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Horazens Satiren

Horaz: Horazens Satiren - Kapitel 13
Quellenangabe
typesatire
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Satiren
pages575
created20001125
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Satire

Einleitung

Das folgende Stück ist ein scherzhaftes Tagebuch einer Reise unsers Dichters von Rom nach Brundusium, wobei er eine im dritten Buche der Satiren des Lucilius vorkommende Reise-Beschreibung von Rom nach Capua zum Muster genommen haben soll.

Wiefern Horaz seinen Vorgänger hierin nachgeahmt, und wie weit er ihn, aller Wahrscheinlichkeit nach, hinter sich gelassen habe, läßt sich aus den wenigen Überbleibseln des Lucilischen Stückes, die man in Dousas oben erwähnter Sammlung beisammen findet, einigermaßen, wiewohl zu einer Vergleichung nicht hinlänglich genug, abnehmen: aber dies ist wohl gewiß, daß dieses Horazische Reise-Journal dem berühmten Voyage de Bachaumont et La Chapelle, und also gewissermaßen allen übrigen poetischen und scherzhaften Reise-Beschreibungen, welche durch jenes veranlaßt wurden, zum Modell gedient hat.

Horaz machte den größten Teil dieser Reise im Gefolge des Mäcenas; und es ist aus allen Umständen ersichtlich, daß er sie nicht in eigenen Verrichtungen, sondern bloß als Comes dieses Günstlings und Vertrauten des jungen Cäsars gemacht habe.

Daß diese Comites der damaligen Großen in Rom zum Teile aus einer Art von untertänigen Freunden und Tischgenossen bestanden, die ein großer Herr, besonders auf Reisen in Staats-Verrichtungen, teils um einen desto ansehnlichern Aufzug zu machen, teils zu seiner Unterhaltung mit sich führte, ist anderswo schon ausführlicher gezeigt wordenS. Einleitung in den 3ten der von mir übersetzten Horazischen Briefe .. Mäcenas, der es bloß seiner Neigung zu Dichtern und schönen Geistern zu danken hat, daß sein Name bereits achtzehn Jahrhundert lang ein Ehrentitel ist, liebte bei solchen Gelegenheiten die besten Köpfe um sich zu haben; und wir finden daher, daß außer unserm Dichter und dem Heliodorus, einem gelehrten Griechen, noch seine Freunde Virgil, Plotius und Varius, von der Gesellschaft waren. Vielleicht war es ein Einfall von Mäcenas selbst, daß Horaz das Andenken und die kleinen Abenteuer dieser Reise durch ein scherzhaftes Tagebuch lebendig erhalten sollte; oder, wenn diese Idee unserm Dichter auch erst nachher und ohne Veranlassung eines andern kam, so beweiset doch der Ton des ganzen Stückes, daß es nicht sowohl für das Publikum, als zur Belustigung der auserlesenen und in ihrer Art einzigen Reisegesellschaft welche sich damals zusammengefunden hatte, geschrieben worden sei.

Daß diejenigen sich sehr geirret haben, welche diese Reise in das Jahr 714 gesetzt und sich eingebildet haben, die Zusammenkunft zwischen Mäcenas und Coccejus, deren Horaz erwähnt, sei die nämliche Konferenz gewesen, von welcher der zwischen dem M. Antonius und dem jungen Cäsar zu Brundusium geschlossene Friede und die Vermählung des erstern mit Octavia, der Schwester des letztern, die Folgen gewesen, – hat MassonIn Vita Horat. p. 81 et seqq. außer allen Zweifel gesetzt. Einer der stärksten Gründe ist, daß Horaz damals dem Mäcenas noch gar nicht bekannt war, geschweige daß er schon unter seine Freunde und Comites sollte aufgenommen gewesen sein. Aus diesem und verschiedenen andern Umständen erhellet, daß die Konferenz, wovon in diesem Reisejournal die Rede ist, in den Oktober oder November des Jahres 717 zu setzen, und die nämliche sei, deren Dion Cassius im 54sten Kapitel seines 48sten Buches erwähnt.

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