teil dieses ungeheuren Seelengebietes selbst, brauchte also nur in der Erfahrungswelt gewisse Bahnen dogmatisch einzuschränken, die Qualität der Empfindung blieb frei. Die auf Vernunft gegründete jüdische Menschheitsidee als Einheit im Materiellen: der Marxismus, sieht sich dagegen beim ersten Schritt zur Verwirklichung bereits genötigt, Denken und Empfinden überhaupt zu verbieten.

»Das Rußland Lenins und Trotzkis, welches fühlt, daß es die Welt neu aufbauen muß«, was nach unseren Dichter-Literaten »der unbeschreibliche Wert des russischen Menschen für Europa bedeutet«, läßt daher diesen seinen »Aufbau« lediglich aus einem manisch-logischen System von Verboten bestehen.

»Dieser glühende Tropfen Weltkindheit und Seelenaufgang« des russischen Volkes hebt damit an, daß vor allem einmal – die Seele untersagt ist. Die von Alexander Herzen geforderte »Gehirngleichheit« kann zur Not durch operativen Eingriff erreicht werden, so ein ortlos Unfaßbares aber, das sich heimtückisch jeder Kommunisierung entzieht, hat überhaupt nicht zu existieren. Es hat kein Innenleben mehr zu geben, jede Frage danach wird unterdrückt, mit ihm alle Philosophie, alle Geisteswissenschaft, aber auch die Naturwissenschaften, insofern sie nicht auf rein Praktisch-Technisches abzwecken.

Plato, Fichte, Berkeley, Hume, Leibniz, Kant stehen als »gegenrevolutionär« auf dem Index, ihre Werke in den öffentlichen Bibliotheken sind vernichtet. Lenin in Person erlaubt auch Mach und Avenarius nicht. Seinem verdrückten Kalmückenschädel sind schon diese braven Oberlehrer zu genial.

Sie sind nach ihm nur verkappte Individualisten: » Dadurch, daß der gesunde Menschenverstand mit seinem Glauben an eine objektive gesetzmäßige Welt durch den Subjektivismus untergraben wird, könnte auch die Religion, also eine der Stützen der Bourgeoisie, in ihrer Herrschaft Förderung finden, darum ist der Empirokritizismus eine kontrerevolutionäre Philosophie

Ein andrer marxistischer Diktator erklärt: »Auch die exakten Wissenschaften waren wir gezwungen einer staatlichen Revision zu unterziehen, ob ihre Ergebnisse in den philosophischen Folgerungen irgendwie die Existenz einer Seele und das Walten einer inneren Welt zuließen, denn all dies könnte dem Werden des völlig nach außen gerichteten, organisierten Kollektivmenschen im Wege stehen, mußte somit als gegenrevolutionär erklärt und verfolgt werden

Trotzki schwankt noch, ob die Atomistik, weil ihr getrennte Teilchen Träger des Naturgeschehens sind statt eines Kollektiv, als »kontrerevolutionär« zu verbieten oder mit dem Materialismus zu vereinen sei. Und fährt fort: »Was aber soll man über die Psychoanalyse von Freud sagen? Ist sie vereinbar mit dem Materialismus, wie es Genosse Radek (Sobelsohn) glaubt und ich ebenfalls?« (Und ich ebenfalls.) »Auf alle Fälle wird das Proletariat eine gründliche, von oben bis unten gehende Generalreinigung der Wissenschaft durchführen müssen, denn je abstrakter sie die ganze menschliche Erfahrung verallgemeinert, um so mehr ist sie der Klassenhabsucht der Bourgeoisie unterstellt und um so verschwindender sind ihre Beiträge zur Gesamtsumme des menschlichen Wissens« Trotzki, Literatur und Revolution..

Wie das von Plato, Berkley, Fichte, Aristoteles, Hume, Leibniz, Kant bekanntlich ja jedes Kind weiß.

Auch das Relativitätsprinzip hat die kommunistische Partei durch Prof. Timarjasew längst auf den Index gesetzt. »Es leitet zum reinsten Idealismus und zur Erkenntnis, daß das Bewußtsein unabhängig von Raum und Zeit bestehe, und daß Zeit und Raum ohne Bewußtsein überhaupt undenkbar seien. Die Theorie Einsteins entlarvt sich somit als das Produkt einer sozialen Klasse, die sich im Zustand des Verfalls befindet. Das Relativitätsprinzip ist um so gefährlicher, als es in die Sphäre reiner Geistesspekulation versetzt. Es ist kontrerevolutionär.«

Statt nun lachend zu erwidern: nun so ist es eben kontrerevolutionär, sind seine Verteidiger schlotternd bestrebt, den offenbar mathematisch-physikalisch zwingenden Beweis zu erbringen, die Bourgeoisie verfolge Einstein, daher müsse das Relativitätsprinzip mit dem Materialismus vereinbar sein.

Man kennt die Anekdote von jener alten jüdischen Mutter, die bei allem zwischen Himmel und Erde, bei jedem kosmischen oder irdischen Geschehen nur eine einzige Frage vor sich hinmummelt: Is das gut for mei Srole (Sohn)?

So frägt der Vernunftidiot: Ist das gut für den Materialismus? Denn insoferne sein Dogma von Darwins Entwicklungshypothese und dem längst mit ihm verwesten monistischen Aufkläricht aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts abhängt, muß gerade er, der seine Menschheitsidee ausschließlich auf den »allgemeinen Fortschritt« basiert, nun erheiternderweise die gesamte Erkenntnis in den Grenzen von 1850-1860 auf ewig eingesperrt halten. Das Denken darf für die ganze restliche Weltzeit nie mehr aus dem Niveau jenes einzigen Jahrzehnts heraus, währenddessen man an diesen »Fortschritt« glaubte und die Biologie vorübergehend darwinistisch orientiert war, während die lebendige Geisteswelle seit dreißig Jahren mit unerhörter Wucht umschwingt in ganz neue transzendente Bahnen, aufgeweht von Unbekanntem, dem sie gezeitenhaft zu folgen hat. Der Fortschritt entpuppt sich somit als verhornteste Reaktion, denn alles, was kühn, neu, erschütternd, blickerweitend, vertiefend und geheimnisvoll, ist eben gar nicht gut für Srole, weil seine Erfassung das Vorrecht natürlicher Auserwählung bleiben muß.

Der »völlig nach außen gerichtete organisierte Kollektivmensch« als konstruites Narzißbild der entraßten Masse, und keineswegs Neuschöpfung einer lebendigen Substanz, ist aber das gerade Gegenteil natürlicher Auserwählung, wie sie sich etwa aus der Volkheit heraus im Helden verkörpert, ist vielmehr Punkt für Punkt, Zug um Zug nur dessen Kontraimitation.

Alle Auserwählung hebt nun damit an, daß ein Wesen sich des schlechthin Wunderhaften seines Daseins bewußt wird; da betritt es eine innre Welt, die ohne Grenzen ist.

Unter dem Diktat des » völlig nach außen gerichteten Kollektivmenschen« darf es somit keine Unbegreiflichkeit geben. Materialismus: die problem- und fraglose Hinnahme der Umwelt als »real«, im Sinn des Halbidioten, muß unter ihm Dogma bleiben und oberste Denkgrenze. Das entspricht so annähernd dem philosophischen Weltbild des Spießers und mit ihm der unterbürgerlichen Masse. Sich selbst überlassen, ist diese im Zustand der Sättigung und ungereizt ihrem natürlichen Hang nach ja auch ein Spießer in der Knospe. Oberste Aufgabe jeder künftigen Gesellschaftsordnung – ob sie nun im Sinne Graf Keyserlings oder anders sich gestaltet – wird natürlich sein, jeden Erkenntnisdrang und jeden Keim an Begabung überall zu pflegen und herauszuheben wo er sich noch findet; keinen Herzenskenner aber kann diese Verpflichtung über die Einsicht hinwegtäuschen, daß jede Menschheit, wenn sie bereits in Massen auftritt, in der Mehrzahl ihrer Individuen die Neigung zeigt, sich gerade bei wachsendem Wohlstand im Weltbild eines Philisteriums zur Ruhe zu setzen als Endsieg ihrer enorm gewordenen Mittelmäßigkeit.

Darum darf der Marxismus sie weder zur Ruhe kommen lassen, noch in ihnen Individuen sehen wollen, denn nur als Masse läßt sie sich zum Träger seiner abstrakten Menschheitsidee verwenden.

Er unterschiebt somit bewußt einem Konglomerat was Funktion einer Rassensubstanz ist, fälscht die Masse um zu jener zahlenmäßig stets geringen Aristie, aus der neue Lebensformen entspringen.

Da aber ein Amorphes nun einmal kein Keimplasma ist, so wird die Masse, zur Verkörperung einer »Idee der Menschheit« berufen, lediglich zu einer Kontraimitation der Rassensubstanz. Sie kann es nur genau umgekehrt machen wie diese; wird ihr Negativ, wie der Kollektivmensch zum Negativ des Helden wird.

Hebt erste junge Aristie mit dem Drang an, alles aus sich und hoch über sich hinauszuschleudern, so lastet die Masse auf allem Überragenden, um es in ihr Niveau zurückzudrücken.

Jede Aristie prüft lange und genau, ehe sie Fremdem auch nur gestattet, gleicher Meinung mit ihr zu sein und ihre Lebensformen zu teilen, denn sie ist das Prinzip der Qualität, im Individualismus verkörpert.

Die Masse macht Propaganda. Vor allem und überall Propaganda. Jeder ist ihr recht, der den Druck verstärken hilft, denn sie ist das Prinzip der Quantität, verkörpert im Kollektivismus. Unter diesem ungeheuren Druck der oben lastenden Masse sollen die nach unten gedrängten alten Qualitäten eingeschmolzen werden, um dann mit der Masse zusammen etwas Neues zu bilden: das Kollektiv. Immer wo nichts ist – außer maßlosem Anspruch –, wird von diesem als Vorbedingung aller Pracht und Herrlichkeit verlangt, daß jene, die etwas sind, sich aufgeben, um dieses Nichts willen, dann werde sich schon etwas bilden.

Ein manischer, unanständiger – ja sadistischer Optimismus reißt da plötzlich ein, bei allen, die nichts dabei zu riskieren haben, ganz wie im Panslawismus; ob dieser nun in seiner schäumenden Abart auftritt und »alle Menschen russisch werden müssen, als erstes und vor allen Dingen russisch«, damit sich der »Allmensch« bilde, oder in evangelischer Einkleidung als dösender Reduktionsterror Tolstois. Und immer weist dieses Treiben das infantile Element auf: an Stelle lebendiger Jugend ihre unfruchtbare Karikatur, ein verzerrt Steckengebliebenes als Unmaß der Dinge. Der Machtrausch der Quantität geht in Rußland schon auf Gogol zurück. Er ist der Großvater des Größenwahns in des Wortes Ursinn. Daß in diesem Land so viele Meilensteine sind, ihrer kein Ende abzusehen ist, dies und die Erfindung des Dreigespanns scheinen ihm den ausschweifendsten Anspruch seiner Heimat zu begründen. Ein Blick auf asiatische Reliefs hätte Gogol zwar zur Revozierung des Panslawismus gezwungen, insoferne er sich auf das Vehikel stützt, die Diktatur der größten Zahl Meilensteine aber wäre geblieben, somit auf alle Fälle das Prinzip der Quantität, auf alle Fälle der Anspruch.

Da Panslawismus und Marxismus sich so vorzüglich vertragen, kann man diesen nur in Rußland an seinen Werken ganz ungetrübt und ohne »Heliant« erkennen, das aber ist vielleicht wirklich »der unbeschreibliche Wert des russischen Menschen für Europa«. Dieses schaue und belehre sich:

Als Unmaß der Dinge lastet oben die Masse.

Nur was der »Kollektivmensch« begreifen kann, darf existieren.

Nur was er erlernen kann, darf gelehrt werden, also Lesen und Schreiben, nichts aber, was des Lesens oder Schreibens wert.

Dummdreiste Diesseitsflachheit will die Erzwingung der absoluten Banalität. Da »Genie« als »reaktionär« gilt, ist eine allgemeine Tiefstapelei ausgebrochen, von der unsre eigenen massenwissenschaftlichen Konjunkturplauderer erst eine schwache Ahnung geben; nur geistige Kastraten taugen zum Sängerchor der Internationale.

Nie noch war auf Erden solch ein maniakalischer Verblödungsterror, wie unter der Diktatur der Vernunft.

Zu Neros Zeiten sagten die Philosophen, in Rom herrsche eine derartige Tyrannei, daß es niemandem gestattet sei, weise zu sein.

Man half sich jedoch bald, indem man ganz einfach den Einen, Verantwortlichen: Nero, unschädlich machte gleich einem verseuchten Tier. Was aber ist zu tun gegen das Tier ohne Namen? Vordruck aus dem gleichnamigen Buch von Renée Fülöp-Miller (einer Sammlung russischer Volkslegenden der Kriegs- und Revolutionszeit) mit besonderer Erlaubnis des Herausgebers. Das Zitat ist Teil einer apokalyptischen Vision des Bolschewismus, wie er sich im Volk spiegelt. – – – und sie sind deshalb ohne Namen, weil es ihrer viele sein werden: heute wird Einer auftauchen und seinen Betrug vollführen, um alsbald zu vergehen, morgen wird wieder ein andrer da sein und sich wie eine Wanze an dem Herzen der Menschheit vollsaugen, bis er birst und nichts hinter sich läßt als einen gewaltigen Gestank. Doch es werden ihrer immer mehr und immer mehr werden. – – –

So beweglich führt Iwanuschka zuweilen Klage gegen seinen Antipoden und Halbbruder bei internen Unstimmigkeiten, denn der vom andern Pol der Sterilität versucht ihm seine brünstige Lethargie zu nehmen, um angestrengter Entmenschung willen, die keine Ausnahme duldet.

Das kommt so:

Der marxistische »Kollektivmensch« als Symbol der gestaltlosen Masse und lediglich Kontraimitation des aristokratischen Heldenideals muß alles, was dieses auszeichnet, verneinen, alles, was dieses fördert, hintertreiben. Welchem Schema kann somit der Kollektivmensch physisch angepaßt werden, da er ja nichts organisch Gewachsenes darstellt? Wenn der Held freiester Aufrausch des Lebens ist aus stärkstem Rassenimpuls, muß der Kollektivmensch erzwungene Reduktion ins Anorganische sein. Er wird notwendig zum homme machine.

Für ihn die Tyrannis der Entseelung, für ihn der ganze Weltsadismus der »Nützlichkeit« unter marxistischem Diktat. Um den höchsten Nutzeffekt dieser »Maschine Mensch zu erzielen, bezieht man sie lückenlos und systematisch dem Wirkungskreis der wissenschaftlichen Organisation der Arbeit ein«. – Hier liegen Sinn und Bestimmung der » Biomechanik« in Sowjetrußland. Sie ist ein System, um dem lebendigen Menschenkörper seinen natürlichen Rhythmus auszutreiben, etwa durch Nachahmung der Bewegung eines Kolbens.

Jeder Schritt und Griff wird »abgezweckt« nach dem Beispiel toter Mechanik, und nicht nur während der Arbeit, um den Nutzeffekt zu steigern, auch Feste, Massenumzüge, das ganze öffentliche Geschehen soll die Biomechanik künftig beherrschen als ein Taylorsystem des Dionysischen. Auch das Theater. Die Meyerholdsche Bühne stellt Affekte durch schneller oder langsamer laufende Räder und vermittelst Transmissionsriemen dar. Der sinnliche Inhalt der Empfindung, das Mystische ihrer Natur wird eliminiert; übrig bleibt wechselnde Geschwindigkeit. Es ist immer wieder dasselbe; Qualität wird durch Quantität ersetzt, Maschinen fühlen eben nicht, sie brauchen sich nur verschieden rasch zu bewegen.

Die Mechanik dient nicht als Mittel zur Befreiung des Lebendigen, sondern entseelt es zu ihrem Bild.

In Ateliers stehen, wie auf Altären, Turbinenbestandteile, die man auf Zehenspitzen ehrfürchtig umschleicht.

Dem völlig nach außen gerichteten organisierten Kollektivmenschen, ohne schöpferische Lebenssubstanz, bleibt eben nichts anderes übrig: er muß die Maschine als Wunschtraum seiner selbst anbeten. Sie erfinden können aber scheint wiederum eine »gegenrevolutionäre« Tätigkeit zu sein, wiewohl durchaus nicht verboten. Sie dürfte offenbar doch mit dem abgeschafften Innenleben etwas zu tun haben, denn jede wichtige Neuerung muß aus den »reaktionären« Ländern eingeführt werden.

Ein Humbughaftes, Steril-Obszönes, wie Gehirn-Onanie, kommt dadurch in diese ganze dogmatische Entmenschung.

Man rede hier nicht von »Kinderkrankheiten«; Tote haben keine Kinderkrankheiten! Fasle auch nicht von »Zeitlassen« und »später.«

Alles Neue kommt unter dem Gesetz des großen Erstimpulses, erst ist etwas da, dann »bildet« es sich.

Ein desperater Kunstbetrieb wird allerorten angekurbelt. Eine gigantische Explosion von Schwabingertum entlädt sich in Thesengestümper: »Das Erlebnis der individuellen Psyche in der Kunst wird negiert.« – »Der Stil ist die Klasse.« – »Die Klasse als Monolith – – fördert durch ihre Einfachheit, Klarheit, Exaktheit die Macht eines grandiosen Stils.« Und damit ist es aus. Die Leistung besteht im Programm, das zugleich Leichenrede ist. Ein Dorado der Habitués jener obersten Erdverkrustung aus Kaffeehaustischchen. Nicht umsonst war man dort stets russophil.

 

Tolstois: »Die Kunst hat eine nützliche Arbeit zu sein« klingt jetzt radikalisiert: »Nützliche Arbeit allein schon ist Kunst.« Die Pyramiden gelten nur deshalb nicht mehr für »schädlich und überflüssig«, weil sie, groß und dick, sich zur »Propaganda« eignen. Jemand schlägt vor eine Plastik aufzustellen, nein man ist noch kunstfreundlicher, gleich ein ganzes Gebäude, es dient der Propaganda besser; ein Bauwerk ist, weil größer, künstlerisch der Komparativ einer Statue. In der Zweckbesessenheit sind Tolstois Kunst als »nützliche Arbeit«, Dostojewskis »Genrebilder mit sittlichem Zentrum« den Banalomanen der Vernunft tief verwandt, in jener »Mischung aus Dilettantismus, Arroganz, Barbarei und einem infantilen Nichtwissen, worauf es ankommt.«

Denn: »Ein gutes Kunstwerk kann und wird zwar moralische Folgen haben, aber moralische Zwecke vom Künstler fordern, heißt ihm sein Handwerk verderben Goethe.

Die Schönheit der Maschine ist Funktion ihres Zwecks.

Schönheit und Wert des Menschen fangen bei seinen zweckfreien Taten an. Es gibt keine »höheren Zwecke« – Zweck ist immer subaltern.

Wie alle Maßnahmen des Massemenschen ausschließlich gegen das auserwählte Individuum zielen, so auch gegen das, was ihn souverän erschafft: die Natur. Sie ist ja die Erzfeindin des Marxismus von je, diese unberechenbare, unverbesserliche alte Aristokratin, die Lieblinge nach Laune wählt, verschwendet, wo sie will, ein Faible für köstliche Essenzen zeigt und überhaupt eine verkappte Antisemitin zu sein scheint.

Da sich nun »Interesse für Natur« auf eine »Idee« gründet, so kann es sich nur in Gemütern zeigen, welche für »Ideen« empfänglich sind. Schiller, Über den Unterschied zwischen naiver und sentimentalischer Dichtung..

Eine Maschine ist für platonische »Ideen« nicht empfänglich, zum homme machine spricht die Natur also nicht, und so verbietet er ihr durch seine Diktatoren überhaupt den Mund, auf daß sie nicht zu ihren Lieblingen spreche, » das passive Natur genießen wird aus der Kunst verbannt sein – – – Trotzki, Literatur und Revolution.« Sie darf ferner nur mehr insoweit natürlich bleiben, als der Kollektivmensch es ihr gestattet, und hat im übrigen Vernunft anzunehmen, noch mehr, sie wird durch Hornbrillen auf Kunstwert geprüft und dem Grad jeweiliger Myopsis entsprechend umkonstruiert werden. Trotzki kündigt es ihr bereits an: »Wenn der Glaube einst versprach Berge zu verrücken, so wird die Technik – – – – tatsächlich Berge abtragen und verschieben. Der Mensch wird sich mit der Umgruppierung der Gebirge und Flüsse befassen und wird die Natur ernstlich und wiederholt korrigieren. Schließlich wird er die Erde nach seinem Abbild – – – – – umgestalten Somit zum Abklatsch des Abklatsches einer Maschine.. – – Er selbst aber wird die Lust verspüren, die halbbewußten und dann auch die unbewußten Prozesse in seinem eigenen Organismus wie Atmung, Blutkreislauf, Verdauung, Befruchtung zu beherrschen und in den notwendigen Grenzen sie der Kontrolle der Vernunft und des Willens zu unterwerfen. – – – In der tiefsten und dunkelsten Ecke des unbewußten, elementaren Ich schlummert schließlich die Natur des Menschen selbst. Ist es denn nicht klar, daß die höchsten Anstrengungen des forschenden Denkens und der schöpferischen Initiative sich darauf werfen werden? – Der Mensch wird es sich zur Aufgabe machen, seine – – Instinkte auf den Gipfel des Bewußtseins zu heben.«

So also stellt es diesmal die Natur an, wenn sie eine ganze Art wieder einmal einziehen will, um sich wo anders was Neues anzuspinnen.

Die Paläontologie kennt viele Perioden der Erdgeschichte, in denen auch die eine oder andre Tierart in Massen auftritt, alles edlere Leben verdrängt, die Welt erfüllt, und plötzlich, aus fettester Prosperität heraus, trotz gleich günstiger Umwelt, ohne äußeren Feind, ohne sichtbaren Grund – ist es zu Ende mit ihr. Die Triebe veröden, ihre »Idee« ist tot.

Diesmal – beim Menschen – wird das also mittelst der Vernunft gemacht.

Gerade wenn die Sowjets, wie ihr Program verkündet, das Schicksal werden abgeschafft haben, die Unfallversicherungen obligatorisch geworden sind und die Natur durch den Kollektivmenschen künstlerisch rekonstruiert werden soll, löscht sie die ganze Bescherung von ihrer großen Tafel einfach wieder weg, – noch bequemer – läßt sie von innen heraus sich selber verlöschen.

»Denn wo das Soziale und der Begriff überwertig werden gegenüber dem Trieb, der seinem tiefsten Wesen nach anti- oder unsozial ist, muß die Triebverdrängung solange fortschreiten, bis nichts mehr übrig ist, was verdrängt werden könnte – es bleibt eine Maschine – Ichbegriff, Empfindung hören auf, die Beseelung ist weg.« Nach S. Freud. Verwandtes in Prof. Th. Lessings, Untergang der Erde am Geist.

Eben diese Beseelung und mit ihr das Leben obligatorisch zu atrophieren, danach ist der Idiot der Vernunft fanatisch aus.

»Das Walten einer inneren Welt« wird zwar grundsätzlich von ihm negiert, wie aber, wenn etwas so »Gegenrevolutionäres«, so ein phantastisches Privateigentum, doch heimlich irgendwo fortblühte?

Auf daß niemand an solch inneres Paradies empfindend sich verliere, wird Einsamkeit systematisch hintertrieben durch Gassensinn, Aktivismus, Biomechanik. Räumlich steckt nunmehr der beseelte Mensch, er, gegen den seine Kontraimitation, der Massemensch, das Diktat ausschließlich richtet, in der Zwangsjacke des Kollektiv. Wie aber, wenn er in den inneren Sinn der Zeit entwischte, sie sich beliebig dehnte und in dem überschüssigen Stück unkontrollierbare Allotria der Besonderung triebe, durch ein königliches Geheimnis dort mit magischer Steigerung begnadet!

Hiergegen tritt die über ganz Rußland vernetzte »Zeitliga« in Aktion. Sie hat zum Ziel, die »individuelle Zeit« auszurotten und den Menschen, »die wichtigste organische Maschine«, durch Mechanisierung und strenge Disziplinierung auf eine »gesellschaftliche Zeit« umzuschalten.

Jedes Liga-Mitglied muß eine »Chrono-Karte« haben, auf der es die »nützliche Verwendung« der Minuten des genau ausgeteilten Tages registriert. Ist allmählich der »menschliche Organismus nach wissenschaftlichen Prinzipien reorganisiert, sind Sprache und Gehirntätigkeit neu geregelt«, kann eine objektive Erfassung der Zeit eben im Sinne einer »Kollektivzeit« eingeleitet werden Ihr philosophischer Infantilismus nimmt dieser Konzeption nur die Wirksamkeit, nicht die Bosheit..

 

Im Mythenkern der großen Schöpferrassen kreist als Frage aller Fragen stets nur die:

Wann sind der Toten mehr als der Lebendigen? Von Island bis zum Iran wird sie auf immer gleiche Art gestellt.

Wenn dereinst das, was unaufhörlich abstirbt aus der Wesenheit, zur Mehrzahl wird, dann geht die Unterwelt über; die Toten, die in der Tiefe lauern und ihre Zahl immer zählen, ob ihrer schon genug sind, steigen dann herauf, und Tod und Leben liefert sich die Schicksalsschlacht.

Um sie hinauszuschieben, verlangt die Edda, daß man Verstorbenen die Nägel – das einzige, was noch an Leichen wächst – beschneide. Denn aus diesen, in der Erloschenheit nachgewachsenen Enden aus äußerster Verhärtung und Verhornung bauen die Toten Naglfahr, das Schiff, auf dem sie wiederkommen.

Die aber atmen im Licht, sollen sich sammeln und steigern der Entscheidung zu und den Ruf weitergeben, an dem sie sich erkennen, denn die Toten hören ihn nicht.

Sinnlos der Versuch, sie etwa mit ihm erwecken zu wollen. Was diese Art Toten ja eben nie begreifen können ist, daß sie tot sind; sie wissen es nicht mehr anders, weil an ihnen verwest ist, worin das Leben besteht.

Wann aber kam aus Rußland auf einen Lebensruf je eine reine, freie, eigene Antwort? Wo ist da der triumphierende Frühling eines siegreichen Blutes, der jetzt aufstünde gegen die Toten? Dieser uralten Masse ohne Mythos, ohne Pantheon, ohne Alphabet, ohne Geschichte, ohne Philosophie, Plastik und Drama wird jegliches Versagen auch jetzt noch von Interessenten als Berufung ausgelegt. Eben weil es nichts sei, könne es ja noch alles werden, wird uns verkündet. Seine Ungestalt soll Plasma, seine Verwesung Essenz sein. Man begreife doch endlich, daß dieses Rußland nichts ist als eine ungeheure merzerisierte Fötalmasse, ein überreifer Rassenfötus, längst in verpestende Fäulnis übergegangen, weil er zu träg war und zu feig von je, um sich, rechtzeitig gestaltet, auszutreiben ins Licht. Darum ist es der Feind und nicht das Ziel.

 

Nun gibt es einen ewig abwägenden Mittelstand des Geistes, dem jede entschlossene Kompromißlosigkeit an einem Urteil zum Ärgernis wird. Er zieht im Namen auswertender Gerechtigkeit den unrein vermischten Zustand bei weitem vor, schiebt Schicksalsfragen lieber argumentierend hin und her mit dem heimlichen Ziel und Wunsch, sie schließlich dadurch auf die leichte Achsel schieben zu können.

Eine intensivere Art, der Wahrheit zu leuchten, besteht in der Lichtdichte einer Übertreibung, die durch Grelle sonst Niegesehenes aufscheinen läßt; ist das erreicht, mag alles wieder zu diffuser Objektivität erblassen.

Für Rußland aber gilt durch alle Zeit, was schon Homer von ihm vermeldet:

Dort auch liegt das Land und Gebiet der kimmerischen Männer,
Eingehüllt in Nebel und Finsternis; nimmer auf jene
Schaut Helios her mit leuchtenden Sonnenstrahlen,
Nicht wenn empor er steigt zur Bahn des sternigen Himmels,
Noch wenn er wieder hinab zur Erde sich wendet,
Sondern entsetzliche Nacht umruht die elenden Menschen.«

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