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Horazens Satiren

Horaz: Horazens Satiren - Kapitel 37
Quellenangabe
typesatire
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Satiren
pages575
created20001125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Mein höchster Wunsch war einst ein kleines Feld,
ein Garten, eine Quelle nah am Hause,
und etwas Wald dazu: die Götter haben mehr
und Bessers mir gegeben: mir ist wohl,
ich bitte weiter nichts, o Majens Sohn,
als daß du mir erhaltest was du gabst.
Wofern ich nicht mein Gut durch böse Künste
vergrößert habe, nicht durch Torheit und Verschwendung
verringern werde; wenn in meine Seele
kein Wunsch wie dieser kommt: »O möchte doch,
mein Feld zu runden, noch der Winkel dort
hinzu sich fügen!« – oder: »Wenn mich doch
mein gutes Glück auf einen Topf voll Geld
wie jenen Mietling stoßen ließe, der
mit dem gefundnen Schatze das zuvor
um Lohn gepflügte Land erkaufte und
als Eigentum, von Herkuls GnadenDives amico Hercule. Persius scheint diese Stelle vor Augen gehabt zu haben, wenn er in seiner zweiten Satire den Heuchler laut (um gehört zu werden) die Götter um Weisheit, Tugend und guten Namen bitten, heimlich aber den Wunsch in sich hinein murmeln läßt:
                                            – – o si
sub rastro crepet argenti mihi seria dextro
Hercule! –
, baute«:
    Hoc erat in votis, modus agri non ita magnus,
hortus ubi, et tecto vicinus iugis aquae fons,
et paulum silvae super his foret: auctius atque
di melius fecere; bene est: nil amplius oro,
<5> Maia nate, nisi ut propria haec mihi munera faxis.
Si neque maiorem feci ratione mala rem
nec sum facturus vitio culpave minorem;
si veneror stultus nihil horum: »O si angulus ille
proximus accedat, qui nunc deformat agellum!«
<10> »O si urnam argenti fors quae mihi monstret, ut illi
thesauro invento qui mercenarius agrum
illum ipsum mercatus aravit, dives amico
kurz, wenn ich mich, was da ist, freuen lasse,
so höre nur dies einzige Gebet:
Laß meine Herden, o Merkur, mein Feld,
und alles andre fetter werden, nur
nicht meinen Witz, und bleibe, wie bisher,
mein großer Schutzpatron! – Nachdem ich also
mich aus der Stadt in meine kleine Burg
in den Sabinschen Höh'n zurückgezogen,
um frei zu sein vom Zwang der leid'gen Etikette,
vom bleiernen Mittagswind, und vom schweren Druck
des Herbstes, der zu Rom der Leichengöttin wuchert,
was soll das erste sein, womit ich meine
fußgängerische Muse hier beschäft'geAus Überzeugung und mit Dank folge ich in Verbesserung dieser Stelle einem Winke des gelehrten, scharfsinnigen und bescheidnen P. Haberfeld, dessen Vorschlag, den Vers quid prius illustrem (der in der gewöhnlichen Lesart ein ungeschicktes Einschiebsel ist) an die Stelle des 19ten Verses zu versetzen, mir um so mehr einleuchtet, da die ganze Periode dadurch einen ungezwungnen und mit dem Nachfolgenden besser zusammenhängenden Sinn erhält. Dann gab ihm der Gedanke, sein gewöhnliches Stadtleben mit seinem Leben auf dem Lande zum Vorteil des Letztern zu vergleichen, den natürlichsten Stoff zu dem poetischen Diskurs, womit er seine Muse in seinem Sabinum beschäftigen wollte.?
Hercule«; si quod adest gratum iuvat, hac prece te oro:
pingue pecus domino facias et cetera, praeter
<15> ingenium, utque soles custos mihi maximus adsis.
Ergo ubi me in montes et in arcem ex urbe removi
(quid prius illustrem satiris musaque pedestri?)
nec mala me ambitio perdit, nec plumbens auster,
autumnusve gravis, Libitinae quaestus acerbae.
Von dir, o Gott des Morgens, oder hörest du
dich lieber Janus nennenJanus, eine den Griechen unbekannte Gottheit, wurde von den Römern in besondern Ehren gehalten. Seine nicht allzudeutliche Theologie trägt Ovidius gleich im Anfang des 1sten Buchs seines poetischen Festkalenders aus dem eignen Munde dieses Gottes vor, von welchem er auf die Frage:
Quem tamen esse deum te dicam, Iane biformis?

eine unmittelbare Erscheinung gehabt zu haben versichert. Wir vernehmen daraus unter anderm, daß er der Ober-Türhüter im Himmel und auf Erden war, und daß alle Aus- und Eingänge, von der Himmels-Pforte, aus welcher der Tag ausgeht, bis zu der kleinsten Haustür in Rom, unter seinem Schutze standen. Daher hieß eine Tür ianua, und jeder unverschloßne gewölbte Durchgang, wodurch man aus einer Straße oder einem Platze in einen andern kam, ein JanusCicero, de Nat. Deor. II. c. 27.. Aus eben diesem Grunde war er der Gott des Tages und des Jahres; der erste Tag von diesem, und die erste Stunde von jenem, war ihm besonders geheiligt, und bei allen feierlichen Opfern wurde von Vater Janus der Anfang gemacht. Schon der Stifter der Stadt Rom baute ihm den berühmten Tempel auf dem Berge Janiculum, welcher, nach den Religions-Statuten des Königs Numa, sobald die Römer mit jemand in Krieg gerieten, aufgeschlossen wurde, so lange der Krieg dauerte, offen blieb, und nicht eher, als wenn in allen ihrer Oberherrschaft unterworfnen Ländern Friede war, wieder geschlossen wurde. Das letztere ereignete sich in einem Zeitraum von 700 Jahren nur dreimal, unter dem Numa selbst, nach dem ersten Punischen Kriege, und nach der Schlacht bei Actium, die den Cäsar Octavianus zum einzigen Regenten des über drei Weltteile ausgebreiteten römischen Reiches machteLiv. Hist. Rom. I. c. 19.. Janus hatte außer diesem berühmten Kriegs- und Friedenstempel noch zwei öffentliche Tempel zu Rom, und in jeder der zwölf Regionen der Stadt einen Altar. Dieser Gott wurde gewöhnlich mit zwei Gesichtern, deren eines vor- und das andere rückwärts schaut, mit einem Szepter in der rechten und einem Schlüssel in der linken Hand auf einem strahlenden Throne sitzend, abgebildet, und war, aller Wahrscheinlichkeit nach, ein uralter vergötterten König in Italien.

, dir, mit dem
die Sterblichen, zum Leben neu erwacht,
des Tages Arbeit nach der Götter Schluß beginnen,
von dir beginne nun auch mein Gesang!
Bin ich zu Rom, so kann ich sicher rechnen,
im Morgenschlaf von dir gestört zu werden.
»Auf! Du mußt Bürge stehn! Mach hurtig fort!
Daß ja dir kein Behenderer den Vorsprung
in dieser Freundschafts-Probe abgewinne!«
Nun mag das Wetter noch so schlimm, der Nordwind noch
so schneidend sein, durch Sturm und Schneegestöber
fort muß ich! – Hab ich dann mit klarer Stimme
gesprochen, was mir Schaden bringen wird,
so muß ich wieder mich, auf Kosten aller,
die schwerer sich bewegen, durchs Gedränge drücken.
»Wie? Bist du rasend, Grobian? Was hast
du so zu eilen?« – schreit mich einer an,
mir wünschend was der Zorn ihm eingibt »Mußt du alles,
was dir im Weg' ist, niederrennen, weil
dir einfällt, daß du deinem großen Gönner
Mäcen aufwarten mußt?« – Ich leugne nicht:
dies ists, was mir das Angelegenste
<20> Matutine pater, seu Iane libentius audis,
unde homines operum primos vitaeque labores
instituunt (sic diis placitum) tu carminis esto
principium. Romae sponsorem me rapis. »Eia,
ne prior officio quisquam respondeat, urgue!«
<25> Sive aquilo radit terras, seu bruma nivalem
interiore diem gyro trahit, ire necesse est.
Postmodo quod mi obsit clare certumque locuto
luctandum in turba, facienda iniuria tardis.
»Quid vis, insane? et quas res agis?« improbus urguet
<30> iratis precibus: »tu pulses omne quod obstat
ad Maecenatem memori si mente recurras.«
und Angenehmste istSo übersetze oder umschreibe ich jetzt diese, in meiner ersten Übersetzung ganz mißverstandene, Stelle. Was Hr.  Haberfeld l.c. S. 249–251 über sie kommentiert, verdient nachgelesen zu werden, so wie seine humane, schonende und bescheidene Art, einem Irrenden, dem man Achtung schuldig zu sein glaubt, auf den rechten Weg zu helfen, nachgeahmt zu werden verdiente.. Allein kaum sind
die traurigen EsquilienTristes, weil auf dem Esquilischen Berge, wo jetzt das Haus und die Gärten des Mäcenas lagen, ehmals ein gemeiner Begräbnisplatz gewesen war. S. Sat. 8. 1. B. erreicht,
so springen hundert nichts mich selbst betreffende
Geschäfte mich von allen Seiten an.
»Herr! Roscius war da, und bat, ihr möchtet ihm
vor sieben, morgen früh, am PutealWo der jeweilige Prätor gewöhnlich zu Gerichte saß.
als Beistand dienen.« – »Das Kollegium
der Scriben, Quintus, bittet wegen einer
gemeinen AngelegenheitDiese Stelle setzt den Umstand außer allen Zweifel, den der alte Verfasser der Vita Horatii berichtet, daß nämlich Horaz nach der unglücklichen Schlacht bei Actium sich in das Amt eines Scriba quaestorius eingekauft habe. In der Verlegenheit, für diese Scribas der alten Römer in unsrer Sprache einen gleichbedeutenden Namen zu finden, habe ich hier das Wort Scriben beibehalten, so wie ich mit gutem Grunde Konsul nicht Bürgermeister, Prätor nicht Stadtrichter, Ädilis nicht Polizei-Direktor, noch viel weniger Bauherr, sage. Diese Scriben (oder Aktuarien und Sekretarien, wenn man will) waren in verschiedenen Decurien, d. i. Ordnungen oder Klassen, abgeteilt; und man findet bei den alten Schriftstellern Scribas Praetorios, Aedilicios, Tribunicios, Quaestorios, deren Verrichtungen nicht von einerlei Art waren. Wiewohl sie eine sehr subalterne Klasse von Unter-Staatsbedienten vorstellten, und, ordentlicher Weise, Leute von geringer Herkunft waren: so scheint doch ihr Stand um diese Zeit etwas ansehnlicher geworden zu sein, und sie den novis hominibus vom Ritterstande ziemlich gleich gesetzt zu haben. Indessen würde Horaz, ungeachtet ihn seine Geburt zu keiner höhern Zivilbedienung berechtigte, gleichwohl, da er unter dem M. Brutus schon Oberster über eine Legion gewesen war, schwerlich wieder bis zum Handwerk eines Scriba herabgestiegen sein, wenn ihn nach der Niederlage bei Philippi nicht die Notwendigkeit, sich ein kleines Einkommen zu verschaffen, dazu gedrungen hätte. Nachdem er aber, einige Jahre darauf, durch die Gunst des allvermögenden Mäcenas in Glücks-Umstände gesetzt worden war, die ihm in unabhängiger Muße und Freiheit zu leben erlaubten: so kann man sich leicht vorstellen, daß er von seinem Scriptu Quaestorio keinen Gebrauch mehr machte; und daß also die Zudringlichkeit der Herren Scriben, (welche natürlicher Weise stolz darauf waren, einen Günstling des Mäcenas in ihrem Mittel zu haben, und ihn einer Konnexion, wodurch er ihnen bei Gelegenheit nützlich sein konnte, nicht gern entlassen wollten) keine kleine Seccatur für ihn sein mußte. von wichtigem
Belange bald von Tafel aufzustehen.« –
»Sei doch so gut, und mache daß Mäcen
sein fiat dieser Bittschrift unterschreibe.«
Sag' ich, ich wills versuchen – »O! du kannst
es machen, wenn's dir nicht am Willen fehlt«,
versetzt der Mensch und hängt sich an mich an.
Hoc iuvat et melli est, non mentiar. At simul atras
ventum est Esquilias, aliena negotia centum
per caput et circa saliunt latus. – »Ante secundam
<35> Roscius orabat sibi adesses ad puteal cras.«
»De re communi scribae magna atque nova te
orabant hodie meminisses, Quinte, reverti.«
»Imprimat his, cura, Maecenas signa tabellis!«
Dixeris: »experiar«; »si vis potes«, addit et instat.
Es sind nun bald acht Jahre, seit Mäcen
den Seinigen mich beizuzählen anfingWenn die Verfertigung des gegenwärtigen Stückes, der Bentleyischen Rechnung zufolge, in das Jahr 721  U. C. fiele, so würde aus dem von Horaz selbst hier an die Hand gegebenen Dato, daß nämlich seit der Zeit, da ihn Mäcenas unter seine Familiares aufgenommen, über achthalb Jahre verflossen seien, folgen, daß dieser letztere Zeitpunkt um ein Jahr weiter zurückzusetzen sei, als in der Erläut. 18. zur 6ten Satire des 1sten Buches angegeben worden. Aber es wird nie möglich sein, die Horazische Zeitrechnung ganz genau, und ohne daß hier oder da etwas Unauflösliches bleibe, zu berichtigen. So finden sich z. B. in dem gegenwärtigen Gedichte zwar einige, aber keine hinlänglichen Anzeigen, daß es vor den zwischen Cäsar und Anton im J. 722 von neuem ausgebrochenen Feindseligkeiten geschrieben sei. Man schließt dies aus den Fragen der Neugierigen, welche von Horazen immer wissen wollten, was er, ungeachtet er den Göttern näher war, so wenig wußte als sie, und warum er sich vermutlich weniger bekümmerte. – Aber die Frage: »Wird Cäsar die den Soldaten versprochnen Ländereien in Italien oder in Sizilien anweisen?« würde auch im Jahre 721 zu spät gemacht worden sein: denn die Divisio agrorum, worauf sie sich, als etwas noch Ungeschehenes, bezieht, erfolgte, nach dem Berichte Dions, schon im Jahre 718, unmittelbar nach der Unterdrückung des S. Pompejus. Wenn also der Grund, worauf jener Schluß beruhet, fest genug wäre, so müßte dieses Gedicht zwei bis drei Jahre eher, als Bentley angibt, geschrieben worden sein. Hingegen würde die Frage: »was hört man Neues von den Daziern?« – wofern sie sich (wie der Cruckische Scholiast meint) auf eine Empörung der Dazier gegen die Römer bezöge, beweisen, daß das Datum desselben bis in das Jahr 725, wo dieses kriegerische Volk von einem Sohne des berüchtigten M. Crassus auf eine kurze Zeit gedämpft wurde, hinausgesetzt werden müsse. Allein diese Anmerkung des Scholiasten beweiset nichts als seine Unwissenheit in der römischen Geschichte. Die Dazier (ein Volk, das den größten Teil der Länder inhatte, welche jetzt Siebenbürgen, Moldau und Wallachei heißen) konnten sich damals nicht empören, denn sie waren noch immer ungebändigt geblieben; wiewohl die angrenzenden römischen Provinzen öfters durch ihre Einfälle beunruhiget wurden. Verschiedene Stellen in den Horazischen Oden scheinen anzuzeigen, daß sie den Römern, selbst nach der eben berührten Niederlage, noch lange, und bis zu ihrer gänzlichen Unterwerfung unter dem Trajan, furchtbar blieben. Kurz vor dem Ausbruch des Krieges mit Antonius und Kleopatra machten sie Bewegungen, woraus man schließen mußte, daß sie keine müßigen Zuschauer dabei abgeben, sondern sich dieser Gelegenheit bedienen wollten, entweder von Octavianus oder Antonius vorteilhafte Bedingungen zu erhalten. Da sich jener nicht mit ihnen einlassen wollte, erklärten sie sich für diesen; aber innerliche Fehden, die unter ihnen selbst entstanden, verhinderten sie, etwas von Bedeutung gegen Cäsarn zu unternehmen. Auf diese Bewegungen der Dazier zielt ohnezweifel die Frage: num quid de Dacis audisti? – eine Frage, womit Horaz (wie man leicht merken kann) der politischen Kannengießer und Badauds von Rom spottet, die sich sehr unnötigerweise den Kopf mit solchen Dingen erhitzten, und, seitdem sie Octavianus aller Sorge für die öffentlichen Angelegenheiten entbunden hatte, der Dazier halben ganz ruhig hätten schlafen können.;
das heißt, auf Reisen mich in seinen Wagen
zu nehmen, oder Kleinigkeiten mir
vertraulich mitzuteilen; als: »Was ist
die Stunde?« »Sollte wohl der Thrazier Gallina
dem SyrierZwei damalige Gladiatoren, die, wie es scheint, in ihrem Handwerke Virtuosen waren. Fragen dieser Art waren die gewöhnliche Unterhaltung der müßigen Römer. gewachsen sein?« »Die Morgen sind
schon frostig; wer mit keinem guten Überrock
verwahrt ist, kann sich leicht verkälten« – und
dergleichen Dinge, die man unbedenklich
dem ritzenvollsten Ohre anvertraut.
Indessen zog's in dieser ganzen Zeit
mit jedem Tag' und jeder Stunde mir
mehr Mißgunst zu. Sprach einer etwa: »Flaccus
saß heut im Schauplatz ihm zur Seite – spielte
im Campus Ball mit ihm« – Nun! Der hat Glück!
rief (naserümpfend) gleich der ganze Chor.
Lauft, von den Rostris aus, ein frostiges
Gerücht in Rom herum, gleich fragt der erste,
<40> Septimus octavo propior iam fugerit annus,
ex quo Maecenas me coepit habere suorum
in numero: dumtaxat ad hoc, quem tollere rheda
vellet iter faciens, et cui concredere nugas,
hoc genus: »Hora quota est?« »Thraex est Gallina Syro par?«
<45> »Matutina parum cautos iam frigora mordent«:
et quae rimosa bene deponuntur in aure.
Per totum hoc tempus subiectior in diem et horam
invidiae. – »Noster ludos spectaverat una,
luserat in campo«: Fortunae filius! omnes.
der auf der Straße mir entgegen kommt:
»Mein Bester! – Denn ein Mann, der mit den Göttern
so gut steht, muß es wohl am besten wissen –
Was hört man von den Daziern? – »Kein Wort!«
»Daß du das Spotten doch nicht lassen kannst!«
»Mich sollen alle Götter plagen, wenn
ich etwas weiß!« – »Nun wohl! So kannst du uns
doch sagen, ob die Güter, welche Cäsar
den Veteranen zugesagt hat, in
Italien oder in Sizilien an-
gewiesen werden sollen?« – Schwör ich dann,
ich wisse nichts, so werd' ich als ein mächtiger
Politikus, und Meister in der Kunst
zu schweigen ausgeschrien. Indessen geht
auf diese Art ein Tag mir Armen nach
dem andern in Verlust, nicht ohne oft
aus vollem Herzen auszurufen: O!
Mein liebes Feld! wann sehen wir uns wieder?
Wann wirds so gut mir werden, bald aus Schriften
der Alten, bald in stillem Müßiggang
<50> Frigidus a rostris manat per compita rumor:
quicumque obvius est me consulit. »O bone! nam te
scire, deos quoniam propius contingis, oportet!
numquid de Dacis audisti?« – »Nil equidem.« »Ut tu
semper eris derisor!« »At omnes di exagitent me,
<55> si quicquam!« – »Quid? Militibus promissa Triquetra
praedia Caesar, an est Itala tellure daturus?«
Iurantem me scire nihil mirantur ut unum
scilicet egregi mortalem altique silenti.
Perditur haec inter misero lux, non sine votis:
<60> O rus, quando ego te aspiciam? quandoque licebit
und ungestörtem Schlaf, ein liebliches Vergessen
der Stadt und ihres Lebens einzuschlürfenEine feine Anspielung auf den Fluß der Vergessenheit, dessen Wasser (einer sinnreichen alten Dichtung zufolge) die Kraft hatte, die ins Elysium eingehenden Seelen von aller Erinnerung dessen, was in ihrem vorigen Zustande mit ihnen vorgegangen war, zu reinigen.!
Wann werd' ich wieder selbstgepflanzten Kohl mit Speck
und dem Pythagoras verwandte BohnenHoraz war, wie es scheint, ein Liebhaber von Bohnen, und scherzt hier im Vorbeigehen über die religiöse Scheu der Pythagoräer vor dieser Hülsenfrucht, welche so weit ging, daß von Pythagoras selbst erzählt wird, er habe, bei einer Gelegenheit, wo er vor nachsetzenden Feinden fliehen mußte, und der nächste und sicherste Weg ihn durch ein Bohnenfeld geführt hätte, lieber durch einen Umweg sein Leben wagen, als sich durch dies besagte Bohnenfeld retten wollen. Horaz, indem er die Bohne scherzweise eine Anverwandtin des Pythagoras nennt, scheint der Meinung gewesen zu sein, daß diese seltsame religiöse Abstinenz sich auf gewisse geheimnisvolle Beziehungen, welche Pythagoras zwischen der Bohne und dem Menschen angenommen, gegründet habe. Worin aber diese Beziehungen oder diese mystische Verwandtschaft bestanden haben soll, darüber ist von den Kommentatoren, wie viele Mühe sie sich auch mit dieser lächerlichen Sache gegeben, nichts Verständliches, geschweige Befriedigendes gesagt worden. Da die Pythagoräer selbst auch aus diesem Artikel ihrer philosophischen Glaubenslehre ein so großes Geheimnis machten, daß sie eher das Leben lassen als sich darüber erklären wollten: so scheint wohl die klügste Partei, welche die Gelehrten über diesen Artikel nehmen können, zu sein, daß man die Sache lasse, wo sie ist, und, anstatt mit Erforschung dieser und so mancher andrer Rätsel und Problemen von gleicher Wichtigkeit die Zeit zu verschleudern, sich versichert halte, daß das Geheimnis, wenn wir es auch ausfindig machen könnten, aller Wahrscheinlichkeit nach – keine Bohne wert wäre.
auf meinem Tische sehn! O wahre Göttermahle!
O frohe Nächte, wo ich mit den Meinen
es mir am eignen Herde schmecken lasse,
und mit denselben Speisen, die ich vorgekostet,
mein mut'ges junges Hausgesinde füttre.
Vom Unsinn eurer Trinkgesetze freiSolutus legibus insanis. Dies bezieht sich auf die alte Gewohnheit der Römer, bei einem Gastmahl, wenn die Speisen abgetragen waren, und es nun ans Trinken ging, einen sogenannten Magistrum convivii oder vielmehr compotationisHoraz nennt ihn (Od. II. 7) arbitrum bibendi. zu erwählen, dessen Trinkgesetzen von allen Mittrinkern unverweigerlicher Gehorsam geleistet wurde. Der alte Cato (in Ciceros Dialog de Senectute) lobt diese Gewohnheit, insofern man sich, wie in Xenophons Gastmahl, auf kleine Becherchen einschränke; die er pocula rorantia nennt, weil man daraus (so zu sagen) nur betaut, nicht begossen wird: Horaz hingegen – wiewohl er an Mäcens Tafel oder inter sodales nicht immer so mäßig gewesen war – schilt diese Trinkgesetze unsinnig, teils weil es zu seiner Zeit nicht bei den tauenden Bechern blieb, und er selbst vermutlich bei solchen Gelegenheiten zuweilen übel weggekommen war; teils, um dem in diesem Stücke angenommenen nüchternen Charakter getreu zu bleiben.
leert jeder meiner Gäste nach Gefallen
ungleiche Becher, größer oder kleiner,
so wie der Stärkre mehr vertragen kann,
der Schwächre lieber langsam sich befeuchtet.
Nun spinnet unvermerkt ein trauliches Gespräch
sich an, nicht über andrer Leute Wirtschaft, nicht
ob Lepos übel tanze oder gutAuch eine Art von Problemen, worüber sich die schöne und müßige Welt zu Rom zu parteien pflegte.?
Wir unterhalten uns von Dingen, die
uns näher angehn, welche nicht zu wissen
nunc veterum libris, nunc somno et inertibus horis,
ducere sollicitae iucunda oblivia vitae.
O quando faba Pythagorae cognata, simulque
uncta satis pingui ponentur oluscula lardo!
<65> O noctes cenaeque deum! quibus ipse meique
ante Larem proprium vescor, vernasque procaces
pasco libatis dapibus. Prout cuique libido est,
siccat inaequales calices conviva solutus
legibus insanis; seu quis capit acria fortis
<70> pocula, seu modicis uvescit laetius. Ergo
sermo oritur, non de villis domibusque alienis,
nec, male necne Lepos saltet? sed quod magis ad nos
ein Übel ist: ob Reichtum oder Tugend
den Menschen glücklich mache? Vorteil oder
Rechtschaffenheit das Band der Freundschaft knüpfe?
Was wahres Gut, und was das höchste sei?
Gelegenheitlich tischt uns Nachbar Cervius
in seiner eignen drolligen Manier
ein Märchen auf, das sich zur Sache schickt.
So, wenn, zum Beispiel, einer etwa von
dem Reichtum des ArelliusVermutlich irgend ein reicher Landwirt in der Nachbarschaft des Horaz und Cervius. mit Bewundrung spricht,
unwissend, wie dem armen Mann so übel
dabei geschieht, fängt Cervius an: die Feldmaus
erhielt in ihrer armen Höhle einst
von ihrer alten guten Freundin,
der Stadtmaus, unverhofft die Ehre ihres
Besuches. Wie genau nun jene sonst
zu leben pflegte, und wie sparsam sie
den sau'r errungnen Vorrat sonst zu Rate hielt,
so wurde doch für einen Gast das Herz
ihr weiter; kurz, sie schonet diesmal weder
der immer aufgesparten Erbse noch
pertinet et nescire malum est agitamus: utrumne
divitiis homines an sint virtute beati?
<75> Quidve ad amicitias, usus rectumne, trahat nos?
Et quae sit natura boni, summumque quid eius?
Cervius haec inter vicinus garrit aniles
ex re fabellas. Si quis nam laudat Arelli
sollicitas ignarus opes, sic incipit: Olim
<80> rusticus urbanum murem mus paupere fertur
accepisse cavo, veterem vetus hospes amicum;
asper et attentus quaesitis, ut tamen artum
solveret hospitiis animum. Quid multa? neque illi
des langen Haberkornes, trägt ein Stückchen
halb abgenagten Specks, und eine dürre
Zibeb' im Munde noch herbei, und läßt,
mit einem Worte, sich's recht angelegen sein,
durch der Gerichte Mannichfaltigkeit
den ekeln GaumIch habe hier und an mehrern Stellen Gaum anstatt Gaumen geschrieben, wiewohl Adelung jenes für Oberdeutsch, und nur das letztere für Hochdeutsch erklärt hat. »Einige Hochdeutsche (sagt er) brauchen dieses Wort in der verkürzten oberdeutschen Form, der Gaum, verdienen aber damit schlechten Dank bei Lesern von einem feinen Gehöre.« – Ich gestehe, daß meine oberdeutschen auriculae schlechterdings unfähig sind, den Wohlklang, den das Wort Gaum durch die scharfe Endsilbe, en, gewinnen soll, zu empfinden. Herr Adelung erklärt sich sonst bei allen Gelegenheiten als einen Feind der allemannischen Weitschweifigkeit: wie kommt es, daß ihm nun gerade bei diesem Worte die Endsilbe en nicht anstößig ist, da doch nicht der mindeste Grund vorhanden zu sein scheint, warum das Wort Gaum derselben nicht, ohne Nachteil der Ohren, eben so gut entbehren könnte, als die den Allemanniern und Obersachsen gemeinschaftlichen Wörter: Baum, Flaum, Raum, Saum, Schaum, Traum, Zaum, welchen die Einwohner von Meißen die Endsilbe en anzuflicken nicht beliebt haben. Warum ist unnötige Weitschweifigkeit nur an den Allemanniern anstößig, an den Obersachsen hingegen löblich und wohlklingend? – Ich, meines Ortes, schreibe in Prosa Gaum, weil mir dieses der Analogie am gemäßesten scheint; und in Versen Gaum oder Gaumen, je nachdem mir das eine oder andere gelegner ist. Beides hat das Ansehen guter Schriftsteller für sich; und welches von beiden dem Ohr angenehmer sei, kommt auf Form, Silbenmaß, Stellung und Klang der vorhergehenden und nachfolgenden Worte an. des Städters zu verführen,
der vornehm dasaß, und mit stolzem Zahn
eins nach dem andern kaum berührte; während
der gute Hauswirt selbst, auf heurig Stroh
gestreckt, mit Spelt und Trespe sich behalf,
und alles Beßre seinem Gaste ließ.
Zuletzt begann die Stadtmaus: Freund, wo nimmst
du die Geduld her, in dem rauhen Berge da
dein Leben hinzubringen? Hättest du nicht Lust,
den Aufenthalt bei Menschen in der Stadt
dem Walde vorzuziehen? Weißt du was?
Komm du mit mir; und weil nun einmal bei
den Erdekindern mit dem Leben alles
vorbei istEin feiner Zug, die Stadtmaus zum Epikuräer nach Grundsätzen zu machen., und dem Tode weder Klein
sepositi ciceris, nec longae invidit avenae;
<85> aridum et ore ferens acinum, semesaque lardi
frusta dedit, cupiens varia fastidia cena
vincere tangentis male singula dente superbo:
cum pater ipse domus palea porrectus in horna
esset ador loliumque, dapis meliora relinquens.
<90> Tandem urbanus ad hunc: Quid te iuvat, inquit, amice,
praerupti nemoris patientem vivere dorso?
Vis tu homines urbemque feris praeponere silvis?
Carpe viam, mihi crede, comes, terrestria quando
mortales animas vivunt sortita, neque ulla est
noch Groß entrinnen kann: so sei du weise,
und laß, so lange du es haben kannst,
dir wohl geschehn, mein Schatz! Bedenke nur,
wie kurz das Leben ist! – Die Landmaus wird
gerührt durch diese Rede, springt behende
aus ihrem Loch hervor, und beide treten
den Weg zur Hauptstadt an, des Sinnes, unter
der Mauer sich bei Nacht hineinzuschleichen.
Es war schon Mitternacht, als unsre Wandrer
in eines reichen Hauses Speisesaal
sich einquartierten, wo, auf Lagerstellen
von Elfenbeine, Purpurdecken glühten,
und eines großen Gastmahls Überbleibsel
ringsum in Körben aufgeschichtet standen.
Sobald der Städter hier den bäur'schen Gast
auf Purpur hingelagert, läuft er rüstig,
gleich einem aufgeschürzten Wirte, hin und her,
und trägt ein niedliches Gerichte nach
dem andern auf; vergißt jedoch sich selber nicht
dabei, indem er alles was er bringt,
<95> aut magno aut parvo leti fuga: quo, bone, circa
dum licet in rebus iucundis vive beatus,
vive memor quam sis aevi brevis! – Haec ubi dicta
agrestem pepulere, domo levis exsilit, inde
ambo propositum peragunt iter, urbis aventes
<100> moenia nocturni subrepere. Iamque tenebat
nox medium caeli spatium, cum ponit uterque
in locuplete domo vestigia; rubro ubi cocco
tincta super lectos canderet vestis eburnos,
multaque de magna superessent fercula cena,
<105> quae procul exstructis inerant hesterna canistris.
Ergo ubi purpurea porrectum in veste locavit
agrestem, veluti succinctus cursitat hospes
continuatque dapes, nec non vernaliter ipsis
naschhaften Dienern gleich, zuvor beleckt.
Die Feldmaus, ganz entzückt von ihrem neuen Glück,
dehnt fein gemächlich auf dem weichen Sitze
sich aus, und läßt sich alles trefflich schmecken:
als plötzlich ein gewaltiges Geknarr
der Flügeltüren unsre beiden Schlemmer
von ihren Polstern wirft. Sie rennen zitternd
im ganzen Saal herum, und ihre Furcht
wird Todesangst, indem durchs hohe Haus
der großen Hunde Bellen widerhallt.
Ich danke für dies Leben, sprach mit schwacher Stimme
der Bau'r zu seinem Freunde; fahre wohl!
Ich lobe mir mein kleines Loch im Walde!
Da hab' ich nichts zu fürchten wenigstens,
und kann, wiewohl's nur magre Bissen gibt,
mich doch in Ruh an meinen Wicken laben.
fungitur officiis, praelambens omne quod affert.
<110> Ille cubans gaudet mutata sorte, bonisque
rebus agit laetum convivam; cum subito ingens
valvarum strepitus lectis excussit utrumque.
Currere per totum pavidi conclave, magisque
exanimes trepidare, simul domus alta Molossis
<115> personuit canibus. Tum rusticus: haud mihi vita
est opus hac, ait, et valeas; me silva cavusque
tutus ab insidiis tenui solabitur ervo.
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