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Horazens Satiren

Horaz: Horazens Satiren - Kapitel 23
Quellenangabe
typesatire
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Satiren
pages575
created20001125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zehnte Satire

Einleitung

Diese Satire ist größtenteils kritischen Inhalts, und besteht in einer Verteidigung seines in der vierten über seinen Vorgänger Lucilius gefällten Urteils. Dieser alte Dichter hatte noch so viele und warme Liebhaber, daß Horaz durch die Freimütigkeit, womit er seine Meinung von ihm gesagt hatte, einem großen Teil des Publikums mißfällig worden war. Ein gewisser Hermogenes Tigellius, (der, meines Bedünkens, von dem Günstling des Julius Cäsar eben dieses Namens unterschieden werden muß) scheint sich an die Spitze einer Kabale von kleinen Dichtern, Grammatikern, Witzlingen und anmaßlichen Virtuosen (welche schlecht genug sein mußten, um seine Klienten zu sein) gestellt, und durch das Geschrei, so er gegen unsern Dichter und seine damals noch neuen Versuche erhob, zu dem gegenwärtigen Stücke die nächste Veranlassung gegeben zu haben. Horaz erklärt sich darin noch deutlicher und ausführlicher als vormals über das, was (nach seinen Begriffen) die Schönheit solcher Gedichte ausmache, und wovon der Mangel gerade das sei, was er am Lucil aussetze; dem er übrigens seinen den Römern so beliebten Witz und Humor so wenig streitig zu machen verlangt, daß er vielmehr aus Bescheidenheit und Klugheit gelinder mit ihm zu verfahren scheint, als wir vermutlich tun würden, wenn wir Lucils Schriften noch vollständig vor uns hätten.

Horaz ergreift diese schickliche Gelegenheit, um den vorzüglichsten Dichtern seiner Zeit, mit welchen er zum Teil in vertrauter Freundschaft lebte, im Vorbeigehen ein öffentliches Zeichen seiner Achtung zu geben. Wenn wir den Ovidius, Tibullus und Propertius hier vermissen: so kam es bloß daher, weil Tibullus vermutlich sich noch nicht als Dichter gezeigt hatte, Propertius und Ovidius aber um die Zeit da Horaz diese Satire schrieb (i. J. 717) noch beinahe Kinder waren. Wenn wir uns aber auch aus dem Umstande, daß von allen von ihm angepriesenen Dichtern der einzige Virgil von der Nachwelt gekrönt worden, auf die Vermutung leiten ließen, daß sich seine Freundschaft für die Personen, oder wohl gar ein wenig politische Rücksicht, mit in sein Urteil von den übrigen gemischt habe: so müssen wir wenigstens gestehen, daß er sich dieser Pflicht der Freundschaft und Höflichkeit mit einer feinen Wendung und mit großer Anständigkeit erlediget hat; und daß gerade der vornehmste und reichste (Asinius Pollio) derjenige ist, der mit einer bloßen Erwähnung seiner tragischen Versuche, ohne alles Lob, sich begnügen muß.

Auf eine eben so edle Art hat er auch bei dem am Schlusse dieses Stückes angebrachten Verzeichnis seiner Gönner und Freunde, oder, wie er sich ausdruckt, derer, denen er als Dichter zu gefallen wünsche, allen Schein von Eitelkeit und Prahlerei zu entfernen gewußt; und die Nachwelt sieht nach achtzehnhundert verfloßnen Jahren die Sachen aus einem so sehr veränderten Gesichtspunkte, daß, wie viel Ehre es ihm auch bei seinen Zeitgenossen machen mochte, die edelsten, größten und vorzüglichsten Männer in Rom unter seine Freunde zählen zu dürfen, dermalen doch die Ehre ganz allein auf ihrer Seite, und der Platz, den ihnen Horaz in dieser Liste gibt, ein größerer Titel in unsern Augen ist, als alle die hohen Würden, Ahnen, Titel und Vorzüge, womit einige unter ihnen bei ihren Lebzeiten prangten.

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