Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Heinrich Oppermann >

Hundert Jahre

Heinrich Oppermann: Hundert Jahre - Kapitel 78
Quellenangabe
typefiction
booktitleHundert Jahre
authorHeinrich Albert Oppermann
year1998
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-257-7
titleHundert Jahre
created20031005
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1870
Schließen

Navigation:

Zweites Kapitel.
Geld und Laune.

Es ist eine Annehmlichkeit großer Städte, daß man inmitten des rauschenden Lärms, den jede Stunde bringt, unbeachtet, von keiner Neugier und Zudringlichkeit behelligt, für sich sein kann. Man schaut das Drängen und Jagen an wie das schäumende Spiel der Wogen vom festen Standorte am Gestade. Aber man muß Dichter oder Philosoph sein, wenn man in Tagen, wo Gesellschaft und Staat, Besitz und Gesetz in ihren Fugen erschüttert werden, seine Seelenruhe bewahren will.

Unsere Freundinnen fanden sich nicht in solcher Fassung. Wahrlich, das war keine Zeit, um in den Lehren der christlichen Religion nach den Deutungen von Schleiermacher's Gefühlsglauben unterrichtet zu werden, die politischen Ereignisse überwogen jedes andere Interesse, nur das Eva's für ihren Barrikadenhelden nicht. Sie hatte am Tage nach jenem Ereignisse alle Zeitungen und Flugblätter kaufen lassen, welche durch die fliegenden Buchhändler feilgeboten wurden, und glücklich herausgefunden, daß ihr gegenwärtiges Ideal der Maler, Novellist und lyrische Dichter Zur Linde sei. Umgekehrt hatte die Durchfuhr der Hirschstein'schen Equipage natürlich Aufsehen erregt; einer der Berichterstatter in einem Flugblatte wollte sogar genau bemerkt haben, daß die Tochter des Millionärs mit außergewöhnlicher Aufmerksamkeit die Männer auf der Freitreppe des Schauspielhauses beobachtet hatte. Zur Linde, der Novellist, hatte die Dame, der er im März über den Straßenwall geholfen, nicht vergessen. Als er das Flugblatt las, sagte ihm ein inneres Gefühl des eigenen Selbstwerthes, daß seine Person es gewesen sei, welche die Aufmerksamkeit der Insassin des Wagens auf sich gezogen habe, und seine combinirende Dichterphantasie brachte die Barrikadenüberschreiterin und die Dame im Wagen in Zusammenhang.

Infolge dessen strengte er sein Portemonnaie an, sich ein Paar Glacéhandschuhe zu kaufen, bürstete seinen fadenscheinigen Rock nach, ordnete den Calabreser, gab den Locken mit Kamm und Bürste einen kühnen Schwung und begann zwischen der Schadowstraße und dem Palais des Königs von Hannover zu promeniren.

Schöne Seelen begegnen sich; Eva saß vor dem Fenster im großen Salon, eine Stickerei zu Weihnachten für den Vater in den Händen, aber sie arbeitete nicht, sie sah sich die auf der Straße Wandelnden durch das Spiegelglas vor dem Fenster an. Als der Dichter zum zweiten male die Straße passirte, öffnete sie das Fenster und ließ einen Veilchenstrauß fallen, den der Kunstgärtner am Morgen beim Wechseln der Blumen auf der Flur, in den Zimmern und in der Veranda ihr als das Neueste vom Jahre verehrt hatte. Der erröthende Jüngling blickte in die Höhe, drückte den Strauß an seine Lippen und barg ihn dann am Herzen, er fühlte sich über alle Beschreibung glücklich, die Tochter des Millionärs liebte ihn.

Diese erhielt fortan täglich ein Sonett, das ihre Schönheit besang, sie mit allen Göttinnen, mit den Grazien und was sonst verglich. Während die Mutter sich frisiren ließ und Toilette machte, Tante Bettina und Sidonie sich in den Fremdenzimmern, eine Etage höher, beschäftigten, erwartete Eva im Visitensalon die Fensterparade des Malers, warf ihm auch wol ein Kußhändchen zu, wenn sie sich unbemerkt von der Straße aus glaubte. So stieg das Liebesfeuer des Jünglings von Tag zu Tag, er drang auf ein Rendezvous und erhielt endlich ein solches bei dem Floraplatze des Thiergartens zugesagt. Es war im Anfang December ebenso ruhig in Berlin als vier Wochen vorher unruhig, die Constituirende Versammlung sollte am 1. December im brandenburger Dome zusammentreten, und selbst die Linke wie die Partei von Unruh und von Rodbertus war nach Brandenburg abgereist. Außer am Morgen, Mittag und Abend, wenn die Arbeiter an ihr Tagewerk gingen, sah man in den Straßen wenige Menschen außer Soldaten. Obgleich die Läden der Leipziger und Friedrichsstraße schon anfingen sich für das herannahende Weihnachtsfest zu schmücken, blieb niemand vor den Läden stehen. Die Straßendemokratie war verschwunden, selten sah man noch einen fliegenden Buchhändler mit der neuesten Nachricht von Brandenburg und dem Gerüchte, König Friedrich Wilhelm IV. wolle zu Gunsten des Prinzen Wilhelm die Krone niederlegen oder dergleichen.

Es war kein Wetter, im Thiergarten zu promeniren, die Alleen waren aufgeweicht, die Fußwege unpassirbar. Als Baron Hirschstein sich eines Mittags nach der Börse fahren ließ, schlich sein Töchterlein bald hinterher in Pelze gehüllt und dicht verschleiert nach dem Pariser Platze zu, rief eine Droschke an und befahl, nach dem Goldfischteiche zu fahren. Hier stieg sie aus und gebot dem Droschkenkutscher zu warten.

Um das Rondel des Floraplatzes war schon seit einer halben Stunde ein Herr gegangen, in dem wir den Maler mit der schwarz-roth-goldenen Fahne nicht erkannt haben würden. Zur Linde hatte sich von seinem Schneider auf Grund einer in naher Aussicht stehenden reichen Heirath von Kopf bis zu Fuß neu kleiden lassen und war in einen Pelz gehüllt; der Calabreser hatte einem Cylinder weichen müssen, erwartungsvoll umkreiste er den Floraplatz, als gelte es, die neuen Gummiüberschuhe auszutreten. Der Wald war kahl, man konnte bis zur Bellevuestraße die Floraallee hinuntersehen, wie nach der andern Seite bis zum Hauptwege nach Charlottenburg. In dieser wie in der andern Allee war kein Mensch, kein Wagen zu erblicken, es war lautlos still, nur dann und wann hörte man, daß ein Omnibus nach Charlottenburg fuhr oder von dort kam; endlich trat die Ersehnte von Osten her in das Rondel und sank in die Arme des Geliebten. Ob Liebesbetheuerungen, Schwüre ewiger Treue und was sonst bei solchen Scenen vorzukommen pflegt, gewechselt wurden, darüber können wir nichts berichten. Das Paar umschritt zwei oder dreimal die Rundung, dann trennte es sich, Eva eilte zu ihrer Droschke, der Maler wartete im Hauptwege einen Omnibus ab. Es war der Winter nicht angethan zu Rendezvous im Freien, man verabredete einen Tag, wo man sich morgens bei Giovanoli in der Conditorei treffen wolle und dort Gelegenheit fände, vielleicht einige Minuten ungestört zu plaudern und weitere Verabredungen zu treffen.

Der Maler hatte als Novellist sich die Entwickelung seines Romans ganz einfach zurechtgelegt: Entführung, Zorn des Vaters, Thränen und Sehnsucht der Mutter, Heirath in Paris oder London, Versöhnung, der Schwiegersohn bezieht mit der Gattin die zweite Etage des Hauses unter den Linden, die Fremdenzimmer werden eine Treppe höher hinangelegt, man lebt herrlich und in Freuden und ist bemüht, ein berühmter Maler zu werden. Die Straßendemokratie kannte Zur Linde schon heute, da er den Cylinder auf hatte, nicht mehr; das waren überwundene Zustände, die mit Flor umhüllte schwarz-roth-goldene Fahne stand in der Schlafkammer hinter seinem Bette.

Der Bräutigam Eva's, der Graf Bruckheim, lag während des Octobers und bis Wrangel in Berlin einrückte, in Potsdam im Quartier, er ließ sich von dort aus die Woche ein- oder zweimal in dem Hause unter den Linden sehen, da er strengen Dienst hatte, und seine Braut ihm, wenn er ihr seine Aufmerksamkeit widmete, kalt, launisch, zuweilen geradezu unartig begegnete. Graf Bruckheim ignorirte das, er sah in Eva ein Kind, das dereinst als seine Frau schon an Gehorsam gewöhnt werden sollte, er unterhielt sich mit dem Schwiegerpapa, der mit ihm ein Feind der Herrschsucht der Constituirenden Versammlung war und deren Auflösung je eher je lieber hoffte, oder er wendete seine Aufmerksamkeit der Frau Bettina zu, die, ich weiß nicht durch welche kosmetischen Mittel oder welche Nachhülfe der Toilette, sich verjüngt hatte und in alter Schönheit strahlte.

Als Wrangel in Berlin eingerückt war, kam der Graf häufiger, er führte die Damen in die Oper, in das Schauspielhaus, in Concerte und Matinées, immer mehr um Frau Bettina als um die Braut oder die Schwiegermutter bekümmert; Bettina ließ ihr ganzes Wissen und Können vor dem Grafen glänzen, sie war in seinen Augen die gebildetste Dame, die er bisjetzt kennen gelernt hatte.

So nahte die Weihnachtszeit; die Correspondenz Sidoniens und Bruno's hatte unterdessen längst Mäßigung erfahren, dieser schrieb die Woche höchstens einmal, jene zweimal, auch der Ton der beiderseitigen Briefe war nicht mehr der alte überschwengliche, voll von glutathmenden Liebes- und Treueversicherungen. War es allein die prosaisch-politische Zeit, wo jeder Tag seine neuen Sorgen und Kämpfe brachte, jeder Kampf in der Paulskirche zu neuer Erbitterung führte, welche die Tändeleien der beiden Liebenden mäßigte, oder war die Liebe wirklich schon im Erkalten?

Wenn die Briefe Paulinens an Sidonie Wahrheit enthalten hätten, so wäre Bruno's Liebe zu Sidonie allerdings erstorben gewesen oder im schnellen Erlöschen begriffen; aber Pauline gönnte der Stiefschwester den einst Geliebten nicht und war außerdem nicht gut auf denselben zu sprechen, weil sie sich von ihm vernachlässigt sah. Während Hermann Baumgarten nach Wien verreist war, hatte Bruno auf Einladung eine Soirée des Reichsverwesers in Begleitung seiner beiden Schützlinge besucht; Veronica, die Mutter und Tochter, hatten dort gesungen und die Anwesenden entzückt, sodaß die Zeitungen in den nächsten Tagen sich nach englischer Weise ausführlich mit den ersten Gesellschaftsabenden des Erzherzogs beschäftigten.

Später, als Hermann mit seinem Sohne und der Baronin Heloise Berrò nach Frankfurt zurückgekehrt war, erfolgte eine zweite Einladung, welche letztere einschloß; allein diese war zu stolz, zu dem Balle des Reichsverwesers zu gehen, während ihr Mann als General in der Rebellenarmee kämpfte und ihre Güter von Kroaten geplündert wurden, und so ging der Onkel nebst Gemahlin und Tochter, begleitet von dem Neffen.

Die Presse, selbst die österreichisch gefärbte, hatte keine Einladungen zu diesen Gesellschaften des Reichsverwesers erhalten, und Dr. Behrend war deshalb schon nicht gut auf die einzelnen Eingeladenen zu sprechen, auch glaubte er in Bruno den Correspondenten eines süddeutschen Blattes entdeckt zu haben, der ihn und sein Blatt nicht selten geiselte. Das war freilich nicht der Fall; der Verdacht genügte aber, eine Erkältung hervorzurufen, und da Bruno bei dem Oheim bessere Gesellschaft fand als bei Behrend, so stockte der Umgang.

Bruno's alte Leidenschaft zu der schönen Heloise war freilich nicht wieder erwacht, sie war die Frau eines andern, den sie liebte und verehrte, sodaß sie für alle stillen und lauten Huldigungen, die ihr in Frankfurt dargebracht wurden, keinen Sinn hatte. Allein er konnte nicht umhin, die beiden Frauengestalten miteinander zu vergleichen und bei dieser Vergleichung trat das Bild der Zukünftigen in Schatten.

Die Baronin Berrò, jetzt dreiunddreißig Jahre alt, war eine stolze junonische Schönheit, sie hatte von der Mutter das ernste Wesen und das große schwarze Auge geerbt, von dem Vater die hohe denkende Stirn, des Diadems würdig. Aber wenn der Sonnenschein eines Lächelns über das meist kalte Gesicht zog und zwei liebliche Grübchen auf der vollen Wange hervorrief, dann nahm das Antlitz einen so eigentümlichen Reiz an, daß jeder bezaubert wurde. Alles, was Heloise that, kam aus ihrem innersten Wesen und war in voller Uebereinstimmung mit diesem, immer überlegt, ruhig, gemessen, würdevoll.

Sidonie dagegen war eine Quecksilbernatur – ihre Gestalt war klein, aber voll, ihr Thun und Reden lebhaft und aufschäumend, ihre Gefühlsaufregungen heftig und wechselnd. Das Ueberspringen von Leidenschaft zur Resignation, von dieser wieder zur hingebungsvollsten Liebe, hatte etwas Anziehendes. Sie konnte erregt werden von dem, was sie gerade las, von einem Gedicht, einem Roman. Sie war unendlich leicht bestimmbar, lachte und vergoß Thränen in wenigen Minuten. Sie war Heloisen gegenüber ein unselbständiges Wesen. Wie es kam, daß gerade dieses bewegliche, nie ruhende Wesen, das Bruno so oft entzückt hatte, ihm nicht mehr gefiel, daß er Sidonie ernster, gemessener, ruhiger, Heloisen ähnlicher wünschte?

Die beiden Veronicas, die Mutter wie die Tochter, hatten sich gerade durch das Sprudelnde, Lebendige des jungen Mädchens angezogen gefühlt, vielleicht weil beide ruhige und ernste Charaktere waren, er selbst war indeß auch ein ernster Charakter geworden, er fühlte das täglich mehr, warum zog ihn diese eidechsenartige Seite Sidoniens nicht mehr an wie früher?

Sie erschien ihm im Traume als Luciane in den »Wahlverwandtschaften«, welche in dem mütterlichen Hause alles auf den Kopf stellte. Als sie nach Berlin abgereist war, ergriff ihn die größte Sehnsucht, ihr dahin zu folgen; jetzt, da die Weihnachtstage nahten und die Reise angetreten werden sollte, war diese Sehnsucht gar nicht mehr so lebhaft.

Währenddessen saßen Bettina und ihre Tochter in ihrem Boudoir und schauten auf die kahlen Linden Berlins herab; der Friseur ließ sie heute ungebührlich warten, und heute gerade wollte Graf Bruckheim die Damen ins Museum führen, da der Tag hell und heiter war.

»Ein sehr netter Mann, der Graf«, sagte die Mutter, »ich begreife nicht, was Evchen gegen ihn hat, warum sie ihn so unartig behandelt?«

»Sie ist ein ungezogenes Kind«, erwiderte die Tochter, »sie weiß nicht, was sie will, und will jeden Tag etwas anderes.«

»Ich wollte«, sagte Frau Bettina und seufzte tief auf, »ich brauchte nicht wieder nach Heustedt, ich könnte hier bleiben. Hier merkt man erst, was Leben heißt, hier hat man doch etwas für sein Geld. Ach Sidonie, ich möchte, du könntest eine solche Partie machen, wie die Eva! so einen Grafen zum Schwiegersohne zu haben, das wäre zu himmlisch! Kannst du dir deinen Advocaten nicht aus dem Sinne schlagen? Du könntest hier zehn bessere Partien finden! Wie schön wäre es, wenn du dich hier verheiratest und ich könnte bei dir leben! Hannover ist doch klein und unbedeutend gegen Berlin, und nun gar Heustedt! Ich schaudere, wenn ich an das Nest denke, und weiß nicht, wie ich es aushalten soll, wieder dort zu leben und nichts zu sehen und zu hören als von Woll- und Kornpreisen!«

Die Tochter seufzte auch: »Bruno hat mir gesagt und geschrieben, daß er nicht daran denke, seinen Wohnsitz wieder in Heustedt zu nehmen, er will bei der bevorstehenden Organisation der Gerichte nach Hannover übersiedeln, und dort, liebe Mama, läßt es sich schon leben, wie du mir selbst zu tausend malen gesagt hast. Du wirst bei deiner Tochter immer eine liebevolle Aufnahme finden und ich hoffe, du wirst recht oft und recht lange in Hannover bei uns sein. ›Uns?‹ Ist es aber schon so weit? Ich weiß nicht, seine Briefe kommen mir so nüchtern, so kühl vor. Da fehlt jedes schwärmerische Liebeswort, und mit welchem Gleichmuthe hat er es aufgenommen, daß ich den Religionsunterricht noch nicht begonnen.«

Die Ankunft des Friseurs unterbrach das Gespräch, es kam auch die Kammerzofe der Hausfrau, um bei der Toilette behülflich zu sein. Kaum war diese beendigt, als der Graf sich melden ließ. Eva entschuldigte sich mit Migräne, – sie könne heute nichts ansehen und sich nicht sehen lassen, sagte sie. So fuhr man ohne die Eigenwillige, die sich, sobald auch der Vater das Haus verlassen hatte, zum Conditor schlich, um mit dem Maler Liebesworte und Liebesblicke zu tauschen.

In dem ägyptischen Saale des Museums traf man einen alten Bekannten, den Baron Franz, welcher die juristische mit der diplomatischen Carrière vertauscht hatte und der hannoverischen Gesandtschaft als Attaché beigegeben war. Der junge Mann hatte den Grafen schon bei einem Hoffeste gesehen, so war die Bekanntschaft bald vermittelt. Baron Franz fühlte sich in Berlin vereinsamt, er hatte wenigstens noch kein weibliches Wesen gefunden, das ihn anzog, und ohne »Verhältniß« konnte er nun einmal nicht leben. Er fand Sidonie schöner als vor ein paar Jahren, sie war geistig und körperlich ausgebildeter, und so begann er denn sofort, ihr seine Huldigungen darzubringen.

Die Mutter, die von jeder neuen vornehmen Bekanntschaft entzückt war, lud ihn natürlich zu den Abenden im Hause des Schwagers, und Baron Franz verfehlte nicht sich einzustellen. Sidonie nahm hier die Aufmerksamkeit des jungen Attaché günstiger auf als einst in Heustedt, vielleicht wollte sie nach Mädchenweise ihre Cousine ärgern, vielleicht nur zeigen, daß sie kein Kind mehr sei. Sie ließ die dunkeln Augen freilich nicht so auf ihm haften wie auf Bruno, aber zuweilen streifte doch ein heißer Blick die verliebt auf sie gehefteten Augen des Barons.

Sie war, als sie sich in Bruno verliebte, ein bloßes Kind gewesen; daß sie zu Madame Dudevant lief, war eine Kinderei; daß sie Bruno ihre Tagebuchsblätter gegeben, war auch eine Thorheit gewesen, deren sie sich jetzt schämte. Wäre es wahr, daß jener in die schöne Ungarin verliebt sei, wie Paulinchen schrieb, so hatte sie jetzt Gelegenheit, sich an ihm zu rächen. Sie brauchte den Baron Franz nur noch ein wenig entgegenkommender zu behandeln.

In diesen Betrachtungen erging sie sich, als die Weihnachtstage vor der Thür waren. Ihr Onkel hatte der Mutter offen erklärt, daß er die Partie, Sidonien an einen unbedeutenden Advocaten in einer Provinzialstadt zu verheirathen, für kein Geschäft halte, daß er aber niemals in die Familienangelegenheiten seines Bruders sich mische, und die Mutter, welche sich allnächtlich das Glück ausmalte, das ihrer Tochter an der Seite des Barons Franz erblühen würde mit dem Aufenthalte in Berlin, war so indiscret gewesen, der Tochter jene Aeußerung zu hinterbringen.

Ob der Baron je an eine Heirath mit Sidonie gedacht hatte? Schwerlich, soweit wir ihn kennen. Er hatte eine Schmetterlingsnatur, die von einer Blume zur andern flatterte und naschte, soviel sie konnte. Aber Bettina fand in Berlin ihr Paradies und beschäftigte sich täglich mehr mit dem Gedanken, wie es zu machen sei, daselbst ihren Wohnsitz zu nehmen. Und doch war ihr Berlin ein sehr theueres Paradies. Die Aufmerksamkeiten, die ihr Graf Bruckheim erwies, waren nicht ganz uneigennütziger Natur. Derselbe war durch Jockeyklub, Spiel, Pferde, Champagner in seinen Vermögensverhältnissen ärger zerüttet, als man ahnte. Er wurde namentlich zu der Zeit vor Weihnachten von Wechselgläubigern stark bedrängt. Nun hatte er zwar, als er um Eva's Hand anhielt, dem Vater derselben offenbart, daß er verschuldet sei, doch hielt er es nicht für angemessen, vor der Hochzeit den Schwiegerpapa anzugehen. Dagegen hatte er sich in einer Stunde, da Bettina sich bewogen fand, ihre große Seele vor ihm auszubreiten, dieser offenbart, und sie hatte ihm sofort ein Darlehn angeboten.

Frau Hirschsohn hatte nämlich ein eigenes kleines Vermögen, das zufällig in österreichischen Métalliques angelegt war. Sie hatte diese mit nach Frankfurt genommen, um sie dort umzusetzen, allein der Curs war zu niedrig gewesen, und Behrend hatte den österreichischen Finanzen eine reiche Zukunft vorhergesagt, da die Quellen des Kaiserstaats unerschöpflich seien.

Der Graf nahm die Métalliques zu dem Curse, den sie vor dem 14. März gehabt hatten, Bettina machte ihn sich verbindlich und zugleich ein gutes Geschäft, denn der künftige Schwiegersohn des Millionenschwagers war ihr sicher.

So waren die Tage vor dem Christfeste gekommen. Trotz des Belagerungszustandes wurde es wieder lebhafter in Berlin, die Zahl der Fremden mehrte sich, die Weihnachtsmärkte bauten sich an den gewohnten Orten auf, die Straßenjugend belustigte sich mit Waldteufeln und andern lärmmachenden Instrumenten; die Läden kramten ihren schönsten Schmuck aus und die englische Gascompagnie machte gute Geschäfte, den Stoff zur Erleuchtung aller der Herrlichkeiten, die in den Läden zur Schau ausgestellt waren, zu liefern.

Im Hause des Barons Hirschstein unter den Linden wurde zum ersten mal ein christlicher Weihnachtsbaum angezündet und reiche Geschenke lagen in dem Salon für alle auf besondern Tischchen ausgebreitet. Auch der neue Hausfreund, Baron Franz, war nicht vergessen, wie er selbst sich durch den Bedienten die Blumenbouquets für die Damen besorgen ließ, Camellien und Veilchen. Nur der für Sidonie bestimmte Strauß trug in der Mitte weißer von Veilchen umgebener Camellien zwei reizende Rosenknospen.

Als Sidonie auf diese Rosenknospen einen Kuß drückte und dem Geber mit erröthendem Gesicht Dank sagte, fühlte die Mutter, welche ihre Tochter scharf beobachtete, eine Befriedigung durch ihr Inneres wehen. Sie ahnte, daß das Bild des Abwesenden durch den Gegenwärtigen verdrängt sei; das war aber auch die höchste Zeit, denn Bruno hatte geschrieben, daß er am Tage vor dem Feste abreisen werde.

Eins der unerwartetsten Geschenke brachte die Stadtpost aus dem Hause unter den Linden in den vierten Stock eines Hauses in der Neuen Jakobsstraße zu dem Maler Zur Linde.

»Mein Leben!« – schrieb Eva – »ich sende Dir hier alles, was ich besitze – mein mir von der Großmutter vermachtes Vermögen, tausend Pfund Sterling in Consols. Reise in den ersten Tagen nach dem Feste über Hamburg nach London, suche die Adresse, die ich ausgeschnitten beilege, und erwarte mich dort. Vater reist in denselben Tagen nach Leipzig, dann werde ich Gelegenheit finden zu fliehen und zu Dir zu kommen, um mich nie wieder von Dir zu trennen. Das beiliegende Taschenbuch habe ich selbst gestickt. Morgen Abend in der Oper! Deine Eva.«

Das verliebte Kind hatte von der Großmutter eine Rente von dreißig Pfund Sterling als Legat erhalten und war auf das freie Verfügungsrecht, das ihr die Großmutter gegeben, so eifersüchtig, daß sie schon von ihrem dreizehnten Jahre an die Consols im eigenen Verwahrsam führte, die Coupons selbst abschnitt und im Comptoir des Vaters in der Königsstraße versilberte.

Die königliche Familie feierte Weihnachten in Charlottenburg, dahin war auch der Vorgesetzte des Grafen Bruckheim befohlen, dieser hatte die Braut, Aeltern, und die beiden Heustedterinnen wie den Baron Franz nach Potsdam geladen. Franz machte abermals Fortschritte in der Gunst Sidoniens, die es nicht begreifen konnte, wie sie nicht schon in Heustedt entdeckt habe, daß Baron Franz doch viel liebenswürdiger als Bruno Baumann sei.

Am zweiten Tage wurde die »Hochzeit des Figaro« im Opernhause gegeben, ein berühmter Gast aus Dresden war gekommen, und das Haus schon vor dem Feste ausverkauft; der Bankier bot dem Baron in seiner Loge einen Platz. Die Tochter hatte sich mit der Mutter an die Brüstung gesetzt, um besser zu sehen und gesehen zu werden, Bettina und ihr Schwager nahmen die Plätze dahinter ein, Sidonie und Franz saßen zu hinterst. Sidonie sah in der neuen mit feinem Pelz verbrämten Sammtrobe und der weißen Kaschmirmantille darüber allerliebst aus und hörte die Complimente, die ihr der Nachbar über ihren bon goût machte, mit Wohlgefallen. Eva ließ das Opernglas im Parterre herumschweifen, sie suchte den Geliebten. Aber vergebens; der Maler, der in dem Taschenbuche einen Hundertthalerschein gefunden, hatte es vorgezogen, in Gesellschaft anderer Freunde und Freundinnen ein Vorstadttheater zu besuchen und seiner Gesellschaft ein Abschiedssouper zu geben.

Der Vorhang war gefallen, die Zuhörer hatten Zeit, sich einander anzusehen, zu mustern, zu kritisiren, Médisancen über Nachbarinnen zu flüstern, unbekannte Schönheiten aufzusuchen, Confect zu naschen oder in dem Foyer zu spazieren. Plötzlich wurde die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Loge des russischen Gesandten gerichtet, welcher erst jetzt mit mehrern Herren eintrat. Nicht der Gesandte selbst war es, der die Aufmerksamkeit auf sich zog, sondern ein junger Begleiter desselben, in reicher kleidsamer, neugriechischer Tracht, mit Sternen und Orden auf der Brust. Der junge Mann war aber ein solches Ideal von männlicher Schönheit, daß er in der Tracht eines Bettlers Aufsehen erregt haben würde.

Eva's Augenglas richtete sich seit der Erscheinung des Griechen nicht mehr auf die Bühne, sie sah weder den Grafen noch die Gräfin Almaviva, hörte weder Susanne noch Figaro, sie hatte nur Augen für den Mann in der Loge des russischen Gesandten, und diese Augen wurden so angestrengt, daß alle übrigen Sinne wirksam zu sein aufhörten.

Was war ihr Barrikadenheld gegen diesen Götterjüngling?

Selten war unter tausend und mehr Frauen das Urtheil über Mannesschönheit so übereinstimmend wie heute; wäre jede Frau im Opernhause ein weiblicher Paris gewesen und hätte unter den anwesenden Männern den Schönsten wählen sollen, alle hätten den Apfel dem Griechen gegeben. Auch Sidonie war von der Schönheit des Mannes entzückt; ihre Neugierde, wer der Fremde sei, war so groß, daß sie ihren Nachbar im nächsten Zwischenacte veranlaßte, in den Foyer zu gehen und sich nach Namen und Stand zu erkundigen. Baron Franz fing schon an eifersüchtig zu werden, aber sie lohnte seine Dienste durch einen ihrer Glutblicke und gab das Versprechen, den ganzen Abend das Glas nicht wieder auf die Loge des russischen Gesandten zu richten. »Es ist der Fürst Y.«, sagte der Baron, »der Zar, unzufrieden mit der vom Grafen Brandenburg octroyirten zu liberalen Verfassung, schickt ihn, damit er den Berlinerinnen die Köpfe verwirre, und so das Ministerium und der Hof, die den ihren verloren, ihn vielleicht wiederfinden.«

In der That war es der Sohn unsers Don Juan mit der Schmarre, der die ungewöhnliche Aufregung in der Frauenwelt hervorbrachte. Kein Herz schlug aber so stürmisch als das Eva's; das war das Ideal, von dem sie seit ihrer Jugend geträumt, der Maler war nur Phantom, sein Bild war aus ihrer Seele verlöscht, sie dachte nicht mehr an die Flucht nach England, mochte er ihre Consols behalten, wenn nur der Grieche in Berlin blieb.

Die Hausfrau hatte den Baron Franz gebeten, nach der Oper eine Tasse Thee bei ihr einzunehmen. Man saß in dem Salon, den wir im Anfange des Kapitels beschrieben; das Feuer im Kamin knitterte nach englischem Geschmacke, es war abends in diesem Raume viel gemüthlicher als am Tage. Der Baron Hirschsohn aß nach englischer Sitte jeden Abend sein geröstetes Brötchen und einige weiche Eier dazu, trank seine Tasse Thee und begab sich dann, es mochte Besuch bei seiner Frau sein oder nicht, in sein Arbeitszimmer zurück, wo er englische und französische Zeitungen las und eine Havana rauchte.

Als der Hausherr sich zurückgezogen hatte, wurden Eis und Torten, Apfelsinen und anderes Naschwerk, wie es das Weihnachtsfest mit sich bringt, aufgetragen und der in Eis stehende Champagner entkorkt. Frau Bettina war eine große Freundin von diesem Getränke, sie behauptete, er mache sie wieder jung, und sie wußte die Gesellschaft zu reizen, sodaß die Damen mehr tranken, als sie gewohnt waren.

Während die Frau des Hauses davon müde wurde und einzunicken anfing, wurde Bettina gesprächig, obgleich niemand auf das, was sie sagte, achtete; denn von den jungen Damen saß die eine in Gedanken an den Griechen versunken, die andere schien es sich vorgenommen zu haben, noch heute dem Baron Franz das Geständniß seiner Liebe zu entlocken. Sie erzählte ihm, wie sie gleich nach Neujahr bei dem Propst den Unterricht in der christlichen Religion anfangen und in vier Wochen Christin sein werde. Der Baron lobte diesen Entschluß, ergriff ihre kleine Hand, führte sie an seine Lippen und murmelte etwas von dem Glücklichen, der durch sie dereinst in den Himmel erhoben werde. Es war eine an das Alberne streifende Phrase; Sidonie legte sie zu ihrem Vortheile aus und ließ die volle Gewalt ihrer Augen auf den Diplomaten einstürmen. Wären sie unter sich gewesen, so hätte sich Sidonie, wie sie es beabsichtigt hatte, unter dem Vorwande von Kopfweh einige Minuten früher in eins der Boudoirs, die an den Salon grenzten, zurückgezogen, Baron Franz wäre zu ihren Füßen gesunken und hätte gefleht, daß diese kleine Hand ihn in den Himmel – natürlich in den Ehehimmel, dachte Sidonie, während Baron Franz vielleicht nur an ein Liebesparadies mit süßen Huris dachte – heben möge. So aber fühlte er sich von der Mutter beobachtet und das kühlte ihn ab. Nun erhob sich auch Eva aus ihrem träumerischen Zustande, sprang aus dem Fauteuil, in dessen Polster sie versunken gewesen war, starrte wie eine Schlaftrunkene um sich, als ob sie sich besinnen müßte, wo sie wäre, und sagte dann: »Ich muß den Vater sprechen«, und schlüpfte unter der Sammtportière, diese hinter sich zuziehend, in das Arbeitszimmer des Vaters.

Dieser las das Lob der neuoctroyirten Verfassung und des Ministeriums Brandenburg in den »Times«, es war noch nie vorgekommen, daß seine Tochter am Abend zu ihm in das Arbeitscabinet getreten war, alle Hausgenossen wußten, daß er sich hier nicht stören ließ. Der Baron nahm das Lorgnon auf die Nase und starrte die Kommende verwundert an. Diese fiel zu seinen Füßen: »Vater, ich muß dir ein Herzensgeheimniß offenbaren.«

»Bin kein Freund von Geheimnissen, am wenigsten von Herzensgeheimnissen«, sagte der Baron finster, legte das große Blatt auf den Tisch und schob der Tochter die Chaiselongue, die zu seiner Rechten stand, zu, »da setze dich und erzähle.«

Sie setzte sich und sagte unter Thränen: »Vater, ich liebe den Grafen Bruckheim nicht, ich kann ihn nicht heirathen!«

»Zu spät! Das hättest du früher sagen sollen!«

»Vater, ich liebe einen andern, ich liebe den Fürsten Y. seit heute Abend unsäglich, ihn oder niemand.«

»Soll ich etwa hingehen zur russischen Gesandtschaft, ich, Baron Hirschstein, und soll sagen, meine Tochter, die Eva, liebt den Fürsten Y. und würde ihm geben die Hand und ihm mitbringen eine Million? Ist nicht! wird nichts!«

»Vater, dann werde ich gehen in ein Kloster, um mein Leben lang denken zu können an den schönen Mann.«

»Geh in ein Kloster, ich kann dich dann um so eher enterben. Wirst dich aber besinnen und heirathen den Grafen Bruckheim und überstrahlen an Glanz und Ansehen meine Schwägerin, die Freifrau, Du wirst rächen an der Freifrau dein Vaterleben und Mutter.«

»Vater, ich kann ihn nicht lieben, den Grafen, ich hasse ihn; um der Heirath zu entgehen, wollte ich fliehen mit einem jungen Helden, einem Dichter und Maler, nach England, und habe ihm schon gegeben meine Consols.«

Der Baron hatte bisher ruhig in seinem höchst bequem gepolsterten Lehnstuhle gesessen, den Klemmer hatte er längst von der Nase fallen lassen, er hatte in seiner Ehe gelernt, wie man Frauen behandeln müsse, und nun gar ein solches launisches Kind, wie Eva, der wollen wir die Liebesmarotten aus dem Kopfe treiben, dachte er.

Jetzt sprang er auf, die Ruhe war gewichen, die Würde, in die er sein Wesen hüllte, war dahin, sein Gesicht nahm die Züge seines Großvaters Moses Hirsch an, wenn er sich ärgerte, und, sich an den Lieblingsschwur des Großvaters erinnernd und die innere jüdische Natur hervorkehrend, sagte er: »Was hast du weggegeben? Die Consols hast du weggegeben, die du geerbt von der Großmutter! Was muß ich hören, bist reif zum Irrenhause!

»Bei den Lichten auf dem Grabe meiner Mutter, mußt du wiederschaffen die Consols, ich werde lassen verhaften den Dieb noch heute, sage, wie heißt der Dieb, wo wohnt der Dieb?«

»Beruhige dich, Väterchen«, sagte Eva einschmeichelnd, »er ist seit heute mein Ideal nicht mehr, ich werde ihm nicht nach England folgen, wohin er schon abgereist ist, aber ich werde ihm schreiben und er wird die Consols zurückschicken, er wird nur meinen Verlust bedauern, nicht den Verlust der Consols.«

»Was sich das Aeffchen einbildet«, wüthete der Bankier, »wenn er fort ist nach England, wird er nicht zurückschicken die Consols, thäte es auch nicht an seiner Stelle«, und er warf sich in den Lehnstuhl, nahm das Glas wieder vor die Augen und befahl barsch: »Erzähle, beichte!«

Eva log in der Eile eine Geschichte zusammen von Lebensrettung am 18. März, Verschwundensein, Wiederfinden im October, von Glücklichgewesensein, das Ideal gefunden zu haben, halb Wahrheit, halb Dichtung, sie vermied Zur Linde's Namen zu nennen, behauptete vielmehr, Namen und Wohnung des Ideals nicht zu kennen.

Der Vater fixirte sie, allein sie wußte sich wie jede Evastochter zu verstellen.

»Kannst zu Bett gehen, hier hinaus«, er öffnete die in die Flur mündende Thür. Der Bankier zündete dann die beiden Wachskerzen an, die auf dem Stehpult standen, langte aus dem eisernen Schranke ein großes Buch hervor, legte es auf das Pult, schlug darin nach und machte einige Notizen in sein Taschenbuch.

Dann, nachdem das Buch in den eisernen Schrank zurückgelegt und dieser verschlossen war, schrieb er zwei Briefe, versiegelte sie und gab sie einem Diener mit dem Auftrage, sie in den Briefkasten des nächsten Postbureau, bei Strafe in keinen andern zu bringen.

Währenddessen war im Salon die Hausfrau aus ihrem Schläfchen erwacht und fragte nach dem Verbleiben der Tochter – hörte erstaunt, daß sie in das Arbeitszimmer des Vaters gegangen. Baron Franz ergriff diese Gelegenheit, sich zu empfehlen – die Kammerjungfer stellte sich der Frau Commerzienräthin und Tochter zu Befehl, die nach oben gingen. Sidonie sah ernsthaft aus; dachte sie daran, daß in diesem Augenblicke Bruno schon in Berlin angekommen sei und wahrscheinlich in ihrer Nähe weile, oder dachte sie an die Eroberung des Barons?!

 << Kapitel 77  Kapitel 79 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.