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Hymnen für die Erde

Walt Whitman: Hymnen für die Erde - Kapitel 24
Quellenangabe
typepoem
authorWalt Whitman
titleHymnen für die Erde
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
year1947
translatorFranz Blei
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20130704
projectid825cfcd5
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23

Wer geht da? Lungernd, grob, mystisch, nackt?
Wie kommt es, daß ich Kraft aus dem Rindfleisch ziehe, das ich esse?

Was wohl mag ein Mann sein? Was bin ich? Was bist du?

Alles, was ich als das Meinige bezeichne, das sollst du ausgleichen mit dem Deinigen.
Anders wärs verlorene Zeit, mir zuzuhören.

Ich winsle nicht mit dem Allerweltsgewinsel,
Daß die Monate leere Räume wären und der Erdboden nichts als Schlamm und Dreck.
Wimmern und Zukreuzkriechen mischt in die Pulver für Krüppel, laßt die Anpassung den Vettern vierten Grades,
Ich trage meinen Hut, wie mirs gefällt, drinnen oder draußen.

Weshalb soll ich beten, weshalb verehren und zeremoniös sein?

Nachdem ich die Erdschichten durchspäht habe und analysiert auf ein Haar, Gelehrte zu Rat gezogen und genaue Berechnungen angestellt,
Finde ich doch kein süßeres Fett, als das auf meinen eigenen Knochen sitzt.

In allem Volk seh ich mich selber, keiner ist mehr und keiner um ein Gerstenkorn geringer als ich,
Und das Gute oder Böse, das ich von mir selber sage, sage ich von ihnen.

Ich weiß, daß ich fest und gesund bin.
Zu mir hin fließen und laufen zusammen alle Dinge der Welt,
Alle sind an mich geschrieben, und ich muß herausbekommen, was ihre Schrift bedeutet.

Ich weiß, daß ich todlos bin,
Ich weiß, diese meine Bahn kann nicht von eines Zimmermannes Zirkel umspannt werden.
Ich weiß, ich werde nicht vergehen wie der Feuerkreis, den ein Kind mit einem Stück brennenden Holzes in die Nacht zeichnet.

Ich weiß, daß ich erhaben bin.
Ich bemühe meinen Geist nicht, sich zu rechtfertigen oder sich verständlich zu machen.
Ich sehe, daß sich die Urgesetze niemals entschuldigen.
(Ich vermute, daß ich mich alles in allem nicht hochmütiger betrage als die Wasserwaage, nach der ich den Grund meines Hauses lege.)

Ich existiere, wie ich bin. Das genügt.
Gewahrt mich kein andrer in der Welt, so sitz ich zufrieden,
Und wenn jeder und alle mich gewahren, sitz ich zufrieden.

Eine Welt ist meiner gewahr und ist für mich die weiteste, und die bin ich selbst.
Und ob ich zu meinem Eigenen heute komme oder in zehntausend Jahren oder in zehn Millionen Jahren,
Ich kann es jetzt mit Freuden hinnehmen und kann mit gleicher Freude warten.

Worauf ich stehe, das ist verzapft und verfugt in Granit.
Ich lache über das, was ihr Auflösung nennt,
Und ich kenne die weite Fülle der Zeit.

 

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