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Horch blohß, wie der Gukguk schreyt!

Arno Holz: Horch blohß, wie der Gukguk schreyt! - Kapitel 37
Quellenangabe
pfad/holz/gukguk/gukguk.xml
typepoem
authorArno Holz
titleHorch blohß, wie der Gukguk schreyt!
publisherHenschelverlag
editorHelga Bemmann
year1972
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120624
projectidf174ef44
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Er schüttelt sein Hertz auß

Qwodlibet

Das Feld steht Kräutter-leer,
Frau Flora lacht nicht mehr,
der Wald hat allbereit
sein bundtes Stärbe-Kleid,
ein schönes Schau-Gerüst,
das bald Verwehsung küßt.
Wo blihb die Amstel hin,
das Singe-Vögelgin?
Der Fröschgen ihr Coax
beschehmbt nicht mehr Hannß Sachs.
Drümb sey es endlich hihr geklagt,
waß mir das Hertz benagt!

Unsre Gaben, süsses Kind,
flüchtig wie Narzissen sind,
und es fährt mit uns die Zeit
stracks in die Vergässenheit.
Einst so welckt mir dihse Haut
trukkner alß ein Sommer-Kraut,
einst so zwikkt mir dihß Gebein
Bodagra und Zipperlein.
Hengen laß ich dan mein Maul
wie ein alter Karren-Gaul,
stakkrich sezz ich Fuhß for Fuhß
wie ein steiffer Tapp-ins-Muhß.
Nachts, wenn mich die Flöhe jükken,
krault mir keine mehr den Rükken,
denn for sowaß, lihbes Kind,
bün ich dan zu keusch gesinnt.
Amors Zokker-süsser Poltzen
ist mir dan durchauß zerschmoltzen,
und ich seufftz die gantze Zeit
in betrühbter Einsamkeit!

Alles blüht und muß vergehn,
dir wird Gleiches mahl geschehn!
Die weissen Kugeln, so sich itz
so süß und anmuhtsvoll bewegen,
wird einst ein ungeheurer Plitz
in nichts wie Staub und Asche legen.
Dan wird dich niemand mehr betasten,
dan lihgt dein Leib im schwartzen Kasten,
dan triefft, dan stinckt nach Talg
dein runtzlig fauler Balg.
Dein Mund so süß benelckt
klafft jämmerlich verwelckt,
von Rohsen nicht die Spur,
zwo trukkne Schruntzeln nur,
zermürbelt und zerbrochen,
von Kröten überkrochen!
Laß die mit den weissen Bäffgen,
sie seynd Aeffgen!
Laß sie pappeln, laß sie plarren,
sie seynd Narren!
Ob Jude, Heyde, oder Christ,
er wird zu Mist!
Morgen lengst ist alles auß,
Mäntsch, du bist nur eine Lauß,
morgen, oder gar schon heut,
dröhnt vom Thurm dein Grab-Geläut!
Eins nur ist uns dan gewiß:
schwartz-polihrte Fünsterniß!

Laß uns alles drümb vergessen,
Rohsen pflantzen ümb Zypressen,
die dein Auge, wenn es strahlt,
gleichsahm wie mit Goldt bemahlt!
Deinen weichen Alabaster
trukk ihn auff mich recht alß Pflaster,
Mund an Mund und Brust an Brust,
in verschwihgner Götter-Lust,
biß ihr Pärlen-Safft dich, Kind,
gantz durchrinnt.
Ob sie Jungffern oder Huren,
alle in die Grube fuhren,
nichts mehr war ihr Schön-Seyn nüzze
in der schwartzen Lethe-Pfüzze!
Selbst Helena mit göldnen Hahren
ist Stanck und Gifft seit dausend Jahren!
drümb so künt es fast geschehn,
daß die Augen mir voll Wasser stehn!

Was ist die Welt und ihr berühmbtes Gläntzen?
Ein Blizz bey Nacht.
Eh welcke Rohsen eure Scheitel kräntzen,
singt, drinckt und lacht!
Heut sind wir noch jung und roht,
morgen hat uns schon der Dodt,
morgen sind wir Asche!

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