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Hundert Jahre

Heinrich Oppermann: Hundert Jahre - Kapitel 96
Quellenangabe
typefiction
booktitleHundert Jahre
authorHeinrich Albert Oppermann
year1998
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-257-7
titleHundert Jahre
created20031005
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1870
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Siebentes Kapitel.
Der größte Grundbesitzer und sein grünes Buch.

Es waren elf Jahre verflossen seit dem Tage, da die Bewohner der Residenzstadt an die Thür des kranken Königs Ernst August gepocht und die Versprechungen erlangt hatten, von denen oben berichtet. Jetzt war seit beinahe zwei Jahren die Verfassung von 1848 schon vernichtet, und man war in Begriff, die letzte Hand anzulegen und das Finanzkapitel, das der Bundestag unberührt gelassen hatte, zu beseitigen. Ein ganz in Roth gekleideter Kammerhusar wartete in der Pedellenloge der Zweiten Kammer in Hannover, ungeduldig wie es schien, auf den täglichen Bericht Sr. Excellenz von Borries an König Georg V.

 

»Ew. Majestät melde ich«, schrieb dieser, »daß die Loyalität gesiegt hat, daß der Raub, welchen die frevelnde Hand der Revolution zum zweiten mal an das Eigenthum Ew. Majestät, die Domänen, gelegt hatte, gesühnt ist. Mit 51 gegen 24 Stimmen sind die Anträge des Oberbürgermeisters Barkhausen, die von R. von Bennigsen befürwortet wurden, abgelehnt, spätere Anträge der Opposition sogar gegen 53 Stimmen, bei namentlicher Abstimmung.

Hannover, den 18. März 1861.

Borries

 

Excellenz Graf Schlottheim, der auf der Tribüne der Ersten Kammer den Verhandlungen beigewohnt hatte, eilte durch die Registratur in die Vorzimmer der Ersten Kammer zurück und dann die Freitreppe hinab seinem Wagen zu, um schnell Toilette zu machen, denn er war nach Herrenhausen zur königlichen Tafel befohlen.

Majestät Georg war sehr aufgeräumt bei Tafel, nachdem derselbe den Brief des Ministers des Innern erhalten hatte. Nach der Tafel bei Kaffee und Liqueur erzählte Schlottheim die nähern Einzelheiten der Kammersitzung. Herr von Borries habe die Kammeropposition niedergedonnert, und der Pastor Ernst habe der Minorität gesagt, »daß der Zorn Gottes solange über dem Lande bleiben werde, bis die Thaten des Jahres 1848 gesühnt seien«.

Schlottheim zog zugleich ein Verzeichnis derjenigen Mitglieder der Zweiten Kammer hervor, welche sich bei den Verhandlungen wegen des Finanzkapitels verdient gemacht hätten, und empfahl, dieselben mit dem Guelfenorden zu decoriren. »Denn«, setzte er hinzu, »bisjetzt sind die Schwierigkeiten nur theoretisch weggeräumt, wir haben noch die praktische Schwierigkeit der Ausscheidung selbst zu überwinden, bei welcher es sich, je nachdem man rechnet und arrangirt, leicht um eine Differenz von 200000 Thalern jährlich handeln kann. Wir bedürfen also noch des guten Willens der Mehrheit, und um diesen anzuspornen, der Decorationen!«

Der König schenkte dieser Rede kaum noch Aufmerksamkeit, sein fein ausgebildetes Ohr hörte ein ungewöhnliches Geräusch: »Was sind das für Wagen, die da heranfahren?«

»Ew. Majestät steht heute noch eine Ueberraschung bevor, eine Deputation bäuerlicher Mitglieder Zweiter Kammer wünscht Ew. königlichen Majestät Aufwartung machen zu können, um den unterthänigsten Glückwunsch darzubringen als nunmehr erstem und größtem Grundbesitzer.«

Ein freudiges Lächeln überzog das Gesicht des Königs, der Graf mußte ihn nach dem Salon führen, in welchem er Audienzen zu ertheilen pflegte, der Hofbesitzer Rudolph und zehn andere bäuerliche Grundbesitzer wurden in den Salon geführt, und ersterer überreichte dem Könige ein mit Gold auf weißen Atlas gedrucktes Gedicht und begann mit folgender Rede:

»Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König! Allergnädigster Herr! Vor den Stufen des Thrones ihres allverehrtesten Königs und Landesherrn erscheinen ehrfurchtsvoll unterzeichnete Grundbesitzer und Mitglieder der Zweiten Kammer der allgemeinen Ständeversammlung, um ihrem heißgeliebten Landesherrn nunmehro als allerhöchstem und erstem Grundbesitzer aus dem Gefühle innigster und herzlichster Unterthanenliebe des Himmels reichsten Segen zu wünschen. Allergnädigster König und Herr! Schon unsere Väter wurden zu den Getreuesten gezählt, welche ihrem höchsten Landesherrn stets mit Gut und Blut in Liebe zugethan waren; sie erkannten voll Ehrfurcht in dessen erhabener Person den Stellvertreter Gottes auf Erden. Wir, die Söhne dieser Väter, fühlen uns von denselben Gesinnungen durchdrungen, nie und nimmer werden dieselben erlöschen. Genehmigen Ew. königliche Majestät allergnädigst und huldvoll noch folgende Ausdrücke der Freude und des innigsten und herzlichsten Dankes Allerhöchstdero getreuer Unterthanen und Grundbesitzer für die ihrem Stande gewordene Allerhöchste Auszeichnung und Ehre, in ländlicher Blumensprache:

Der Schöpfer über Sternenzelten,
Gab uns in ein' der schönsten Welten,
Nach seinem höchsten Ebenbilde
Den besten König weis' und milde.
    Damit die Krone sanft nur drücke,
    Und aller Segen Ihn beglücke,
    Gab Gott dem Fürst aus Sachsens Gauen
    Die schönste Blum' und Zier der Frauen.
Drei, Engeln gleiche Königs-Kinder
Erhöhn das Glück und sind nicht minder
Des Landes Stolz, der Aeltern Freude,
Hannovers Volkes Seelenweide.
    Auch hat der Friede, der vermißte,
    Besiegt nunmehr die kleinen Zwiste,
    Zerstäubt sind die Juristen-Schnitzer,
    Der höchste Herr ist Grundbesitzer.
Wo sich die höchsten Herr'n bemühen,
Da muß doch wol der Landbau blühen.
Heil sei Hannovers schönem Lande.
Glückauf dem treuen Bauernstaude!
    Herr Gott, bleib' stets nur ein Bescherer,
    Gib Heil dem Höchsten – der Ernährer –
    Glückauf dem Stärksten – tapfrer Wehrer –
    Vivat der Größte – guter Lehrer!

Gott erhalte unsern allergnädigsten König und Landesherrn!«

Georg, nie verlegen, wenn es zu antworten galt, hatte einen Vorrath größtenteils frommer, Christum, den Herrn, zu dem er für das Wohl seiner Angestammten täglich bete, regelmäßig hineinziehender Redefloskeln. Heute zog er das patriarchalische Register auf.

»Geliebte Kinder«, erwiderte er, obgleich jeder der einzelnen Abgeordneten beinahe noch einmal so alt war als er selbst, »die kindlich treue Unterthanenliebe, die euch in euern Handlungen als Landstände geleitet, und euch getrieben, diese Ansprache an mich zu richten; und die wahrhaft väterlichen Gesinnungen, die ich für alle meine Unterthanen und mithin für euch, die ihr in so herzlicher Absicht zu mir gekommen seid, besonders hege, werden es euch verstehen machen, daß ich euch hier wie ein Vater seine geliebten Kinder anrede. Herzlich danke ich euch für euer Wirken in den Ständen, zur Vollendung des für das Land wie für die Krone so wichtigen Verfassungswerkes, wie für alles das, was in euerer Ansprache an mich enthalten ist. In dem für das königliche Haus wiedererlangten Grundeigenthum ist demselben nicht nur sein altes Recht und der Boden wieder geworden, auf welchem seine Macht von alters her beruhte, sondern es ist auch die Basis wiedergewonnen, auf der ein so schönes Band zwischen dem Herrschergeschlechte und den Grundeigentümern im Lande stets geschlungen war, und von dem der heutige Tag von neuem Zeugniß gibt. In meinem Herzen wird die Erinnerung daran nie erlöschen, und ich werde ihn zum ewigen Andenken in die Chronik meines Hauses eintragen lassen. Dankbar blicke ich zu Gott, daß der biedere Bauernstand in den hannoverischen Landen seit Hunderten von Jahren im Glück und im Unglück mit stets ungeschwächter Treue seinem alten Herrscherhause innig angehangen hat; wie denn auch ihr auf diesem Landtage mit euern gleichgesinnten Standesgenossen thätig zur Wiederherstellung der geordneten Zustände mitgewirkt habt. Und wie meine Vorfahren stets dahin gestrebt, einen tüchtigen Bauernstand zu erhalten und seine Verhältnisse zu heben, daß er, wie jetzt, segensvoll blüht und in allen Landen gepriesen wird: so werde auch ich mit Gottes gnädigster Hülfe rastlos beflissen sein, durch weitere Entfaltung euere Verhältnisse zu fördern; – so wie ich denn gewillt bin, schon in nächster Zukunft Gesetze zu erlassen, wodurch die so nothwendige Zusammenhaltung der Höfe für kommende Zeiten gesichert wird. Tief erkenntlich bin ich euch für die liebevollen Gesinnungen, die ihr für meine theuere Königin und meine geliebten Kinder empfindet und ausgesprochen habt. Ihr könnt versichert sein, daß die Grundsätze und Ansichten, die ich für euer Wohl hege, auf meinen theuern Sohn übergehen, und, so Gott will, von Geschlecht zu Geschlecht auf alle welfischen Thronfolger bis zu dem Ende aller Dinge forterben werden.«

So war König Georg wieder der erste Grundbesitzer und heute war es das erste mal, daß er den erhabenen Gedanken äußerte, daß der Welfenthron bis an das Ende aller Dinge in seinem Geschlecht forterben werde.

 

Wer dem Kriegsrath Elster am 19. Juni 1859 auf seinem Gange von Herrenhausen begegnete – und der schöne Sommertag lockte viele Menschen zum Georgengarten – der sah ihm an, daß ihm etwas ganz außerordentlich Erfreuliches zugestoßen sein mußte, denn das sonst sorgenvolle in Falten gelegte Gesicht strahlte heute voll Zufriedenheit, und ein selbstzufriedenes Lächeln umschwebte die schmalen Lippen. Es war auch nichts Geringes, was er zu Stande gebracht hatte, ein Werk, das dem Kriegsminister nicht hatte glücken wollen, er hatte jetzt, da die Kaiser Frieden geschlossen hatten, Georg V. überzeugen müssen, daß es absolut nothwendig sei, von den Ständen, die im März schon 1 Million Thaler behufs Kriegsrüstungen bewilligt hatten, nochmals 1,350000 Thaler zu fordern.

»Aber wie haben wir den Krieg zu befürchten, da die Kaiser in Villafranca sich selbst die Hand zum Frieden gereicht haben und Oesterreich die Lombardei bis zum Mincio abgetreten hat?« sagte der König. »Ich stimme zwar dem Kaiser von Oesterreich bei, daß die Schmach dieses Friedens auf den Deutschen Bund fällt, da er, der natürliche Bundesgenosse Oesterreichs, ihn im Stich gelassen. Allein ich weiß mich schuldlos, habe ich doch selbst die Reise nach Berlin gemacht, um ein anderes Resultat zu erzielen. Für den Augenblick sehe ich keine Kriegsgefahr, und ich glaube, wir könnten zu entwaffnen anfangen und die aufgekauften Pferde wieder verkaufen.«

So hatte der König die Forderung des Kriegsministers zurückgewiesen, denn neue Schlösser bauen und Krieg fürchten, das schien ihm sich nicht zu reimen. Nun aber ging der Kriegsrath daran, dem Könige die Notwendigkeit der Rüstung von einem andern Gesichtspunkte klar zu machen. »Nicht Frankreich ist es«, hatte er vorgetragen, »das wir zu fürchten haben, es ist der Ehrgeiz des Prinz-Regenten. Das Ministerium der neuen Aera liebäugelt mit den Liberalen und den gothaischen Kaisermachern. In der Hofburg ist man gut unterrichtet, und der Friede ist weniger Folge der Schlappe, die Oesterreich bei Solferino erlitten, als ein Vorgehen gegen Preußen, dessen Sprache mit jedem Tage prätentiöser wird. Oesterreich gibt die Position in der Lombardei auf, um seine Position in Deutschland zu behaupten, um Preußen im Zustande von Olmütz zu fesseln. Oesterreich hat schon durch sein Manifest gesprochen, es wird seine Position in der Eschenheimer Gasse erst wieder behaupten können, wenn es seine Bundesgenossen in Deutschland stark weiß und bereit, ihm beizustehen.«

Das war zu dem Herzen des Königs gesprochen, er hatte seine Einwilligung zu dem Schreiben des Gesammtministeriums an die allgemeinen Stände vom 19. Juli gegeben, welches neue 1½ Millionen forderte.

Elster hatte im Sommer eine Tochter auszustatten, die sich verheirathen wollte, von zwei Söhnen war der eine auf der Universität und verbrauchte sehr viel Geld, der andere, ein Husarenlieutenant, verbrauchte noch mehr. Dazu hatte ihm der Schloßhauptmann von H. einige tausend Thaler im Pharao abgewonnen auf Ehrenwort. Zwar hatten die Abfälle von der Märzmillion diese Spielschuld gedeckt, aber er wußte noch nicht, womit er neben den laufenden Bedürfnissen, zu welchen das Gehalt noch nie hingereicht hatte, die bevorstehenden Ausgaben decken sollte. Jetzt hatte der liebe Gott sich ins Mittel gelegt und geholfen. Ein außerordentlicher Credit für die Kriegskasse, um Kriegsgefahr abzuwenden oder ihr entgegenzutreten, war immer etwas, das dieser und anderer Leute Kasse emporhelfen konnte, da daraus Bedürfnisse der hohen und höchsten Personen gedeckt zu werden pflegten, für die man sonst im Budget ein Unterkommen nicht fand. Das war einmal Gebrauch, und dabei fiel für die Rechenmeister etwas ab, wenn auch der das Kriegsdepartement in den Kammern vertretende Generalsecretär, der Kriegsgott genannt, davon nichts merken durfte.

Für den Kriegsrath erwuchsen übrigens außer directen Vortheilen die Hauptbezüge aus Geschenken der Lieferanten.

Der kluge Mann berechnete: 500000 Thaler für Anschaffung von Montirung und Material – die wollenen Decken sollte Commerzienrath Ameyer liefern; er hatte sich beständig als coulant erwiesen; die Tuchlieferung erhielt Commerziencommissar Bemeyer u. s. w. Da mußten wenigstens 10 Procent abfallen. Pferde waren zwar schon angekauft, aber 700000 Thaler war ein hübsches Geld. Beim Wiederverkauf mußte etwas zu verdienen sein, vorläufig aber bei dem Verleihen an Gutsbesitzer und Domänenpächter.

Die Küstenvertheidigung, nun das war ein Popanz, der jedesmal vorgeschoben wurde, um der Bevölkerung bange zu machen. Seitdem die Dänen die Elb-, Weser-, Emsmündungen im Jahre 1848 und 1849 blokirt hatten, und die Demokraten so großes Geschrei erhoben, was war da geschehen? Man hatte das bischen deutsche Flotte unter den Hammer gekriegt und kein Huhn noch Hahn hatte gekräht, oder doch nur gekräht.

Während der Kriegsrath so zusammenrechnete, hatte König Georg sein Mittagsmahl eingenommen und ließ sich dann von seinem Generaladjutanten Victor Justus Haus von Finkenstein durch einige Alleen des steifen herrenhauser Gartens führen, bis zu einer Fontaine, in deren Kühlung er seinen Kaffee zu nehmen pflegte.

Hier in einem reservirten Theile des Gartens, den Publicus nicht betreten durfte, wartete der Majestät schon der zu seinem persönlichen Dienst berufene Geheime Cabinetsrath Dr. Lex, die Augen des Blinden, sein Vorleser, in kühler gegen die Sonne geschützter Laube, da der König dem Spiel des Springbrunnens so gern »zusah«, wie er sagte.

Lex war ein kleiner blasser Mann, der in frühern Zeiten das Privatdocententhum in Göttingen aufgegeben hatte, nachdem die Studenten sich erlaubt, in seiner Vorlesung einen Kampf zwischen zwei Boxerhunden zu provociren, die sich nicht scheuten, das Katheder zu ihrem Kampfplatze zu wählen und den zitternden Docenten zu nöthigen, auf demselben Schutz zu suchen. Er hatte dann als Subredacteur die »Hannoversche Zeitung« redigiren helfen, sich loyal und brauchbar bezeigt, und war zum Lector, jetzt zum Geheimen Cabinetsrathe emporgestiegen.

Dieser kleine schmächtige Mann, dessen Kinn in eine weiße Kravatte verhüllt war, galt nicht nur für die wichtigste Person am Hofe, sondern war es. Denn wenn Fräulein Baumeister, der Hofschauspielerin, oder später der Hofopernsängerin Ubrich die Gnade zutheil wurde, Sr. Majestät im vertraulichen Zuzweisein Gedichte, ältere oder neuere dramatische Erzeugnisse, vorlesen zu dürfen, so erbrach Dr. Lex nicht nur alle Immediateingaben an den König, alle Briefe der Minister an ihn, sondern er mußte ihm täglich aus den Zeitungen Bericht erstatten und daraus vorlesen. Das geschah regelmäßig ohne Beisein eines Dritten. Was konnte der Mann da lesen, wenn er verschlagener und mehr Diplomat und Hofmann gewesen, als er war! Leute, die den kleinen, blassen, immer ängstlich aussehenden Mann genau kennen wollten, behaupteten, er habe nie ein anderes Wort gelesen, als er gedruckt oder geschrieben fand, wohl habe er aber alles nicht gelesen, was dem Könige unangenehm sein konnte, natürlich sofern es etwas war, das sich überall verheimlichen ließ, sowie alles, was Anstoß in der Form und den Worten gab. In solchem Falle pflegte Lex das Referat vorzuziehen.

Als Georg und sein Begleiter dem kühlen Plätzchen sich nahten, stand der Geheime Cabinetsrath ehrerbietigst von seinem Sitze auf und machte eine tiefe Verbeugung. Der König, der ganz genau den Platz kannte, wo Lex zu sitzen pflegte, sagte: »Bedecken Sie sich, mein Lieber, und theilen Sie uns mit, was es Neues gibt; Sie, Finkenstein, hören wol mit an, was die Mittagszeitungen gebracht haben.«

Der Lector setzte sich zögernd und sagte: »Es ist leider wenig Gutes, was ich heute mitzutheilen habe.«

»Nichts Gutes?« fragte Georg gespannt, »ich hatte geglaubt, nach dem Friedensschlusse würde uns nur Gutes kommen können, da der Habsburger die Macht und Freiheit erlangt hat, den ehrgeizigen Planen des Vetters › suum cuique‹ entgegenzutreten und uns vor Raub zu schützen?«

»Wenn hinter dem, was ich zu berichten habe«, sagte Lex, »nur nicht Graf von Schwerin-Putzar und andere seiner Genossen stecken.«

»Lesen Sie, lesen Sie!« unterbrach ihn der König ungeduldig, beinahe barsch, und jener begann: »Eisenach, den 17. Juli. Heute hatten sich hier deutsche Patrioten aus allen Theilen Deutschlands mit Ausschluß Oesterreichs und sehr geringer Betheiligung aus Preußen, zusammengefunden, Männer guten Rufs im Vaterlande, meistens Mitglieder verschiedener Landesvertretungen oder anerkannte Führer der demokratischen Partei aus den sächsischen und thüringischen Fürstenthümern, aus Franken, Würtemberg, Baiern, Kurhessen, Sachsen, Hannover und den Freien Städten, um die unglückliche Lage Deutschlands mit Klarheit ins Auge zu fassen und zu erwägen, wie das Vaterland den Gefahren, die es von den beiden großen Militärstaaten im Osten und Westen bedrohen, bei seiner völligen Zerrissenheit entgehen kann. Die Versammelten waren einstimmig der Ansicht, daß diesem Unheile nur durch möglichst rasche Einführung einer einheitlichen und freien Bundesverfassung unter preußischer Spitze zu steuern möglich sei. Die deutschen Bundesregierungen werden freilich von ihrer Scheinsouveränetät –«

»Halten Sie ein«, befahl der König, »wir kennen jedes weitere Wort, was folgt, das ist Geplärr aus der Paulskirche, das sind die alten Phrasen der gothaischen Mediatisationspartei. Wir sollen dem Herrn Vetter, der unsere angestammten welfischen Lande mit derselben Raublust in sein Herz geschlossen als sein Großvater und Vater und der sogenannte Große, der uns Ostfriesland raubte, unsere Eisenbahnen, Telegraphen-Posten, und unsere Truppen zur Verfügung stellen, damit er unsere einzige Stütze, Oesterreich, aus Deutschland und dem Bunde hinaustreibe.

»Die Herren Preußen irren sich; ich kenne mein angestammtes Volk besser. Niemand von meinen treuen Hannoveranern verspürt auch nur die geringste Lust, zu Gunsten Preußens und der Demokratie die angestammten Einrichtungen aufzugeben.

»Noch ist niemand erstanden, der die Formel erfunden hat, die durch tausendjährige Einzelentwickelung entstandene Particularisation der Stämme gewaltsam zu beseitigen. Der Stamm der Hannoveraner wird das nimmer dulden. Ich, ein Vasall der Zollern, die Waldhüter von Sanct-Sebaldus und Vögte der Nürnberger waren, während meine ruhmreichen Vorfahren, Herzoge von Baiern und Sachsen, ihre Macht von jenseit der Alpen bis zur Nordsee ausdehnten?!

»Aber ich bin neugierig, welche meiner Unterthanen sich etwa verirren konnten, an der eisenacher Versammlung theilzunehmen, lesen Sie die Namen.«

Der Cabinetsrath las: Adickes, Landtagsabgeordneter; Albrecht, Obergerichtsanwalt und Mitglied Zweiter Kammer, Rudolf von Bennigsen; Bruno Baumann, Regierungsrath a. D., und noch eine Menge anderer Namen.

Des Königs Stirn verfinsterte sich, er stampfte mit den Füßen auf den Grandboden.

»Das ist aber noch nicht das Schlimmste«, fuhr jener fort, »soeben berichtet der Generalpolizeidirector« – und er nahm ein Schreiben vom Tische und las: »Heute Mittag sind im großen Börsensaale eine größere Anzahl Mitglieder der Zweiten Kammer, sodann Advocaten und Anwälte vom versammelten Anwaltstage und sonstige bekannte demokratische Schreier aus allen Landestheilen zusammengekommen, um ein sogenanntes nationales Programm zu berathen. Herr Rudolf von Bennigsen scheint auch hier wieder der Führer. Ich habe die Versammlung in Person überwacht und werde sie fortwährend heimlich, aber streng überwachen lassen. Noch vor Abend berichte ich persönlich das Nähere.«

»Dieser Agitation muß ein Ende gemacht werden«, sagte der König und hob das Haupt, das er bisjetzt gesenkt hatte, gegen Justus Victor, zog die Augenlider, die sonst beide Augen verdeckten, in die Höhe, sodaß dieser, der, so lange er auch in der Umgebung des Königs gewesen war, noch niemals diese starren, todten Augen gesehen hatte, wenn er poetische Rückerinnerungen gehabt hätte, an den Streckvers in den »Flegeljahren« hätte denken müssen, wo Jean Paul sagt: »Blicke mich nicht an, kaltes, starres, blindes Auge, du bist ein Todter, ja der Tod.«

»Majestät«, erwiderte der Generaladjutant, »ich sinne schon seit zehn Minuten nach, wie man diesen Baumann, denselben, der mir den Arm lahm geschossen, recht exemplarisch strafen könnte.«

»Alle, alle«, sagte Georg heftig, »die mich in Eisenach, die mich hier verrathen! Doch ich höre Schritte.«

Haus von Finkenstein sprang aus der Laube und sah die Allee hinab. »Wermuth kommt«, referirte er dann.

Der Generalpolizeidirector war in großer Uniform, den Stürmer auf dem Haupte. Er war ein älterer Mann, wohlbeleibt mit unschönem Gesicht, das aber große Schlauheit verrieth, wie der große Mund, der breite Unterkiefer und die wulstigen Lippen auf einen kräftigen Magen schließen ließen. Der Mann hatte eine glänzende Carrière gemacht, aus einem Advocaten in dem kleinen Hameln war er Chef der gesammten Polizei, ein allmächtiger Mann, der Vertraute des Königs geworden, dem er jeden Tag die im Lande wie in der Residenz vorgefallenen Polizei- und Skandalgeschichten berichten mußte.

Der Generalpolizeidirector entblößte das Haupt und bückte sich tief vor dem Könige, in dieser Stellung während seines Referats verharrend, obgleich er wußte, daß der König diese Zeichen der Ehrerbietung nicht wahrnehmen konnte.

»Majestät«, sagte er, »das Unerhörteste geschieht in Ihrer Residenz, gleichsam unter Ihren Augen. Leute, die Ew. königliche Majestät den Huldigungseid geschworen, Landesvertreter, Anwälte, Advocaten, pensionirte königliche Diener, Bürgermeister, Landräthe, Senatoren sprachen in öffentlicher Versammlung ungescheut davon, den Deutschen Bundestag durch eine feste, starke, bleibende Centralregierung mit preußischer Spitze zu ersetzen. Demokraten und Constitutionelle wollen sich zu Ehren der nationalen Unabhängigkeit und Einheit verschmelzen. Alles soll darauf hinarbeiten, daß Preußen in diesem Sinne die Initiative ergreife. In ganz Deutschland soll es als erste Pflicht jedes Deutschen gepredigt werden, die preußische Regierung, das Ministerium der neuen Aera, zu unterstützen, wenn dieses in den Lockapfel, den ihm die Gothaer hinwerfen, einbeißt.«

Der König sagte, auf einen eisernen Gartenstuhl deutend: »Setzen Sie sich, mein lieber Generalpolizeidirector. Sie haben einen sauern Tag gehabt.«

»Allergnädigste Majestät«, sagte der kleine Mann mit der weißen Halsbinde, »ist es mir erlaubt, meine Meinung zu äußern?« und als der König nickte, fuhr er fort: »Ich fürchte, daß dahinter mehr steckt. Erinnern sich Ew. Majestät der Moniteurnote vor dem Kriege, welche das Recht Preußens auf Hegemonie und Annexion der nordwestlich der Elbe gelegenen Länder ziemlich unverhohlen aussprach? Damit scheint mir diene Gortschakow'sche, welche dem Deutschen Bunde Neutralität anbefahl, daneben aber auf den Prinz-Regenten als den ritterlichen Hort der deutschen Nation, d. h. als deutschen Kaiser, hinwies, in Verbindung zu stehen.

»Es scheint mir nicht zufällig zu geschehen, daß gerade in diesen Tagen unser würdiger Freund hier« – er wies auf Wermuth – »bei verschiedenen Buch- und Kunsthändlern Karten von Europa, mit der Jahreszahl des nächsten Jahres, confiscirte, nach welchen Preußen die Rheinprovinz an Frankreich abgetreten, dagegen alles Land zwischen Main und Rhein und Nordsee sich annectirt hat, und in der man den Frevel begangen hat, den durchlauchtigsten Thron unsers angestammten Fürsten nach Konstantinopel zu versetzen? Das alles und die vorgestrige Versammlung in Eisenach, die heutige in Hannover, scheint mir nicht ohne Zusammenhang, und ich glaube, daß Ew. Majestät Grund haben, vor dem Räuberstaate, wie Sie treffend zu sagen pflegen, auf der Hut zu sein.«

Georg V. lachte höhnisch auf und erwiderte: »So weit sind wir noch nicht, mein lieber Geheimer Cabinetsrath, das Welfenhaus steht fester begründet als Felsen, und sein Ruhm reicht stolzer empor als die Eichenkronen der Wälder. Gott, zu dem ich täglich bete, hat mir im Traume zugesagt, daß das Welfenhaus und das Land Hannover ineinander fest verwoben bleiben bis zum Ende aller Dinge.«

Nach einer kurzen Pause fuhr der König fort: »Können wir diese Nationalrebellen gerichtlich abstrafen lassen, oder wie treffen wir sie sonst?«

»Majestät werden sich überzeugen«, nahm Wermuth das Wort, »daß in unserm Strafrecht ein Artikel noch fehlt, der die Gelüste, einen deutschen Kaiser zu machen, mit der verdienten Zuchthausstrafe bedroht. Außerdem sind ja leider gothaische Gedanken bis in das höchste Tribunal hinein verbreitet. Man hat die deutschen Fürsten in dem Unglücksjahre 1848 zu oft mit den Worten deutscher Einheit, Centralgewalt u. s. w. spielen lassen. Wie können die Schuldigen nur indirect treffen.«

»Hat denn aber niemand in der Versammlung die Rechte der tausendjährigen Welfendynastie vertheidigt?«

»Allerdings machte der Oberbürgermeister Barkhausen aus Lüneburg einen schwachen Versuch, und einmal schien es sogar, als ob der Landrath Neubourg aus Stade ihm secundiren wollte. Ersterer warnte davor, Preußen auch nur einen kleinen Finger zu reichen, weil dieses gleich die ganze Hand ergreife. Die preußischen Geheimräthe seien die unerbittlichsten Uniformisten, die nur nach preußischer Schablone arbeiten könnten. Er glaube, daß den deutschen Fürsten ein viel größeres Stück Souveränetät gelassen werden könne, als Bennigsen, Miquèl, Baumann und andere es im Interesse der Centralisation für geboten hielten. Der Advocat Weber aus Stade wollte die Kleinstaaterei gänzlich aus der Luft haben; ihm genügte nur ein preußischer Einheitsstaat. Die Mehrzahl war der Ansicht, daß das, was man fordere, zu unbedeutend sei, um mit einer Mediatisirung verglichen werden zu können. Im ganzen hielten sich die Redner (ich vernahm alles genau, denn ich hatte ein gutes Versteck in der Musikantenloge) in den parlamentarischen Grenzen. Jetzt tafeln und toasten sie, und da sie unter sich zu sein glauben, wird es offener hergehen, denn die Oeffentlichkeit zieht von selbst Schranken. Ich habe Duve und einem Stenographen meinen Platz überlassen und werde Ew. Majestät morgen des nähern berichten können.«

»Damit ist mir nur nicht viel geholfen, lieber Wermuth«, sagte Georg; »es fragt sich, wie strafen wir den Frevel und wie hindern wir, daß er weiter um sich greife?«

»Majestät, ich habe an Mittel gedacht. Mein allergnädigster und huldreichster König wird sich erinnern, daß vor einigen Jahren in Dresden ein Schwarzes Buch eingerichtet wurde, das der Polizei aller deutschen Länder gute Dienste geleistet, indem es alle politischen Agitatoren, alle Wühler gegen das monarchische Princip, die literarischen Demokraten und Versemacher, die Gazettisten und Redehelden der Landtage zur gemeinsamen Kenntniß der Regierungen brachte. Die Versammlung des heutigen Tages gibt die beste Gelegenheit, ein Schwarzes hannoverisches Buch zu gründen, denn man will den Kern der heutigen Reden in einer Ansprache als Brandbrief in das Land schleudern und alle Gleichgesinnten auffordern, sich offen zu dem neuen Programm zu bekennen. Da haben wir das Schwarze Buch von selbst.«

»Nicht Schwarzes Buch«, unterbrach der König, »ein Welfe darf nie einem Wettiner etwas nachmachen, Grünes Buch soll es heißen.«

»Wohl Majestät«, erwiderte der Polizeimann unterthänigst; »ich wollte auch vorschlagen, viel weiter zu gehen, als man in Sachsen gegangen ist. Alle in das Grüne Buch eingetragenen Namen müssen als verfemt angesehen werden. Der Staat muß ihnen alles entziehen, was er kann. Da sind die Masse der Advocaten, welche den Nationalrebellen angehören und sie leiten. Den Gerichten muß befohlen werden, keinem von ihnen Curatelen oder sonst einträgliche Beschäftigungen, über welche die Gerichte zu verfügen haben, zu übertragen, wie es sich von selbst versteht, daß sie in Processen des Fiscus niemals als Anwälte und Procuratoren bestellt werden, daß man ihnen kein Notariat verleiht und keine Beförderung vom Advocaten zum Anwalte zukommen läßt. Majestät werden erleben, wie bald der eine und andere kommt und ausruft: pater peccavi. Da sind auch Zeitungsredacteure, Verleger, Drucker, deren Namen schon heute im Grünen Buche stehen; keinem derselben darf von Behörden und Gerichten fortan ein Inserat zugewendet werden, man muß die gutgesinnten Blätter und Zeitungen unterstützen, namentlich die der gutgesinnten Provinzialpresse. Da ist ferner der Gutsbesitzer Adickes, er treibt Holzhandel, und ich hörte neulich abends zu meinem großen Erstaunen vom Generaldirector Hartmann, daß die Eisenbahndirection mit ihm Geschäfte für mehr als hunderttausend Thaler abschließt. Was schadet es, wenn sie bei andern einige tausend Thaler theuerer kauft? Da sind Maurermeister und Zimmerleute, Dachdecker und sonstige Arbeiter, die herrschaftliche Arbeiten in Verding haben, heute in der Rebellenversammlung anwesend gewesen, Krämer, Kaufleute, Fabrikanten, von denen vielleicht der Hof selbst kauft! Sie alle sollen und müssen fühlen, was es heißt, das tausendjährige Herrscherhaus der Welfen den Zollern als Vasallen unterordnen zu wollen.«

»Schon gut, schon gut«, sagte der König, »das alles ist in den Händen meines Ministers des Innern und in Ihren Händen wohl aufgehoben. Wie aber treffe ich die Anstifter, diesen Bennigsen, Baumann und andere?«

Ehe Wermuth antworten konnte, meldete ein reich in Goldstickerei und Roth gekleideter Kammerhusar: »Se. Hochwürden, der Consistorialrath Taubenschlange, wünscht unterthänigst Aufwartung zu machen.«

Dieser, ein langer, dürrer Mann, im Talar und Baret, redete den König höchst salbungsvoll an: »Sei durch mich von Gott begrüßt, König Israels! Der Herr erleuchte dich fernerweit mit seiner Gnade, und dein hohes Herrscherhaus mit seinem Segen!

»Königliche Majestät«, fuhr er dann mehr im Geschäftstone fort, »unsere Mutter, die Kirche, hat mich beauftragt, Ew. Majestät den Dank zu überbringen für die Gnade und Huld, mit der Allerhöchstdieselben den untertänigsten Vorschlag des Consistoriums, dem fleißigen Arbeiter an dem neuen Katechismus, Pastor L., die Superintendentur in X. zu verleihen, genehmigt haben, Dank zu sagen und Treue zu geloben für die Huld und Gnade, mit der Ew. königliche Majestät jede redliche Arbeit für das Kommen des Reiches Gottes schützen und fördern.

»Aber ich muß zugleich Ew. königliche Majestät um eine neue Gnade unterthänigst anflehen. Es ist uns allen bekannt, wie hochgeneigt Majestät sind, alles Schädliche von der Kirche, der durch Unglauben so schwer bedrängten, abzuwehren. Uns wird die Nachricht, daß die Bürger der aufgewühlten, beständig ungläubigen und unruhigen Stadt Osnabrück auf Ew. königliche Majestät eine Pression auszuüben beabsichtigen. Eine zahlreiche Deputation von Agitatoren ist von dort abgereist, um Ew. Majestät eine Petition zu überreichen, wegen Bestätigung des als Prediger erwählten Pastors S., dem das Consistorium zu Osnabrück mit vollem Rechte als Ungläubigem und Nichtchristen die Bestätigung versagte. Das Consistorium vereint seine Bitten mit dem Consistorio zu Osnabrück, daß Ew. königliche Majestät die Deputation zurückweisen möge.«

Der Consistorialrath würde eines weitern und breitern gesprochen haben, wenn der König seine Rede nicht abgeschnitten hätte, indem er sagte: »Es ist mir eine innige Freude gewesen, unserm wackern L., der so fleißig arbeitet an der Wiederherstellung des alten Glaubens an Christi Blut, durch Bestätigung seiner Wahl zu zeigen, daß wir Verdienste zu ehren wissen. Was den Unchristen S. anlangt, so braucht sich die Kirche keine Sorge zu machen. Ich werde meinem Hofmarschall Befehl ertheilen, diese osnabrücker Deputation nicht vorzulassen. Wir wissen zu gut, welche Stütze eine gläubige Kirche für den Thron ist. Wie mein Vater werden ich, meine Enkel und Urenkel des Herrn und der Kirche Diener bleiben bis zum Ende aller Dinge.«

Der Consistorialrath wollte etwas antworten, aber Georg, als sähe er dies, erhob sich und sagte: »Ich sehe, daß die Sonne Abschied nehmen will, es wird kühl, und es ist Zeit, ins Haus zu gehen.« Dem war freilich nicht so, die Sonne stand noch hoch am Himmel, aber die Bäume des Parks, namentlich die von dem großen Springbrunnen her, warfen ihre längern Schatten in die Seitenallee, in welcher der König saß.

Der Generalpolizeidirector und der Consistorialrath machten ihre Abschiedsreverenzen, letzterer telegraphirte nach Osnabrück, ersterer gab seinen Unterbeamten Anweisung, ein Grünes Buch anzufertigen.

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