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Hundert Jahre

Heinrich Oppermann: Hundert Jahre - Kapitel 58
Quellenangabe
typefiction
booktitleHundert Jahre
authorHeinrich Albert Oppermann
year1998
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-257-7
titleHundert Jahre
created20031005
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1870
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Zweites Kapitel.
Der Freiherr Karl Haus von Finkenstein.

Unsere Erzählung geht um einige Jahre zurück. Wir müssen uns nach unserm alten Freunde Haus und seiner Olga umsehen, die wir auf der Reise nach Europa verließen.

Während Bollmann von London direct nach Wien zum Congreß gereist war, hatten die andern deutschen Reisegefährten den Weg nach Bremen eingeschlagen. Olga mochte Heustedt nicht wiedersehen; ihre eigenen letzten Erinnerungen an diesen Ort und der Gedanke an den schrecklichen Tod der Mutter erfüllten sie mit Schauder. Menschen, nach denen sie sich zurücksehnte, gab es für sie dort nicht, und so war denn schon in Amerika beschlossen, den alten Stammsitz der Familie zu veräußern, und sie wie die Schwester Heloise hatten Karl mit umfassenden Vollmachten zu diesem Zwecke versehen.

Unsere Freundin war eine von jenen weiblichen Naturen, die Schmerz nicht ertragen zu können glauben, obgleich sie ihn schon ertragen haben, die möglichst vor jedem Unangenehmen den Kopf verbergen wie der Strauß vor der Gefahr. So durfte niemand von ihrem in Washington geborenen, auf der Reise verstorbenen Töchterchen auch nur reden, und sie hätte Joe, die schwarze Wärterin derselben, von England aus gern nach Amerika zurückgeschickt, um durch ihren Anblick nicht an das Kind erinnert zu werden, wenn diese nicht über den wilden, bald siebenjährigen Knaben Victor Justus mehr Autorität gehabt hätte als die Mutter und der Vater selbst.

Dieser schrieb von London aus an seinen Onkel, in Firma Johann Karl Junker und Comp., nach Bremen und bat ihn, ein passendes Logis in dem besten Gasthause Bremens zu bestellen. Der alte Herr wählte die Stadt Frankfurt am Domhofe, seiner Wohnung schräg gegenüber, und ließ dem Besuche zu Ehren sein eigenes Haus von unten bis oben neu bemalen und decoriren. Sogar der stille Compagnon that sich mit Sammt und Seide um, denn das war nicht der arme Neffe, der ungern gesehene Schüler, das war jetzt ein sehr reicher Mann, der eine Reichsgräfin ans dem ältesten in Bremen wohlbekannten Adel zur Gemahlin hatte, in dessen Gefolge sich zwei Mohren, damals noch eine seltene Erscheinung in Bremen, befanden.

Selbst das Töchterlein Adelheid bekam damals zum ersten mal Kleider von der Elle, statt der großmütterlichen, die sie bisher hatte auftragen müssen.

Unser Doctor juris utriusque war aus Frankreich zurückgekehrt, unverwundet, ja ohne Pulver gerochen zu haben, denn das Lützower Fußvolk, dem er sich angeschlossen, war wol zu einigen Raufereien mit Belgiern, nicht aber zum wirklichen Kampfe gekommen. Allein er hatte den Ruhm davon, den Franzosen desertirt und anstatt, wie seine bremer Kameraden, in Frankreich internirt und als Kriegsgefangener behandelt zu sein, als Lützower dem Feinde gegenübergestanden zu haben.

Die schöne Korbmacherin, die mit Mutter und Vater vom Buntenthorsteinwege verschwunden war (der Einäugige hatte sich als Vater Martha's offenbart und viel Geld gehabt), war vergessen. Der Junior war jetzt mit den Planen der Mutter, ihn in eine Senatorenfamilie einheirathen zu lassen, zufrieden, nur wollte sich die Gelegenheit noch nicht finden; wie überall, waren auch in Bremen die Staatsdinge erst wieder im Entstehen und die persönlichen Beziehungen nur theilweise geordnet.

Die Besitzerin des neuen Schlosses zu Heustedt und die geizige Kaufmannsfrau waren so große Gegensätze, daß ein steifer gegenseitiger Besuch die einzigen Beziehungen waren, die sich anknüpften. Allein Olga langweilte sich während der Zeit, wo ihr Mann in Heustedt war, um den Verkauf der Besitzungen vorzubereiten und eine Uebersicht über die Nachlassenschaft der Gräfin Melusine zu erwerben. Bremen war damals auch in der That eine sehr langweilige Stadt, außer dem Walle hatte es keinen Spaziergang; es gab kein Theater, keine Concerte, keine Umgegend.

Die Schiffahrt war noch nicht wieder erwacht, der Handel schlief noch, man fürchtete hier und da, ganz verschlungen zu werden.

Da konnte denn auch der junge Doctor wenig zur Unterhaltung der Gelangweilten beitragen, und diese trieb den Gemahl in Heustedt täglich, seine Geschäfte zu beendigen, damit man nach Wien reifen könne, denn Wien und wieder Wien war das Einzige, wovon alle Zeitungen sprachen, wohin aller Augen gerichtet waren.

In Heustedt hatte der von den Gerichten angeordnete Curator absentis tüchtig vorgearbeitet; eine gründliche Inventur war schon vorhanden, die Ansprüche der Gläubiger wie der Dienerschaft waren angemeldet, und so ließ sich ein Ueberschlag des Vermögens machen. Dieses stellte sich, wenn man einen einigermaßen guten Käufer fand, immer größer heraus, als man in Amerika geglaubt hatte.

Da unser Freund den bisherigen Curator als einen zuverlässigen Collegen von früher kannte, übertrug er ihm seine Vollmachten und reiste über Dresden und Prag nach Wien.

Da Olga Dresden nicht kannte, wie sie überhaupt von Deutschland wenig gesehen, so widmete man dem Elbflorenz einige Ruhetage, sah die Kunstsammlungen und sonstige Sehenswürdigkeiten. Vor dem berühmten Bilde der Madonna traf man unvermuthet mit seinem Freunde, dem Maler Hellung, zusammen, dem Karl in Neapel seine Olga anvertraute, von der er auf dem Korsarenschiffe getrennt war. Das war eine Freude, ein Erzählen! Die Reisenden mußten ihren Aufenthalt verlängern, zu dem Maler auf seine Villa ziehen, die Bekanntschaft der zur Christin bekehrten Abyssinierin machen. Victor Justus fand an dem etwas ältern Franz Ibrahim einen verständigern Spielkameraden, als er bisher gehabt hatte.

Fatime, welche sich in angeborener Demuth an die bei weitem ältere deutsche Schönheit anschmiegte, gefiel dieser sehr, wie ihr auch Dresden und seine Umgebungen ganz vorzüglich zusagten, obgleich es Winter war und ganz Sachsen damals bei der Ungewißheit, was aus dem Königreiche werden, ob es ganz oder halb in Preußen aufgehen solle, der gewohnten freundlichen Gutmütigkeit entbehrte. So entschwanden die Tage schneller als in dem langweiligen Bremen.

Der Maler trug sich mit kühnen Projecten, er hatte sich, schon in Paris angeregt, auf die Historienmalerei gelegt, und ein Bild, das den Ueberfall des Amerikaners, auf dem er seine Ueberfahrt bewerkstelligen wollte, durch den Korsaren darstellte, fand Beifall, ja erregte selbst Bewunderung. Gegenwärtig malte er den Rothbart im Kyffhäuser. Als er erfuhr, daß es seinem Nero gut gehe, daß dieser sich ganz an den Bob Decatur's angeschlossen habe, daß er in der Familie allgemeiner Liebling sei, freute er sich über das Schicksal des Schwervermißten.

Wenn Hellung aber den Sohn seiner Abyssinierin und den Sohn der frühern Reichsgräfin miteinander verglich, so konnte er sich heimlicher Freude, daß sein Sohn wohlerzogener, klüger, folgsamer und bei weitem unterrichteter sei als der junge Amerikaner, nicht erwehren.

Victor Justus folgte kaum den Befehlen seines Vaters, denen der Mutter aber nur dann, wenn sie ihm nach Wunsche waren; er sprach freilich englisch und deutsch, konnte auch das Englische lesen, aber im Schreiben und Rechnen hatte er noch keinen Unterricht erhalten, und Joe, die ihn allein in Zucht halten konnte, verhätschelte ihn auch. Während Ibrahim schon deutsche Classiker verschlang, für Marquis Posa schwärmte, Schiller's Balladen auswendig wußte, daneben correct zeichnete, hatte der Amerikaner für das alles gar keinen Sinn. Er war knabenhaft stolz auf Amerika und unterhielt sich nur ungern deutsch mit dem Vater.

Hellung begleitete die Freunde nach Prag, wo man noch einige Tage zusammen verweilte.

Das wiener Leben machte auf das Congreßmitglied für Pittsburg und seine Gemahlin denselben überwältigenden Eindruck, den es auf Bollmann und andere gehabt, nur daß Karl die österreichischen Zustände selbst viel nüchterner und objectiver betrachtete als sein leicht enthusiasmirter Freund Justus Erich, der sich bereits als amerikanischen Gesandten am österreichischen Hofe sah und sein Leben dort in den angenehmsten Verhältnissen beschließen zu können hoffte. Schon hatte er Bekanntschaften mit aller Welt angeknüpft, war befreundet mit Personen in den entgegengesetztesten Lagern und beutete seine Stellung als Republikaner aus, überall guten Rath zu geben, wie es ein Unparteiischer nur vermochte, ohne seine Angelegenheiten wie die seiner Auftraggeber darüber zu vergessen. Haus kam gerade zu der Zeit nach Neujahr 1815 in Wien an, als dort unter den bisher Verbündeten Kriegsdrohungen schon offen laut wurden; er sah mit Bekümmerniß auf das Schicksal Deutschlands. Die deutschen Verhältnisse schienen nach dem, was er sah und hörte, hier ebenso übel berathen wie bei dem Pariser Frieden, und er theilte Bollmann's Lobeserhebungen der Fürsten ebenso wenig wie dessen Respect vor den Geschäftsführern derselben. Hatte er doch in Amerika erlebt, wohin ein loses Föderativsystem führe; erst wollten die Südstaaten, da ihnen die Centralregierung misfiel, sich von dieser ablösen; dann, als diese durch die sogenannten Republikaner die Majorität im Congreß und Senat erlangt hatten und nach ihrem Willen die Präsidentenwahl zu bestimmen vermochten, zettelte England eine Trennung der Oststaaten an, und es fehlte wenig, so wäre der Plan geglückt. Der Nordamerikaner traf beinahe nur mit Repräsentanten der Kleinen zusammen, die auf dem Wiener Congreß selbst gar keine Stimme hatten, deren Wünsche man höchstens mehr oder weniger entgegennahm, und da vernahm er denn das Fremdengeschrei, als England das Versprechen abgegeben hatte, die volle Souveränetät der Kleinen, nach der namentlich die Rheinbundsfürsten, Würtemberg voran, so lüstern waren, in Schutz zu nehmen. Von einem Deutschen Reiche war nicht mehr die Rede, ein Deutscher Bund aber, wie ihn der Congreß zurechtbraute, schien ihm nach seiner Kenntniß amerikanischer Zustände ebenso unheilvoll für die deutschen Stämme, die besondern Dynasten mit individuellen Bedürfnissen und Sonderinteressen unterworfen blieben, während an die Stelle der Einheit zwei Schwerpunkte traten, deren Eifersucht ein Zusammenhalten der Glieder des schwerfälligen Staatskörpers hinderte und die daher das Ausland ewig zu Einmischungen reizen mußte. Er fürchtete, ja er haßte Rußland viel mehr als Frankreich, denn in letzterm steckte doch trotz aller Ruhmsucht ein tüchtiger Kern von Civilisation, während in Petersburg höchstens der Schein derselben zu finden war.

Daß Alexander aber in Wien noch immer die Sonne war, um die sich alle großen und kleinen Planeten drehten, daß Preußen schon dahin gebracht war, nur in Rußland eine Stütze zu finden, und zwar eine höchst zweifelhafte und für seine innere Entwickelung höchst nachtheilige, schien ihm das Gefährlichste. Was sollte aus einem Deutschland mit vierunddreißig oder fünfunddreißig Souveränetäten werden? mit einer aus so vielen Nationalitäten zusammengesetzten Kaisermacht im Osten und einem zerrissenen, von der Nordsee getrennten Preußen? Er hatte, als es den Krieg gegen die Barbaresken galt, erfahren, daß ein Staat der Neuzeit ohne Flotte nicht existiren könne. Die Möglichkeit einer deutschen oder nur preußischen Flotte ging aber verloren, wenn Preußen seinen einzigen Hafen an der Nordsee, Emden mit Ostfriesland, verlor. Je mehr Souveränetäten, desto mehr Sonderinteressen, nicht der Stämme, sondern der Fürsten. Auf der Reise von Bremen nach Wien war ihm an den unzähligen Zollschranken, an der Verschiedenheit der Münzen, der Verschiedenheit von Maß und Gewicht erst so recht klar geworden, wie zerrissen sein Vaterland sei und wie golden dagegen die ihm bei weitem noch nicht kräftig genug scheinende Centralisation Nordamerikas.

Während Karl sich um das Treiben der großen Welt und deren Jagd nach Vergnügungen wenig kümmerte, dagegen die Entwickelung der politischen Dinge um so schärfer ins Auge faßte, während es ihm in Wien misfiel, schwebte seine Frau von einem Vergnügen zum andern; sie schien gleichsam nachholen zu wollen, woran es ihr in der Jugend, in Nizza, Tripolis und Amerika gefehlt hatte. Das war denn für den Eheherrn ein Grund mehr zum Misfallen.

Der tiefere Grund seines Misbehagens lag aber anderswo – ihn drückte das Gefühl, wenn nicht von allen, doch von vielen der Legations- und andern Räthe, mit denen er Umgang pflegte, als Parvenu angesehen zu werden. Das gesellige Leben war freilich unter der Herrschaft der Prinzipien von 1789 zu weit vorgeschritten, als daß seine Zurücksetzung äußerlich hervorgetreten wäre, aber es schien ihm doch, daß man seine Frau, lediglich weil sie als Reichsgräfin geboren war, mehr hervorzog und auszeichnete als ihn selbst. Wäre sie noch in ihrer Jugendschöne gewesen, wie in der neapolitanischen Zeit, so hätte er einen Erklärungsgrund gehabt; aber sie stand am Anfange der vierziger Jahre, und in allen Gesellschaften, Concerten, im Theater und auf Bällen gab es zahlreiche Frauen jünger und schöner als sie. Daß sie liebenswürdig, leichtlebig, lustig, vergnügungsbedürftig wie die Mehrzahl war, er dagegen griesgrämig, genußunfähig, reflectirend, und daß dies der Grund sei, weshalb die Gesellschaft seine Gattin ihm vorzog, kam ihm nicht in den Sinn. Er glaubte deutlich zu sehen und zu fühlen, wie das Princip der Gleichberechtigung unter Gebildeten hier tendenziös dem Princip der Geburtsvorzüge untergeordnet sei; er meinte zu bemerken, daß man einen Gentz und ähnlich hervorragende Bürgerliche zwar als Gleichberechtigte dulde, aber eben nur duldete, und daß in der vornehmen Welt eigentlich nur der wirklich Hochgeborene für berechtigt galt, zu leben und zu genießen. Er brachte das offen hervortretende Bestreben, die vorsündflutlichen Grundprinzipien, an deren Vernichtung Voltaire, Rousseau, ja die ganze gebildete Nation gearbeitet hatte, wiederherzustellen, in dem Papste und der Kirche eine Hauptstütze der Staaten zu gewinnen, die Philosophie in Misachtung zu bringen, Künste und Wissenschaften aber nur so weit gelten zu lassen, als sie Lebensgenuß und Vergnügungen förderten, mit jenen Ansichten in Verbindung, und sehnte sich oft nach dem freien, wenn auch nicht feinen Amerika zurück, das trotz aller Selbstüberhebung und Ausschreitung der Massen und trotz der Herrschaft unberechtigter Majoritäten seinem bürgerlich-demokratischen Sinne mehr zusagte.

Daß sich seine Frau in dem wiener Geselligkeitstrouble so sehr gefiel, daß sie keinen Abend zu Hause verbringen konnte, am Tage dreimal die Toilette wechselte, ja vielleicht recht gern noch getanzt hätte, wenn ihr dies von dem Arzte und von Bollmann, der ärztlichen Rath noch immer gern ertheilte, nicht ausdrücklich untersagt wäre, denn sie befand sich in gesegneten Umständen; daß die Mutter den Sohn so ganz der Beaufsichtigung der Schwarzen und dem Unterrichte ihrer neuen französischen Kammerfrau in deren Sprache überließ, das alles misfiel ihm täglich mehr.

Hätte Olga sich selbst geprüft, hätte sie über sich nachgedacht, so würde sie gefunden haben, daß, was ihr fehle, was in ihr das Gefühl mangelnder Befriedigung weckte, auf ganz anderer Seite liege, als wo sie es suchte.

Ihr fehlte nichts Geringeres als das Haus, die Heimat, die Ruhe, die Häuslichkeit. In Pittsburg hatte sie dies nicht gefunden, weil das amerikanische Leben um sie her ihr zuwider war; an Washington würde sie sich mit der Zeit gewöhnt haben, wenn sie durch die uns bekannten Ereignisse nicht nach Europa zurückgetrieben wäre. Hier in Wien fand sie das gerade Gegentheil von der rohen sich selbst vergötternden Demokratie Amerikas, sie fand die Creme der europäischen Aristokratie, fand gleichaltrige Frauen, die sich ihr als Freundinnen mit süddeutscher Leichtlebigkeit zugesellten, hier fand sie die Atmosphäre ihrer Kindheit und Jugend und athmete freier auf. Ihr abenteuerliches Leben hatte sie, außer in Alttripolis, nie zur Ruhe und Selbstbesinnung kommen lassen; da es Eleonoren nicht gelungen war, sie zu strengern orthodoxen Ansichten zu bekehren, hielten auch die vereinzelten Moralsätze und erhabenen Sentenzen aus englischen Dichtern, die sie ihr anerzogen, keinen Stand gegen die in der Congreßstadt herrschende Theorie: man müsse das Leben genießen, solange man noch jung sei.

Sie konnte sich zwar mit ihrem Victor Justus beschäftigen, aber nie auf die Dauer und nur eben solange er artig war und sie nicht nach Kinderart mit ewigen Fragen bestürmte. Ihn unterrichten, wie sie in Afrika aus Langeweile Bob Decatur unterrichtet hatte, konnte sie nicht, dazu fehlte ihr die Zeit. Sie bezahlte ihrer Kammerfrau ein Extrahonorar für den Unterricht des Sohnes im Französischen.

Und dennoch bedurfte der Knabe recht dringend des Unterrichts und einer strengern Erziehung; das hätten seine Aeltern am besten merken können, als sie in Dresden bei dem Maler sich aufhielten.

Aber Haus schwebte in Sorgen wegen Verkaufs der heustedter Güter, er war in Ungewißheit, wo er seinen künftigen Wohnsitz aufschlagen sollte, ihn bekümmerte das Geschick Deutschlands, das er wieder als Vaterland gewählt, kurz es fehlte ihm Sinn und Talent für Erziehung.

Die enge, seinen amerikanischen Gewohnheiten nicht entsprechende Häuslichkeit trieb ihn gegen seine Neigung aus dem Hause, auch machte es die zahlreiche Dienerschaft viel zu unruhig, als daß er sich mit dem Knaben hätte beschäftigen mögen. Er hatte nach Bollmann's Schilderungen gehofft, in Oesterreich selbst sich niederlassen zu können, allein jetzt zog es ihn doch nach Norddeutschland, und er tröstete sich damit, ein Hauslehrer werde bei seinem Sohne das Versäumte bald nachholen, wenn nur erst eine feste Häuslichkeit gefunden sei. Haus hatte die Bekanntschaft des Herrn von Schmidt-Phiseldeck gemacht, der in Wien die Interessen Braunschweigs vertrat. Als dieser von dem Wunsche, eine größere Grundbesitzung zu erwerben, hörte, empfahl er den Ankauf der Herrschaft Finkenstein am östlichen Fuße des Harzes. Der Boden sei gut, das Klima geschützt, das Herrenhaus neu und hübsch, der Park wohl eingerichtet, mit Fischteichen, Rasen und schattigen Promenaden versehen. Dazu hohe und niedere Jagd, guter Wald, ein Forellenbach und sogar eine Ruine, der alte Finkenstein selbst, mit einer schönen Aussicht nach dem Harze.

Ueberdies lägen die Städte Quedlinburg und Halberstadt unfern, selbst Braunschweig sei in Einem Tage zu erreichen. Das Gut müsse wegen Ueberschuldung des verstorbenen Besitzers verkauft werden, und er könne, da dasselbe zum Fürstenthume Blankenburg gehöre, über Werth und Beschaffenheit selbst amtliche Notizen erheben lassen. Karl bat darum.

Es schrieb auch sein Geschäftsführer in Heustedt, daß sich ein Unterhändler zum Ankaufe der heustedter Besitzungen im Ganzen gefunden habe, und daß ein guter Preis in Aussicht sei. Der Unterhändler thue aber mit dem Namen des künftigen Erwerbers geheim, er zweifle indeß kaum, daß Graf Schlottheim II. der Käufer sein werde, besorge aber, daß gerade dieser Käufer den Verkäufern nicht zusagen werde.

Karl erwiderte aber: man möge abschließen, heiße der Käufer Schlottheim oder anders.

Als unser Freund Anfang Januar nach Wien gekommen, hatten die Dinge ein sehr kriegerisches Ansehen gehabt, Hardenberg drohte mit seiner Abreise, Oesterreich aber war mit England und Frankreich zu einem geheimen Bündnisse gegen Preußen und Rußland geeinigt; schon wurden wieder Kriegslieder gedichtet, schon sang Stägemann wieder:

Was sie geschürzt, das Eisen soll's
Auf ihrem Kopf zerhauen.

Jetzt im Februar war man friedlicher gestimmt. Kaiser Alexander spielte den Großmüthigen, er erklärte sich bereit, von dem köstlichen Beutestück Polen einen größern Theil an Oesterreich abzutreten und Thorn Preußen zu überlassen; dadurch konnten dann auch die preußischen Ansprüche auf Sachsen ermäßigt werden, und der König von Sachsen wartete schon in Presburg sehnsüchtig des Augenblicks, wo er selbst in die Unterhandlungen eintreten könne.

In dieser Zeit wurde der Verkauf Heustedts abgeschlossen und Karl gab dem Herrn von Schmidt-Phiseldeck Auftrag, den Finkenstein ankaufen zu lassen. Er sehnte sich nach Häuslichkeit, und da er von der Sache doch nicht viel verstand, so hielt er es für besser, sich ganz auf Schmidt zu verlassen, als etwa selbst in das Blankenburgische zu reisen.

Im Hause der braunschweigischen Bevollmächtigten hatte er den Grafen Münster zuerst wieder getroffen, dem er als künftiger Besitzer des Finkensteins vorgestellt wurde.

Dieser gratulirte, die Vergangenheit nicht beachtend, zu dem Ankaufe der neuen Besitzung, die er von seinem Aufenthalte in Blankenburg her genau kenne, und condolirte seinem allergnädigsten Herrn, daß er an Haus einen so tüchtigen welterfahrenen und loyalen Unterthan verliere.

Indeß war die Zeit der Veilchen gekommen, und die Veilchenverkäuferinnen, selbst die weniger schönen, hatten noch nie so gute Geschäfte gemacht wie im Februar. Dann traten acht Tage dazwischen, wo wenigstens kein Diplomat einen Veilchenstrauß kaufte, die Tage vom 7. bis 15. März.

Der Blitz hatte in den Bau des neuen Europas, der noch nicht einmal unter Dach und Fach war, eingeschlagen. Napoleon war von Elba entflohen.

Da hieß es am ersten Tage: »Der Tyrann ist von Elba entflohen, die Gottesgeisel Europas, die nimmersatte Hyäne, macht den ohnmächtigen Versuch, noch einmal die europäische Gesellschaft zu verwirren.«

Unter dem Eindrucke dieser Phrase erließ der Congreß, auf das Treiben Talleyrand's einmal wieder einig, jenes Manifest, welches Napoleon außer dem Gesetze und der öffentlichen Rache geweiht erklärte.

Bald lautete die Nachricht aber: »Grenoble hat dem Verräther seine Thore geöffnet, doch schon rückt der Tapferste der Tapfern mit einem Heere heran, um das Ungeheuer einzuschließen.«

Das eine Gute hatte dieses Zwischenspiel der Hundert Tage, daß es die Uneinigen einigte, daß Talleyrand's überwiegender Einfluß aufhörte, daß der König von Sachsen seine Einwilligung gab zur Abtretung der fortan sogenannten Provinz Sachsen.

In den drangvollen Tagen, als Ney in Lyon zu Napoleon übergegangen, und der Kaiser unter unendlichem Jubel in Paris eingezogen war, die Bourbonen aber mit Emigrirten und Pfaffen abermals flohen, Oesterreich, England, Rußland und Preußen sich am 25. März aufs neue zum Kriege vereinigten, verließ Karl Haus Wien, um sein Schloß Finkenstein in Besitz zu nehmen.

Statt in dem schönen Thale von Ischl, am Fuße der Alpen, sollte Olga am Fuße des Harzes, aber in ihrer eigenen Wohnung Niederkunft halten.

Der Käufer hatte in der Erwerbung ein in jedem Betracht gutes Geschäft gemacht, nur war es ein Unglück für ihn, daß er von der Landwirtschaft gar nichts verstand und ihm auch die Lust fehlte, sich mit ihr einigermaßen vertraut zu machen. Er mußte sich ganz auf seinen Verwalter verlassen, der bisher schon das Gut administrirt hatte. Die Einrichtung des Schlosses, wenigstens der Zimmer Olga's und des Gesellschaftssaals, sollte in neuem, modernem, wenn auch nicht gerade schönem Stil geschehen; Besuche bei dem benachbarten Adel wurden gemacht, Gegenbesuche empfangen, ein Hauslehrer für Victor Justus ward gewonnen; so verstrich das Frühjahr schnell. Die Nachricht von dem Tode des Herzogs bei Quatre-Bras traf ein, als Olga eine Tochter geboren hatte.

Der Prinz-Regent von Großbritannien wurde nun Vormund der beiden elf- und zehnjährigen braunschweigischen Prinzen, oder gab wenigstens den Namen her, denn Geschäfte jeder Art hatte er von Jugend auf gehaßt. Der Vater des Prinzen hatte in einem Codicill von 1813 die Verwaltung seiner Geschäfte dem Grafen von Liverpool, dem Staatssecretär Canning und dem Grafen Münster übertragen; letzterer war es aber eigentlich, der das Land regierte. Die beiden Staatsminister Graf Alvensleben, ein weitläufiger Vetter Olga's, und von Schmidt-Phiseldeck thaten nichts, ohne bei Münster angefragt zu haben.

Olga hatte ihre Schwester Heloise gebeten, die Pathenstelle bei der Tochter zu übernehmen und dieser ihren Namen zu geben. Die Antwort kam erst, als man bereits die Winterwohnung in Braunschweig bezogen hatte, denn schon der Herbst war für Olga auf dem Lande zu einsam geworden. Die Schwester schrieb viel von ihrem häuslichen Glücke, von dem Gedeihen der pittsburger Unternehmung wie von dem Aufblühen des ganzen Landes nach abgeschlossenem Frieden; von dem Enthusiasmus, den es erregt habe, daß Commodore Decatur den Dei von Algier abgestraft, und daß die Amerikaner die erste und einzige Nation der Welt seien, welche die christlichen Nationen von dem ihnen durch die Barbaresken aufgedrungenen Tribute freigemacht und Algier selbst ihre Gebote aufgenöthigt habe. Wie bei Frauenzimmerbriefen häufig, war eine ganz wichtige Nachricht in einem Postscriptum mitgetheilt. Es hieß:

»Bald hätte ich vergessen, Dir eine traurige und für Dich nicht unwichtige Nachricht mitzutheilen. Deine Eleonore ist todt, an der Schwindsucht gestorben, wie es heißt, wahrscheinlich aber von ihrem unwürdigen Gatten zu Tode gepeinigt. Wie Grant von einer zuverlässigen Person in Philadelphia erfuhr, welche der Eleonore die von Dir gewährte Pension auszahlen mußte, hatte ihr Gatte dort schon Umgang mit einem leichtsinnigen Weibe, das in Südcarolina eine Plantage und einige Dutzend Sklaven besitzt, und war der armen kränkelnden Eleonore überdrüßig. Er quälte sie fortwährend, sie solle die ihr von Dir geschenkte Brosche verkaufen, damit er sich in Südcarolina ankaufen könne.

»Da die arme Frau sich von Deinem Geschenke nicht trennen wollte, war der unwürdige Geistliche eines Tags mitsammt der Brosche verschwunden; man sagt, er sei nach Carolina entflohen, habe sich dort eine Pflanzung gekauft und lebe unter dem Namen Booth, nach anderer Nachricht habe er jene südcarolinische Besitzerin geheiratet. Eleonore überstand den Verrath nicht, sie hatte sich schon lange davon überzeugt, daß Schmidt nur ein Heuchler und schlechter Mensch sei, der sie ihres Geldes und Schmuckes wegen geheirathet habe.

»Die ihr zuletzt gezahlte Pension hat ihr Ende erleichtert, und Grant hat ihr Begräbniß besorgt.«

Ob Olga glücklich war? Man hat gesagt, die Ehe sei das Grab der Liebe. Das ist wahr, insofern man unter Liebe jenes überschwengliche Gefühl versteht, wo die Liebenden sich selbst aufgeben möchten, nur einer in dem andern aufgehen will. Das ist aber ein unwahres, unrichtiges, widernatürliches Gefühl. Der Mensch bleibt immer zunächst ein Selbstwesen, und nicht das Verleugnen der Eigentümlichkeit, nicht das Aufgehen in einem andern Wesen ist es, was das Vereinsleben in der Ehe zu einem höhern macht, sondern, daß die Gegensätze von Mann und Weib, hier geistige Freiheit, Kraft, überwiegendes Vernunftleben, Streben ins Große und Oeffentliche, dort natürliche Innigkeit, Gebundenheit der Organe, Gemüthsleben, Grazie sich harmonisch zu einem neuen Leben bilden, in welchem die verschiedenen Grundcharaktere der Gegensätze sich frei ausleben, sich in Liebe ergänzen, ohne ineinander überzugreifen, ohne sich gegenseitig beherrschen zu wollen.

Olga nun war durch die familienlose Erziehung, welche sie genossen, durch die Beherrschung von seiten der Mutter, später durch die Eleonorens, selbst zur Herrschaft ausgebildet; der Mann hatte immer ihren Wünschen nachgegeben, auch da, wo er hätte widerstehen sollen. So war in das Eheleben nach und nach ein Miston gekommen, der, als Karl den Grund erkannte, kaum sich ändern ließ. Der Wille der Frau herrschte vor, und da ihr von Natur und durch Erziehung ein Selbstgenügen in der Ehe nicht gegeben, so glaubte sie von ihrem Manne verlangen zu können, daß er sie unterhalte, daß er ihr schaffe, wonach sie sich sehnte, ohne es nennen zu können.

Der reizende Landaufenthalt war ihr, der noch immer das Leben in Wien vorschwebte, oder die an die Jugendtage in Neapel zurückdachte und öfter als sie sollte von den phantastischen Vorspiegelungen der Lady Hamilton, einer Adoption, phantasirte, zu langweilig. Die schönen Ausflüge nach dem Regenstein, Blankenburg, der Roßtrappe, Ilsenburg und andern Punkten verloren bald den Reiz für sie. Besuche kamen selten, da die meisten Gutsbesitzer nur zeitweilig auf ihren Gütern wohnten und meistens in Staats- und Militärdienst standen.

Auch Karl fühlte den Mangel an Beschäftigung. Er war wenigstens seit den letzten fünfzehn Jahren an Arbeit gewöhnt. Als Redacteur der»Oeffentlichen Meinung«, dann als Seemann, als Vorstand der pittsburger Hüttengesellschaft und als Congreßmitglied hatte er Ruhe und Müßiggang nur als nothwendige Erholung kennen gelernt, nicht als Zweck des Daseins. Er beneidete Bollmann, der sich damals in England aufhielt, um seine rastlose Thätigkeit, und war unzufrieden mit sich selbst, daß er auf den Wunsch seiner Frau, Amerika für immer zu verlassen, so schnell eingegangen war, seinen Antheil an dem pittsburger Grundbesitze und Etablissement dem Schwager Grant und seiner Gattin überlassen und dafür den Erlös aus den heustedter Besitzungen behalten hatte. Dann war er wieder unzufrieden über seine Unzufriedenheit. Hatte er im Leben nicht alles erreicht, was er seiner Geburt nach nur verlangen konnte? Waren seine kühnsten Jugenderwartungen nicht übertroffen? Er hatte die Jugendgeliebte, die ihm unerreichbar geschienene Frau, hatte zwei liebe Kinder, lebte in Reichthum, in einer angenehmen Gegend. Daß sich die öffentlichen Angelegenheiten nicht nach seinen Idealen gestalteten, daß die Fürsten und Mächtigen vergaßen, was sie dem Volke in den Tagen der Noth verheißen, daß sich von der republikanischen Selbstverwaltung, die er liebgewonnen, in diesen deutschen Ländern noch immer nicht eine Spur zeigte, das waren Dinge, die ihn wol verdrießlich, aber nicht unzufrieden mit sich selbst machen durften, denn er hatte sie nicht verschuldet.

Mit seinem Inspector einmal die Felder bereiten, im Parke die Arbeiten des Gärtners überwachen, mit seinem Knaben im Garten Ball spielen oder die kleine Heloise auf dem Rasen haschen, das konnte ihn wol einige Stunden beschäftigen; aber ein Jahr ist lang. Olga vorlesen? Nun ja, er that das sehr oft, aber die Literaturerscheinungen waren nüchtern, mattherzig wie die Zeit selbst.

Ein Mann wie Lord Harrington würde sich auf Finkenstein wahrscheinlich sehr wohl befunden haben, obgleich da manches fehlte, was Harringtonhall bot; aber der Fischteich allein wie der Forellenbach hätten den Lord den Sommer und Herbst hindurch gefesselt. Dann die Jagd, sie war vorzüglich, aber Karl konnte es nicht über sich gewinnen, einen Rehbock oder einen Hirsch zu schießen.

Wir dürfen es nicht verhehlen, daß Karl sich oft nach der Stunde sehnte, wo die Bostonpartie, ohne welche nun einmal Olga nicht sein konnte, begann, weil er seine Zeit nicht nützlich anzuwenden Gelegenheit hatte. Er spielte nicht, um zu gewinnen, im Gegentheil war sein Bestreben dahin gerichtet, daß mindestens sein Hauslehrer, der Inspector, der Pastor aus dem Gutsdorfe oder wer sonst den vierten Mann machte, nicht verlören, ja er machte manches Spiel durch ein absichtliches Versehen oder einen Fingerfehler gewonnen, zum Verdruß seiner Gemahlin, die wie alle Frauen das Verlieren nicht ertragen konnte.

Er hatte sich, um etwas um die Hand zu haben, mit der Specialgeschichte Braunschweigs, insbesondere der des Fürstentums Blankenburg, das mit jenem durch Personalunion verbunden war, beschäftigt, und war gerade im Studium der Landschaftsordnung begriffen, als er einen unerwarteten Besuch vom Grafen Münster erhielt, der von England nach Hannover herübergekommen war, um selbst einmal nach seinen Pupillen zu sehen, die damals noch in Braunschweig lebten.

Da das Gut Finkenstein auf den Landtagen des Fürstentums Blankenburg in der ritterschaftlichen Curie stimmberechtigt gewesen war und man in Hannover schon seit 1814 aus den alten Landständen eine provisorische Ständeversammlung geschaffen hatte, kam das Gespräch von selbst auf den Artikel 13, und Graf Münster erklärte, daß es schon längst seine Absicht gewesen sei, der Bundesacte gerecht zu werden, daß seine vielen Arbeiten ihn bisher nur noch abgehalten hätten, sich tiefer eingehend mit der Sache zu beschäftigen.

Karl Haus ließ sich über seine Ansichten von der Sache aus: zunächst müsse eine wirkliche Einheit geschaffen werden, von einer Prälatencurie müsse man absehen, da die Güter der Geistlichen seit lange unter der Verwaltung des Staats ständen, dagegen müsse den freien Bauern eine Vertretung gewährt werden, und hinsichtlich der Städte eine gerechtere Vertheilung stattfinden. Daß man zum Beispiel Wolfenbüttel, der zweiten Stadt des Landes und dem Sitze mehrerer höhern Behörden, das Recht, einen Deputirten zu senden, bisher gar nicht zugestanden habe, sei ein Unrecht. Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt müßten vielmehr wegen ihrer größern Bedeutung eine Mehrzahl von Deputirten senden, wenn man nicht, wie es ihm angemessener dünke, ganz von dem altständischen System absehen und zu der Repräsentativform übergehen wolle.

Davon wollte nun freilich Graf Münster nichts wissen, noch weniger von sogenannten Grundrechten nach Art der amerikanischen Constitution, die er als bodenlose Theorien bezeichnet. Indessen bat er Haus, eine revidirte gemeinsame Landschaftsordnung für beide Landestheile zu entwerfen und ihm durch Schmidt zuzusenden.

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