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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 51
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wie würde, wenn er noch auf Erden lebte,
Demokritus der großen Kinder lachen,
zu sehen, daß ein Zwitter von Kamel
und PantertierDer Giraffe oder Camelopardalis der Alten., ein weißer Elefant
die Augen alle plötzlich an sich zieht!
Was für ein Schauspiel für den Menschenforscher!
Es würd' ihn mehr als alle Pantomimen
belust'gen, seine Abderiten wieder
in Rom zu finden, und im armen Dichter
den guten Tropf zu sehn, der seinem Esel
zum Zeitvertreib ein Märchen vorerzählteEine Anspielung auf das griechische Sprüchwort: όνω τις έλεγε μυ̃θον, ο δὲ τὰ ω̃τα εκίνει – es erzählte einmal einer seinem Esel ein Märchen, und der Esel nickte mit den Ohren..
Denn welche Stentorhälse könnten das
    Si foret in terris, rideret Democritus, seu
<195> diversum confusa genus panthera camelo,
sive elephas albus vulgi converteret ora:
spectaret populum ludis attentius ipsis
ut sibi praebentem mimo spectacula plura;
scriptores autem narrare putaret asello
Getöse überschreien, das in unsern
Theatern widerhallt? Ihr glaubtet den GarganEin waldichter Berg in Appulien.
und das Tyrrhener-Meer euch um die Ohren sausen
zu hören, so tumultuarisch gehts
bei unsern Szenen zuSeneca, der ein halbes Jahrhundert später als unser Dichter lebte, macht in einem seiner Briefe ein ähnliches Gemälde von diesem Getöse, das die römischen Schauspiele begleitete, – um sich selbst über die Stärke seines Geistes, der sich dadurch im Denken nicht stören lasse, ein Kompliment zu machen. Ecce circensium obstrepit clamor: subita aliqua et universa voce feriuntur aures meae, nec cogitationem excutiunt, nec interrumpunt quidem. Fremitum patientissime fero: multae voces et in unum confusae pro fluctu mihi sunt aut vento silvam verberante etc. Epist. 83., so teuer wird
auf Kosten des Gehörs die Augenlust
an einer reichen prächt'gen Garderobe
und fremdem Putz erkauft! Denn das ist alles,
was wir vom Schauspiel haben. Ein Akteur
tritt auf; welch ein Geklatsch von allen Seiten! –
»Was sprach er?« – »Noch kein Wort.« – »Wem gilt denn also
der laute Beifall?« – »Seinem Purpurrocke.«

Jedoch, damit mich der Verdacht nicht treffe,
ich such' ein Fach, worin sich andre Lorbeern
erwarben, nur deswegen zu verkleinern,
weil ich mich selbst darin hervorzutun
verzweifle – so gesteh' ich gern, daß mir
der Mann auf einem straffen Seile tanzen
zu können scheint, der nach Belieben mich
<200> fabellam surdo. Nam quae pervincere voces
evaluere sonum, referunt quem nostra theatra?
Garganum mugire putes nemus aut mare Tuscum,
tanto cum strepitu ludi spectantur et artes
divitiaeque peregrinae, quibus oblitus actor
<205> cum stetit in scaena, concurrit dextera laevae.
»Dixit adhuc aliquid?« »Nil sane.« »Quid placet ergo?«
»Lana Tarentino violas imitata veneno.«
Ac ne forte putes me quae facere ipse recusem,
cum recte tractent alii, laudare maligne,
<210> ille per extentum funem mihi posse videtur
ire poeta, meum qui pectus inaniter angit,
in jede Leidenschaft zu setzen weiß,
und, ob die Sache schon mich gar nichts angeht,
mit falschen Hoffnungen und falschen Schrecken,
gleich einem Zauberer, das Herz im Leibe
mir bald erweitert, bald zusammenstrickt;
und kurz, von Rom auf einmal bald nach Theben,
bald nach Athen mich zu versetzen weißBaxtern ist hier das Unglück begegnet, sich zur bösen Stunde einzubilden, alle andern Ausleger des Horaz hätten diese Stelle nicht verstanden; und er allein habe Nase genug gehabt, die Ironie zu riechen, die in diesem Lobe der dramatischen Kunst verborgen liege. Kurz, der scharfsinnige Mann bildet sich ein, Horaz wolle damit nichts anders sagen, als: »er beneide einen lateinischen Komödienschreiber so wenig als einen Seiltänzer, der, um der albernen Plebeculae Spaß zu machen, unsinnig genug sei, seinen eignen Hals zu wagen« – aber alles, was er zur Unterstützung dieser vermeintlichen Ironie vorzubringen hat, ist das oben angeführte Quintilianische »In comoedia maxime claudicamus«, welches ihm hier gar nichts helfen kann. Denn es ist augenscheinlich, daß Horaz nicht sowohl von der Komödie als von der Tragödie spricht, auf welche allein das inaniter angit, irritat, mulcet, falsis terroribus implet, und auch das modo me Thebis, modo ponit Athenis, ungezwungen paßt. Denn die Plattheit, mit diesem letzten Zuge nichts weiters sagen zu wollen, als: »er setzt die Szene bald nach Theben (wie Plautus im Amphitruo), bald nach Athen, dem gewöhnlichsten Schauplatz der alten Komödie« ist gar nicht in seiner Manier. Mich deucht, es ist offenbar, daß er hier den Äschylus und Sophokles im Auge hatte, und daß der Sinn der Worte: ille per extentum etc. an sich selbst und vermöge des ganzen Zusammenhangs kein andrer sein kann, als dieser: damit du nicht glaubest, ich verachte die dramatische Kunst bloß, weil ich mich unvermögend fühle, mich selbst darin hervorzutun, so versichere ich: daß in meinen Augen nichts Schwerers ist, als eine Kunst, die uns nach Gefallen in jede Leidenschaft versetzt, – uns für eine uralte fabelhafte Geschichte, die sich vor 2000 Jahren zu Athen oder Theben zugetragen haben soll, so stark einzunehmen weiß, daß uns nicht anders zu Mut ist, als ob die Sache uns unmittelbar angehe, daß wir gleichsam Zeitgenossen und Mitbürger der handelnden Personen werden, und so lebhaft an dem Schicksal derselben Anteil nehmen, so ängstlich zwischen Furcht und Hoffen dem Ausgang entgegensehen, als ob unser eignes Schicksal entschieden werden sollte u.s.w. Wer das kann, ist freilich Meister einer großen und schweren Kunst; es ist so leicht darin zu fallen und den Hals zu brechen, als wenn er auf einem Seile ginge, und ihre Wirkungen sind so wunderbar, als die Täuschungen der Magie; wir wissen, daß wir betrogen werden, und werden doch betrogen, u.s.w. – Dies ists, was Horaz sagt; und was (außer Baxtern, der diesen schönen Sinn in ein schale, gezwungene, und überdies ganz unschickliche Ironie verkehrt) jedermann in seinen Worten gefunden hat..

Indes, o Cäsar, wenn du unsre Dichter,
den Helikon mit größrer Munterkeit
hinanzuklimmen, spornen, und dein eigenes
dem Musengott geheiligtes Gestift,
den Palatinschen SchatzDie Palatinische Bibliothek, wo die den lateinischen Schriftstellern bestimmte Galerie noch ziemlich leer war., mit Römerwerken
erfüllen willst: so gönn' auch dem, der lieber
dem Urteil kalter Leser als den Launen
des ekligen Zuschauers sich vertraut,
Aufmunterung! – Zwar weiß ich, daß wir DichterDie scherzhafte Parenthese: ut vineta egomet caedam mea, ist weggelassen worden, weil die deutsche Redensart »daß ich meine Haut selbst zu Markt trage!« für den Mann, mit welchem Horaz spricht, nicht edel genug war, und ich keine gleichviel geltende kenne, welche schicklicher wäre.
uns selber großen Schaden tun, indem
irritat, mulcet, falsis terroribus implet,
ut magus, et modo me Thebis, modo ponit Athenis.
Verum, age, et his, qui se lectori credere malunt
<215> quam spectatoris fastidia ferre superbi,
curam redde brevem, si munus Apolline dignum
vis complere libris et vatibus addere calcar,
ut studio maiore petant Helicona virentem.
Multa quidem nobis facimus mala saepe poetae,
wir unsre Werklein oft zur Unzeit, wenn du just
was Wichtigers zu tun hast, oder müde bist,
Dir überreichen; gleich empfindlich werden,
wenn einer deiner Freunde einen Vers
zu tadeln sich erkühnt hat; oder, wenn
wir, ungebeten, eine Stelle zweimal lesen,
und jammern, daß man nicht gewahr wird, welche Müh
uns das gekostet, was so leicht scheint, und
wie zart gesponnen und wie fein verwebt
das Werkchen ist – ingleichen wenn wir meinen,
sobald du Nachricht kriegen werdest, daß
wir ein Gedicht in Arbeit haben, werdst du gleich
uns rufen lassen, unsre leeren Beutel füllen,
und uns mit freundlicher Gewalt zum Schreiben zwingen.
Allein es bleibt doch wohl der Mühe wert
zu wissen, was für Tempelhüter man
der Tugend gebe
, die in Krieg und Frieden
sich groß erzeigt, und solch ein Amt nicht sorglos
unwürd'gen Dichterlingen zu vertrauen.

Dem großen Alexander hatte ein
<220> (ut vineta egomet caedam mea) cum tibi librum
sollicito damus aut fesso; cum laedimur, unum
si quis amicorum est ausus reprendere versum;
cum loca iam recitata revolvimus inrevocati;
cum lamentamur non apparere labores
<225> nostros et tenui deducta poemata filo;
cum speramus eo rem venturam, ut simul atque
carmina rescieris nos fingere, commodus ultra
arcessas et egere vetes et scribere cogas.
Sed tamen est operae pretium cognoscere quales
<230> aedituos habeat belli spectata domique
virtus, indigno non committenda poetae.
Gratus Alexandro regi Magno fuit ille
gewisser Chörilus das unverdiente Glück
genehm zu sein, und für die schlechten Verse,
womit er seines Helden Glanz beschmutzte, sich
mit Gold-Philippen königlich belohnt zu sehnLe nom de Choerilus a été malheureux en Poésie, sagt Hr. Dacier; von drei oder vier Poeten dieses Namens war nicht einer, den sein Ruhm ud seine Werke überlebt hätten. Dafür waren sie desto glücklicher bei ihren Lebzeiten. Einer von ihnen, der von Samos gebürtig und Herodots Zeitgenosse war, schrieb ein heroisches Gedicht von den Siegen der Athener über den Xerxes, welches die Sieger so wohl aufnahmen, daß sie ihm einen Stater (ungefähr einen Gulden unsrer Münze) für jeden Vers aus ihrem Schatze bezahlen ließen. Einen andern Chörilus führte der spartanische General Lysander auf seinen Feldzügen mit sich, und besoldete ihn dafür – daß er aus seiner Geschichte eine Fabel machen solltePlutarch im Leben Lysanders.. Der Chörilus, von welchem hier die Rede ist, hatte die Ehre, Alexandern dem Großen in dem nämlichen Posten bedient zu sein, und wurde für sehr schlechte Verse sehr königlich in wichtigen Philippd'or belohnt, wenn wir Horazen glauben dürfen. Wie der Grammaticus Akron die Sache erzählt, würden unsre Chörilusse freilich weniger Ursache haben, ihren griechischen Mitbruder zu beneiden. Alexander, sagt Akron, kam mit seinem Hofpoeten überein, ihm für jeden guten Vers seiner Alexandrias einen Philippd'or, und für jeden schlechten eine Maulschelle geben zu lassen. Chörilus, der (wie alle seines gleichen) eine sehr gute Meinung von sich selbst hatte, glaubte die goldnen Philippen schon in seiner Kasse klingen zu hören, und schrieb frisch drauf los: zwanzig- bis dreißigtausend Verse, dacht' er (es stand ja bloß bei ihm, wie viele Tausend er machen wollte), werden eine hübsche runde Summe geben! Als er nun mit seinem Werke fertig war, fand sich zwar hier und da mitunter mancher leidliche Vers, und er empfing dafür seine Philippd'or bar; aber der schlechten, und also auch der Ohrfeigen, waren so viel, daß der arme Chörilus, noch eh' es an den letzten Gesang kam, den Geist aufgab. Das Märchen läßt sich hören, ohne daß der Erzählung unsers Dichters etwas von ihrer Glaubwürdigkeit benommen wird. Denn daß Alexander, da er Achills Grab besuchte, diesen Helden glücklich pries, einen Homer gefunden zu haben, beweiset zwar, daß der junge Weltstürmer für die Taten, die er damals noch erst verrichten wollte, sich auch einen Homer gewünscht, aber nicht, daß er Geschmack genug gehabt habe, zu unterscheiden, ob Chörilus, der sich ihm ein paar Jahre drauf zum Homer anbot, der Mann, den er suchte, wirklich sei, oder nicht. Überdies hören sich die Menschenkinder, große und kleine, so gern loben, daß auch schlechte Verse zuhörens immer besser werden, wenn wir uns darin verherrlichst finden – wie man die Beispiele davon alle Tage sieht..
Und gleichwohl eben dieser Alexander,
der ein so lächerliches Lobgedicht
viel teurer zahlte, als das Beste je
gekostet haben mag, verbot durch ein Edikt,
daß keiner, als Apelles, ihn zu malen,
und niemand, als Lysipp, sein Heldenbild
aus Erz zu hämmern sich erdreisten sollte.
So scharf und richtig sah in diesen Künsten
derselbe Mann, von dem (nach seinem Ohr in Werken
der Musenkunst) man schwören sollt', er habe
Böotiens dickste Luft von Kindheit an gesogenHier, denke ich, könnte sich unser Dichter in seinem Schlusse geirrt haben. Alexander wollte nur von einem Apelles gemalt, nur von einem Lysippus in Erz gearbeitet sein, wie er nur von einem Homer besungen sein wollte. Es war glücklich für ihn, daß Apelles und Lysippus just seine Zeitgenossen waren: wären sie hundert Jahre früher in die Welt gekommen, als er, so möcht' es ihm mit seinem Kabinetts-Maler und Bildgießer eben so gegangen sein, wie mit seinem Leib-Poeten. Denn was konnte Seine Majestät davor, wenn Chörilus kein Homer war? Daß ich dem großen Alexander durch diese Meinung kein Unrecht tue, kann ich mit dem Zeugnis eines unverwerflichen Kenners in Kunstsachen, mit Apells eignen Worten, beweisen. Alexander pflegte ihn öfters in seiner Werkstatt zu besuchen, und wie es zu gehen pflegt über Sachen, die die Kunst betrafen, mit eben der Gewißheit und Zuversicht zu sprechen, womit er einen seiner Generale über die Ursachen einer gewonnenen oder verlornen Schlacht hätte unterrichten können. Der Maler der Grazie war ohne allen Zweifel ein Mann, dem man so viel Lebensart zutrauen darf, daß er sich in dergleichen Fällen anständig zu benehmen gewußt habe; aber er war ein Künstler: und da es der große König einsmals gar zu arg machte, konnte er sich nicht länger halten. Ich bitte Ew. Majestät, nicht so laut zu reden, sagte Apelles leise, – sehen Sie, was die Jungen, die dort die Farben reiben, für Gesichter schneiden, um nicht überlaut auszubersten? Plin. L. XXXV. c. 10..

Dich, Cäsar, und dein Urteil, und die Proben deiner
Freigebigkeit, entehren wahrlich nicht
die Dichter, die du liebst, Virgil und VariusHoraz hielt sich, wie wir gesehen haben, immer, so viel nur möglich, in einer ehrerbietigen Entfernung von August. Virgil und Varius waren nicht so delikat, und hatten auch seine Ursachen nicht. Varius besang die Taten Augusts, d. i. was das Glück, seine Feldherren und die Verdorbenheit der Römer für ihn getan hatten – geradezu in einem eignen heroischen Gedichte: Virgil griff es feiner an; aber seine Äneis hat doch am Ende keinen andern Zweck, als zu einem prächtigen Rahmen für das große Kompliment zu dienen, welches er dem alten Vater Anchises in den Mund legt:
Hic Caesar, et omnis Iuli
progenies, magnum caeli ventura sub axem.
Hic vir, hic est, tibi quem promitti saepius audis,
Augustus Caesar, divi genus, aurea condet
saecula qui rursus Latio, etc.
;
Choerilus, incultis qui versibus et male natis
rettulit acceptos, regale numisma, Philippos.
<235> Sed veluti tractata notam labemque remittunt
atramenta, fere scriptores carmine foedo
splendida facta linunt. Idem rex ille, poema
qui tam ridiculum tam care prodigus emit,
edicto vetuit, ne quis se praeter Apellem
<240> pingeret, aut alius Lysippo duceret aera
fortis Alexandri vultum simulantia. Quod si
iudicium subtile videndis artibus illud
ad libros et ad haec Musarum dona vocares,
Boeotum in crasso iurares aere natum.
<245> At neque dedecorant tua de se iudicia, atque
munera, quae multa dantis cum laude tulerunt,
dilecti tibi Virgilius Variusque poetae:
auch stellt kein Bild von Erz, und wär' es gleich
Lysippens eignes Werk, preiswürd'ger Männer
Gestalt und Angesicht lebendiger
der Nachwelt dar, als durch des Dichters Kunst
ihr Geist und Herz aus ihren Taten leuchtet.
Auch würd' ich selbst nicht mit am Boden kriechenden
Sermonen lieber mich beschäftigen wollen,
als mit heroischem Gesang, und würde lieber
von großen Gegenständen, fernen Ländern
und fremden Völkern singen, und von neu-
erbauten Städten, und wie unter Deinen
Auspizien
die ganze Welt beruhigt,
des Janus Doppelpforte zugeschlossen,
und selbst die rauhen weit entlegnen Parther,
die sonst nichts schreckt, dein großes Rom zu fürchten
gelehret worden: wäre mein Vermögen
dem Willen gleichHoraz bleibt in seinen Entschuldigungen, wie billig, bei einerlei Sprache; mendacem oportet esse memorem. Aber die Wendung, die er hier nimmt, um den August recht im Ernste zu überzeugen, daß es bloßes Unvermögen sei, was ihn verhindre, die Trompete der Kalliope anzusetzen, um das ewige Lied –
                                            – – – Tuis
auspiciis totum confecta duella per orbem,
et formidatam Parthis, te principe, Romam,
! Allein ein kleines Werk
faßt weder deine Majestät, noch läßt die Scham
mir zu, was meine Kräfte übersteigt, zu wagen.
Die schlimmste Art von Dienstgeflissenheit
ist, wenn ein Sudler uns zu ehren meint,
nec magis expressi vultus per ahenea signa
quam per vatis opus mores animique virorum
<250> clarorum apparent. Nec sermones ego mallem
repentes per humum, quam res componere gestas,
terrarumque situs et flumina dicere, et arces
montibus impositas, et barbara regna, tuisque
auspiciis totum confecta duella per orbem,
<255> claustraque custodem pacis cohibentia Ianum
et formidatam Parthis te principe Romam:
si quantum cuperem possem quoque. Sed neque parvum
carmen maiestas recipit tua, nec meus audet
rem temptare pudor, quam vires ferre recusent.
<260> Sedulitas autem stulte quem diligit, urget
indem er uns, mit sich, dem Spötter Preis gibt,
dem etwas Schlechtes meist willkommner ist,
als was er, mit geheimem Widerwillen,
für gut erkennen und bewundern muß.
Mir ist nichts läst'ger, als ein schlimmer Dienst
aus guter Meinung; und ich würde mir
ein Fratzenbild in WachsMan kann mit gutem Grund aus dieser Stelle schließen, daß es auch damals schon (wie heut zu Tage) Mode gewesen sei, Fratzenbilder von berühmten Personen herumzutragen, und für wohlgetroffene Abbildungen an die Liebhaber zu verkaufen; wenigstens scheint ein guter Teil von den Köpfen berühmter alter Römer, womit man sich noch jetzt behilft, von denen in peius fictis zu sein, die sich Horaz hier verbittet, ohne daß er selbst seinem Schicksal hätte entgehen können., das durch die Straßen
für meines feilgetragen würde, und
mein Lob in schlechten Versen gleich verbitten;
und fände wahrlich wenig Spaß daran,
in einer großen unbedecktem Kiste
mich, einer Leiche gleich, mit meinem Dichter
bei hellem Tage in die Krämergasse
geschleppt zu sehn, um Pfeffer, Spezereien,
und was man sonst in nichtsbedeutendes Papier
zu wickeln pflegt, zum Überrock zu dienen.
praecipue cum se numeris commendat et arte;
discit enim citius meminitque libentius illud,
quod quis deridet, quam quod probat et veneratur.
Nil moror officium, quod me gravat, ac neque ficto
<265> in peius vultu proponi cereus usquam,
nec prave factis decorari versibus opto:
ne rubeam pingui donatus munere, et una
cum scriptore meo, capsa porrectus aperta,
deferar in vicum vendentem tus et odores,
<270> et piper, er quicquid chartis amicitur ineptis.
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