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Huberta Sollacher

Frida Schanz: Huberta Sollacher - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorFrida Schanz
titleHuberta Sollacher
publisherTrowitzsch & Sohn
printrunFünftes Tausend
illustratorW. Gause
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140315
projectidae575776
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Sechzehntes Kapitel

Denn die ist nun sein! Zu Hubertas Jubel.

Wie das gekommen ist?

Der Herr Vollhuber hatte sich wieder gar so sehr über sie erbost. In immer vermehrter Beziehung.

Rosen waren doch des Herrn Vollhubers Stolz und Vorrecht.

Seine Rosen im Gärtchen, seine ganz besonderen, seltenen Sorten, die niemand im Orte so schön hatte wie er.

Ein Schulkind, das ihm einmal im Frühling die ersten Himmelschlüssel brachte, hatte, als er's frug: »Was geb' ich denn jetzt dir da dafür?« ganz verklärt geantwortet:

»Daß i einmal im Sommer an eine von Ihre Rosen riechen därf!«

Für etwas so Besonderes, Rares gelten seine Rosen!

Er hatte die Rosenstöcke von seinem Vorgänger geerbt, viel Geld für neue dazugewendet, ganz nach und nach.

Und nun legte sich das törichte Wesen vor ihrem winzigen Schulhäusel für teures Geld auf einmal auch so einen Rosengarten an!

Er hatte gedacht, er wollte ihr aus Gnade vielleicht von Zeit zu Zeit einmal eine besonders schöne Rose schenken!

Und für ihr Geld hätte er bessre Verwendung gewußt.

Endlich sollte sie sich eisenbeschlagene, zwiegenähte Bergschuhe, Eispickel anschaffen und sich mit ihm und ein paar Männlein und Weiblein von der Kollegenschaft einmal in den Ferien auf eine ordentliche Alpenhochtour begeben.

Sie könne nicht! Sie habe kein Geld! Hatte sie ihm leise und eifrig anvertraut.

Aber für solche Sachen, wie er sie täglich sehen mußte, wenn er an ihrem Schulhaus vorbeiging (übrigens recht oft führte sein Weg ihn da vorüber!), hatte sie Geld!

Für Butter, Honig, Weißbrot, Schwarzbrot, Kaffee, Milch und Rahm in Mengen!

Unter dem jungen Birnbaum in ihrem rosendurchdufteten Grasgarten hatte sie während der ganzen Ferienzeit nachmittags immer den Kaffeetisch gedeckt. Da fiel das Sonnenlicht prunkend aufs rote Kaffeetuch durch die grünen Blätter. Wie vergoldet saß sie da mit ihrem dicken, braunen Zopf unter ihren drei jungen, blondlockigen Stadtnichten.

Diese Nichten, bleichsüchtige Schulkinder, hatte sie sich nämlich für die ganze Ferienzeit eingeladen. Sie kochte, schaffte, wusch und nähte für sie und schlug alle energiestärkenden Hochgebirgskraxeleien, die der Kollege ihr empfahl, in den Wind.

Der Herr Lehrer hatte sogar einmal wider Willen und voll Erbitterung an einer solchen Mahlzeit teilnehmen müssen.

Er hatte nicht von fern an eine Einladung gedacht, als er, ironisch lächelnd, am Zaune stehen blieb. Wenn dies Mädchen aber bat, konnte ihr ja kein Mensch etwas abschlagen.

Er saß über eine Stunde mit unterm Birnbaum und sah entsetzt, wie dick sie ihren eßgierigen Nichten die Butterschnitten noch extra mit Honig bestrich.

Er selbst aß, unter unwiderstehlichen Nötigungen ihrerseits, vier ebenso dick bestrichene, große Brote.

Nachträglich kam ihm über diese Völlerei ein Unbehagen.

Er schrieb eine Postanweisung an einen bekannten Imker und bestellte ein Fäßchen Honig für das törichte Wesen.

Das sollte ihr direkt geschickt werden.

Auf dem Postabschnitt sollte aber stehn: »Von einer Tante!«

Diese Lustigkeit nun während der nächsten Wochen im Lehrerinnenhäusel!

Er wollte bestimmt nicht, aber er ging doch immer wieder dort vorüber. Als habe sie ein Königreich geschenkt bekommen, so ausgelassen froh war das törichte Wesen über den empfangenen Honigtopf.

Sie konnte sich nicht denken, welche ihrer vielen Tanten den wundervollen Einfall gehabt hatte und lobte und segnete sie daher alle neun.

Von Vorübergehenlassen des Herrn Kollegen war nun erst recht keine Rede mehr. Er mußte mit schwelgen im geschenkten Honig und tat es unter Kopfschütteln über Fräulein Haas, die immer ausgelassener ward, je rosiger ihre Nichten erblühten, so reichlich, daß ihm hinterher abermals die Reue kam, zu Wiederanfang der Schule nämlich, wo man überhaupt immer neu anfängt, klar und nüchtern zu denken.

»Die Nichten fort; der Honig alle; Butter und Kaffee und Geld wahrscheinlich auch alle!« – So stellte er sich die gegenwärtigen Verhältnisse des törichten Wesens grollend vor.

Da machten seine Gedanken während der Rechenstunde – wie der Hase einmal einen Haken schlägt – einen fröhlichen Seitensprung.

Er befahl seiner Klasse, sofort schweigsam die Zahlen von 1 bis 100 zu schreiben und schrieb während dieser Zeit auf dem Katheder hinter einem Kornblumenstrauß eine Postanweisung aus.

Im Namen der Tante bestellte er abermals für die Kollegin hinterrücks ein kleines Honigfaß.

Gaishuberhansl, der behendeste und gescheiteste seiner Buben, sollte ihm die Postanweisung nach der Schule auf die Post besorgen, da er selbst erst zu Mittag in den Ort kam und der Halbzwölfuhrzug die Bestellung schon befördern konnte.

Genau wies er den Hansl an: Geld und Anweisung in den Schalter reichen, auf den Schein warten, den dem Herrn Lehrer bringen.

Mit seiner verständnisvollsten Miene hat der Gaishuberhansl dazu genickt.

Dann ist gegen Mittag derselbe Hansl von einer jungen Dame – Fräulein Helene Haas, die Lehrerin war's – in großer Not auf der Hauptstraße angetroffen worden. Hochrot war er im Gesicht, den Mund an den Mund des Briefkastens gepreßt, schrie er dumpf und ängstlich in diesen hinein: »Meinen Schein will i hab'n! I muß heim! Meinen Schein geben's mir heraus! I wart' schon so lang!«

Die Lehrerin blieb stehn und frug: »Was treibst du denn da? Was willst du für einen Schein?«

»Den für den Herrn Lehrer,« rief der Hansel heulend und hat ihr dann erzählt, daß er Geld und Anweisung hier richtig in das Kastel gesteckt habe, wie es ihm gesagt worden wäre. Es käme aber kein Schein heraus!

Das war so recht etwas für das lustige Fräulein Lenerl!

Sie lachte sich erst einmal herzhaft aus und wollte dann dem Buben helfen. Der Spalt des Briefkastens war groß und ihre Hand recht klein. Wohlgemut griff sie hinein, um Geld und Postanweisung wieder herauszuziehn.

Wenn das aber nur gegangen wär!

Die bayrischen Briefkästen mit ihren nach innen ausweichenden Blechzähnen sind wie Fallen.

Das törichte Wesen – (jetzt war sie's ja wirklich und wahrhaftig!) – zog und zog und bekam die Hand nicht zurück. Es war, als würde die immer größer vom Ziehen. Fräulein Lene starrte das Hansel schließlich ebenso ängstlich an wie er vorhin sie. Und der erschrockene Bub sah sich mit weit aufgerissenen Augen nach Hilfe um.

Und die kam auch gerade rechtzeitig um die Ecke.

In des Herrn Lehrers bekannter, vollwichtiger Gestalt! Sehr aufgeregt war der Herr Vollhuber, als er die Sache verstand. Er befreite durch Hochhalten der Eisenzähne in möglichster Geschwindigkeit die Hand. Diese Hand aber hielt die Postartweisung mit der Honigbestellung, und so schnell der Herr Lehrer den Schein an sich reißen wollte, – Fräulein Helene sah und begriff mit einem einzigen Blick die ganze Geschichte.

Und da blieb ihre Hand, zitternd und bebend, gleich in der des Lehrers, die mit ihr hatte ringen und raufen wollen, mit dankbarem Druck. Der Herr Lehrer drückte sie zart wieder, um Vergebung bittend für das, was er gewagt hatte. Versöhnung zusichernd drückte die kleine Hand die große da zum zweitenmal.

Und dann sagten die beiden Hände mit festem Druck sich gleich noch allerlei weiteres und sind schließlich einig geworden, sich überhaupt festzuhalten, sich nie mehr zu lassen.

»Gaishuberhansl,« befahl der Herr Lehrer freundlich gemessen dem Buben, »jetzt ist's gut. Geh nach Haus! Wir brauchen dich nimmer! Das Geld kriegen wir jetzt schon allein heraus.«

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