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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 44
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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August, wiewohl er das Ansehen haben wollte, daß er den Talenten dieser Art eine allgemeine Aufmunterung angedeihen lasseIngenia saeculi sui omnibus modis fovit. Sueton. in Aug. c. 89., war doch nicht gleichgültig, wie und von wem er besungen werde. Er hätte, natürlicher Weise, gern die eminentesten Köpfe zu Anhängern und Herolden gehabt. Aber gerade unter diesen befand sich einer, den weder die Eifersucht über das Ansehen, so sich ein Virgil durch seine Äneide erworben, noch die Belohnungen, die ihm dafür geworden waren, hatten erhitzen können; einer, dessen Talenten man alles zutraute, und der doch wenig oder nichts für seine Zeit, und für Den, um dessen Gunst sich die ganze Welt bewarb, getan zu haben schien; kurz einer, der mitten in Rom und im wollüstigen Hause des Mäcenas, das dem Hofe des Homerischen Alcinous so ähnlich sah, immer von Retraite sprach, und, mitten unter Leuten, die um Gunst und Reichtum in die Wette buhlten und um diesen Preis alles zu tun und zu leiden bereit waren, kein Geheimnis daraus machte, daß er anders denke als sie, und eine Mittelmäßigkeit, die nach dem gemeinen Maßstab nichts mehr als Armut war, mit Unabhängigkeit und Selbstgenuß, allem, was Könige geben könnten, vorziehe. Und dieser einzige war – unser Dichter.

Doch, seine Genügsamkeit und sein Hang zur Unabhängigkeit (Eigenschaften, welche zu allen Zeiten die Viros Mercuriales charakterisiert haben) war ihm vermutlich noch mit mehrern Dichtern seiner Zeit gemein. Aber was ihn vor ihnen allen auszeichnete, war ein andrer Umstand, der Augusten weit weniger gleichgültig sein konnte. Virgil und Ovid z. B. waren nie etwas anders als Dichter gewesen, und trieben die Kunst der Musen als ein Talent, wozu sie sich von der Natur berufen fühlten, und dessen Kultur sie zum Geschäfte ihres Lebens machten. Horaz hingegen hatte in seiner Jugend eine Laufbahn betreten, die ihn, wenn das Schicksal seiner Partei günstiger gewesen wäre, zu einem ganz andern Ziele geführt haben könnte.

Man weiß nicht, wie Horaz, als ein junger Mensch ohne Geburt und Vermögen, der sich Studierens wegen zu Athen aufhielt, und noch keine Proben von militärischen Fähigkeiten gegeben hatte, zu der Ehre kam, unter einem so großen Feldherrn wie Brutus, Obrister über eine Legion zu werden. Lessing schloß aber bloß daraus, weil es geschah, sehr richtig, daß Brutus persönliche Eigenschaften an ihm müsse gesehen haben, die ihn eines solchen Postens würdig gemacht; und ich glaube mit Shaftesbury nicht zu irren, wenn ich den Zug in dem kleinen Gedicht an sein Buch:

Me primis urbis BELLI placuisse domique

für eine Andeutung ansehe, daß er dem Brutus vorzüglich wert gewesen, und eines nähern Zutritts und vertrautem Umgangs von diesem große Manne gewürdiget worden. Allem Ansehen nach war es nicht nur die Schönheit und feine Kultur seines Geistes, die ihn für Personen von ähnlicher Art zum angenehmsten Gesellschafter machte, sondern vornehmlich seine edle Art zu denken, sein Haß gegen die Tyrannie und Eifer für die gute Sache der Republik, was ihm eine so ansehnliche, und, ohne dies, ganz unbegreifliche Unterscheidung vor tausend andern seines Alters und Standes bei den Häuptern der republikanischen Partei verdiente. Denn es fehlte ihnen damals an nichts weniger als an jungen Männern von Familie und Vermögen, und es war gewiß nicht die Not, die den Brutus zwang, bis zum Sohn eines Freigelaßnen und Zollbedienten von Venusium herabzusteigen, um seine Legionen mit Befehlshabern zu versehen.

Ohne Zweifel ahndete dem Horaz, als er seine besten Abende noch im Gezelt des Brutus zubrachte, wenig davon, daß er in den Fall kommen würde, diesem unstreitbaren jungen Octavius, gegen den er zu Felde lag, nach fünf und zwanzig Jahren in einer poetischen Epistel das Kompliment zu machen:

Gerecht und weis' ist deines Volkes Urteil,
indem es vor der Griechen Feldherrn Dir
und vor den unsrigen den Vorzug gibt –

Aber vielleicht hatte auch August, da er diese Verse las, noch nicht ganz vergessen, daß es vor fünf und zwanzig Jahren nicht an Horazens gutem Willen gelegen hatte, wenn das Schicksal des Brutus und Cassius nicht das seinige geworden war.

Nach dem unglücklichen Ausgang der Schlacht bei Philippi und dem Tode dieser letzten Römer stand es bei Horaz, ob er (wie viele andre) zu dem jungen Pompejus flüchten, oder (wie noch mehrere taten) unter Antonius oder Octavius Dienste nehmen wollte. Zum letztern war er zu edelmütig, und zum ersten zu klug; denn daß es um die Republik nunmehr geschehen sei, war, mit einer viel geringern Kenntnis der Lage der Sachen, als man bei ihm voraussetzen kann, leicht vorherzusehen. Es blieb ihm also keine andre Wahl übrig, als fürs erste bloß seine Person in Sicherheit zu bringen, und – man weiß nicht wie, oder durch wessen VermittlungDie gemeine Meinung ist zwar, Mäcenas habe unserm Dichter unmittelbar nach der Schlacht bei Philippi das Leben erhalten. Ich weiß aber nicht, ob sie einen andern Grund hat, als das unbedeutende Zeugnis des Sidonius Apollinaris: aber ich habe für meine Meinung das Zeugnis eines Mannes, der am besten von der Sache unterrichtet sein mußte, und das ist Horaz selbst, der die Geschichte seiner Bekanntschaft mit Mäcen im 6ten der Sermonen des I. Buchs deutlich genug erzählt, um keinem Zweifel über diesen Punkt Raum zu lassen. – von den Siegern wenigstens so viel zu erhalten, daß man ihn existieren ließ. Die Frage war aber, wovon? Denn sein kleines väterliches Erbgut war dem Triumviralischen Fiskus angefallen. Für einen Mann von seiner Denkart und in seiner Lage würde es schwer gewesen sein, einen Ausweg zu finden, wenn die Musen, zu deren Dienst er erzogen worden war, ihn nicht in ihren Schutz genommen hätten.

Ob von den ersten Versuchen, wodurch er sich zu Rom hervorgetan, etwas bis auf uns gekommen sei, läßt sich nicht wohl entscheiden. Wir sehen aber aus einem seiner Sermonen, daß er seiner Freundschaft mit den Dichtern Virgil und Varius die erste Bekanntschaft mit Mäcenas zu danken gehabt

Nulla mihi te fors obtulit. Optimus olim
Virgilius, post hunc Varius dixere quid essem.
. Neun Monate darauf befand er sich unter die vertrautern Klienten, oder Freunde, desselben aufgenommen
revocas nono post mense, iubesque
esse in amicorum numero – Ibid.
, und erhielt (vermutlich erst nach einigen Jahren) von der Freigebigkeit dieses fürstlichen Privatmanns, dessen Herz er gewonnen hatte, das Sabinische Gut, wovon so oft die Rede in seinen Werken ist.

Es scheint nicht, daß er während der ganzen Zeit des Triumvirats mit dem Octavius oder nachmaligen Augustus in nähere Bekanntschaft gekommen sei; und außer einer einzigen, noch zweifelhaften Stelle, wo er einen Octavius unter denjenigen nennt, deren Beifall ihm schmeichelhaft sein würdeCruquius und Baxter finden zwar nicht im mindesten zweifelhaft, daß hier von dem nachmaligen August die Rede sei: aber andre Ausleger, denen auch Geßner beitritt, können nicht glauben, daß ein Homuncio wie Horaz den Caesarem Divi Filium so sans façon unter seinen Freunden und dazu noch schlechtweg unter dem Namen Octavius genennt haben sollte – und wollen lieber zu irgend einem unbekannten Octavius ihre Zuflucht nehmen. Man könnte aber dagegen sagen: daß der junge Cäsar Divi Filius damals noch nicht Augustus geheißen, und seinen Geschlechtsnamen Octavius schwerlich für eine Beleidigung werde aufgenommen haben; daß er überdies sich noch in einem unentschiednen Zustand befunden, und ungeachtet er die unbestimmte Gewalt eines Triumviri Reipublicae constituendae noch immer an sich behalten, gleichwohl, um das Verhaßte dieser tyrannischen Gewalt zu mildern, viele Popularität affektiert, und in Sachen, die das Gouvernement nicht betrafen, sich keiner Vorrechte vor andern Römern seines Standes angemaßt habe; und endlich, daß Horaz in der Stelle, wovon die Rede ist, aller Wahrscheinlichkeit nach, die vornehmsten Glieder der Gesellschaft nenne, die sich im Hause Mäcens zusammenzufinden pflegte, und aus den qualifiziertesten Männern und besten Köpfen in Rom bestand, und daß es dem jungen Cäsar, der von Seiten der Sitten und des Geistes sich erst noch einen guten Ruf zu machen hatte, sehr viel Ehre war, in solcher Gesellschaft zu erscheinen, und unter den Personen, deren Beifall Horaz ambitionierte, genennt zu werden., findet sich in allem, was er vor der Schlacht bei Actium geschrieben, nichts, das einige nähere Beziehung auf denselben hätte, oder zu erkennen gäbe, daß er sich für die Person oder Sache dieses Triumvirs interessiere. Die ansehnliche, wiewohl kurze Rolle, die er unter der Anti-Cäsarischen Partei gespielt hatte, würde in den abhänglichen Umständen, worin er sich jetzt befand, schon bloß um seiner Ehre und Sicherheit willen, diese Zurückhaltung erfodert haben. Aber eine Menge leiser Winke, die keinem aufmerksamen Leser in seinen ältern Werken entgehen können, machen es glaublich, daß sein Herz wenigstens eben so viel Anteil daran gehabt habe, als seine Klugheit; und daß er nicht anders als mit Mühe, und nach langer Zeit, von sich habe erhalten können, dem Haupte der Partei, für welche die Götter sich erklärt hatten, öffentlich Weihrauch zu streuen. ich finde sogar in der dreizehnten Epode einen Zug, den man für nichts anders als einen, gleichsam wider Willen, seiner Brust entflohenen, aber ziemlich lauten und nicht hoffnungslosen Wunsch, die Republik wiederhergestellt zu sehen, nehmen kann. Er muntert einen seiner Freunde auf, sich einen fröhlichen Tag mit ihm zu machen:

– – rapiamus, amici,
occasionem de die, dumque virent genua
et decet, obducta solvatur fronte senectus.
Tu vina Torquato move consule pressa meo!

Und nun setzt er, um allen Einwürfen, die sein Freund von dem Unglück der Zeiten hernehmen könnte, zuvorzukommen, hinzu:

Cetera mitte loqui! Deus haec fortasse benigna
reducet in sedem vice: nunc et Achaemenio
perfundi nardo iuvat, et fide Cyllenaea
levare diris pectora sollicitudinibus.

Halbrätselhafte Worte, die in unsers Dichters Munde keinen andern Sinn haben können, als diesen: »Schlage dir die politischen Angelegenheiten aus dem Sinne! Kein Wort von unangenehmen Dingen! Vielleicht wendet sich noch das Blatt, und ein Gott, der sich auf unsre Seite schlägt, stellt alles wieder in den vorigen Stand her. Jetzt, Freund, wollen wir uns mit Narden salben, und mit Gesang und Saiten den Kummer verjagen, zu dem wir so ungeheure Ursache haben, und der uns doch so wenig helfen würde.« – In der siebenten Epode an das römische Volk, Quo nunc, scelesti, ruitis? und in der sechzehnten:

Altera iam teritur bellis civilibus aetas,
    suis et ipsa Roma ruit viribus

macht er den Römern mit einer Leidenschaft, die nicht wie bloße poetische Begeistrung klingt, mit der vollen Ergießung eines Herzens, dessen geschwellte Empfindungen alle Dämme der Klugheit durchbrechen, die bittersten Vorwürfe. In beiden ist freilich kein Wort geradezu gegen den jungen Cäsar; aber auch kein Laut, der die mindeste Zuneigung zu seiner Sache verriete. In der letztern Epode geht er gar so weit, seine Mitbürger, oder wenigstens den bessern Teil derselben, aufzufodern, nach dem alten Beispiel der PhocäerAls sie ihr Vaterland auf ewig verließen, und nach Gallien zogen, wo sie die Stifter der so lange blühenden Republik Massilia wurden, deren Stelle das heutige Marseille einnimmt., das dem Verderben geweihte Rom zu verlassen

Eamus omnis exsecrata civitas
aut pars indocili melior grege: mollis et exspes
    inominata perprimat cubilia, etc.
, und soweit ihre Füße sie tragen, oder soweit irgend ein Wind sie treiben würde, nach einem neuen Wohnort auszuwandern; aber sich auch vorher, wie die Phocäer, durch einen hohen Eid, alle Freiheit, jemals wieder zurückzukehren, zu benehmen. Diese ganze Ode ist in einem Geiste von Unmut und Überdruß über den heillosen Zustand der Republik geschrieben, der wahrlich keinen Dichter, der dem Octavius den Hof machen will, verrät! Selbst in der ersten Epode, wo er sich seinem geliebten Mäcenas mit aller möglichen Wärme der Freundschaft zum Gefährten in die Schlacht bei Actium aufdringt, – ja sogar in der 9ten, wo er eben diesem Freunde seine Freude über den erhaltnen Sieg bezeugt, hat er nicht daran gedacht, eine so natürliche Gelegenheit zu ergreifen, demjenigen, den dieser Sieg zum Herrn der Welt machte, etwas Schmeichelhaftes zu sagen. Kurz, so lange Octavius noch als bloßer Usurpator angesehen werden konnte, blieb Horaz dem, was er in bessern Zeiten gewesen war, getreu; und erst, nachdem jener alle triumviralische Gewalt dem römischen Senat und dem Volke feierlich zurückgegeben hatte, aber von allen Ständen des nach Ruhe lechzenden Roms mit der wärmsten Schwärmerei erbeten worden war, eine rechtmäßige Gewalt aus ihren Händen wieder anzunehmen – vereinigt er in der zweiten Ode des ersten Buchs seine Stimme mit der allgemeinen, um den neuen August als denjenigen anzuerkennen, den die Götter ausersehen hätten, die Welt für so viel erlittenes Elend zu trösten, und beschließt, wie von der epidemischen Liebesschwärmerei der Römer mit ergriffen, mit diesen im Original so schönen Strophen:

Möchtest du doch späte gen Himmel wiederkehren,
lange fröhlich verweilen bei Quirinus Volke.
Daß du nicht, von unsern Lastern beleidigt,
                            schnell uns entschwindest!

Laß dir hier vielmehr die hohen Triumphe,
laß, uns Vater und Fürst zu heißen, lieber
dir gefallen –

Von diesem Zeitpunkt an finden sich in den drei ersten Odenbüchern noch verschiedene, worin des Augusts auf eine sehr ehrenvolle Art gedacht ist, aber nicht eine einzige, die geradezu an ihn selbst gerichtet wäre, oder als ein Lobgesang auf ihn angesehen werden könnte. Denn daß die zwölfte im ersten Buche ad Augustum überschrieben ist, daran ist Horaz eben so unschuldig, als daß die vierzehnte eben dieses Buchs in einigen Ausgaben die unverständige Aufschrift in Brutum bellum civile parantem führt. Diese zwölfte Ode ist eigentlich nichts als eine lange Aufzählung vieler teils mythologischer, teils alt-römischer Helden, die er alle gern auf einmal besingen möchte, und eben darum keinen besingt. Er nennt den Regulus, die Scauren, den Ämilius Paulus, den Fabricius und Curius u.s.w. und endigt endlich mit dem Komplimente:

– micat inter omnes
Iulium sidus, velut inter ignes
    luna minores.

Aber alles, was er in den drei folgenden Strophen, die an den Vater der Götter gerichtet sind, hinzusetzt, ist die Nachricht: daß die Regierung des Olympus und des Erdkreises zwischen ihm und August geteilt sei, und dieser, sofern er noch die Parther, Indier und Serer unterworfen haben werde, nur nach Jupitern der zweite, die ganze weite Welt regieren werde,

Te minor latum reget aequus orbem.

Dies war viel mehr eine Tatsache, als eine Schmeichelei; und die ganze Ode verliert, denke ich, einen guten Teil dessen, was sie dem August hätte angenehm machen können, durch die Ungewißheit des Dichters, wen er besingen soll, und durch die kühne Stelle:

– – an quietum
Pompili regnum memorem, an superbi
Tarquini fasces, an CATONIS NOBILE LETUM?

Überhaupt hat diese Ode, ungeachtet des schönen Pindarischen Schwungs, womit sie sich anhebt, ziemlich die Miene, als ob sie den Entschuldigungen zur Beilage dienen sollte, die er in der sechsten des ersten Buchs dem großen Agrippa, und in der zwölften des zweiten Buchs dem Mäcenas, über sein vergebliches Unvermögen, die Taten Cäsar Augusts würdig zu besingen, macht – Entschuldigungen, die allem Ansehen nach eine gegebne Veranlassung gehabt haben, und mit denjenigen völlig einerlei sind, womit er in gegenwärtiger Epistel den Augustus selbst abfindet. Die wahre Ursache lag weder in dem Unvermögen noch in der Trägheit des Dichters, noch in dem frivolen VorwandeEtwas Politik mochte doch wohl dabei sein, wenn er durch diese Affektation von Frivolität, und den Beisatz

Vacui, sive, quid urimur,
non praeter solitum leves

bei Agrippa lieber für einen leichtsinnigen, arglosen und bloß seinem Vergnügen nachhängenden Flattergeist, als für einen Mißvergnügten gelten wollte.

, den er sich nicht scheute, einem Manne wie Agrippa vorzugeben –

Nos convivia, nos proelia virginum
sectis in iuvenes unguibus acrium
cantamus, –

sondern in dem Gefühle, daß es sich nicht für ihn schicke, die Taten des Mannes zu besingen, gegen den er, als gegen den Unterdrücker der römischen Freiheit, einst gefochten hatte, und von dessen Händen alle aqua lustralis in der Welt das Blut eines Brutus und Cassius und so vieler andrer edler Römer, die als Opfer seiner Herrschsucht gefallen waren, nicht abwaschen konnte. Es würde Unsinn gewesen sein, solche Gesinnungen öffentlich und geradezu von sich zu geben: aber er ließ doch bei jeder Gelegenheit sogar den ansehnlichsten Männern des Staats mehr davon merken, als er getan haben würde, wenn seine Gesinnungen über diesen Punkt weniger habituell gewesen wären, und ihre Lebhaftigkeit ihn nicht zuweilen über die Grenzen einer furchtsamen Klugheit fortgerissen hätte. Proben hiervon glaube ich insonderheit in der schönen Ode an den Konsularen Asinius Pollio (der ersten im zweiten Buche) zu sehen, wo er von dem letzten Triumvirat und den daher entstandnen Bürgerkriegen, deren Geschichte Pollio zu schreiben im Begriff war, in einem Tone spricht, der gewiß keinen Cäsarianer verrät; und wo diese einzige Strophe,

Audire magnos iam videor duces,
non indecoro pulvere sordidos,
    et cuncta terrarum subacta
        praeter atrocem animum Catonis

das schönste Denkmal wert ist, welches dem unbezwingbaren Cato, und den übrigen edeln Männern, die für die Freiheit bluteten, gesetzt werden konnte.

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