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Horazens Briefe

Horaz: Horazens Briefe - Kapitel 42
Quellenangabe
typeletter
booktitleChristoph Martin Wieland Werke Band 9
authorHoraz
translatorChristoph Martin Wieland
year1986
publisherDeutscher Klassiker Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-618-61690-2
titleHorazens Briefe
pages9
created20001116
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Mein liebes Buch, ich sehe wohl, warum
du so verstohlen nach dem Janus und
VertumnusVertumnus (eine hetrurische Gottheit, die von den Römern, ihrer staatsklugen Gewohnheit nach, bei Eroberung Hetruriens, unter die ihrigen aufgenommen worden), war der Patron aller Geschäfte, wobei es auf Tausch und Verkauf ankommt. Die Buchhändler zu Rom hatten, wie es scheint, ihre Buden nicht weit von dem Tempel oder einer Bildsäule dieses Gottes, welche beide in der Tuskischen Straße (Vicus Tuscus oder Turarius) anzutreffen warenNardini Roma Vetus L. V. cap. 5.. In einem Winkel dieser Straße hatten auch die Kuppler, Puellae und Pueri Meretricii und dergleichen Gesindel ihre Niederlage, auf welche unser Dichter mit den Worten: Tusci turba impia vici, in einer seiner SatirenL. II. Satir. 3. v. 228. und Plautus in seinem CurculioActu IV. Sc. I. v. 21. In Tusco Vico. ibi sunt homines, qui se ipsos venditant. zu deuten scheint. Dieser Umstand gibt (wie Baxter meint) den ersten Zug zu der Dilogie, die durch dieses ganze Stück geht. schielst: du kannst es kaum erwarten,
von den Gebrüdern SosiernDie Gebrüder Sosii waren damals renommierte Buchhändler, sagt der Scholiast des Cruquius. Horaz erwähnt ihrer noch einmal in der Epistel an die Pisonen; und wir sehen aus dieser Stelle, daß sie seine Verleger waren. fein glatt und schmuck
herausgeputzt, dich ausgelegt zu sehen.
Die gute Zeit, da du, verschämt und züchtig,
vor fremden Augen dich in meinem Pult
verstecktest, ist vorbei; du hassest Schloß
und Siegel, keuchst nach Freiheit, grämest dich
so wenig Leuten nur gezeigt zu werden.
So bist du nicht erzogen worden! Aber, weil
du's dann nicht besser haben willst, so geh,
wohin so weh dir ist! Die Reue wird dich nur
zu bald ergreifen, aber leider! dann zu spät.
Einmal hinaus, so ist kein Wiederkommen
für dich! – Was hab' ich dummes Ding getan?
Was hatt' ichs Not? wirst du dann, wenn dich jemand
beleidigt, schrei'n – und nirgends Mitleid finden.
Auch weißt du, daß du dich gar enge wieder
zusammenschrumpfen mußt, sobald der gähnende
Liebhaber deiner satt geworden. Soll ich
(wenn anders mich die böse Laune nicht
zum falschen Augur macht) dir sagen, Kind,
    Vertumnum lanumque, Liber, spectare videris,
scilicet ut prostes Sosiorum pumice mundus!
Odisti claves et grata sigilla pudico;
paucis ostendi gemis, et communia laudas,
<5> non ita nutritus. Fuge, quo descendere gestis:
non erit emisso reditus tibi. Quid miser egi?
quid volui? dices ubi quis te laeserit, et scis
in breve te cogi plenus cum languet amator.
wie dirs ergehen wird? Du wirst, so lange
du jung und etwas Neues bist, zu Rom gefallen:
doch bist du erst bis in des Pöbels schmutz'ge Hände
herabgesunken und der feinen Welt
zum Ekel worden – dann, du armes Buch,
wirst du, in irgend einem Winkel, schweigend
die Motten weiden, oder, diesen zu entrinnen,
nach Utica dich flüchten, oder gar
gebunden, wie ein Sklave, nach IlerdaUtica und Ilerda, jenes in Afrika, dieses in Spanien, ein paar Örter, die in Rom kaum durch einen andern Umstand bekannt waren, als, jenes durch den Tod des Cato, und dieses durch einen Sieg des Cäsar über die Partei des Pompejus. Es mag sein, daß die Morgenröte der Kultur damals auch in diesen barbarischen Provinzen des römischen Reichs aufzugehen anfing; aber aus dem ganzen Zusammenhang ist augenscheinlich, daß unser Dichter weit entfernt war, sich auf die Versendung nach Utica und Ilerda was zugute zu tun, wie Geßner (aus Haß gegen die Dilogie, ohne welche man den ganzen Sinn dieses Stücks verfehlt) sich gern bereden möchte.
dich senden lassen müssen. Ich, der dirs
vorhergesagt, ich lache dann dazu,
wie jener, da er seinen eigensinn'gen Esel
im Zorn in einen gähen Abgrund jagt'
und rief. so brich dir dann den Hals, weil du
so große Lust dazu hastEin eben so feiner als drollichter Scherz über seine eigne Torheit, sein Buch herauszugeben, ohngeachtet er die leidigen Schicksale, die ihm bevorstanden, vorhersah. »Ich werde dann dazu lachen, sagt er, aber freilich nur mit halbem Munde, wie jener, da er seinen Esel, der mit aller Gewalt immer an den Rand des gähen Absturzes auswich, aus Zorn endlich gar hinunter jagte. Der Esel brach nun zwar den Hals, und der Herr des Esels genoß einen Augenblick lang die Befriedigung der Schadenfreude: aber freilich nicht länger, als bis sein Zorn vorüber war, und er nun fühlte, daß der Esel zwar freilich sein Leben, aber er selbst doch immer – einen Esel dabei verloren hatte.«! – Auch noch dies
erwartet dich zuletzt, daß in der Vorstadt,
in einem abgelegnen Winkel, sich
ein alter stammelnder Schulmeister deiner
bemächtigt, und, die Rute in der Hand,
dich nötigt, seine Knaben im Syntax zu üben.
Indessen, wenn ein lauer Sonnentag
mehr Ohren um dich her versammeln wird,
Quod si non odio peccantis desipit augur,
<10> carus eris Romae, donec te deserat aetas:
contrectatus ubi manibus sordescere vulgi
coeperis, aut tineas pasces taciturnus inertes,
aut fugies Uticam aut vinctus mitteris Ilerdam.
Ridebit monitor non exauditus, ut ille
<15> qui male parentem in rupes protrusit asellum
iratus; quis enim invitum servare laboret?
Hoc quoque te manet, ut pueros elementa docentem
occupet extremis in vicis balba senectus.
Cum tibi sol tepidus plures admoverit aures,
sag' ihnen: daß ich, eines Freigelaßnen Enkel,
mit magerm Erbteil, meine Federn über
mein kleines Nest herausgestreckt – und, kurz,
was mir an Ahnen abgeht, gib mir immer
an eignem Wert, und setze noch hinzu,
ich sei den ersten Männern Roms, im Krieg
und Frieden, lieb gewesen; übrigens
von Körper klein, und vor den Jahren grau,
ein großer Freund der Sonne, schnell zum Zorn,
doch leicht und bald auch wieder gut zu machen.
Fragt etwa jemand dich nach meinem Alter,
so sprich: ich hätte viermal eilf Dezember
im Jahr zurückgelegt, da Lollius
das Konsulat mit Lepidus verwaltetd. i. im Jahr 733..
<20> me libertino natum patre et in tenui re
maiores pennas nido extendisse loqueris;
ut quantum generi demas, virtutibus addas:
me primis urbis belli placuisse domique,
corporis exigui, praecanum, solibus aptum,
<25> irasci celerem, tamen ut placabilis essem.
Forte meum si quis te percontabitur aevum,
me quater undenos sciat implevisse Decembres
collegam Lepidum quo duxit Lollius anno.
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