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Horazens Satiren

Horaz: Horazens Satiren - Kapitel 18
Quellenangabe
typesatire
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Satiren
pages575
created20001125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wie an der giftgeschwollnen Natterzunge
Rupils, des Ächters, König zugenanntPubl. Rupilius cognomine Rex, Praenestinus, commilito fuit Horatii in castris Bruti, sagt ein alter Scholiast, als ob Horaz uns das alles nicht selbst gesagt hätteEin andrer Scholiast macht ihn gar zum Prätor; noch bescheiden genug, denn es stund ja nur bei ihm, ihn zum Konsularen zu machen.. Horaz sagt sogar noch mehr, nämlich daß Rupilius einer aus der cohorte amicorum oder comitum des Brutus gewesen. Sonst wird seiner nirgends gedacht. Ein Publ. Rupilius, von einem andern Zweige dieses Plebejischen Geschlechtes, der den Zunamen Lupus führte, stieg im J. 621 bis zum Konsulat. – Eines andern P. Rupilius, der im J. 702 Vorsteher einer Gesellschaft von General-Pachtern in Bithynien war, erwähnt Cicero als eines seiner Freunde, im 9ten Briefe des XIIIten Buches seiner Epist. ad Famil. Der Umstand, daß unser Dichter dem Rupil die Proskription, in die er als ein Anhänger des Brutus verfallen war, zum Vorwurf zu machen scheint, da er doch selbst aus gleicher Ursache in gleicher Verdammnis bei der Cäsarischen Partei gewesen war, hat den Auslegern viel zu schaffen gegeben. Daß Horaz eine besondere Ursache hiezu gehabt haben mußte, ist klar; was für eine, ist unbekannt: und mit Vermutungen uns den Kopf zu zerbrechen, würde ihm und uns wenig helfen.,
der Blendling PersiusIch habe das Wort Hybrida, oder Ibrida (wie Scaliger will) durch kein schicklicheres als das Wort Blendling auszudrücken gewußt. Es bezeichnet, seiner Etymologie nach, einen auf einen fremden Stamm gepfropften Zweig. Persius war der Sohn eines Römers von einer Griechin, und folglich eine Abart in den Augen eines ebenbürtigen Römers. sich einst gerochen,
ist, denk' ich, allen Augensalbern und
Barbiern bekanntOb dieses Lippis et tonsoribus notum schon vor Horaz ein Sprüchwort gewesen, oder es erst durch ihn geworden sei, läßt sich nicht entscheiden. Ich habe den Sinn desselben nach der Auslegung eines alten Scholiasten, welche Bentley durch seinen Beitritt bekräftiget, auszudrücken gesucht. Es scheint daß die Augenkrankheit, die das Wort lippus bezeichnet, in Rom etwas ziemlich Gemeines gewesen sei. Die Buden der Augensalber und Barbiere waren immer mit Leuten angefüllt, die indessen, bis sie expediert wurden, sich mit Stadtneuigkeiten unterhielten.. Besagter Persius,
ein reicher Kauz, der zu KlazomenäKlazomenä war eine ansehnliche Handelsstadt in Jonien, an der Nordseite des kleinen Meerbusens, den das Ägäische Meer zwischen der Insel Ägina und Smyrna macht. Sie wurde, wegen ihrer glücklichen Lage zur Handlung, von Alexander dem Großen, und nachmals von den Römern sehr begünstiget; und Augustus erweiterte und verschönerte diese Stadt so sehr, daß sie ihn als ihren zweiten Stifter auf Münzen ehrte.
sehr großen Handel trieb, war mit dem Rex
in einen lästigen Prozeß verwickelt;
ein harter Mann, beinahe noch verhaßter als
sein Widersacher, trotzig, aufgeblasen,
und von so bittrem Maul, daß Barrus und Sisenna
für ihren Meister ihn erkennen müßtenSo bekannt Barrus und Sisenna damals sein mochten, so unbekannt sind sie uns; und es wäre vergebliche Mühe, etwas mehr, als was Horaz von ihnen sagt, auftreiben zu wollen. Die Redensart, equis albis praeire, war sprüchwörtlich und aus der Meinung entstanden, daß die weißen Pferde die schnellesten seien. Daher sagt Virgil von den Pferden des Pilumnus: sie
übertrafen an Weiße den Schnee, im Laufe die Lüfte.
.
Mit solchen Zungenhelden ists wie mit
den Streitern im Homer; je tapfrer beide,
um soviel schwerer ist der KampfHoraz affektiert hier im Original eine Parenthese, die den zweiten Teil der angefangenen Periode nicht nur um 8 Verse vom ersten abschneidet, sondern sogar selbst aus mehrern Gliedern besteht. Unsre Augen und Ohren können sich, wenigstens in unsrer eignen Sprache, mit dergleichen elegantiis Latini sermonis (wenn man anders diese mit Fleiß affektierte Nachlässigkeit dafür gelten lassen will) nicht recht vertragen. Ich habe also, dem Sinne unbeschadet, eine Wendung genommen, wodurch das unangenehme Hyperbaton vermieden wird.. Es waltete
ein Haß, den nur der Tod von beider einem
versöhnen konnte, zwischen dem Peliden
und Hektor, Priams Sohne, bloß weil beide
    Proscripti Regis Rupili pus atque venenum
hybrida quo pacto sit Persius ultus, opinor
omnibus et lippis notum et tonsoribus esse.
Persius hic permagna negotia dives habebat
<5> Clazomenis, etiam lites cum Rege molestas;
durus homo atque odio posset qui vincere Regem,
confidens, tumidus, adeo sermonis amari,
Sisennas, Barros ut equis praecurreret albis.
Ad Regem redeo. Postquam nihil inter utrumque
<10> convenit (hoc etenim sunt omnes iure molesti
quo fortes quibus adversum bellum incidit. Inter
an Heldentum sich gar zu ähnlich waren.
Geriet hingegen irgendwo ein Paar
milchlebrichter Gesellen, oder ein
ungleiches aneinander, wie an Diomeden
der schöne GlaukusS. das sechste Buch der Ilias. Horaz zeigt an diesem Pröbchen, daß er ein feines Talent die Iliade zu travestieren gehabt hätte., nun, so ward der Streit
in Güte abgetan; der schwächte tauschte
an seines Gegners Waffen seine goldnen,
und ging mit heiler Haut davon. Das erste
war meiner Helden Fall. Nachdem im Weg
der Güte auszukommen keine Möglichkeit
sich zeigte, ward zuletzt ein Tag gesetzt,
woran, vor Brutus, dem zu selber Zeit
das reiche Asien gehorchteBruto Praetore, tenente ditem Asiam. Brutus war Prätor, als er den Diktator Julius Cäsar ermorden half. Asien war zwar eine Prokonsularische Provinz, d. i. eine solche, deren General-Gouverneurs ordentlicher Weise Konsularen sein mußten: Allein in dem verwirrten Zustande, worein die Republik nach Julius Cäsars Tod geriet, konnte man es so genau nicht nehmen; und der Senat, der bei aller seiner Schwäche und Furchtsamkeit doch sehr überzeugt war, daß alle Hoffnung, die Republik wieder herzustellen, auf dem einzigen Brutus beruhe, beeiferte sich, ihm soviel Provinzen, als er nur immer behaupten konnte, zuzuwenden. Er erhielt also anfangs Kreta als Proprätor, sodann noch Macedonien, und im Jahr 711 nach Abgang des Prokonsuls von Asien Trebonius, auch diese reiche Provinz, wiewohl er einen Teil derselben sich erst mit Gewalt unterwerfen mußte. Horaz braucht also das Wort Prätor (weil Proprätor nicht in sein Metrum paßte) für Gouverneur um so schicklicher, weil Brutus nie eine höhere Würde als die Prätur (die nächste nach der konsularischen) in der Republik bekleidet hatte., Rex
und Persius den Streit mit ihren Zungen
in einem scharfen Zweikampf enden sollten;
ein Paar an Mut und Kraft so gleich gewogen
wie jüngst der Gladiator Bithus mit
dem Bacchius, so daß sie beide siegen
und beide fallen mußtenBithus und Bacchius waren zwei Gladiatoren, die an einem öffentlichen Schauspiel dieser Art über alle übrigen Meister geblieben waren. Sie mußten also zuletzt mit einander fechten, und da keiner den andern für seinen Sieger erkennen wollte, so fielen sie endlich beide, und der Sieg blieb unentschieden. Vermutlich lag diese Begebenheit damals noch in frischem Andenken.. Mutvoll stürzen
die Kämpfer vor Gericht, ein großes Schauspiel!
Der Grieche trägt den Handel vor, mit Lachen
Hectora Priamidem animosum atque inter Achillem
ira fuit capitalis, ut ultima divideret mors,
non aliam ob causam nisi quod virtus in utroque
<15> summa fuit. Duo si discordia vexet inertes
aut si disparibus bellum incidat, ut Diomedi
cum Lycio Glauco, discedet pigrior ultro
muneribus missis) – Bruto praetore tenente
ditem Asiam, Rupili et Persi par pugnat, uti non
<20> compositum melius cum Bitho Bacchius; in ius
acres procurrunt, magnum spectaculum uterque!
vom ganzen Saal empfangen; rühmt den Brutus,
rühmt seinen ganzen Cohors; nennt ihn selbst
die Sonne Asiens, und sein Gefolge
wohltätige Gestirne, nur Rupil
den König
ausgenommen; der sei, gleich
dem Hunde, diesem allen Ackerleuten
verhaßten Stern, dem Lande auf den Hals
gekommen. Kurz, er rauschte, wie ein Winterstrom
durch einen von der Axt verschonten Wald.
Der Pränestiner, den nunmehr die Reihe trifft,
bezahlt die wohlgepfefferten Sarkasmen ihm
gleich wortreich, und mit Zins; so wie ein grober Winzer
dem lust'gen Wandrer, der mit lauter Stimme
ihm Kuckuck zurief, Schimpf um Schimpf so lange
aus seinem Ulmbaum in die Ohren spritzt,
bis jener weichen mußIch habe diese Stelle umschreiben müssen, um sie verständlich zu machen. Indessen bedarf sie doch noch einiger Erläuterung, zu welcher uns eine von dem gelehrten Cruquius aufgefundene Stelle im 26sten Kapitel des 18ten Buches der Naturgeschichte des Plinius verhelfen wird. Vindemiator scheint hier für Putator zu stehen, und die Rede ist in diesem Gleichnisse von einem Weingärtner, der seine Reben beschneidet. Diese Arbeit (sagt Plinius) mußte innerhalb der ersten vierzehn Tage nach der Frühlings-Tag- und Nacht-Gleiche vollbracht sein; denn die Landleute halten es für eine große Schande, wenn der Kuckuck ein Rebmesser im Weinstock antrifft; und dies gibt daher im Frühling zu allerlei Bauer-Späßen Anlaß. Bekanntermaßen pflanzte man in Italien die Reben gewöhnlich an Ulmbäume. Ein vorübergehender Wanderer, der einen Landmann auf einem solchen Baume, halb in Laub versteckt, seine Reben beschneiden sah, machte, um jenen in seiner Ruhe zu stören, scherzweise den Ruf des Kuckucks nach; der Winzer, der dies für eine Beleidigung aufnahm, schimpfte zurück; und so entstand öfters eine Art von grobwitzigem Zweikampf, wo gewöhnlich dem Winzer das Vergnügen blieb, sich für den Sieger zu halten, weil der Wanderer, der noch weiter zu gehen hatte, des Handels am ehesten überdrüssig wurde.. Mein Grieche, mit
italien'schem Essig bis aufs Fleisch
so reichlich durchgebeizt, kann endlich sich
nicht länger halten. »Brutus«, ruft er, »du,
dem Könige zu würgen was Gewohntes istSo unschicklich auch diese Apostrophe an den Brutus war, so war doch die Meinung des Persius ihm ein Kompliment zu machen. Dieses wird aber dadurch noch lächerlicher, weil er den M. Brutus mit dem Junius Brutus, der den König Tarquin vertreiben half, zu vermengen scheint, und sich so ausdrückt, als ob Brutus die Tarquinier eben sowohl als den Julius Cäsar aus dem Wege geschafft habe, und also vom Abschlachten der Könige gleichsam Profession mache.,
Persius exponit causam, ridetur ab omni
conventu, laudat Brutum laudatque cohortem;
solem Asiae Brutum appellat, stellasque salubres
<25> appellat comites, excepto Rege; Canem illum,
invisum agricolis sidus, venisse: ruebat
flumen ut hibernum fertur quo rara securis.
Tum Praenestinus salso multoque fluenti
expressa arbusto regerit convicia, durus
<30> vindemiator et invictus, cui saepe viator
cessisset, magna compellens voce cuculum.
At Graecus, postquam est Italo perfusus aceto,
Persius exclamat: »Per magnos, Brute, deos te
warum, bei allen Göttern! schlachtest du
nicht diesen König auch? Das, glaube mir, ist etwas
womit du dir noch Ehre machen könntest!«
oro, qui reges consueris tollere, cur non
<35> hunc Regem iugulas? Operum hoc, mihi crede, tuorum est!«
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