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Hymnen für die Erde

Walt Whitman: Hymnen für die Erde - Kapitel 35
Quellenangabe
typepoem
authorWalt Whitman
titleHymnen für die Erde
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
year1947
translatorFranz Blei
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130704
projectid825cfcd5
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34

Ich bin der Lehrer der Athleten.
Der mir eine breitere Brust entgegenstreckt als meine eigene, beweist mir die Breite der meinen.
Der ehrt meinen Stil am meisten, der unter ihm lernt, den Lehrer zu vernichten.

Der Knabe, den ich liebe, der wird ein Mann nicht durch ererbte Macht, sondern durch sein eigenes Recht,
Lasterhaft lieber als tugendhaft aus Anbequemung oder Furcht,
Er liebt seine Geliebte, läßt sich gut seinen Braten schmecken,
Unerwiderte Liebe oder Geringschätzung schneiden ihn schärfer, als harter Stahl schneidet,
Meister im Reiten ist er, im Fechten, im Schießen nach der Scheibe, im Segeln, im Singen, im Banjospielen,
Er zieht Narben und den Bart und pockennarbige Gesichter allen Milchgesichtern vor
Und Sonnengebrannte denen, die sich im Schatten halten.

Ich lehre euch, mich zu verlassen, – doch wer kann mich verlassen?
Ich folge dir von diesem Augenblick an, wer immer du seist.
Meine Worte jucken dir in den Ohren, bis du sie verstehst.

Ich sage dir diese Dinge nicht für einen Taler oder um mir die Zelt zu vertreiben, während ich auf ein Boot warte. (Du sprichst, und sprichst so viel wie ich, ich bin nur deine Zunge,
In deinen Mund gebunden, beginnt sie in meinem sich zu lösen.)

Ich schwöre, nie wieder werde ich die Liebe oder den Tod im Innern eines Hauses erwähnen,
Und ich schwöre, nie mehr werde ich mich den allen verdolmetschen, sondern dem Manne oder dem Weibe, das mit mir im Freien steht.

Wenn du mich verstehen willst, so geh auf die Höhen oder an das Seegestade.
Die erste beste Mücke ist eine Erklärung, und ein Tropfen oder einer Welle Bewegung ist ein Schlüssel,
Der Hammer, das Ruder, die Handsäge bekräftigen meine Worte.

Kein geschlossener Raum, keine Schule kann mit mir verkehren,
Aber gemeines Volk und Kinder besser als sie.
Der junge Arbeiter steht mir ganz nah, er kennt mich gut.
Der Holzknecht, der seine Axt und seinen Krug mit sich nimmt, wird auch mich für den ganzen Tag mitnehmen.
Der Bauernbursch, der im Felde pflügt, fühlt sich wohl beim Klang meiner Stimme.
In segelnden Schiffen segeln meine Worte, ich gehe mit Fischern und Seeleuten und liebe sie.
Mein ist der Soldat im Lager oder auf dem Marsch.
In der Nacht vor der entscheidenden Schlacht suchen viele mich auf, und ich täusche sie nicht,
In dieser feierlichen Nacht (ihrer letzten vielleicht) suchen mich die auf, die mich kennen.

Mein Gesicht reibt sich an des Jägers Gesicht, wenn er sich allein in seine Decke legt.
Der Fuhrmann denkt an mich und achtet nicht des Rüttelns seines Wagens.
Die junge Mutter und die alte Mutter verstehen mich.
Das Mädchen und die Frau lassen einen Augenblick die Nadel ruhen und vergessen, wo sie sind.
Sie und alle möchten überdenken, was ich ihnen gesagt habe.

 

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