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Horch blohß, wie der Gukguk schreyt!

Arno Holz: Horch blohß, wie der Gukguk schreyt! - Kapitel 61
Quellenangabe
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typepoem
authorArno Holz
titleHorch blohß, wie der Gukguk schreyt!
publisherHenschelverlag
editorHelga Bemmann
year1972
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Strahlender als Zinn und Zink

Strahlender als Zinn und Zink
strahlt der deutsche Dichterling!

Sitzen zwei Liebende beieinander,
duftet gleich der Oleander.

Duftet schwül der blaue Flieder,
schwillt dem Mädchen meist das Mieder.

Duftet später der Holunder,
wird das Mädchen merklich runder.

Zittert dann zum Schluß die Espe,
ist sie wieder eine Wespe.

Wiegt ihr grünes Haar die Birke,
wiegt sies zaubersüß wie Kirke.

Spiegelt sich im Bach die Erle,
sonnt sich schwänzelnd eine Schmerle.

Regelmäßig wehn Zypressen,
wenn zwei »Herzen« sich »vergessen«.

Rauschen im Sonnenschein Platanen,
muß die »Seele« etwas »ahnen«.

Sind es dagegen nur Akazien,
fühlt sie klassisch und träumt von Thrazien.

Sonntags unter einer Linde
tanzt er sicher mit Jorinde.

Schnitzt er sich in eine Buche,
droht die Waldfrau mit dem Fluche.

Piekt er sich an jungen Lärchen,
schmollt er: Ach, ihr kleinen Närrchen!

Tränen netzen sein Gesicht:
Ahorn, pfui, du reimst dich nicht!

Königlichste aller Tannen,
als Mastbaum schwimmst du einst von dannen!

Erst die hohe Wodansesche
braust in seinen Kummer Bresche!

Grollt er unter Deutschlands Eiche,
ist der Erbfeind eine Leiche.

Weint er unterm Baume Bo,
haha, hehe, hihi, hoho!

Träumt er abends unter Rüstern,
fühlt er, wie sie ihn umdüstern.

Streckt sich die Chaussee mit Pappeln,
fängts ihn schließlich an zu rappeln.

Knüpft er sich an eine Weide,
singt er schluchzend noch: Ich scheide!

Powrer noch als Zink und Zinn
ist die deutsche Dichterin!

Vor der ersten gelben Primel
leiert sie ihr Lenzgeschwiemel.

Lilien, Heliotropen, Rosen
tauchen sie in Duftnarkosen.

Hyazinthen und Azalien
frißt ihr Vers wie Viktualien.

Zwischen Rittersporn und Malven
knallt sie ihre Liedersalven.

In Salbei und Türkenbund
weint sie sich die Äuglein wund.

Hinter ihr mit ernster Miene
runzelt sich die Georgine.

Erst die herbstlich blaue Aster
klebt auf ihre Wunde Pflaster.

Träumt sie nächtens von Melissen,
klammert sie sich um die Kissen.

Zentifolien, Mohn und Nelken,
einsam muß ich hier verwelken.

Tuberosen, Nachtviolen,
und sie wälzt sich wie auf Kohlen!

Da, auf einem Besenstiel,
naht ein Marschall namens Niel.

Naht sich Bakchios mit dem Eppich,
krümmt sich ihres Leibes Teppich.

Naht sich Gabriel, der Engel,
greift sie nach dem Tulpenstengel.

Küßt das Morgenrot Verbenen,
»sehrt« sie immer noch ihr »Sehnen«.

Kaiserkronen und Jasmin,
endlich, endlich hat sie ihn!

Raden, Wegerich und Raps,
ach, er ist ein zweiter Abs!

Hühnerfuß und Hahnenkamm,
endlich nennt man sie Madamm.

Durch Kamelien und Kakteen
hat sie ihn zuerst gesehn.

Bienen summten um den Stock,
blaugrün flog sein Havelock.

Klang ein Lied ihr »still im Stillen«,
und sie glitt in die Kamillen.

Schämig hauchten die Skabiosen:
Kuck, das Kind hat keine Hosen!

Zärtlich seufzte das Reseda:
Ach, sie ist so lieb wie Leda!

Keusch am Busen blaue Veilchen,
kocht sie ihm jetzt Käsekeilchen.

Meiran, Dill und Krauseminze,
alle Mittwoch bäckt sie Plinze.

Bohnen, Erbsen, Weißkohl, Wruken
stopft sie ihm in alle Luken.

Und welch eigne Poesie
schafft ihm erst die Sellerie!

Schon fragt sie ein Tausendschönchen:
Wirds ein Töchterchen, ein Söhnchen?

Rosmarin und Amarant,
schließlich siegt das Wickelband!

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