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Hotel Savoy

Joseph Roth: Hotel Savoy - Kapitel 13
Quellenangabe
pfad/roth/savoy/savoy.xml
typefiction
authorJoseph Roth
booktitleHotel Savoy ? Hiob
titleHotel Savoy
publisherKiepenheuer & Witsch
isbn3462023799
year1994
firstpub1924
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20090331
projectida0c219b9
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XIII

Alexanderl war ein Weltmann. Er wußte, wie man eine Sache einfädelt. Er war ein Hohlkopf. Aber der Sohn Phöbus Böhlaugs.

Er kam pünktlich, in einem andern eleganten Anzug. Er sprach eine Stunde von allen Dingen und nichts von unserem Geschäft. Er ließ mich warten. Alexanderl hatte Zeit.

»In Paris wohne ich bei Madame Bierbaum, das ist eine Deutsche. Die deutschen sind in Paris die besten Hausfrauen. Madame Bierbaum hat zwei Töchter, die ältere ist über vierzehn, aber sogar wenn sie dreizehn wäre – man nimmt es nicht so genau. Nun – und eines Tages kam ein Cousin der Madame Bierbaum – und ich hatte einen Ausflug gemacht mit Jeanne – aber sie ließ mich warten. Kurz, ich komme nach zwei Tagen zurück – den Schlüssel habe ich bei mir –, ich komme in der Nacht, gehe leise, um niemanden zu wecken, auf den Zehenspitzen, wie man sagt, mache kein Licht, ziehe nur die Stiefel und den Rock aus und trete zum Bett und greife – nun, was glauben Sie – gerade nach den Brüsten der kleinen Helene.

Sie schlief bei mir, weil der Cousin da war, oder Madame Bierbaum hatte es absichtlich so eingerichtet – kurz, was dann war, können Sie sich denken.«

Ich kann es mir denken.

Alexanderl beginnt eine neue Geschichte.

Der Mann hatte unzählige Geschichten erlebt in seinen lausigen zweiundzwanzig Jahren. Eine Geschichte gebiert die andere, ich höre nicht mehr zu.

Plötzlich kam Stasia in den Fünf-Uhr-Saal – sie suchte jemanden – wir waren die einzigen im Saal. Alexander sprang auf, lief ihr entgegen, küßte ihre Hände, zog sie an unsern Tisch.

»Wir sind jetzt Nachbarn!« begann Alexander.

»Ach, das wußte ich nicht«, sagte Stasia.

»Ja, mein lieber Vetter ist so freundlich, mir seine Wohnung zu überlassen.«

»Das ist noch gar nicht ausgemacht!« sagte ich plötzlich – ich wußte selbst nicht, warum. »Wir haben ja noch gar nicht darüber gesprochen.«

»Handelt es sich um Geld?« fragte Alexander.

»Nein«, sagte ich sehr fest, »ich reise überhaupt nicht. Sie können trotzdem ein Zimmer haben, Alexander – Ignatz hat es gesagt.«

»So – na, dann ist ja alles gut – und wir sind alle drei sehr enge Nachbarn«, sagte Alexander.

Wir sprachen noch allerlei. – Ignatz kam herein, drei Zimmer ständen frei – zwei würden morgen besetzt werden, aber eines bliebe gewiß frei, Zimmer 606, im vierten Stock allerdings, aber geräumig. – Niemand wollte es wegen der anzüglichen Nummer – für Damen wäre es schon gar nichts – aber als Absteigquartier, weshalb nicht?

Ich ließ Stasia und Alexanderl sitzen und ging.

Am Abend erzählte mir Ignatz im Fahrstuhl, daß Alexander 606 gemietet habe.

Ich ging in mein Zimmer wie in eine wiedergefundene Heimat.

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