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Hymnen für die Erde

Walt Whitman: Hymnen für die Erde - Kapitel 40
Quellenangabe
typepoem
authorWalt Whitman
titleHymnen für die Erde
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
year1947
translatorFranz Blei
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130704
projectid825cfcd5
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39

Ein Weib harrt meiner, alles enthält sie, nichts fehlt,
Doch alles würde ihr fehlen, fehlte das Geschlecht oder fehlte des rechten Mannes Feuchte.

Geschlecht enthält alles: Leiber, Seelen,
Meinungen, Beweise, Reinheit, Zartheit, Resultate, Verkündigungen,
Gesänge, Befehle, Gesundheit, Stolz, das mütterliche Mysterium, die Milch des Samens,
Alle Hoffnungen, Wohltaten, Spenden, alle Leidenschaften, Lieben, Schönheiten und Wonnen der Erde.

Alle Herrschaft, alles Gericht, Götter und Führerschaften der Erde,
Alles dies ist im Geschlecht beschlossen als Teile von ihm und als seine Rechtfertigungen.

Ohne Scham kennt und bekennt der Mann, den ich liebe, die Köstlichkeiten seines Geschlechts,
Ohne Scham das Weib, das ich liebe, die ihren.

Ich will nun weggehen von unempfindlichen Weibern
Und bei der bleiben, die meiner harrt, und bei denen, die warmblütig sind und mir Genüge geben.
Ich sehe, sie verstehen mich und versagen sich mir nicht,
Ich sehe, sie sind meiner würdig, ich will der kräftige Gatte dieser Weiber sein.
Sie sind nicht um ein Jota geringer als ich,
Gebräunt ist ihr Gesicht vom Sonnenschein und vom Winde,
Ihr Fleisch hat die alte göttliche Fülle und Kraft,
Sie wissen zu schwimmen, zu rudern, zu reiten, zu ringen, zu rennen und zu schlagen, weichen zurück, greifen an, widerstehn, verteidigen sich,
Sind endgültig in ihrem eigenen Recht, sind ruhig, klar und haben sich gut in der Gewalt.
Ich zieh euch dicht an mich heran, ihr Weiber.
Ich kann euch nicht lassen, ich möchte euch gut tun.
Ich bin für euch, und ihr seid für mich; nicht allein um unserer selbst willen, sondern um anderer willen.
In euch gehüllt schlummern größere Helden und Barden,
Sie weigern sich, durch eines andern Mannes Berührung geweckt zu sein als durch meine.
Ich bin es, ihr Weiber, ich finde meinen Weg.
Rauh bin ich, hart, mächtig, unerbittlich, aber ich liebe euch.
Ich tu euch nicht mehr weh, als nötig euch ist,
Ich ergieße den Stoff zum Ausgang von Söhnen und Töchtern, wie dieses Land sie braucht, ich presse euch mit langsamen, groben Muskeln,
Ich presse mich wirkungsfest, höre auf kein Bitten,
Und darf nicht abstehn, bevor ich eingesenkt habe, was so lang sich in mir gesammelt hat.

In euch lasse ich abfließen die gestauten Ströme meiner selbst,
In euch senke ich tausend kommende Jahre,
Auf euch pfropfe ich die Pfropfreiser der von mir und Amerika Bestgeliebten,
Die Tropfen, die ich über euch fließen lasse, sollen wachsen zu stolzen und athletischen Mädchen, neuen Künstlern, Musikern und Sängern,
Die, mit denen ich euch Kinder schwängere, sollen wieder mit Kindern schwanger gehen,
Ich muß vollkommene Männer und Frauen aus meinen Liebesspenden verlangen,
Erwarten, daß sie einander durchdringen, wie ich und ihr uns jetzt einander durchdringen,
Ich werde auf die Früchte ihrer zeugerischen Schauer rechnen, wie ich auf die Früchte der zeugerischen Schauer rechne, die ich jetzt gebe,
Ich zähle auf Liebesernten aus der Geburt, dem Leben, dem Tode, der Unsterblichkeit, die ich nun mit solcher Liebe pflanze.

 

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