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Horazens Satiren

Horaz: Horazens Satiren - Kapitel 41
Quellenangabe
typesatire
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Satiren
pages575
created20001125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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            Horaz       Fundanius
Horaz
Wie ist dir das Soupee des glücklichen
Nasidien bekommen? Denn, als ich
dich gestern bitten lassen wollte, wurde mir
gesagt, du schmausest schon seit Mittag dort.
 
Fundan
So daß in meinem Leben mir nie besser war.
 
Horaz
Entdecke mir, wofern dirs nicht beschwerlich ist,
was war der erste Gang?
 
Fundan                             Zu Anfang präsentierte
sich ein Lucanisch Wildschwein, bei gelindem Südwind
gefangen, wie der Herr des Gastmahls uns
belehrteHier scheint eine Ironie im Hinterhalt zu liegen. Nasidienus hatte sich, um einen so großen Herrn wie Mäcenas recht stattlich und standesmäßig zu regulieren, auf alle mögliche Art angegriffen. Die Lucanischen Wildschweine waren ihrer Größe und Schmackhaftigkeit wegen vorzüglich. Er hatte also zu diesem Gastmahl ein Schwein aus Lucanien kommen lassen, und ermangelte nicht, diesen Umstand geltend zu machen, mit dem Beifügen, es wäre bei einem gelinden Südwinde gefangen worden; vermutlich, um die Nasen der Gäste mit dem Geruch desselben auszusöhnen, der sie, den Umständen nach, etwas weit Schlimmeres vermuten ließ.. Ringsherum Radieschen, Rettiche,
Salat, und was den schlaffen Magen sonst
zu reizen fähig ist, Sardellen, Sellerie
    HOR. Ut Nasidieni iuvit te cena beati?
Nam mihi quaerenti convivam, dictus here illic
de medio potare die. FUND. Sic ut mihi numquam
in vita fuerit melius. HOR. Da, si grave non est,
<5> quae prima iratum ventrem placaverit esca.
FUND. In primis Lucanus aper leni fuit austro
captus, ut aiebat cenae pater; acria circum
rapula, lactucae, radices, qualia lassum
pervellunt stomachum, siser, halec, faecula Coa.
und Koische Tunke. Als dies abgetragen war,
erschien ein hochgeschürzter Sklav und wischte
den Tisch von Ahornholz mit einem rauhen Lappen
von Purpur ab. Ein andrer las, was hie und da
unnütz herumlag und den Gästen lästig
sein konnte, auf. Und nun, so feierlich
wie eine attische Korbträgerin
der heil'gen Ceres, trat mit einem Korbe
Cäcubschen Weins der kupferfarbige
HydaspesEin aus Ostindien gebürtiger Sklave. Es gehörte zu der Ostentation reicher Römer, Sklave von allerlei Nationen und Farben zu haben., und mit Chier, dem das Meer
was Unbekanntes war, ein andrer auf.
Hier sprach der Hauspatron: Mäcen, wofern du
Falerner oder auch Albaner lieber trinkst,
wir haben beides.
 
Horaz                   O der reichen ArmutDivitias miseras! Was Horaz mit dieser Ausrufung eigentlich sagen wolle, ist nicht allzu deutlich, und ich finde keine Auslegung bei den Kommentatoren, die mir völlig genug tut. Ich mußte mich also so genau als möglich an die Worte des Textes halten, und dem Leser selbst überlassen, was für einen Sinn er darin finden will oder kann. Der Wein aus der Gegend der Campanischen Stadt Cäcubum hatte damals unter den italienischen, so wie der Wein von Chios unter den griechischen, den ersten Rang. Nasidien, dem es bei dieser Gasterei darum zu tun war, sich sehen zu lassen, läßt also, mit möglichster Ostentation, einen Korb voll Flaschen von diesen beiden Sorten aufstellen. Damit man aber nicht etwa glaube, als ob er nicht auch Falerner- und Albanerwein im Keller habe (die ebenfalls, wie anderswo schon bemerkt worden, unter die geschätztesten und teuersten Weine gerechnet wurden), so unterläßt er nicht dem Mäcen zu sagen: er sei auch mit diesem versehen, wofern Mäcen lieber Falerner oder Albaner trinke. Ich vermute, das Armselige, das Horaz in dieser Ostentation zu finden scheint, liege darin: daß Nasidien seinen Falerner- und Albanerwein nicht wirklich mit dem Cäcubischen- und Chierwein zugleich aufsetzte und es auf die Willkür der Gäste ankommen ließ, von welchem sie trinken wollten. Denn so wie er es anstellte, hatte es doch immer das Ansehen, als habe er wenigstens seinen Falerner und Albaner sparen wollen, in Hoffnung, die Gäste würden diskret genug sein, von seinem freigebigen Anerbieten keinen Gebrauch zu machen. Es ist immer etwas Knickerhaftes in der Art, wie ein Mann dieses Schlags sich auch dann benimmt, wenn er sich das Ansehen geben will, daß er reich und großherzig genug sei, bei Gelegenheit sich keinen Aufwand dauern zu lassen. Und auf diesen Charakterzug des Nasidien scheint der Dichter hier deuten zu wollen.!
Doch eh du fortfährst, laß mich wissen, lieber
Fundanus, wer die andern Gäste waren,
die diesen Schmaus so angenehm dir machten?
 
<10> His ubi sublatis puer alte cinctus acernam
gausape purpureo mensam pertersit, et alter
sublegit quodcumque iaceret inutile quodque
posset cenantes offendere: ut Attica virgo
cum sacris Cereris procedit fuscus Hydaspes
<15> Caecuba vina ferens, Alcon Chium, maris expers.
Hic herus: Albanum, Maecenas, sive Falernum
te magis oppositis delectat, habemus utrumque.
HORAT. Divitias miseras! – Sed queis cenantibus una,
Fundani, pulchre fuerit tibi nosse laboro.
Fundan
Ich saß zu oberst, Viscus neben mirUm einen deutlichen Begriff von dieser ganzen Stelle zu erhalten, muß man sich die Form eines römischen Triclinii, d. i. einer Tafel, mit den von dreien Seiten sie umgebenden lectis oder Kanapees, anschaulich machen; wozu die hier beigefügte Figur aus Salmasii Kommentar über den Solinus dienen wird.


und, wo mir recht ist, Varius unter ihm;
dann, neben Balatro, Vibidius,
als Schatten, die Mäcenas mitgebrachtVibidius und Balatro waren ein paar Scurren oder Hofnarren, von der feinern Sorte, die, wie es scheint, unter die gewöhnlichen Commensalen des Mäcenas gehörten, und die er (da die Langweile, die bei diesem großen Traktamente auf ihn wartete, leicht voraus zu sehen war) mitgebracht hatte, um die Göttin des Hojahnens von sich abzuhalten, und ihnen den armen Nasidienus, wie billig, Preis zu geben. Sie waren nicht geladen, sondern Mäcenas, als die Hauptperson bei dem Feste, brachte sie als seine Familiares mit. Man hieß diese Art von Gästen umbras, weil sie gleichsam die Schatten des großen Herrn waren, in dessen Gefolge sie kamen; und sie wurden, ihm zu Ehren, auf den mittelsten Kanapee, als den Ehrenplatz, gesetzt und vor allen übrigen Gästen mit vorzüglicher Aufmerksamkeit behandelt. Auch Varius und Viscus, ein paar Männer, die zu der auserlesenen Gesellschaft Mäcens gehörten, und mit einem Menschen wie Nasidien in keinem besondern Verhältnis stehen konnten, scheinen, wiewohl ausdrücklich geladen, bloß als Personen, die dem Mäcenas vorzüglich angenehm und zu seiner Unterhaltung geschickt waren, da gewesen zu sein.;
zuletzt der Hausherr zwischen Nomentan
und Porcius, der uns mit seiner Kunst,
auf einmal ganze Fladen einzuschlingen,
belustigtePorcius wird durch diesen Zug als ein armer Schlucker bezeichnet, der den Complaisant und Schmarotzer in Nasidiens Hause machte, und sich bei dieser Gelegenheit hauptsächlich durch die Geschäftigkeit seiner Kinnbacken hervortrat. Derjenige, den Horaz (vielleicht bloß wegen seiner Ähnlichkeit mit diesem berüchtigten Verschwender) Nomentanus nennt, spielte schon eine wichtigere Rolle; denn er machte den Nomenclator, und war als ein Mann, der seinen Geschmack und seine kulinarischen Kenntnisse vielleicht mit Aufopferung seines Vermögens erworben hatte, vorzüglich geschickt, dem Herrn des Gastmahls in den gelehrten Erläuterungen, die er über alle Schüsseln machte, an die Hand zu gehen, und die minder gelehrten Gäste auf das Seltenste und Feinste, was auf die Tafel kam, aufmerksam zu machen.. Der Nomentanus schien
bloß da zu sein, falls etwa dies und jenes
uns unbemerkt entginge, mit dem Zeigefinger
es anzudeuten: denn wir übrigen
wir aßen, was uns vorkam, Vögel, Muscheln,
und Fische, ohne, was wir aßen, am
Geschmacke zu erkennen; wie sich offenbarte,
da Nomentan das leck're Eingeweid
von einer Scholle und von einem Rhombus
mir auf den Teller legte, Dinge, die ich nie
<20> FUND. Summus ego, et prope me Viscus Thurinus, et infra,
si memini, Varius; cum Servilio Balatrone
Vibidius, quos Maecenas adduxerat umbras.
Nomentanus erat super ipsumNasidienum.. Porcius infra,
ridiculus totas simul absorbere placentas.
<25> Nomentanus ad hoc, qui si quid forte lateret
indice monstraret digito: nam cetera turba
nos, inquam, cenamus aves, conchylia, pisces,
longe dissimilem noto celantia succum,
ut vel continuo patuit, cum passeris atque
<30> ingustata mihi porrexit ilia rhombi.
zuvor gekostet. Bald darauf belehrt' er mich,
daß Quitten, in des Mondes erstem Viertel
gelesen, rot sind. Was dies auf sich hat,
wirst du am besten von ihm selbst erfragen.
Jetzt flüsterte Vibid dem Balatro ins Ohr –
»Wir müssen mördrisch trinken, oder sterben ungerochen« –
und fodert größre BecherMan sieht aus diesem Zuge, wie aus der ganzen leichtfertigen Rolle, welche die beiden Mäcenatischen Schatten bei diesem Gastmahle spielen, daß sie ihren Anteil am Schmause redlich zu verdienen beflissen waren. Den sämtlichen Gästen des summi et medii lecti, welche der lebhaftesten, witzigsten und politesten Unterhaltung im Hause Mäcens gewohnt waren, mußten die Prätensionen und das ganze lächerlich platte Betragen des Nasidienus (das desto abgeschmackter war, je mehr er den Mann von Welt und den Elegant zu machen glaubte) in die Länge sehr lästig fallen. Es würde nicht auszuhalten gewesen sein, wenn Mäcenas, durch eine stillschweigende Erlaubnis, oder vielleicht vermöge einer schon zuvor genommenen Abrede, den Mutwillen seiner beiden Complaisans nicht in Freiheit gesetzt hätte, dem albernen Gastmahlsgeber so übel mit zu spielen, als mit der römischen Urbanität und mit der Anständigkeit, welche die Gegenwart eines Mäcenas erfoderte, nur immer verträglich war. Der Wert, den Nasidienus auf seinen Cäcubischen Wein legte, zeigte den Schälken den unfehlbarsten Weg, ihm auf der empfindlichsten Seite beizukommen. Er hatte, bei einer Tischgesellschaft von so feinen und gelehrten Herren, nicht auf starke Trinker gerechnet; und sein Geiz hatte nichts zu wagen geglaubt, wenn er, seiner prahlerischen Eitelkeit zu Gefallen, die besten und teuersten Weine seines Kellers aufsetzen ließe. Vibidius konnte ihm also keinen schlimmern Streich spielen, als daß er größre Becher verlangte, und die Gäste in die Laune setzte, den Flaschenkorb, womit Hydaspes so feierlich aufgezogen war, baldmöglichst leer zu machen. Cruquius hat den Witz und Humor dieses moriemur inulti völlig verfehlt, da er meint, es seien verba execrantis saporem condimentorum plane putidum. Davon ist im Texte nicht die geringste Spur. Das Gastmahl des Nasidienus war nicht wegen der schlechten Zubereitung der Schüsseln, sondern wegen der Abgeschmacktheit des Wirtes unausstehlich; und der Sinn der Worte des Vibidius ist offenbar dieser: weil wir doch an Langweile sterben sollen, so wollen wir wenigstens nicht ungerochen sterben!. Leichenblaß
wird bei dem furchtbarn Wort der arme Wirt,
der nichts so sehr wie scharfe Zecher scheut,
entweder weil sie sich nichts übel nehmen, oder
weil feur'ger Wein dem Gaum das feinere Gefühl
des Schmeckens raubt. Genug, Vibid und Balatro,
und, ihrem Beispiel nach, wir andern lassen
die großen StutzerAliphani, große Becher, die zu Aliphä im Lande der Samniter fabriziert wurden. uns so fleißig füllen,
daß alle Krüge, die den Schenktisch drücken,
in kurzem auf dem Kopfe stehen. Nur
die Gäste auf dem letzten SitzeNomentan und Porcius, als die complaisans des Nasidienus. taten
den Flaschen ihres Gönners keinen Schaden.
In einer großen Schüssel ausgestreckt
Post haec me docuit, melimela rubere minorem
ad lunam delecta: quid hoc intersit, ab ipso
audieris melius. Tum Vibidius Balatroni:
»Nos, nisi damnose bibimus, moriemur inulti!«
<35> et calices poscit maiores. Vertere pallor
tum parochi faciem, nil sic metuentis ut acres
potores, vel quod maledicunt liberius, vel
fervida quod subtile exsurdant vina palatum.
Invertunt Aliphanis vinaria tota
<40> Vibidius Balatroque, secutis omnibus; imi
convivae lecti nihilum nocuere lagenis.
wird zwischen Hummern, die in Brühe schwimmen,
nun eine mächtige Lamprete aufgetragen.
Der Wirt berichtet uns, sie wäre trächtig
gefangen worden, weil sie nach der Zeit
am Fleische schlechter sei. »Die Brüh' ist aus
dem besten Venafraner ÖlDas Öl aus der Gegend von Venafrum in Campanien wurde für das beste gehalten. Plin. XV. 2. und Spanischer
Makrelenlake, mit fünfjährigem
inländ'schem Wein gekocht, nicht ohne weißen Pfeffer
und Essig von Methymna. Chierwein
wird nicht mit eingekocht; er muß beim Essen
dazu getrunken werdenIch habe hier einer nicht allzudeutlichen Stelle den Sinn gegeben, der mir die meiste Wahrscheinlichkeit zu haben scheint. Nasidien sagt ausdrücklich: die Soße, wozu er seinen Gästen das Rezept gibt, müsse mit italienischem Weine abgekocht werden, und setzt in einer Parenthese hinzu: cocto Chium sic convenit ut non hoc magis ullum aliud. Dieses Corollarium scheint doppelsinnig zu sein. Es kann heißen: man müsse, wenn die Soße völlig fertig sei, noch Chierwein dazu gießen; es kann aber auch soviel sagen: man müsse ihn dazu trinken, weil kein andrer besser zu diesem Gerichte schmecke. Der alte Kommentator beim Cruquius hat noch eine dritte Art, diese Stelle auszulegen, gefunden, nämlich so, daß sie – gar keinen Sinn hat.. Diese Soße
mit frischem weißem Senf und Alant zu verbessern,
ist, ohne Ruhm zu melden, meine eigene
Erfindung; der Makrelenlake zieht jedoch
CurtillusDieser Curtillus war, allem Ansehen nach, ein terrae filius von gleichem Schlage wie Nasidien; und es scheint in dieser Berufung auf ihn, als auf einen Mann von Bedeutung (da er doch vermutlich dem Mäcenas ganz unbekannt war), eine Pläsanterie, die für uns verloren geht, zu liegen. ungewaschene Meerigel vor.«
 
Der edle Gastherr hatte seinen Kommentar
Affertur squillas inter murena natantes,
in patina porrecta. Sub hoc herus: »Haec gravida«, inquit,
»capta est, deterior post partum carne futura.
<45> His mixtum ius est: oleo, quod prima Venafri
pressit cella, garo de succis piscis Iberi,
vino quinquenni, verum citra mare nato,
dum coquitur (cocto Chium sic convenit, ut non
hoc magis ullum aliud) pipere albo, non sine aceto,
<50> quod Methymnaeam vitio mutaverit uvam.
Erucas virides, inulas ego primus amaras
monstravi incoquere, inlutos Curtillus echinos,
ut melius muria, quam testa marina remittit.«
noch kaum vollendet, als der Baldachin,
mit einer dickern Wolke schwarzen Staubs,
als je der Nordwind in Campaniens Feldern
erregen kann, auf einmal in die Schüssel
herunterplumpteDie Römer pflegten in ihren Speisesälen unter einer Art von leichtem zeltförmigen Baldachin zu essen, damit kein Staub von oben herab auf die Tafel fallen könne. Da der arme Nasidienus nicht daran gedacht hatte, die Maschine weder befestigen noch abstauben zu lassen, so war der Verdruß, den ihm ein so unversehener Zufall verursachte, um so empfindlicher, weil er so leicht zu verhüten gewesen wäre.. Stelle dir im ersten Schrecken
den Aufruhr vor! Doch wir, sobald wir merkten,
dies sei das Ärgste, brachten uns bald wieder
in Ordnung: nur den Wirt schlug dieser Zufall
so ganz zu Boden, daß er, sein Gesicht
aufs Küssen hingedrückt, wie auf die Leiche
von seinem einz'gen Sohn, zu weinen anfing,
und jetzt vielleicht noch weinte, wenn sein Freund,
der weise Nomentan, ihn nicht in seinem Jammer
mit diesem Trostspruch aufgerichtet hätte:
O unbeständige Fortuna! welcher Gott
spielt grausamer als du uns Armen mit?
Daß du doch immer deine Freude d'ran hast, uns
die unsern zu verkümmern! – Varius konnte
kaum mit dem Tellertuche vor dem Munde
des Lachens sich erwehren. Leider ist
dies das gemeine Los der Menschheit, spricht
mit schelmisch aufgeworfner Nase Balatro:
Interea suspensa graves aulaea ruinas
<55> in patinam fecere, trahentia pulveris atri
quantum non Aquilo Campanis excitat agris.
Nos, maius veriti, postquam nihil esse pericli
sensimus, erigimur. Rufus, posito capite, ut si
filius immaturus obisset, flere. Quis esset
<60> finis, ni sapiens sic Nomentanus amicum
tolleret: heu, Fortuna! quis est crudelior in nos
te deus? ut semper gaudes illudere rebus
humanis! – Varius mappa compescere risum
vix poterat. Balatro, suspendens omnia naso,
<65> haec est condicio vivendi, aiebat, eoque
Ich fürchte selbst, der Ruhm, um dessentwillen
du soviel Aufwand machest, werde dir
die Mühe nie bezahlen. Wie du dich
zerquälen mußt, mich stattlich zu bewirten!
Wie viele Sorgen! Daß das Tafelbrot
nicht allzubraun gebacken, keine Soße
falsch zubereitet sei, die Diener alle
geputzt und zierlich aufgeschürzt ihr Amt
mit Anstand tun! Und nun die Unglücksfälle
noch obendrein! Als, wenn, zum Beispiel, wie
gleich eben jetzt, der Himmel einfällt, oder
ein Stallknecht einen Fehltritt tut und fallend
die Schüssel von Majolika zerbrichtDer Agaso, den der schalkhafte Balatro hier ins Spiel zieht, ist ein sehr boshafter Zug. Nasidien hatte nach Art der Leute seines Standes und Charakters, um dem Mäcenas alle mögliche Ehre anzutun, und zugleich mit einer recht großen Anzahl von Bedienten Parade zu machen, alle Sklaven in seinem Hause, bis auf die Stallknechte inclusive, wohl geputzt und aufgescheurt, bei dieser Gelegenheit Dienste tun lassen; und Balatro gibt ihm durch diese Voraussetzung – wie leicht es begegnen könne, daß so ein tölpischer und dieser Art von Dienst ungewohnter Kerl, beim Auftragen, mit der Schüssel in der Hand stolpern und fallen könnte – zu verstehen, daß eine so feine Nase wie die seinige unter den Bedienten, welche bei der Tafel aufwarteten, die Stallknechte, ihrer Verkleidung ungeachtet, gar bald ausfindig gemacht habe. Die durchgängige Ironie in dieser Trostrede des Balatro, die man sich mit dem ganzen komischen Ernste, den ein solcher Spötter zu affektieren weiß, vorgetragen denken muß, macht mit der albernen Einfalt des Nasidienus, der alles im Wortverstande nahm, und sich noch dafür bedankte, daß man an seinem eigenen Tische den Narren mit ihm trieb, einen so komischen Effekt, daß Horaz alle Ursache hatte, zu sagen, er wisse nicht, bei welchem Schauspiel er lieber hätte zugegen sein mögen.!
Indessen ists mit einem Gastherrn wie
Mit einem Feldherrn: das Talent des einen, wie
des andern, wird durchs Glück verdunkelt, und
durch Unglück erst ins wahre Licht gestellt.
O möchten dir die Götter geben, was
dein Herz gelüstet, daß du ein so guter Mann
und nachsichtvoller Tischgenosse bist,
versetzt Nasidien, und fodert seine
PantoffelnDiese wurden bei Tische, wo man auf einer Art großen Kanapees lag, der Bequemlichkeit wegen abgelegt.. Sein Verschwinden aus dem Saale gibt
responsura tuo numquam est par fama labori.
Tene, ut ego accipiar laute, torquerier omni
sollicitudine districtum? ne panis adustus,
ne male conditum ius apponatur? ut omnes
<70> praecincti recte pueri comptique ministrent?
Adde hos praeterea casus, aulaea ruant si
ut modo, si patinam pede lapsus frangat agaso.
Sed convivatoris, uti ducis, ingenium res
adversae nudare solent, celare secundae.
<75> Nasidienus ad haec: tibi dii quaecumque preceris
commoda dent: ita vir bonus es convivaque comis;
den Gästen Freiheit, sich durch Flüstern in
des Nachbars Ohr ein wenig Luft zu machen.
 
Horaz
Ich kenne wahrlich kein Spektakel, das
ich lieber hätte sehen mögen! Doch,
ich bitte dich, was gabs noch mehr zu lachen?
 
Fundan
Vibidius erkundigt sich hierauf
bei den Bedienten, ob der Baldachin
die Flaschen etwa auch zerbrochen habe,
daß er auf sein Begehren nichts zu trinken
bekommen könne? Unterdessen man,
um sich recht auszulachen, allerlei
zum Vorwand nimmt, und Balatro dabei
den andern Spötter treulich unterstützt,
kommt mein Nasidien mit heitrer Stirne wieder
zurück, die zu versprechen schien, durch Kunst
Fortunens Fehler wieder gut zu machen.
In einer tiefen SchüsselMazonomon (ein aus der griechischen Küche entlehnter Name) scheint eine Art von tiefer Schüssel oder Bassin gewesen zu sein, worin gewöhnlich die breiartigen Speisen und Puddings aufgetragen wurden. von zwei Sklaven
et soleas poscit. Tum in lecto quoque videres
stridere secreta divisos aure susurros.
HORAT. Nullos his mallem ludos spectasse! sed illa
<80> redde, age, quae deinceps risisti. FUND. Vibidius dum
quaerit de pueris, num sit quoque fracta lagena,
quod sibi poscenti non dentur pocula, dumque
ridetur fictis rerum, Balatrone secundo,
Nasidiene, redis mutatae frontis, ut arte
getragen, folgt ihm ein zerstückter Krannich
mit Salz und Semmelkrumen dicht bestreut,
und Lebern weißer Gänse, die mit lauter Feigen
gemästet wordenMan merkt, ohne daß Fundanus es sagt, daß Nasidien oder Nomentan die Gäste abermals von diesem Umstand unterrichteten., und von jungen Hasen
die Schultern ohne Rückgrat, als auf diese Weise
weit niedlicher; nicht minder sahen wir
geschmorte Amseln, etwas angebrannt,
und Tauben à la crapaudine kommen,
und kurz, viel Gutes, wenn der Hausherr uns
von jedem die Natur- und Kunstgeschichte
nicht vordozierte; denn so blieb uns doch
sonst keine Rache übrig, als von allem
nicht einen Bissen anzurühren, gleich als ob
Canidia mit ihrem Schlangenatem
das ganze Gastmahl angeblasen hätte.
<85> emendaturus fortunam: deinde secuti
mazonomo pueri magno discerpta ferentes
membra gruis, sparsi sale multo non sine farre;
pinguibus et ficis pastum iecur anseris albi
et leporum avulsos, ut multo suavius, armos,
<90> quam si cum lumbis quis edit; tum pectore adusto
vidimus et merulas poni et sine clune palumbes,
suaves res, si non causas narraret earum et
naturas dominus: quem nos sic fugimus ulti,
ut nihil omnino gustaremus, velut illis
<95> Canidia afflasset, peior serpentibus Afris.
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