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Hymnen für die Erde

Walt Whitman: Hymnen für die Erde - Kapitel 33
Quellenangabe
typepoem
authorWalt Whitman
titleHymnen für die Erde
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
year1947
translatorFranz Blei
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130704
projectid825cfcd5
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32

Es ist Zeit, daß ich mich erkläre. Laßt uns aufstehn!

Alles Bekannte streife ich ab,
Ich reiße alle Männer und Frauen vorwärts mit mir in das Unbekannte.

Die Uhr zeigt den Augenblick. Was aber zeigt die Ewigkeit?

Bis hierher haben wir Trillionen von Wintern und Sommern erschöpft,
Es liegen Trillionen vor uns und noch andere Trillionen vor diesen.

Geburten brachten uns Fülle und Mannigtum,
Und andere Geburten werden uns Fülle bringen und Mannigtum.

Ich nenne nicht das eine größer und das andere kleiner.
Was seine Zeit und seinen Platz erfüllt, ist allem gleich.

Waren die Menschen mordgierig oder eifersüchtig auf dich, mein Bruder, meine Schwester?
Es tut mir leid um dich, – sie sind nicht mordgierig und eifersüchtig auf mich.
Alle waren lieb zu mir, ich führe keine Rechnung mit Klage.
(Was hab ich mit Klagen und Jammern zu tun?)

Ich bin eine Gipfelhöhe geschehener Dinge und ein Einschließer kommender Dinge.

Meine Füße betreten eine Höhe der Treppenhöhen,
Auf jeder Stufe Büschel von Zeiten, und größere Büschel sind zwischen den Stufen,
Alle drunten richtig durchwandert, und noch steig ich und steige.

Aufstieg nach Aufstieg beugen sich die Phantome hinter mir.
Tief unten sehe ich das ungeheure Urnichts, ich weiß, ich war auch da,
Ich wartete ungesehen und immer, und durchlief die betäubenden Dünste,
Und nahm mir Zeit und nahm keinen Schaden von dem stinkenden Kohlenschwaden.

Lang war ich in feste Umarmung geschlossen, lang und lang.

Ungeheuer sind die Vorbereitungen für mich gewesen,
Treu und freundlich die Arme, die mir halfen,
Kreisläufe fuhren meine Wiege, ruderten und ruderten wie muntere Bootsleute.
Um mir Platz zu machen, hielten die Sterne seitwärts in ihren Bahnen,
Entsandten Kräfte, um nach dem zu sehen, was mich tragen sollte.

Eh ich aus meiner Mutter geboren ward, leiteten mich die Zeiten.
Mein Embryo ist niemals fühllos gewesen, nichts konnte ihn belasten.
Für ihn zog sich der Sternennebel zusammen zu einer Kugel,
Langsam, lange türmte sich Schicht über Schicht, ihm ein Ruhbett zu bereiten,
Ungeheure Pflanzen gaben ihm Nahrung,
Riesige Saurier trugen ihn in ihrem Rachen und setzten ihn sorgsam nieder.

Alle Kräfte wurden ständig beschäftigt, mich zu vervollkommnen und zu entzücken.
Nun stehe ich auf dieser Stelle mit meiner starken Seele.

 

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