Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Frida Schanz >

Huberta Sollacher

Frida Schanz: Huberta Sollacher - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
authorFrida Schanz
titleHuberta Sollacher
publisherTrowitzsch & Sohn
printrunFünftes Tausend
illustratorW. Gause
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140315
projectidae575776
Schließen

Navigation:

Elftes Kapitel

Hinter dem geschlossenen Fenster der Forsthausküche gibt es jetzt alle Morgen ein lebhaftes Gefrag und Geschwätz von einer immer kräftiger und klarer klingenden Kinderstimme.

»Sollacherfräuln,« ruft's jetzt eben voll Eifer, »da schau! A ganz über und über goldigs ist grad g'flogen kommen! Wie heißt mer dös? Gelt, dös mit dem rot und gelben Schöpferl is a Goldhähnchen, hast d' g'sagt? I merk' mer's! O mei, dem schmeckt's! Da, da – o schau, die bieten! Gel', Meiserln sind's? Dös große, das ist a frechs! Immer will's das meiste haben, und die andern tut's stoßen! A ganz a greans jetzt! A Grünspechterl, gel'? Und o das winzigkleine! Ist das a Königl?«

Huberta antwortet freundlich: »Ja freilich, Kind! Das ist der Zaunkönig, das Schlupferl, das mit seinen Brüderln gegen abend immer so laut Zeck! Zeck! Zeck! schreit im G'sträuch, weißt? Die große, die sich grad das Schnaberl wetzt, ist eine Spechtmeise. Die zwitschert aber lustig: 's hat geschmeckt! 's hat geschmeckt! Schau und all die andern Meisen, die Tannenmeise, das Blaumeiserl, die sind froh! Sit! Sit! Sit! rufen sie. Das heißt: Uns schmeckt's! Uns schmeckt's! Schau, das mit dem langen, dünnen Schnabel, das ist ein Baumläuferl. Wenn die alle könnten, die Meisen und der Zaunkönig und der, da täten sie dir jetzt erzählen, wie froh sie sind, daß wir ihnen den schönen, bequemen Futtertisch herg'richtet haben, voll Körner und Brot und Speck, und daß wir alle Äpfelkärnle fleißig für sie gesammelt haben! Wie sie sich sonst plagen müßten, um ein bisserl Futter zu finden in der harten Winterszeit! Weißt, auf dene Äst und Zweig, wo sie sich sonst ihr Fressen picken, alle die Larven und Käfer, liegt der Schnee gar so fest an, und wenn der Tauwind weht, sind sie mit Eiskrusten dick überzogen. Alle Mauerritzen sind zug'schneit und der Erdboden überdeckt mit all den trockenen Blättern, unter denen sie sich sonst doch noch manchmal bisserl was haben suchen können. Da hungern sie und frieren.«

Das Hankerkind nickt und schaut Huberta mit den wieder klar leuchtenden Augen verständig an.

»Und da werden's krank, gel'?« fragt es wichtig.

Seit es ihm wieder gut geht, ist der Stolz gekommen auf die Krankheit, die es zum Mittelpunkt so vieler Sorge und Liebe gemacht hat. In so weichem Bett hat's liegen dürfen, solange es gewollt hat, Milch und gute Suppen und Hühnerfleisch hat's bekommen, ja Kaka-u, wie es jedem erzählt, der's hören will. Zu seinem größten Verwundern ist es sogar vom Sollacherfräuln jeden Tag gebadet worden in einer blanken Wanne voll lauwarmem Wasser, in das das Fräuln aus einer großen Flasche dicken, braunen Sirup gegossen hat, der war aus Fichtennadeln gekocht und roch so gut, wie's im Walde riecht.

Da ist ihm allmählich das frühere Rosenrot wieder ins bräunliche Gesicht gekommen, wenn auch nur ganz zart. Es hat wieder sein reizendes, breites Gelach, bei dem sich die Oberlippe hochzieht und bei dem man jedes der schneeweißen Zähnchen blitzen sieht. Wie die zarten Glieder sich wieder runden, das schöngebaute, pralle Körperchen sich wieder polstert und festigt! Daran kann Huberta sich beim Baden gar nicht satt sehen.

Nun ist's schon seit acht Tagen ganz außer Bett.

Im dicken, feuerroten Wollkittelchen prangt's.

Wie ein zahmer Vogel trippelt's und hüpft's den ganzen Tag um Huberts her. Es fehlte nur, es pickte ihr auch aus der Hand. Es wird noch geschont; es darf noch nicht in die Kälte, nicht aus dem Zimmer in Wind und rauhe Luft.

Aber danach fragt's auch nicht.

Das Forsthaus ist ihm eine neue Welt voll Merkwürdigkeiten und Wundern, und in der großen neuen Welt hat es noch extra seine eigene, – und keine kleine. Einen ganzen Kuhstall hat's unter einem Küchenstuhl, aus Bauklötzen, mit zwanzig Kühen und zwei Kälbchen, nämlich Fichtenzapfen und zwei kleinen Kiefernzapfen dazu.

Unter der Ofenbank im Leutstübel hat's gar ein Dorf mit vielen Häusern, – Schneckenhäusern, – zu Straßen und einem Markte zusammengestellt. Auf dem Markte ragt ein mächtiges Schneckenhaus auf – die Kirche.

Es hat die geschnitzten und aus Holz und Fell gefertigten Tiere und die einzige Puppe aus Hubertas Jugendzeit zum Spielen. Und Rätsel hat es zu raten, die Huberta ihm aufgibt.

Zum Beispiel: »Wie weit geht der Fuchs in den Wald hinein?« Das weiß man nicht, man kann sich habtot besinnen. Huberta aber weiß es und sagt's: »Bis zur Hälfte. Dann geht er doch natürlich wieder heraus!«

Der Herr Forstmeister läßt das Kind manchmal auf seinem Knie Trab reiten, und der Herr Sollacher läßt's fliegen, hebt's hoch in die Luft, daß es nur so strampelt mit seinen rotstrumpfigen Beinen.

Und darüber lacht das Sollacherfräuln, daß alles schallt. Das Lachen, das kein Schluchzen ist! Das Lachen reinster Lust und Glückseligkeit!

Die Welt erscheint ihr so froh und blank und schön!

Das Licht nimmt zu, jeden Tag um einen Hahnenschrei. Ihr ist's, als ob ebenso auch von Tag zu Tag die Freude des Lebens, des Daheimseins noch wüchse.

So viel gibt's zu tun, zu erleben! Und mit vollem Eifer, mit brennendem Interesse ist sie dabei.

Ein herrischer, tüchtiger Winter ist's, ein Winter mit strammer, harter Kälte, immer neuem, wenn auch nicht mehr so massenhaft auf einmal fallendem Schnee, dazwischen reinem, blauem Himmel, viel klarem Sonnenschein und schimmerndem Mondlicht in den Nächten.

Da darf sie oft mit Vater und Bruder auf die Pirsch gehen. Es gilt namentlich dem Raubzeug!

Dem wird jetzt der Krieg bis zur Unerbittlichkeit erklärt.

Der immer neue, weiche Spurschnee verrät sie alle, die schleichenden, huschenden Nestschrecken und Hühnerstallfeinde, Marder, Iltis, Wiesel, vor allem die Hallunken, die Füchse. Wild erbost ist man gegen die. Die brauchen mächtig viel Fraß jetzt und nehmen ihn, wo sie ihn finden können. Raubsüchtiger als nur je sind sie geworden in dieser scharfkalten Winterszeit. Sie treiben die von Hunger und Kälte ermatteten, kranken Rehe in die Schluchten und Gräben mit noch fließenden Wildgewässern, fallen sie dort an und fressen leckermäulig von dem edlen Wilbbret. Gerade nur die Delikatessen, die zarten Schenkel, sind ihnen recht.

Des von der Kälte matten Wildes gibt's ja jetzt viel!

Und im kleinen Hühnerstall des Bahnwärterhauses war der Fuchs eines Nachts und hat die einzige, schöne, weiße Henne geholt.

Wie mag er in den Feldgräben und unter den Hecken den sich jetzt dort duckenden Rebhühnern nachschleichen und den Enten in den wenigen noch nicht zugefrorenen Stellen des Sees und im Uferrohr!

Voll schützender, sorgender Gedanken für alle die Bedrängten, Bedrohten geht Huberta mit dem Bruder auf die Fuchsfährte, um die Gesellen abzuspüren auf dem frischen Schnee, sie mit dem Dachshund heraus vor den Schuß zu hetzen aus ihrem sicheren Bau.

Erst der Bruder, – dann der Dackel, – dann sie. – So geht die Reihenfolge. Der vierläufige Freund meint, dicht hinter den Jäger gehört nun einmal er und nur er; er geht lieber dem Herrn dicht »auf den Haxen,« ehe er der Schwester folgt. Manchmal, wenn ihm eine Rehspur in die Nase kommt, ist er wie verrückt. Es hilft nichts! Jetzt nicht! Du darfst nicht! heißt's.

»Heb' dei Jagdwut auf für'n Fuchs, alter Lackl!« rät Huberta.

Das Wort Fuchs reizt den alten, eingefleischten Todfeind des listigen »Roten« aufs äußerste.

Er gerät in wütende Kampflust und Tatenlust, wenn der Fuchsbau ausgespürt ist, wenn Bruder und Schwester ihn zum Einschliefen in die Röhren hetzen mit flüsternd anspornendem:

»Such's Füchsel! Such's Füchsel! Faß! Faß!«

Das sind wahre Heldentaten des schon betagten Hundes!

Eines Tages haben Huberta und der Sollacher nach ungeduldigem Warten ihren Dackel mit großer Mühe selbst wieder ausgraben müssen, als er so lang, lang nicht aus dem Bau herauskam, als sein heiseres Gekläff ganz verstummte. Der Fuchs hatte ihm den Ausgang verscharrt. Nase und Ohren blutig und voll Erde, den ganzen Kopf voll Spinnweben, niesend, schnappend, so brachten sie ihn dann ans Licht heraus.

Das war ein Begrüßen! Ein Bemitleiden! Ein heiseres, den Fuchs anklagendes Dankgeblaff!

Dafür war der Dackl in seiner Siegesfreude aber auch wie rasend, als er ein paar Tage später den Erzfeind doch aus dem Bau heraus vor den Schuß trieb. An dem toten Fuchs hat er sich noch beinahe die Zähne ausgebissen.

.

Und dem alten Fuchs, den frechgewordene Freßgier und die Kälte jener Wintertage einst mitten am Nachmittag in die Nähe des Forsthauses heranwagen ließen! Dem ist die Dummdreistigkeit übel bekommen!

Das war ein Betrieb!

Huberta hatte ihn, vom Gekläff des Staps aufmerksam gemacht, vom Flurfenster des ersten Stocks über den Bleichplatz weg jenseits des Baches erspäht. Ein Steg führte über den Bachgraben. Der Staps raste sich wie toll ab, den zu erreichen, zu übersetzen. Und kaum ist er drüben am jenseitigen Ufer und kommt dem Fuchse nah, so setzt der gemütlich mit kurzem Ansatz über den Graben herüber und scheint den Dackl höhnisch auszulachen. Und der Dackl schnell, so rasch es humpelnderweise geht, wieder zurück zum Steg! Der Fuchs läßt ihn herankommen, als er ihn beinahe erreicht hat, macht er abermals einen Sprung über den Bach.

Und so zum dritten, – vierten Male! –

»Holla! Da versteht's jemand, das Lachen!« sagt der Geweihhändler Hagemoser aus Pfaffenhausen, der gerade im geschäftlichen Gespräch mit dem Bruder Max in der Halle unten steht, und will sich selber kugeln.

Im selben Moment ruft die Huberta, ihr helles Gelach unterbrechend, laut:

»Sollacher, schnell, hier herauf mit versorgtem Gewehr! Ein Fuchs zum Schuß!«

Sie hat das Fenster schon weit aufgerissen, als der Sollacher kommt. Ein Blitz und Krach, dann! Drüben, jäh aus seinem Bosheitsneckspiel herausgerissen, liegt der Räuber in seinem Blut.

Huberta hätte den schneidigen Schützen umarmen, wenigstens einmal recht liebevoll am langen, blonden Schnurrbart zausen mögen, hätte sie sich nicht vor dem Händler geniert, der sie ohnehin ein bißchen, sie weiß nicht wie, anschaut, so wie sie's gar nicht mag, als sie ihm auf des Bruders Wink ein Glas heißdampfenden Tiroler Roten vorsetzt.

Der große Hirschmann muß den Fuchs herbeischleppen, Staps ist wie betrunken vor Freude und gestillter Rache.

»Lackl, rachsüchtiger, so arg treibt man's net!« schärft ihm die Huberta ein.

Ein ausgewachsener Fuchs, mit dem dunklen Kreuz, dem Kennzeichen reifen Alters, im stattlich dicken Winterfell mit mächtiger Standarte war's. Das bringt etwas ein!

Denn Fuchspelz ist kostbar, jetzt doppelt, da es die Pelzhändler verstanden haben, den schlechten Geruch, der dem schlechten Gesellen anhaftet, daraus zu entfernen.

Und das Schußgeld für alle Raubzeugbeute ist Hubertas Taschengeld laut Vaters und Maxens Verfügung! Ihr ist's dienlich! Geld braucht sie immer, viel, viel, für ihre vielen Schutzbefohlenen.

Dem Überlisten des Raubwildes widmet sie sich deshalb auch noch mit besonderem Eifer; es hat einen starken praktischen Zweck für sie, abgesehn von der Fürsorge für Singvögel, Kleinwild, Hühner- und Entenvolk.

Für die Bereitung von Fuchslockspeisen ist sie berühmt. Sie ist von der Zenzl »angewerkelt« worden für dieses heikelste Jagdgehilfengeschäft, übertrifft die alte Lehrmeisterin aber nun längst darin.

»Kein Fuchs ist in die Fallen g'gangen, so lang du fort warst!« Diese unerhörteste aller Schmeicheleien widmet ihr einmal kurz der Max.

Zur Herstellung der Fuchsköder oder Witterungen gehört höchste Akkuratesse, Vorsicht und List. Diese Lockspeisen sollen den Feinschmecker im roten Pelz in der vom Jäger gewünschten Richtung nach der mit Zweigen verblendeten Fallgrube locken. Keine Menschenhand darf mit dem Leckerbissen in Berührung kommen; dies würde verursachen, daß der mißtrauische Spitzbub sie entschieden verschmähte.

»Also: das Haferl nagelneu, in dem die Zwetschgen, recht große, süße, gekocht werden,« hat die Huberta seinerzeit das Rezept auswendig gelernt. »Diese werden mit Holzstängeln gespießt, beileib nicht mit Händen angefaßt. Honig, Veilchenwurzel und foenum graecum aus der Apotheke werden gekocht, dürfen aber auch nur mit dem Hornlöffel berührt werden. Der aus diesen Dingen gekochte Sud wird durch ein linnenes Fetzerl geseit, das nie mit Seife gewaschen worden ist; wiederum mit Holzspänen taucht man die weichgekochten Pflaumen in diesen Sud, und ebenfalls mit Holzspänen legt man sie in der Nähe der Fuchsfährten, nach der Falle zu führend, auf den Schnee, die Fußtritte hinter sich sorgsam verwischend.« Ist es gelungen, daß der Feinschmecker einmal vertrauensvoll einen so fettsüßen Bissen kostet, so geht er den anderen sicher nach bis ans verhängnisvolle Ziel.

Recht ist's der Huberta ja nicht, dieses durchtriebene Überlisten des roten Raubritters.

Es gibt ihr viel zu denken. Da ist manches Sinnen und Überlegen. Sie muß immer wieder ihren ganzen Zorn zusammennehmen gegen den Räuber, der aber doch nun einmal zu diesem Raubhandwerk bestimmt zu sein scheint in der Ordnung der Natur.

»'S is halt Krieg«, sagt Max. »Die eine Seite vom Jägereihandwerk ist halt Krieg, mein zarts Fräuln!«

Und der Vater sagt: »Dafür ist die andere Seite desselben Handwerks Frieden!«

Fröhlich und verständnisvoll schaut Huberta ihm da in die Augen.

»Ja freilich, Vater, da hast recht!«

Das Wildhegen, das Wildfüttern meint er.

In diesem Schneewinter wird das zu einer so recht tröstlichen, traulichen, das Gemüt befriedigenden Tätigkeit, wenn auch manches Mitleid für die Kreatur, manche Sorge um sie übrig bleibt.

Im Wald gibt's jetzt so viele der Bettler und Bedürftigen. Ein einziges Bitten ist das ganze Volk der Tiere, vom stolzen König, dem Edelhirsch, bis zu dem kleinen fleuchenden, kreuchenden Gesindel.

Alles hat Hunger, alles ist arm, alles friert.

In der Dämmerung kommen die Hasen bis an den Kohlgarten der gefürchteten Obrigkeit des Forsthauses heran. Die Rehe wechseln aus dem Walde heraus auf die große, ansteigende Rodung, die das Forsthaus trägt, in ganzen Rudeln, nur zart vom verschneiten Walde abstechend in den grauen Winterpelzchen, gegen die sie das rötliche Sommerkleid vertauscht haben und die in diesem strengen Winter noch wie von einem Extra-Spinnennetzchen durchwebt zu sein scheinen zum Schutz gegen den Frost. Wie wohl wird's ihnen, wenn sie mitten auf dem Weg einen gedeckten Tisch finden, Kartoffeln, Kastanien, Maiskörner, Rüben, Eicheln ausgestreut sehn!

»Sucht! Sucht nur!« möchte Huberta aller Kreatur zurufen. »Im ganzen weiten Revier haben wir ja solche Tische für euch gedeckt. Für euch alle, alle haben wir gesorgt!«

» Wir

Sie kann's stolz und froh sagen; es ist eine ungeheure Arbeit, das Auslegen des Futters in den weitgedehnten Waldungen, und sie muß tüchtig dabei helfen; unter ihrer Aufsicht sind die Futtervorräte, die der Garten und der Wald selbst geliefert haben, Eicheln, Kastanien und dergleichen, hauptsächlich gesammelt und aufgestapelt worden in der Sommer- und Herbsteszeit.

Sie berät mit Vater und Bruder, wieviel Körbe und Säcke von dem und dem jeden Tag auf die Wege gestreut werden sollen, wieviel Heu unter die überdachten Raufen kommt.

Nicht zu viel! Außer wenn der Schnee ganz dicht flockt, und die Wege rütteldick überdeckt. Das Wild soll Bewegung haben! Soll sein Futter suchen in gehörigen Abständen! Sich den Wanst nicht zu voll packen. Die Natur verlangt ein bißchen Hungerleiden im Winter, zu feist gefüttertes Wild wird krank.

Und die Jungen, Kleinen sollen ihr Recht haben, ebensogut wie die Starken. Von den Raufen werden sie so leicht zurückgedrängt von den Großen, den Kraftprotzen.

Das muß man alles bedenken. Und für die Hasen und Rebhühner muß man sorgen, den verschüchterten, gering gewordenen Völkern der letzteren ihr Körnermahl unter die Hecken streun, unter die sie sich, eng zusammengehuschelt, am Abend niederducken.

Den Wildstand zu hegen, – das Wild gut durch den Winter zu bringen, ist Jägerehre, ist höhere Jägerkunst.

Und etwas Feineres, Zarteres liegt außerdem darin, das fühlt gerade Huberta so tief.

Wie ein seelenberuhigendes Dankopfer, eine liebe Steuer ist dieses Hergeben, dieses an die stumme Kreatur Denken, dieses Sorgen für sie.

Jede Stunde des Tages empfindet sie es so tief und warm, viel inniger als sie es ausdrücken könnte: Man hat es selbst so gut!

Das Haus ist so warm, mitten in der Winterkälte durchheizt und gemütlich durchprasselt von riesigen Holzkloben und entsamten Fichtenzapfen, der Tisch so gut besetzt und die Vorratskammern reichlich voll von Wildbret und den schönsten Stücken und Gemächten vom braven Borstenvieh, voll von den Obsterträgen des letzten überreichen Sommers. Und dazu so fröhliches Leben! Ein Kommen und Gehen von munterem Jagervolk! Des lieben Kindes immer helleres, glücklicheres Gelach! Fröhliche Besuche hin und her, denn dafür ist der Winter ja die Hauptzeit überall auf dem Land. Durch die oft herzhaft anstrengende Arbeit des Wildfütterns verdient man sich alles dies doch ein wenig.

Ein körperliches, gliederermüdendes Abraxen ist's oft geradezu. Die Schneeschuhe werden an geeigneten Tagen zur kostbarsten Erfindung. Mit denen ist das Fortkommen auch mit den Rucksäcken, den prall vollgestopften Futtersäcken ein Spiel. Aber beim hochliegenden Schnee, der den Menschen das Fortkommen fördert, hat das Wild das Umherstapfen um so schwerer. Mit Schaufel und Schneepflug müssen den Rudeln in schneegefüllten Schneisen und Hohlwegen oft mühsam die gewohnten Gangsteige gebahnt werden, auf die man ihnen die Nahrung legt. Das Trotten durch den tiefen Schnee schwächt und ermattet die jungen Tiere und Schmaltiere zu sehr.

Wenn der Schnee einen Harsch hat, eine dünne Eisdecke, – das ist das Allerschlimmste! Wie Glas schneidet der den Rehen in die feinen, dünnen Läufe.

Einmal war's bei weichen Tagen und kalten Mondnächten fast eine Woche lang so.

Der Herr Forstmeister war gerade in dieser Zeit zu Gamsjagden von einem nahen Verwandten des Landesfürsten in dessen Jagdschloß ins hohe Gebirg geladen. So war die Arbeit und Verantwortung der beiden Geschwister für die Versorgung des Wildstandes doppelt groß in diesen Tagen.

»Wir schaffen's!« schrieben Huberta und Max dem Vater täglich auf die von dem jungen Weidmann selbst genial-flott aquarellierten Waldpostkarten, deren man sich im Forsthaus bediente.

»Du schaffst's!« dachte Huberta aber immer dabei im stillen Innern. »Du! – mei Lieb! mei Stolz! mei Sollacher!«

Was der leistete in dieser Zeit!

Sie bedachte und betrachtete es voll schwesterstolzer Genugtuung! Wenn sie längst nicht mehr konnte, konnte er noch mit voller Kraft. Unermüdlich war er immer unterwegs, er setzte das scheinbar Unmögliche durch, bahnte Wege aus dem Wald zu den Aspen und Eschen, an den Bächen hin, die jetzt im Spätwinter schon die ersten Knospen ansetzten, ließ Weichholz fällen und über die Wildbahn hin verteilen, daß das Wild bequem dessen Rinde äsen konnte in der bösen Hungerszeit. Überall führte er über die angestellten Arbeiter selbst die Aufsicht, legte selbst kräftig die Hand an.

Mit neugehobner Begeisterung sah die Schwester in diesen Tagen zu dem tüchtigen Bruder auf.

»'S ist ein ganzer Kerl!«

Sie könne es der Postwirts-Wabi ja nicht verdenken, – so sagte sie sich oft sinnend, still bewegt.

Ihr war nämlich ein Licht aufgegangen über die Bedeutung von Waberls Bittgesuch im Bittbuch der gnadenreichen Mutter Maria irrt Lorettokapellchen, – ein Licht, so glührot und heimlich, wie das ewige Lämpchen dort über dem freundlich schauenden Gnadenbild.

Beim Eislaufen auf dem See war's gekommen.

Die Geschwister ergötzen sich in den freilich seltenen freien Nachmittagsstunden mit leidenschaftlichem Eifer an diesem Vergnügen.

Zu eigenartig schön ist dies Sichausleben und Schweben auf der unermeßlichen, glatt gefrorenen Bahn inmitten der silberglitzernden Winterwelt im Angesicht der Berge, die nie schöner sind, nie klarer, näher, als in schneeblitzender Winterszeit.

Huberta hat es erst gar nicht begriffen, warum ihre Schulfreundin Wabi, die seit letzter Zeit im hochmodernen, mächtig großen Hute und einer Federboa prangt, die ihr zum runden, gesunden Gesichtel drollig steht, – warum die so jäh errötet, so ein schüchternes, demütiges, überseliges Getu hat, als der Sollacher einmal vor ihr hinkniete und ihr die Schlittschuhe schnallte. Wabi lernt das Schlittschuhfahren jetzt erst. Als Kind fand sie's fad und unkommod. Gefällig hatte sich der Max eine Weile mit ihr abgemüht, gelernt hatte sie noch wenig, nur wenn sie sich fest ankrampfte an seiner Hand, gelingt ihr ein Stück; aber gedankt hat sie dem Lehrmeister mit einem Geschau und Getu, wie's die Huberta noch nie an ihr gesehn hatte.

Huberta hat das Waberl immer nett und recht brav und gut gefunden. Grad an dem Tag fand sie es so töricht. Und plötzlich wird's ihr ganz kurios zu Mut, hell und gleich darauf doch schwarz vor Augen, als sie die beiden zusammen sah.

.

Sie wußte nicht, war's Freud oder Leid, Schreck, Angst oder Glück, was sie da auf einmal so bedrängte. Ein ganzer Tumult von Gefühlen war's. Nach allen Seiten hin tat's ihr weh. Rütteln und beuteln hätte sie's mögen, dies kecke Waberl, ihr zurufen: »Was glaubst? Was vermeinst? Mei Sollacher?! Zu dem traust dich so aufzuschaun mit deinem Gewünsch!?«

Daneben war's ihr um die brave Schulkameradin erbärmlich leid. In ihr regte sich ein inniges »Derbarmen,« das klagte: »O arms, arms Waberl! Du Hascherl, du! An den Sollacher hängst dei Lieb? An den Weiberfeind? Der mag di net. Der hat nur eine Lieb, – seinen Wald. Der hat nur sein Gefrozzel mit den Mädchen, denkt an keine ernst!«

»Bis die Rechte kommt!« hat der Vater freilich einmal gesagt. Bei dem Gedanken: Wie die sein möchte, die Rechte für den! – hat es sie eigen überlaufen. Eine große Lieb über den kommend, – wie das sein müßte? Ob's möglich war? Was für eine Besondre müßte das denn sein?

Die Wabi geht ihr gar nicht ein. Die Wabi ist ja nicht unrecht, nein, nein, – – nur heut grad, wo sie das an ihr verspürt, kommt sie ihr so narret vor. Das, – das müßte die Menschen schön und herrlich machen, hat sie sich immer vorgestellt.

Zum Glück werden ihre Gedanken Bald glücklich abgelenkt.

Mit flottem Schwenken seines grünen Jagerhuts verabschiedet sich der stramme Lehrmeister vom rundlichen Wabel und ruft der Huberta schon von ferne zu:

»Mädl, laufen jetzt wir a bissel?«

Jubelnd stimmt sie bei. Von weitem strecken die Geschwister sich die Hände entgegen, und in einem gemeinsamen, weit dahingleitenden Ausgreifen über die mattspiegelnde, silbrige Eisfläche beginnen sie ihren rhythmischen, einem fröhlichen Tanze gleichenden Lauf.

Der Bruder legte den Arm auch manchmal wie zu einem wirklichen Tanze um Huberta. In weitausgreifenden Schlangenlinien geht's die mächtige Seedehnung entlang, auf die von Süden die weißen, leuchtenden, von der tiefgehenden Nachmittagssonne schon wie mit Rosen umkränzten Berge niederschaun. Um all die silberglitzernden Inselchen geht's herum bis an des Sees End, wo, von vielen emsigen Arbeitern in Bewegung gesetzt, der Eishammer pocht und die Eissäge kreischt! Die bausteinförmigen Eisstücke für die Keller der vielen Bräus der Gegend und fernen Landesstädte, hauptsächlich aber fürs Schlössel, werden hier geschnitten.

Dann geht's wieder zurück bis an das bewohnte Ende des Sees, das belebte, wo sich das Vergnügen des Eissports sammelt, von wo über den ganzen See hin das Lachen und Jauchzen schallt.

Eine schimmernde Burg aus Eisquadern ist dort errichtet, die vom Beginn der Dämmerung an bis tief in die Nacht hinein von roten und grünen elektrischen Lämpchen feenhaft strahlt.

Der Verschönerungsverein des Ortes, der im Sommer die Wege ebnet und reguliert und hübsche Plätze an Aussichtsstellen anlegt, hat sie gebaut. Dieser Verein der Honoratioren des Orts braucht jetzt nicht für das Vergnügen der Fremden zu sorgen, sondern für das seiner eignen Mitglieder, der Beamten-, Kaufmanns-, Hotelbesitzersfamilien, die nun mitten drin sind in Vergnügungs- und Lebenslust mit ihren Frauen, Söhnen und Töchtern.

Im Winter haben sie alle reichlich Zeit. Da gibt's allerlei einfache, echte, ausgelassene Lustbarkeit, Kränzchen, Bälle, Mummereien zur Faschingszeit, Gesang- und Zithervorträge, kleine Theateraufführungen, Schlittenfahrten und Eisfeste.

Huberta ist zum erstenmal mitten drin, ist gern dabei, ist bei allem, wenn's sein kann.

Das Schlittschuhlaufen auf der Weite des geliebten Sees ist ihr aber das Schönste und Liebste von allem.

Ein buntes, eigenartiges Leben ist's dort, schon an einem gewöhnlichen Nachmittag wie heut.

Die Buben und kleinen Dirnen des Dorfes rutschen in sausender Schnelle in ihren mit den Füßen gelenkten Schlittchen von einer abschüssigen Stelle des Seerandes her über die Seefläche. Das junge Volk des Seeorts und der umliegenden Dörfer tummelt sich einzeln, in Ketten und Paaren. Die ganze Kraft und Gewandtheit des Bergvolks kommt in einzelnen Schlittschuhläufern, meist Fischern, Schiffern, Eisbrechern, zur Geltung. Ein junger talentvoller Holzschnitzer aus dem Ort hat wahre Kunstwerke von Schneefiguren ausgebaut, drollige Männlein und Weiblein, gespenstige Gamsböcke, Hirsche, Bären und Hunde.

Der beliebte, lautfröhliche Sport des Eisschießens steht in Blüte, und mehrere Bauernburschen haben ein über die Viertelsbreite des Sees ausgreifendes Eisrad gebaut, d. h. einen Pfahl ins Eis gerammt, ein Wagenrad drehbar darüber befestigt und mächtige Fichtenstämme als vier Riesenspeichen in dieser Achse befestigt.

An die äußeren Enden der Stämme sind Schlitten angehängt, eine ganze Kette, aus vier bis fünf bestehend, an jeden. Die sausen mit ihren Insassen in unglaublich schneller Kreisbewegung rundum, wenn die Burschen das Rad von der Achse aus drehen. Mit den Schlitten fliegt ein schmetterndes Jauchzen und Lachen im weiten Kreise rundum.

Ein Neckbold macht zuweilen den innersten Schlitten einer Reihe von der Speiche los, daß die ganze Kette weit hinaus über die Fläche saust. Huberta, Wabi, das Doktorlenerl, der Sollacher, sie alle müssen den ausgelassenen Burschen einmal den Gefallen tun, müssen einmal dran an die schwingende, schleudernde Fahrt.

Das jauchzt, lacht, kreischt!

»Nur Kuraschn!« »Nur Kuraschn!« tönt's aufmunternd dazwischen.

Ein paar Furchthasen gibt's unter den Frohen, Kühnen, die immer Tröstung und Zuspruch brauchen.

Die Wabi ist eine davon, die andre Fräulein Helene Haas, die junge Schullehrerin aus dem Nachbarort, das »törichte Geschöpf«.

Der will Herr Vollhuber, ihr Herr Kollege, jetzt absolut Schneid für Wintersportsvergnügungen beibringen mit aller seiner eigenen Schneid.

Er hat sich als Schlittschuhlauf-Lehrmeister mindestens zehnmal so verdient gemacht als der lange Sollacher ums rundwangige Waberl.

Fräulein Haas kann's nun nett, das richtige, zierliche Laufen, wie's zu ihrer zarten Mädchenerscheinung paßt. Ohne Extravaganz, in kleinen Rundungen unter den Leuten herum fährt sie, geschmeidig und flott.

Er aber ist damit nicht zufrieden, er kann's nicht begreifen, daß sie nicht in mächtigem Ausschreiten über den halben See mit ihm dahinfliegt, um alle Inseln herum, wie die Huberta mit ihrem Bruder.

»Wo kein solcher Betrieb wär'! Wo man ein vernünftiges Wörtl miteinander reden könnt,« äußert er sich zu ihr.

Sie will das eben nicht, findet es nicht schicklich für sich als junge Lehrerin.

Darüber haben sich die beiden gestritten, und der Herr Vollhuber fordert nun seine einstige Schülerin Huberta zu einem Rundlauf auf mit bedeutsamem, strafendem Blick auf die Kollegin, die in der leuchtenden Eisburg frierend sich an einem Haferl Kaffee, der dort verkauft wird, wärmt.

»Mit Ihnen ist's doch noch a Freud'!« sagt der Lehrer recht laut zu Huberta in einem Ton, in welchem aber gar kei Freud' ist, sondern nur Ärger über das hasenherzige, kaffeetrinkende Wesen im Eispalast.

Leider reicht bei Huberta die Zeit auch nur zu einem kurzen Flug. Sie haben's immer eilig, die Geschwister Sollacher.

Geschäftliches, Berufliches ruft sie heim und die Huberta extra die Freude auf ein geliebtes Kinderstimmchen, das bei ihrer Ankunft schon wer weiß wie weit aus der Haustür in den Wald ruft:

»Sollacherfräuln! Sollacherfräuln!«

Eilig verabschieden sie sich deshalb von ihren Bekannten. Viele umringen sie; alle kennen sie und haben sie gern.

»B'hüt di Gott! I b'such' di bald!« sagt in freudevollem Ton das Waberl.

Huberta erwidert mit raschem Geäug auf den Bruder, der über die Ankündigung aber keine besondere Aufregung zeigt: »Ja, komm nur!«

Küchel und Obstkrapfen zum Kaffee sind auf die häufigen Besuche im gastlichen Winter hin ja jetzt immer im Forsthaus gerichtet, – jeden Nachmittag.

Doktors und Pfarrers und manche sonstige Bekannte aus dem Ort lassen sich's einfallen, jetzt unter lustig klingelndem Schlittengeläut eine Nachmittagsbesuchsfahrt ins Forsthaus zu unternehmen. Da gibt's oft lustige, gemütliche Stunden, Spiele, Klavierspiel und Gesang.

Auch eine Bäuerin in Pelzjacke und Pelzhaube oder ein Bauerdirndl im warmen Tuchjäckchen und grünen Filzhütl aus irgend einem der großen verschneiten Einödshöfe, die zu Gereut gehören, spricht hier und da einmal im Forsthaus vor.

Huberta besucht nach alter Forsthaussitte alle die Bauern im Winter auch je einmal.

Da hungert sie sich immer vorher aus Rücksicht ein bißchen aus; denn Brot und Butter und Käs wird ihr da in großen Mengen vorgesetzt, und Kirschengeist muß sie nippen, den sie gar nicht mag. Annehmen muß sie's alles, damit es die stolzen Bäuerinnen ja nicht verschmoacht!

Das Gespräch geht bedächtig zwischen ihr und ihren Wirten; ehe sie sich verabschiedet, werden ihr Kühe und Pferde im Stalle gezeigt und einzeln benamt.

Von den Topfpflanzen an den Fenstern, die sie gelobt hat, um die Bäuerinnen zu erfreuen, bekommt sie regelmäßig ein Rosmarinsenkerchen mit. Eine ganze Schule von Rosmarinstöckchen aus solchen Senkern hat sie schon zu Haus. Für mehr als zehn Freundinnen, denkt sie manchmal, könnte sie Brautkränze daraus binden. In aller Eisigkeit um sie her treiben die Stöcke Knospen um Knospen hinter den Scheiben.

Die Bauernbesuche gehen reihum, den ganzen Winter durch. Jede Woche einen. Als der letzte gemacht wird, ist's auf einmal Frühling.

Da rieseln die aufgetauten Quellen, die Baumknospen schwellen, überall riecht's nach Veilchen, nach Moos, nach Harz, nach Erde, nach Würze. Schau da! Bachstelzen und Rotkehlchen suchen sich gar schon ihren alten Platz zum Nest!

»Bin wieder da! Bin wieder da! Sixt mi nit?« geht ihr zwitscherndes Gefrag'.

Es hatte wirklich des Anrufs der Frühlingsboten bedurft. So scharfäugig wie im Winter scheint die Huberta jetzt nicht ganz zu sein. Oder hatte sie nicht aufgepaßt?

Ein leichtes Schleierchen von Träumerei liegt bei ihren Gängen manches Mal zwischen ihr und der Welt.

Die Wabi kommt des öfteren ins Forsthaus, und sie kann's und kann's nicht leiden, daß sie so oft und eindringlich nach ihrem Bruder fragt und ihm Augen macht, sobald er sich in ihrer Nähe blicken läßt.

Und ein wirkliches Herzleid geht neben dem stillen Ärger über das auch noch mit ihr in den Frühling hinein.

Sie soll ihr Roserl hergeben.

'S ist ganz gesund und kugelrund. Mit heller, lauter Stimme lacht's und jubelt's durch das ganze Haus. Es darf weite Spaziergänge in den Wald mit seinem Sollacherfräuln machen und hat die ersten Schneeglöckchen im Garten gefunden.

Der Vater sagt, wenn es länger bliebe, würde es gar zu sehr verwöhnt, Huberta täte ihm ja jeden Willen. Und daran ist leider viel Wahrheit. Auf einer Hutschen, einer über einen großen Baumstamm gelegten Bretterwippe, hat Huberta neulich sogar stundenlang mit dem Kinde geschaukelt, bäumehoch: es kriegte gar nicht genug der Lust. Der Sollacher hat es, von dem schmetternden Jubeln angelockt, leider gesehen.

Damit des Kindes Übermut nicht gar so sehr ins Kraut schießt, soll's heim. Seine Eltern wollen's auch. Es hat ein Brüderl bekommen, auf das soll's schon ein wenig mit aufpassen daheim.

Und Ostern ist nah. Zu Ostern soll das Roserl zum erstenmal in die Schule gehen.

.

 

 << Kapitel 11  Kapitel 13 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.